Ruhrbarone-Autoren zur anstehenden Wahl des US-Präsidenten

Das Weiße Haus (Foto: Roland W. Waniek)
Das Weiße Haus (Foto: Roland W. Waniek)

Die Wahl des US-Präsidenten in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (unserer Zeit) wirft ihre Schatten voraus. Wer wird sie am Ende gewinnen? Herausforderer Joe Biden oder Amtsinhaber Donald Trump?

Natürlich lässt das Thema auch die Ruhrbarone-Autoren nicht kalt. Wir haben daher einmal ein paar aktuelle Stimmen eingesammelt und stellen sie hier unserer Leserschaft zur Diskussion.

Peter Hesse: Nach einer stabilen Entwicklung der US-Wirtschaft während der ersten drei Amtsjahre von Donald Trump schlug die Corona-Pandemie in Amerika besonders hart zu. Die Trump-Regierung musste mit einer Arbeitslosenquote von 14,7 Prozent im April 2020 einen Rekordwert verzeichnen: den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Lage bleibt im Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“ angespannt – und so rücken im Covid-19-Nebel die Themen Gesundheit, Wirtschaft und Arbeitsmarktpolitik weiter in den Fokus. Gleichzeitig steht nach dem Tod des Schwarzen US-Amerikaners George Floyd durch Polizeigewalt das Thema des strukturellen Rassismus in den USA weit oben auf der Wahlkampfagenda. Aber was ist überhaupt die Hauptaufgabe eines Staates? Johannes Rau, der große Mann der SPD und spätere Bundespräsident, nannte das immer: „Versöhnen statt Spalten!“ Gesellschaften zu befrieden und auf Augenhöhe mit dem unübersichtlichen internationalen Umfeld diplomatisch zu verhandeln gehören ganz klar zum Aufgabenfeld der politischen Administration. Nur narzisstisch gesteuerte Populisten wie Donald Trump haben eine andere Auffassung von ihrem Job. Sie produzieren Instabilität, Unsicherheit und lügen am laufenden Band. So wird die Rechtsordnung und die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten immer weiter ausgehebelt. Diese US-Präsidentschaftswahl wird je nach Ausgang eine wichtige Signalwirkung haben. Denn bei einer Wiederwahl von Trump wird dieser das Gaspedal des Populismus weiter mit Vollgas durchgetreten. Mit Sicherheit ist Joe Biden kein idealer Kandidat, die USA zu einer selbstkritischen Korrektur zurückzuführen. Aber er ist auch keiner, der sich wie ein betrunkener Elefant im Porzellanladen aufführt.

Robin Patzwaldt: Ich kann mich persönlich für beide Kandidaten nicht wirklich begeistern. Klar, im Duell zwischen Biden und Trump würde ich auch Biden als Wähler klar vorziehen. Was Trump da seit Jahren abliefert, muss einen einfach befremden. So schlimm hatte ich das bei seinem Amtsantritt nicht vermutet. Ich habe zuletzt einige Dokus im TV über das Leben von Trump gesehen, da kam er eigentlich immer noch ganz sympathisch und clever rüber. Leider hat er das als Präsident nicht gezeigt. Daher würde ich ihn jetzt eben gerne auch abgewählt sehen. Ob das geschieht, da bin ich mir aber gar nicht so sicher. Die jüngsten Umfragen haben Trump wieder näher dran gesehen. Und das US-Wahlsystem hat da in der Vergangenheit ja schon häufiger Überraschungen bereitgehalten. Ich will, so oder so, hoffen, dass die befürchteten Ausschreitungen nicht stattfinden werden. Die Bilder der vergangenen Tage müssen für uns Mitteleuropäer ja schon beängstigend wirken. Wollen wir hoffen, dass es nicht zu Krawallen kommt. Wie immer auch das Ergebnis ausfallen wird.

Sebastian Bartoschek: Selten habe ich so aufmerksam auf eine Wahl geschaut, und gleichzeitig so keine klare Meinung dazu gehabt, was passieren wird. Joe Biden liegt vorne – in den Umfragen. Wir haben bei Hillary Clinton, haben beim Brexit gelernt, wie wenig Umfragewerte wert sein können. Und so gilt es für mich abzuwarten, was der heutige Tag, was die heutige Nacht, und was die folgenden Tage bringen. Ich glaube an die USA. Ich glaube daran, dass der Verlierer das Wahlergebnis wird anerkennen müssen. Sollte Trump verlieren, und so viel erscheint mir sicher, wird dies nicht ohne Verwerfungen über die Bühne gehen – sei es durch sein eigenes Handeln oder durch ihn bereits im Vorfeld getriggerte Gruppen. Von außen betrachtet sind die USA derzeit ein tief gespaltenes Land. Auf beiden Seiten der Pole stehen nun Kandidaten, die mich nicht zu überzeugen können, und auf der republikanischen Seite der Amtsinhaber, der mich besonders wenig überzeugt. Ich kann den US-Amerikanern nur wünschen, dass es dem Präsidenten gelingen wird, und dass er ein Interesse daran haben wird, in den nächsten vier Jahren die Spaltung des Landes zu überwinden, und dass die USA einen Weg raus aus der isolationistischen Politik finden. Und ja, ich glaube, dass dieser Weg eher mit Biden als mit Trump zu gehen ist. Die Welt braucht eine verantwortungsvolle, starke, rational agierende USA, die die Werte des Westens hochhält!

Stefan Laurin: Harter Kurs gegen China und den Iran, das Verhältnis zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn entspannt sich im Wochentakt. Aussenpolitisch waren die vier Jahre Trump ein Erfolg – wie groß sein Anteil daran war, ist allerdings offen. Dass er die Sicherheit Europas nicht finanzieren will, kann man ihm nicht vorwerfen, da sind wir Europäer in der Pflicht. Innenpolitisch hat Trump zur Spaltung der USA beigetragen, er ist kein Konservativer alter Schule, sondern eine Reaktion auf die Identitätspolitik der Demokraten, ein Symbol der Eskalation. Die USA zu einen, wird eine Aufgabe sein, die er nicht bewältigen kann. Dafür dürfte ihm auch das intellektuelle Format und der moralische Kompass fehlen. Wenn man sich mit Trump beschäftigt und ein paar der vielen Bücher über ihn gelesen hat, bekommt man das Gefühl, im Weißen Haus säße eine Mischung aus Gangster und Glücksspieler. Wie die Wahl ausgeht? Dafür fehlt mir jedes Gefühl. Lassen wir uns überraschen.

Kaya Gercek: Mag der Bessere gewinnen… Wenn ich ehrlich bin, ist es mir egal, wer der nächste amerikanische Präsident wird. Nur eins ist gewiss, besser oder schlechter wird es nicht werden in den USA. Wie sollten sie es auch schaffen, die gesellschaftlichen Brüche zu überwinden, die an den Linien von arm und reich, weiß und schwarz, Kapital und Crack verlaufen – jedenfalls nicht mit ihrem repräsentativen Zweiparteiensystem.

Aufgrund eines antiquierten Wahlsystems, das nicht den Menschen, sondern den Bundesstaaten Geltung verschafft, kann von einer wirklichen demokratischen Teilhabe nicht gesprochen werden. Ja, das es so ist, hat mit der amerikanischen Geschichte zu tun. Es hat mit dem Bürgerkrieg, mit der Sklaverei, mit dem amerikanischen Größenwahn zu tun, dass der amerikanische Kapitalismus Freiheit verspricht. Nur war der von Anfang an der Fehler, dass nicht Freiheit für, sondern Freiheit von versprochen wurde. Und das bedeutete meist, für den Einzelnen nicht viel; es sei denn, man wurde Millionär. Mit Geld lässt sich bekanntlich in den USA und auch anderswo einiges bewegen.

Für einen Demokraten ist es ein Skandal, dass nicht der Präsident wird, der die meisten Wählerstimmen, sondern die meisten Wahlmänner (Bundesstaat) gewinnt. Auch das Zweiparteiensystem bedeutet häufig die Wahl zwischen Pest und Cholera. So sind Figuren wie Trump eigentlich nicht unbekannt in der amerikanischen Geschichte. Auch sie wurden überwunden. Nur grundsätzlich geändert hat sich daran nichts.

Gespannt sein darf man, was passieren wird, wenn Trump nicht weichen will. Das verspricht jedenfalls eine Menge Unterhaltung in diesen Zeiten. Wie gesagt, ob Trump oder Biden gewinnt ist mir egal. Überhaupt nicht egal ist mir, dass deswegen Menschen sterben können.

America keep distance & vote good.

Robert Herr: Trump verliert Texas.

Dir gefällt vielleicht auch:

3 Kommentare

  1. #1 | Walter Stach sagt am 3. November 2020 um 14:06 Uhr

    Gewählt wird in einer kaputten Demokratie.

    -sh. dazu z.B. einen Beitrag von heute bei SZ-online-.

    (Das Wahlsystem kann nur als " stark " eingeschränkt demokratisch bezeichnet werden.
    Systematischer Wahlbetrug ist an der Tagesordnung.
    Unbeschränkte Wahlspenden in monströser Höhe kennzeichnen das System als plutokratisch.

    Das alles hat u.a. dazu beigetragen, daß die USA im Demokratie-Index des Times-Magazins " nur "
    auf Platz 25 rangieren und insofern außerhalb der Kategorie "vollständiger Demokratie".)

    Warum diese Anmerkung meinerseits?

    Für mich ist unbegreiflich, warum u.a. in Deutschland unverdrossen die USA als Musterland, als Vorbild gelten, wenn es um die "Beschreibung/die Erfassung" demokratischer Gesellschafts- und Staatsordnungen geht.

    Für mich ist unbegreiflich, warum die USA immer wieder lautstark und ergänzt durch "Drohgebärden" andere Staaten als undemokratisch anprangern, wohlwissend, daß sie sich damit des begründeten Vorwurfes der Unglaubwürdigkeit aussetzen.
    ("Wo bleiben die "Wahlbeobachter" z.B. der EU?????")

    Nicht nur das Wahlsystem und die Praktiken im Wahlkampf sowie,der bisherige Ablauf der Wahlen -ganz unabhängig von ihrem Ausgang- und die Drohungen des amtierenden Präsidenten mit "Maßnahmen" für den Fall, daß er nicht gewählt werden sollte, machen mich sehr , sehr nachdenklich, wenn es um Betrachtungen über die Zukunft demokratischer Gesellschafts- und Staatsordnungen weltweit geht ,z.B. in Konkurrenz zum sog. "chinesischen Modell", sondern letztendlich die tiefe Zerrissenheit einer Gesellschaft, die zunehmend unfähig zu sein scheint, sich zumindest auf einige wenige Prinzipien/Idee/Ziele zu verständigen. Und Letzteres , so scheint es derzeit, wird weiter eskalieren, egal wer die Wahl gewinnt.

    Nun könnte ich mit alldem distanziert umgehen, da es hier um Probleme geht, die die US-Gesellschaft und den US-Staat betreffen, die dort begründet , die dort zu bewältigen und dort zu lösen sind, da ich prinzipiell den Standunkt vertreten, daß "man" innere Angelegenheiten anderer Gesellschaften/anderer Staaten grundsätzlich diesen zu überlassen hat, aber…….
    Was sich in der US- Gesellschaft und im US- Staat "abspielt" -wirtschaftlich, kulturell, sozial, "politisch" – hat in aller Regel Auswirkungen auf die Gesellschaften und Staaten in Europa, also auch auf Deutschlandland . Und das hat m.E. nur sekundär mit der Person des "neuen (alten? ) Präsidenten zu tun , sondern primär mit dem von mir umschriebenen Gesamtzustand der US-Gesellschaft . u.a. mit dem Zustand der Demokratie,

    PS
    Dass mein "Wunschkandidat" Briden heißt, muß ich hier nicht näher begründen -versteht sich von selbst-.

  2. #2 | ccarlton sagt am 3. November 2020 um 15:31 Uhr

    Wir sollten nicht mir dem Finger auf die USA zeigen.

    Der Bundestag ist durch Ausgleichs- und Überhangmandate weit über das zulässige Maß aufgebläht. Es besteht keine Bereitschaft das zu ändern, aber zur Finanzierung von Wahlkämpfen greifen die Politiker dem Steuerzahler nur zu gerne in die Tasche. Vorreiter in Sachen der hohen Moral ist Deutschland sowieso.

  3. #3 | Helmut Junge sagt am 3. November 2020 um 18:35 Uhr

    " Innenpolitisch hat Trump zur Spaltung der USA beigetragen, " (Laurin)
    Genau das weiß ich nicht, denn m.E. war die Spaltung da, und nur er hat den Riß gesehen und für seine Zwecke benutzt. Kitten wird er ihn nicht, solange er ihn braucht.
    Da ich von Biden in all den Monaten nichts über sein Programm lesen konnte, falls er eins hat, stellt sich für mich die Frage, warum die Amerikaner ausgerechnet ihn wählen sollen. Aber gut, das ist nicht mein Problem. Und all die Schlaumeier von Berichterstattern haben nichts von dritten, vierten Kandidaten gesagt. die müßte es aber geben. So einen würde ich wählen. Stimme verschenken, oder früher haben sie gesagt, Stimme der SPD "wegnehmen". Genau das haben die SPD-Wähler in meiner Familie gesagt. Als wenn meine Stimme der SPD gehören würde. Also Trump nicht und Biden auch nicht. Also eigenlich Biden die Stimme "wegnehmen". Meine entfernten Verwandten in Pittsburgh Pennsylvania, habe ich im Verdacht, daß die Trump wählen werden. Aber warum? Welcher Auslandskorrespondent weiß das schon? Die haben Angst vor Jobverlust und Abstieg.
    Nur, wenn diese technische Oberschicht den Trump wählt, gewinnt der Pennsylvania und damit vielleicht die Wahl. Dann stellen wir die Frage, was hat Biden denen zu bieten, daß sie ihn wählen? Was hat er zu ihren Jobsorgen gesagt? Darauf kommt es an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Werbung