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Rettet den Blätterwald (7) – Heute: Playboy

In dieser losen Artikelreihe geht es um die reale Vergänglichkeit von Printpublikationen, so letztens um Galore. Diesmal steht ein Titel zum Verkauf und erlangt daher die zweifelhafte Ehre, an dieser Stelle auf seine Sinnhaftigkeit hin untersucht zu werden. Ein Titel, den der Autor dieser Zeilen bislang eh nur zweimal gekauft hatte, zur Deko für seinen Spind bei der Bundeswehr. "Alles was Männern Spaß macht" - auf gehts.

Frauenbilder, Männerbilder. Das "Fest der Liebe" also, als große Sexparty natürlich. Ein "Playmate-Adventskalender" als Beilage, recht derb anmutende Skisport-Bunnies auf dem Cover, denn es geht ja auch um "Die schönsten Skilehrerinnen des Winters". "Die 50 besten Männeruhren" als Special, "Die Wahrheit über die Piraten von Somalia" als Reportage. Ansonsten viel Weiß, na klar. Und Skier als Ohrenersatz. Schnell weg vom Cover und rein in's Heft.

BMW schaltet doppelseitig, mit dem Spruch "Freude hat ihre eigenen Regeln: Keine Regeln." Überschrift des Editorials: "Die Welt wird weiblicher!". Eigenwerbung für ein Parfüm unter dem Titel "Nie wieder Game Over". Unter dem Editorial die "Playboy-Mitarbeiter des Monats". Die Lesenden ahnen, es geht hier schwer um eine besondere Art von Leistungsprinzip.

Das Inhaltsverzeichnis, und Agassi wirbt für Uhren. "The Return Of Men" bewirbt ein Eau de Toilette. Leserbriefe (zumeist über Models der letzten Ausgaben) und Werbung für Rum. Werbung für einen Fernseher und immer wieder Parfüm und Uhren. Eigenwerbung für die HP des Blattes. Insgesamt wirkt alles recht widerlich, aber wenigstens ökonomisch professionell. Wenn bei diesem Blatt aber die Oberfläche (viel wertige Werbung, Einbindung vieler attraktiver Menschen und Namen) nicht stimmen würde, dann klappte ja auch das ganze Blatt nicht. Macht will ja schon ausgestrahlt sein. Mal schauen wie das inhaltlich transportiert wird.

In dieser losen Artikelreihe geht es um die reale Vergänglichkeit von Printpublikationen, so letztens um Galore. Diesmal steht ein Titel zum Verkauf und erlangt daher die zweifelhafte Ehre, an dieser Stelle auf seine Sinnhaftigkeit hin untersucht zu werden. Ein Titel, den der Autor dieser Zeilen bislang eh nur zweimal gekauft hatte, zur Deko für seinen Spind bei der Bundeswehr. "Alles was Männern Spaß macht" – auf gehts.

Frauenbilder, Männerbilder. Das "Fest der Liebe" also, als große Sexparty natürlich. Ein "Playmate-Adventskalender" als Beilage, recht derb anmutende Skisport-Bunnies auf dem Cover, denn es geht ja auch um "Die schönsten Skilehrerinnen des Winters". "Die 50 besten Männeruhren" als Special, "Die Wahrheit über die Piraten von Somalia" als Reportage. Ansonsten viel Weiß, na klar. Und Skier als Ohrenersatz. Schnell weg vom Cover und rein in’s Heft.

BMW schaltet doppelseitig, mit dem Spruch "Freude hat ihre eigenen Regeln: Keine Regeln." Überschrift des Editorials: "Die Welt wird weiblicher!". Eigenwerbung für ein Parfüm unter dem Titel "Nie wieder Game Over". Unter dem Editorial die "Playboy-Mitarbeiter des Monats". Die Lesenden ahnen, es geht hier schwer um eine besondere Art von Leistungsprinzip.

Das Inhaltsverzeichnis, und Agassi wirbt für Uhren. "The Return Of Men" bewirbt ein Eau de Toilette. Leserbriefe (zumeist über Models der letzten Ausgaben) und Werbung für Rum. Werbung für einen Fernseher und immer wieder Parfüm und Uhren. Eigenwerbung für die HP des Blattes. Insgesamt wirkt alles recht widerlich, aber wenigstens ökonomisch professionell. Wenn bei diesem Blatt aber die Oberfläche (viel wertige Werbung, Einbindung vieler attraktiver Menschen und Namen) nicht stimmen würde, dann klappte ja auch das ganze Blatt nicht. Macht will ja schon ausgestrahlt sein. Mal schauen wie das inhaltlich transportiert wird.

Hm. Eine Rubrik namens "Radar" will Trends für den Monat anpreisen, so eine österreichische Rocksängerin, Kraftfahrzeuge, Messer, "Tatort"-DVDs (!) und natürlich Uhren, Uhren, Uhren. Hat der Playboy-Leser ständig (Zeit-)Druck, oder was? "24"-DVDs auf einer ganzen Seite, jetzt wird’s aber etwas sehr billig redaktionell. Zitat: "Das ist die eigentliche Moral von "24": Jack Bauer ist also Mahner und Mutmacher zugleich." Like Bruce Willis never happened. Egal. Immer noch "Radar": Von der Redaktion vorgeblich ungeliebte Weihnachtssongs als Anti-Top10-Liste, Fotografen, Autos, Hunziker und warum Helmut Berger nicht mit Grace Kelly tanzte. Schlechtes Kokain machte ihn sich in die Hosen machen. Es geht weiter mit einer Designer-Geschichte und einer Kolumne über gutes Riechen (daneben Alpecin-Werbung, super!). Wer das so liest erinnert sich gerade an typische Barbie-&-Ken-Klischees, da…

… schlägt ein nacktes Hinterteil zu. Wir sind nämlich bei den angekündigten Skilehrerinnen. "Blanke Haut vor Wintergebirge" ist wohl die Grundidee der Fotostrecke. Kategorisiert sind die Damen nach Name, Alter, Stadt und Land; das Ganze gibt es selbstverständlich auch als Wandkalender zu bestellen. Fast putzig: Zur Erleichterung des "Kennenlernens" bzw. Schwärmens gibt es quasi im Nachklapp zur Fotostrecke noch kleine Steckbriefe, die dann noch zusätzlich das genaue Geburtsdatum, das Skigebiet, die Körpergröße und ein paar Zusatzinformationen preisgeben. Dann wirbt Nivea, dann die Deutsche Post, dann kommt eine "David gegen Goliath"-Geschichte reinsten Wassers: Die Reportage über die vollechten Männer, die die Piraten von Somalia sind. Was die Skilehrerinnen wohl zu denen… Schnell weiterblättern.

Roland Emmerich! Ja, Mensch! Endlich etwas Spiritualität, haha. "Ich habe keine Angst, alles zu verlieren" wurde für die Überschrift gepickt. Uh yeah, denn Freude kennt ja keine Regeln, Roland. Whisky, Parfüm, und natürlich Technik, Technik immer schön rechts platziert. Die nächste Story bietet eine Skateboard-Ikone als Identifikationsfigur, dann kommt die Story zur edel platzierten BMW-Anzeige und auch ansonsten einfach die Rubrik "Motor". Fast vergessen: Der PKW als ganz wichtiges Utensil. Welch nimmermüder Klassiker, anscheinend jeden Monat neu. Und dann natürlich iPhone-Alternativen im Test, so als modernistischer Technik-Fetisch, und als es gerade ganz schön technikversessen wird, da…

… zeigt sich eine junge Dame romantischst auf eine Art im Ambiente eines österreichischen Schlosses. Das geht ein paar Seiten lang so, dann kommen Witze und "Playmate-News". Ein Playmate von 1976 zieht sich noch einmal kurz für 2009 aus, dann kommt eine Geschichte über einen Violinisten – war der nicht letztens auch bei "Wetten Dass,…"? Gutes Management, haha. Mercedes und Opel schalten auch wie verrückt, dann geht es um "Stil", modisch bedeutet das diesmal "Doppelreiher" und in Überschriften mit Befehlssätzen als Handlungsmaximen für den Herrn ausgedrückt bedeutet das anscheinend "Seien Sie selbstbewusst!", "Verbergen Sie nichts!", "Werden Sie nicht zu breit!", "Geben Sie sich leger!", "Bewahren Sie Haltung!" und "Haben Sie keine Hemmungen!". (Bitte nicht zu viel darüber nachdenken, es widerspricht sich hier einiges!) Darunter dann noch, wie ein Doppelreiher nicht zu tragen ist. Ganz köstlich.

Es folgt eine Geschichte über halbwegs erfolgreiche Jungunternehmer, ein Leitfaden wie sich Männer in einer Parfümerie orientieren können und noch ein bisschen mehr Informationen zwischen "leichte Unterhaltung" und Produktwerbung. All das ist immer noch die Rubrik "Stil". Die Lesenden fühlen sich gerade schon halbwegs in Ludenhausen angekommen, da kommt auch noch das exorbitante "Uhren-Special" inklusive Besinnungsartikeln von Menschen wie Max Herre und Götz Otto, die erklären warum genau sie genau diese Uhr… Noch gefühlte 20 Seiten Uhren, dann Schnaps. Das ist dann aber schon die Rubrik "Lebensart" – im Gegensatz zu "Stil", aha. Es folgen einige nur wenig kaschierte Geschenktipps für Früheinkäufer, dann…

… erklärt ein Evolutionstheoretiker, warum der Mensch ein "Sex-Streber" ist, im Gegensatz zu anderen Lebewesen, die Sex für Energieverschwendung halten. Wie schön für den Playboy, dass die Herangehensweise an den Geschlechtsverkehr den Menschen zum Menschen macht, und nicht zum Beispiel das Hinterfragen-Können dubioser Thesen. Männliche Menschen bleiben nach dem Kinderzeugen bei ihrer Frau? Stimmt, Cem Özdemir zum Beispiel, naja, zumindest für sechs Wochen. Und weil Mann und Frau den Termin des Eisprunges nicht bemerken, müssen sie auch beisammen bleiben, um Fortpflanzung hinzubekommen? Das Buch des Spezial-Wissenschaftlers heißt tatsächlich "Warum macht Sex Spaß" – "Joy of Sex" hatte mensch ja schon, puh!

Es folgt ein "Flirt-Helfer", der paradoxerweise erklärt, wie mann ausgerechnet den Barkeeper zu seinem Verbündeten machen kann. Dem Autor dieser Zeilen hier fällt gerade auf, wie gut das Blatt das Ende der Tabak- und vor allem Whisky-Schaltungen alter Zeitrechnung überstanden hat. Endlich mal was zum Thema "Alkohol und Frauen" aber auch, endlich! Aber nicht vergessen: "Werden Sie nicht zu breit!".

Die Rubrik heißt ja auch "Lust" und bekommt allen möglichen Trash da reingepackt, bis der "Berater" einschreitet und Fragen be-entwertet. Schönste Frage: "Auf was für Typen stehen Frauen eigentlich?" Antwort (in Auszügen): "Sie sind zu perfekt. Das macht Frauen schnell misstrauisch. Sie fangen dann an herumzuanalysieren. (…) Machen Sie doch einmal das Experiment: Macho statt Gentleman." Genau, Frauen wollen sich überlegen fühlen, deshalb muss der Mann ein Schwein sein, oder Pirat vielleicht…

Dann noch eine Softpornostrecke, diesmal in Schwarzweiß und mit Fotoapparatfirma-Productplacement, etwas Kultur inklusive eines Interviews mit Leon de Winter ("Es sagt uns die DNA, wie wir uns zu verhalten haben, und zwar seit Zehntausenden von Jahren: Ab 13 möchten wir töten und vergewaltigen und Krieg führen, das ist, was wir in unserm tiefsten Innern wollen." – "Unsere Schulen sind nicht geeignet für Männer. Die können keine Kriege mehr führen(…), die Schulen sind perfekt geeignet für Mädchen, die sich benehmen." – "Israelische Raketen gegen arabische Schwänze: Darum geht’s."), Nick Cave’s Buch über einen Sexomanen ("Eine düstere Moritat"), Kiss ("haben alles richtig gemacht") und in der Schmuddelecke unter "Wiedergehört": "Bleach" von Nirvana ("Rotzigkeit", "verzweifelter Gesang"). Jetzt reicht’s aber so sachte! Okay, noch Woody Allen, Computerspieltipps, und ein "Schlusswort" über das Ende einer Beziehung ("Mich träfe überhaupt keine Schuld, sagten alle. Ich sei verführt worden. Ich hätte gar nicht gewusst, worauf ich mich einlasse. Ich war Deutschland, sie war Hitler. An unserer Theke ist eine Stimmung wie Ende Mai ’45. Alle sind schon immer dagegen gewesen, jetzt wo Adolf weg ist bzw. Ramona. (…) Und dann schreibt Ramona eine SMS. (…) Ich bin gerührt. Vielleicht auch nur besoffen. So eine SMS hat Hitler nicht geschickt, aber Vergleiche hinken immer. Ich guck demnächst die ganzen Dokus, in denen die Leute erzählen, wie die DDR nach dem Dritten Reich möglich war. Irgendwas muss ich meinen Jungs sagen, wenn Ramona wieder bei mir einzieht.") Keine Ahnung, welche Art neueR Partner/in dem Playboy zu wünschen ist.

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2 Kommentare zu “Rettet den Blätterwald (7) – Heute: Playboy

  • #1
    Philipp

    lieber jens,

    du tust leon de winter unrecht und zitierst seine aussagen so, dass sie platt wirken. de winter ist nicht nur ein außergewöhnlich guter schrifteller, er hat ebenso in zahlreichen essays bewiesen, dass er auch in aktuellen politischen Fragen durchblick hat und, wie sein freund henryk m. broder, sich nicht scheut, auch unangenehme themen klar und deutlich anzusprechen.

  • #2
    Jens Kobler Beitragsautor

    @Philipp: Ich zitiere ganz schön exakt und hätte jetzt nicht zwingend Beifall von dieser Seite (der Ruhrbarone) für solche Thesen erwartet. Seine Beiträge in dem Interview als „vorauseilenden Gehorsam“ gegenüber dem Magazin zu lesen wäre wohl untertrieben. Fehlt nur noch die These, er hätte nur so formuliert damit ihn Playboy-Leser auch verstehn, oder wie bitte? Sorry, ich kann diese Einschätzung nicht teilen und möchte auch nicht wählen müssen zwischen welchen Selbstdarstellern auch immer. Dissens an dieser Stelle also, aber danke für das hohe Niveau des Beitrages!

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