Ruhr Nachrichten Dortmund: Die Chefredaktion schweigt – wenn es um die Westfälische Rundschau (WR) geht

Traueranzeige_WRNach dem Aus für die Redaktionen der Westfälischen Rundschau (WR) und der Entwicklung der Westfälischen Rundschau (WR) zur „Zombie-Zeitung“ (deren Lokalteile von an sich konkurrierenden Verlagen stammen) befürchtete u.a. der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) schlimme Auswirkungen für die Meinungsfreiheit.

Die Befürchtungen scheinen sich zu bestätigen – bestimmte Themen werden in der Berichterstattung der nunmehr lokalen Monopolzeitungen anscheinend nicht mehr angesprochen. So wurde z.B. der schwarze Tag für Dortmund mit der Trauerdemonstration anlässlich der Redaktionsschließungen der WR in den Print-Ausgaben der Ruhr Nachrichten nicht thematisiert. Online gab es zwar kurze Berichte danach, aber beispielsweise auch keine Terminhinweise auf die Veranstaltungen. Was jetzt irgendwie nicht verwundert, dennoch aber zu bedauern ist.

Man mag natürlich einwerfen, dass die RN-Redaktion in Dortmund, die grundsätzlich einen guten Job macht (es ist ja nicht so, dass nunmehr die bisherigen WAZ- und WR-Leser in Dortmund einen schlechten Lokalteil bekommen – eher im Gegenteil!) darüber nicht berichten wollte, weil es nicht nur an sich um die eigene Sache ging, sondern teilweise auf den Demonstrationen und im Umfeld die RN stark kritisiert wurden (obwohl man dort natürlich nicht die Entscheidung der Redaktionsschließungen bei der WR getroffen hat).

Wie sensibel jedoch das Thema bei den RN aufgefasst wird, wird unter anderem an einigen Twitter-Dialogen zwischen dem Account @RN_Dortmund und Lesern verdeutlicht:

Da wird kritisiert, dass es de facto keine Berichterstattung über das faktische WR-Aus gab. Statt direkter Antworten gab es nur Verweise auf die Chefredaktion, die sich jedoch anscheinend auch nicht äußern will. Frei nach George Orwell oder William Randolph Hearst dokumentieren wir daher hier das, was anscheinend seitens der RN-Chefredaktion nicht unbedingt so gerne in der Öffentlichkeit thematisiert werden soll.

Als Mittel zum Zweck wird hierbei der Social Media-Aggregator Storify genutzt, den die RN Dortmund auch gerne nutzen:


(von: Jens Matheuszik)

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10 Kommentare zu “Ruhr Nachrichten Dortmund: Die Chefredaktion schweigt – wenn es um die Westfälische Rundschau (WR) geht

  • #1
    trallala

    Das riecht ja danach, als ob die RN mit dem Vertrag für die Übernahme des Lokalteils (für den sie sicherlich ordentlich Geld bekommen), gleich eine Verschwiegenheitsklausel mit unterschrieben hätten.

    Immerhin ist die WR damit ja RN Kunde, und den will man sicher nicht ans Bein pinkeln.

  • #2
    Klaus Lohmann

    Also Jens, dass diejenigen, die diese Entscheidung mit der Zombie-Zeitung rein wirtschaftlich getroffen hatten, sich jetzt nicht mehr groß in die Scheinwerfer trauen würden, war doch schon lange klar.

    Wie man allerdings jetzt diesen TU-Artikel mit der ominösen Warnung in Emails (vor was eigentlich bzw. mit welchem Hintergrund???) mit der WR-Schließung in Verbindung bringen kann, entzieht sich selbst meinen ansonsten abenteuerlichsten Spekulations-Synapsen…

  • #3
    Rober Müser

    Sehr interessant zu sehen, wie diese Anfragen beantwortet werden 🙁

    Da freue ich mich doch jetzt noch mehr auf den Dortmunder Teil der Ruhrbarone 🙂

  • #4
    Po Saunus

    Hallo Jens, ein sehr guter Doku-Job, den du da gemacht hast – Danke! Auch wenn diese zensürliche Sachlage leider nicht überrascht.

  • #5
  • Pingback: Westfälische Rundschau (WR): Die Chefredaktion von @RN_Dortmund schweigt » Pottblog

  • #7
    Jens Matheuszik Beitragsautor

    @Trallala (1):
    Das könnte es sein.

    @Klaus Lohmann (2):
    Grundsätzlich stimme ich Dir zu. Aber erst die Möglichkeit Fragen zu stellen anzubieten bzw. die Möglichkeit sich an die Chefredaktion zu wenden und dann dort auf Granit zu stoßen ist doch eher befremdlich.

    Das mit der TU Dortmund ist in Zusammenhang mit den Zitaten zu sehen. Sinngemäß heißt es ja, dass Journalismus das wäre, das zu drucken bzw. zu veröffentlichen, was andere nicht gedruckt/veröffentlicht wissen wollen. Alles andere wäre PR.
    Daher habe ich beschlossen hier den Vorgang mit der Chefredaktion zu dokumentieren – denn das das nicht so gewünscht ist, sieht man ja an dem gelöschten Tweet (und ich vermute, dass da mehr als nur ein Tweet gelöscht wurde, habe aber sonst glaube ich keine Screenshots mehr).

    @Robert Müser (3):
    Man könnte ja mal „crowd sourcing“ machen, was Antworten wären.

    @Po Saunus (4):
    Nein, überraschend ist es leider nicht. Da ist ja inzwischen selbst die WAZ-Mediengruppe entspannter…

  • #8
    Klaus Lohmann

    @Jens – Kurz nochmal wg. TU, da fehlt mir jetzt einfach eine klare Ansage, wenn pflichtlektuere.com schreibt: „Ein Bericht des Blogs ruhrbarone.de, nach dem Studenten aufgefordert worden seien, auf Anfragen der Ruhr Nachrichten ausschließlich schriftlich zu antworten, konnten im Zuge unserer Recherche nicht bestätigt werden.“

    Wenn da also nix war, dann kann man sich auch auf nix beziehen und keine Zusammenhänge herstellen, oder?

  • #9
    Jens

    @Klaus Lohmann (8):
    Der obige Artikel wurde geschrieben, bevor ich den pflichtlektuere.com-Artikel kannte (wenn nicht sogar: „bevor es ihn gab“).

    Aber deren Aussage, wonach sich diese Aussage nicht bestätigen ließ, lässt immer noch offen, dass sich die Aussage auch nicht definitiv widerlegen ließ.

    Und im Grunde genommen ist das mit der TU und der kolportierten Aussage in Bezug auf die RN egal, denn das mit den Zitaten bezog sich ja auf die vermutete „besondere Behandlung“ der Berichterstattung. Der entsprechende Tweet von Philipp Ostrop von den Ruhr Nachrichten passt meiner Meinung nach sehr gut in den Kontext wie die RN über die WR berichtet. Egal ob jetzt der mutmaßliche Grund für den Beitrag von Philipp Ostrop (TU/RN) richtig ist oder nicht.

  • #10
    Walter Stach

    Was zwischen Verlagen/Redaktionen und zwischen Redakteuren/Journalisten lost ist, los sein kann: sh dazu auch www.kontext-wochenzeitung.de , Anna Hunger: Kommentar „Anonyme Helden;16./17.2.

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