6

Ruhrgebiet: “Die Visionen machen insgesamt wenig Mut”

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran! (Fehlfarben)

Unser Gastautor Klaus R. Kunzmann über das neu erschienene Buch “Stadt der Städte. Das Ruhrgebiet, und seine Umbrüche”

Das Ruhrgebiet, einst das mächtige Kohle- und Stahlrevier Europas hat trotz jahrzehntelanger öffentlicher Subventionen bis heute den strukturellen Wandel von einer starken Industrieregion in eine wirtschaftliche florierende und international wettbewerbsfähige Stadtregion nicht geschafft. 2018 endete der Steinkohlenbergbau und Stahl wird nur noch in geringen Mengen in der Region produziert. Immer wieder machen Studien auf die strukturellen Probleme des Ruhrgebiets aufmerksam. Erst kürzlich hat eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft das Bild der schwächelnden Region gezeichnet. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, Schulden erdrücken die Gemeinden, die Infrastruktur ist veraltet (FAZ vom 9-August 2019.) Viele Indikatoren zeigen, dass das Ruhrgebiet hinter der Entwicklung anderer Stadtregionen zurück geblieben ist. Dabei darf nicht übersehen werden, dass es das Ruhrgebiet besser geschafft hat, den strukturellen Wandel sozialverträglich zu bewältigen als andere vergleichbare Industrieregionen in Europa und in den USA. Doch es ist paradox: Viele Bewohner der Region schätzen die hohe Lebensqualität in den 67 Städten und Gemeinden des Ruhrgebiets. Trotzdem kehren viele Junge Menschen der Region nach Abschluss ihres Studiums den Rücken.

Die Gründe für den Niedergang der industriellen Region zwischen Duisburg und Dortmund, zwischen Hagen und Marl. sind immer wieder beschrieben worden: das schlechte internationale Image der Region, der dunkle Himmel über der Stadtlandschaft, die Macht und die Bodenblockade der großen  Konzerne, der mangelnde Gründergeist, der vergleichsweise geringere Bildungsgrad  der Bevölkerung, eine wenig attraktive Stadtlandschaft, das Fehlen überregional bedeutsamer Medien, die Selbstzufriedenheit der politischen Klasse, die Hegemonie der Sozialdemokratie und ihre wertkonservative Haltung, der permanente Konkurrenzkampf der großen Ruhrgebietsstädte, die mangelnde Internationalisierung der Region in Zeiten der Globalisierung.  die chronische Schwäche des Regionalverbandes Ruhrgebiet, auch das Desinteresse der Landesregierung in Düsseldorf an einer zu  starken Metropole. Letztlich vielleicht auch die geringe Außenorientierung des Ruhrgebiets. Die hat historische Wurzeln. Wer in Europa Kohle, Stahl und Energie brauchte der kam ins Ruhrgebiet um es zu kaufen. Die Region musste seine Produkte nicht anpreisen, kaum vermarkten.

Viele Bücher haben das Ruhrgebiet beschrieben ( zum Beipiel Prossek et al. 2009; Reicher et al. 2011), haben den Aufstieg und den Niedergang und die Umbrüche der Region unter die Lupe genommen. Viel erreicht und wenig gewonnen ist der treffende Titel eines Buches, das das Zurückbleiben der Region hinter der allgemeinen Entwicklung Deutschlands trotz jahrzehntelanger Subventionen des Landes und des Bundes besonders treffend beschrieben hat (Bogumil et al. 2017).  Nun haben vier Autoren, eine Gemeinschaftsproduktion von vier Professoren, drei Historiker und ein Geograph, die die Liebe zum und die Sorge um das Ruhrgebiet eint, einen neuen Anlauf genommen, um ein positiveres Bild der Region zu malen. Das Ergebnis: viel bekannte und weniger bekannte Geschichte , eine umfassende Bestandaufnahme, aber nur zaghafte Ausblicke in die Zukunft. Stadt der Städte ist der neue Slogan der Region. Ruhrstadt und Metropole Ruhr waren als Markenzeichen nicht wirksam und glaubhaft (Zöpel 2003; Kunzmann 2013).

In 15 Abschnitten informieren 72 AutorInnen, sie alle sind ausgewiesene Kenner der Region, auf 608 Seiten in kurzen Beiträgen über die Geschichte und die  Gegenwart der Region. Sie handeln von Geologie und Naturraum, den industriellen Aufschwung, über Bergbau, Wirtschaft, Technik und Soziales, über Eisen und Stahlwirtschaft Technik und Soziales, über den aktuellen, noch verbliebenen industriellen Komplex Ruhrgebiet, über  Stadt- und Industriegesellschaft, den regionalen Strukturwandel, die Wandlungen des politischen Systems,. den sozialen und kulturellen Wandel, über Bildung, Wissenschaft und Forschung , Infrastruktur, Verkehr und Wohnen, Kultur (auch Sport) und Regionalbewusstsein. Die Themenvielfalt ist beeindruckend. Alle Beiträge weisen auch auf weiterführende Literatur hin.

Doch viele Beiträge im ersten Teil des Bandes beschreiben was schon Hunderte von Büchern über das Ruhrgebiet getan haben. Sie erklären in kurzen Kapiteln, warum das Ruhrgebiet zu einer  bedeutenden Industrieregion geworden ist. Hier findet der Leser des repräsentativen und schwergewichtigen Bandes Bekanntes, aber auch viel Neues. Besonders lesenswert sind beispielweise die Texte von Renate Kasdorff-Viehmann   Städtebau und Stadtplanung vom 19.Jahrhundert bis zur Zwischenkriegszeit ( S. 243-261) und von Hans-Ulrich Wehling Phasen, Programme und Zielsetzungen des Strukturwandels  (S. 243- 259). Das Ende der einflussreichen, industrieverbundenen Wohnungswirtschaft beschreibt Michael A: Kanther (S. 282-286). Weitere Beiträge beschreiben die vielfältigen strukturellen, wirtschaftlichen, sozialen, und kulturellen Dimensionen und Herausforderungen der regionalen Entwicklung dieser polyzentrischen Stadtlandschaft. Die Wissensregion Ruhr, die vor über 50 Jahren mit dem Bau von neuen Universitäten in Dortmund, Bochum, Duisburg und Hagen ihren Anfang nahm, wird ausführlich vorgestellt (S. 399-442). Die wirtschaftliche Bedeutung der Wissensindustrien für die Region  beschreiben Bernd Kreigensmann, Matthias Böttcher und Torben Lippman (S. 439-441. Die geringe Bedeutung des Regionalverbands Ruhrgebiet (früher Siedlungsverband Ruhrgebiet bzw, Kommunalverband Ruhrgebiet) für die regionale Entwicklung  wird in dem kurzen Beitrag von David H. Gehne deutlich (S. 542-545) Der Autor scheint dabei skeptisch zu sein, ob das 2020 neu institutionalisierte Regionalparlament daran etwas ändern wird.

Unter dem vorsichtigen Titel  Die andere Metropole: Geschichte der Zukunftsvisionen  „ präsentiert der Band ( S. 533-576) keine wirtschaftlichen Zukunftsvisionen, sondern Reflexionen einzelner Autoren, wie die Region in der Vergangenheit sich auf eine andere Zukunft eingestellt hat. Das Beispiel der Opelwerke in Bochum (S. 552-556) spiegelt  die handlungspolitischen Optionen sehr gut wieder. Dort wurden quasi über Nacht und gegen den Widerstand der regionalen  Wirtschaft, die Opelwerke angesiedelt, die zeitweise über 20.000 Arbeitsplätze anbieten konnten. 2015 wurden sie wieder geschlossen. Nun wird ein Teil des Geländes in ein DHL Logistikzentrum umgewandelt.

Die Zukunft des Ruhrgebiets wird in manchen Beiträge angesprochen, aber die Visionen machen insgesamt wenig Mut. Wer also wissen möchte, welche Zukunftschancen die Region hat, muss sich selbst ein Bild machen und diese Zukunft selbst entwerfen.. Aber vielleicht regen drei Beiträge dazu an.  Oliver Keymis, der Vizepräsident des Landtags von Nordrhein-Westfalen schreibt “ wir brauchen die Träume und Visionen der Menschen. Nur als Kultur-, Kreativ und Wissensgesellschaft  haben wir eine Chance auf einen zukunftsfähigen Wandel. Der Beitrag von Ralf Ebert Kulturwirtschaft hat Zukunft (S. 294-298)  gibt dazu empirische Hinweise, rät aber zur Konzentration auf wenige Kreativstandorte an attraktiven Quartieren mit Aufenthaltsqualität. Kultur, Entertainment und Olympische Spiele werden immer wieder  als Hoffnung für die Region formuliert. Die IBA hat Unterhaltung geliefert und die Ruhr Triennale ins Leben gerufen, die in den von der IBA geretteten Leuchttürmen der Industriekultur ungewöhnliche Spielstätten gefunden hat. Doch Stefanie Carp, die Intendantin der Ruhr Triennale bedauerte erst kürzlich in  einem Interview, dass sich viele Menschen aus der Region von dem Kulturangebot gar nicht angesprochen fühlen. Und da Olympische Spiele aus finanziellen und kommerziellen Gründen nur noch an Weltstädte vergeben werden, hat das Ruhrgebiet ohnehin kein Chance.

Auf der Grundlage vorsichtiger Analysen der Schwächen des Ruhrgebiets bedauern Frank Baranowski (S. 591-593), der Bürgermeister von Gelsenkirchen, einer vom Strukturwandel besonders betroffenen Stadt des Ruhrgebiets, und Claus Leggewie, der ehemalige Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen (586-590) vor allem die Machtlosigkeit der „Metropole “Ruhr und fordern starke selbstbewusste Städte.

Schon in ihrer Einführung plädieren die Autoren für forcierte Investitionen in die Menschen, die der Strukturwandel der letzten Jahrzehnte nicht nur um den Arbeitsplatz, sondern auch um zentrale gesellschaftliche Teilhabechancen gebracht hat, für eine bessere interkommunale Kooperation und funktionale Differenzierung der Kommunen denn., so schreiben sie, nur die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in den Städten kann eine Wende einleiten. Sie sind auch der Meinung, dass Infrastrukturinvestitionen neu Urbanität im Ruhrgebiet schaffen können.

Wo das Ruhrgebiet heute steht, beschreibt Rolf G. Heinze in seinem lesenswerten zusammenfassenden Abschnitt ( S. 577-585). Aber auch er hat nicht den Mut zu sagen, dass in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung das Ruhrgebiet seine alte Bedeutung nicht wieder gewinnen kann und sich damit abfinden muss, eine moderne. lebenswerte Region zu sein. Seine Empfehlungen für die Zukunft des Ruhrgebiets Urbanität schaffen, Wissensstandorte aufbauen, Kultur fördern und regionale Kooperation verstärken sind alte Rezepte, die sich bislang als durch politisches Handeln wenig beeinflussbar erwiesen haben.

Mancher Kenner der Region wird sicher auch Lücken in diesem geschichtslastigen Band feststellen. Die IBA Emscher Park wird zwar erwähnt, aber in ihrer Bedeutung nicht wirklich gewürdigt. Dies gilt auch für Rolle der Emschergenossenschaft für die Renaturierung der Emscher und die Entwicklung des Emscher Landschaftsparks, die  geringe Neigung der regionalen Unternehmen und Meinungsführer, Umweltthemen als wirtschaftliches Potential zu nutzen. Auch die Herausforderungen einer nachhaltigen Regionalpolitik hätten deutlicher zur Sprache kommen müssen. Das mit großen Ambitionen gestartete Innovationsprojekt Bottrop bleibt unerwähnt. Auch die Rolle des Duisburger Hafens als Endpunkt der Chinesischen Seidenstraße wäre ebenso einen Beitrag in diesem Band wert gewesen, wie das Verhältnis der Region zur Europäischen Union. Die Innensicht  überdeckt die Außenwahrnehmung.

Der Band schließt mit einem Beitrag von Andreas Rossmann. Darin macht er auf einen besonders wunden Punkt aufmerksam, auf die innenorientierte Medienlandschaft der Region, die keine Bilder der Region nach außen trägt. In der Tat, weder in den ICE Zügen, die das Ruhrgebiet durchqueren, noch in den Fluglinien, die auf dem Düsseldorfer Flughafen landen, wird die Tageszeitung des Ruhrgebiets nicht ausgelegt. Und Andreas Rossmann resümiert die umfangreiche innenorientierte Materialsammlung zur Geschichte und Gegenwart der Region mit dem Ruf nach neue Bildern, Bilder die über die des industriellen Erbes hinausreichen. Diese Bilder zeigt der Band noch nicht, er zeigt vielmehr, wie stark die Montangeschichte der 11 Städte und vier Kreise des Ruhrgebietes noch immer auf der Region lastet. Die Stätten der Industriekultur und die Kunstprojekte der IBA Emscher Park auf den begrünten Bergehalden haben  zwar neue Bilder des Ruhrgebiets geschaffen, letztlich aber doch nur wenige Arbeitsplätze für die regionale Bevölkerung.

Der gewichtige Band wird nicht viel an dem schlechten Image der Region in Deutschland und darüber hinaus ändern können. Die innovativen Investoren, die das Ruhrgebiet in Zieten der Digitalisierung braucht, werden den Band nicht in die Hände nehmen, um neue Ideen für ihre Unternehmen in der Region zu gewinnen. So bleibt nur die Hoffnung, dass die neuen Start-ups der Region, die aus den Universitäten und Technologiezentren des Region Dortmund, Essen, Bochum, Gelsenkirchen und Duisburg kommen, die zukünftigen Motoren einer neue Gründerzeit im Ruhrgebiet sein werden. Die Zukunft wird zeigen, ob eine neue Generation von Gründern aus der Region so viel Liebe zu ihrer Heimat  hat, dass sie in der Region bleiben möchte um das Ruhrgebiet neu zu profilieren. so wie es die Gründer des 19. Jahrhunderts, das Ruhrgebiet zu einer starken modernen polyzentralen Stadtregion zu machen. Wer seine geschichtlichen Kenntnisse über das Ruhrgebiet auffrischen und sich ein breites bild über die Potenziale und Herausforderungen des Ruhrgebiets In Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung machen möchte, der findet in dieser breiten Zusammenschau jedenfalls viele lesenswerte  Hinweise.

Farrenkopf, Michael, Stefan Goch, Manfred Rasch und Hans-Werner Wehling. Hg.      (2019) Stadt der Städte. Das Ruhrgebiet, und seine Umbrüche. Essen:    Klartext.  608 Seiten.

Literatur

Bogumil, Jörg, Rolf G. Heinze,  Franz Lehner  (2012) Viel erreicht – wenig gewonnen: Ein realistischer Blick auf das Ruhrgebiet. Essen:  Klartext.

Kunzmann, Klaus R. (2009 ) Welche Zukunft hat das Ruhrgebiet? Sechs Szenarien für 2035 und danach In. Prossek, Achim, Helmut Schneider, Horst A. Wessel, Burkhard Wetterau und Dorothea Viktorin, Hg. Atlas der Metropole Ruhr Vielfalt und Wandel des Ruhrgebiets im Kartenbild. Köln. Emmons Verlag.

Kunzmann, Klaus R. (2011) Die Internationale Wirkung der IBA Emscher Park. In: Reicher, Christa, Lars Niermann und Angela Uttke, Hrsg. , Internationale Bauausstellung Emscher Park: Impulse, lokal, regional, national, international. Essen, Klartext. 168-183.

Kunzmann, Klaus R. (2011) Planification prospective pour une region (non)metropolitaine. L’example de la Ruhr. In: Zepf, Marcus, Andres Laurens, Eds.  (2011) Enjeux de la planification territoriale en Europe. Espace en société logique territoriale. Lausanne, pp, 141-162.

Kunzmann, Klaus R. (2013) Ruhrgebietslied, In: Meine Pieter van Dijk, Jan van der Meer and Jan van der Borg (eds.) From urban systems to sustainable competitive metropolitan regions. Essays in honor of Leo van den Berg”, Erasmus University Rotterdam, 71-91.

Prossek, Achim, Helmut Schneider, Horst A. Wessel, Burkhard Wetterau und Dorothea Viktorin, Hg. (2009) Atlas der Metropole Ruhr Vielfalt und Wandel des Ruhrgebiets im Kartenbild. Köln. Emmons Verlag, 2009.

Reicher, Christa, Klaus R. Kunzmann, Yasemin Utku, Jan Polivka, Frank Roost, Michael Wegener. Hg. (2011) Schichten einer Region: Kartenstücke zur räumlichen Struktur des Ruhrgebiets. Berlin, Jovis.

Zöpel. Christoph (2006) Weltstadt Ruhr Essen: Klartext,

RuhrBarone-Logo

6 Kommentare zu “Ruhrgebiet: “Die Visionen machen insgesamt wenig Mut”

  • #1
    Peter Erik Hillenbach

    Wenigstens für einen Umstand möchte ich mich aus tiefstem Herzen bedanken: dass man in den ICEs und Fliegern nicht „die Tageszeitung des Ruhrgebiets“ auslegt; man müsste sich ja zu Tode schämen.
    Ansonsten lassen mich Rezension und besprochener Band ratlos zurück: Alles stimmt, vor allem die Rolle der Wertkonservativen (nur: Was für Werte bewahren die eigentlich heutzutage so?), aber es stimmt auch diese generelle Visions- und Zukunftslosigkeit.
    Können wir nicht einfach weiter unsere Flüsse renaturieren, die Siedlungen rückbauen und die Pumpen abschalten und die Region um 2050 für menschenleer erklären? Danke.

  • #2
    abraxasrgb

    Hallo Klaus Kunzmann,
    so weit, so gut. Im ersten Satz steckt schon die Krux: Nicht "trotz" der Subventionen, sondern genau wegen der Subventionen hat das Ruhrgebiet den turn around (noch) nicht geschafft.
    Sicher ist der Abstieg durch die "Sozialpolitik" gebremst worden, aber die Talsohle ist definitiv noch nicht erreicht. Dafür ist die Kraft, die in der "kreativen Zerstörung" (Schumpeter) steckt bwz. hätte stecken können, im Keim erstickt worden und die Investitionen sind woanders hingeflossen.
    Das trifft weniger auf die Wirtschaft, als auf das Mindset der Politik und Verwaltung.
    Das Ruhrgebiet ist eben nicht mehr Produzent von Wertschöpfung, sondern nur noch Konsument.
    Den reaktionären Romantiker Rossmann als Referenz zu nehmen, hat echt Chuzpe 😉
    Den "brain drain" der intelligenten Talente, der durch die Gründung der Universitäten nur verstärkt wurde, merkt man hier auch im Alltag #scnr
    Das tolle Image der Ruhrgebiets? Echt jetzt? Mit dem Spruch, woanders iss auch Scheiße … macht man sich ja wirklich Freunde 😉
    Das bedingungslose Grundeinkommen gibt es doch hier schon in Politik und desillusionierter Verwaltung …
    PS: Ich lebe auch noch hier, aber nur emotional begründet bzw. verbunden, rational wäre ich schon lange weg … vermutlich gehöre ich auch zu den romantischen Verlierern …

  • #3
    ke

    Wir haben seit Generationen in Großbetrieben oder in der Verwaltung gearbeitet. Von wem sollte das Gründer-Gen vererbt worden sein? Wir haben kaum selbständige Landwirte, Handwerker etc.
    Ärzte, Anwälte, Apotheker etc. leben ihre Selbständigkeit ja eher in einem geschützten Biotop mit Garantiepreisen und hohen Eintrittsbarrieren, die internationale Konkurrenz den Einstieg verbaut.

    Final müssen wir selber den Kopf aus der Schlinge ziehen und insbesondere unsere Abgeordneten fordern. Ich hatte bspw. schon mehrfach erwähnt, dass mir Leistungen der Dortmunder Abgeordneten auf Landes- und Bundesebene für die Wähler bisher noch nicht aufgefallen sind.
    Das können die Bayern besser.

    Die Arbeitslosigkeit steigt, die Lager werden in naher Zukunft auch nicht mehr so viele Arbeitsplätze brauchen. Was bleibt?

    Insbesondere unsere Eigeninitiative. Wir müssen auf die Region verweisen, die vom Freizeit und Veranstaltungsangebot problemlos mit jeder Metropolregion mithalten kann.

  • #4
    Arnold Voss

    Nicht Visionen machen Mut, sondern der Mut macht Visionen. Mut ist im Ruhrgebiet aber mittlerweile absolute Mangelware. Egal wieviel Bücher noch über das Ruhrgebiet geschrieben werden.

  • #5
    thomas weigle

    "Zu Beginn des 19.Jahrhunderts war Dortmund ein verarmtes und verwahrlostes Landstädtchen mit etwa 4000 Einwohnern. Weder spürte man noch etwas vom früheren Glanz der Hanse, noch existierte eine dem märkischen Sauerland vergleichbare Kleinindustrie. Die wirtschaftliche Grundlage bildete allein die Landwirtschaft….Als die Stadtverwaltung sich im 18.Jahrhundert geweigert hatte, sich finanziell an den durchgehenden Post-und Verkehrsverbindungen zu beteiligen, baute der preußische Staat die Cöln-Berliner Straße über Hörde chausseemäßig aus. Seither war Dortmund nur durch ein Pferdefuhrwerk an die Postkutsche in Hörde angeschlossen." (Die Eisenbahn in Dortmund, S.6, DGEG-Verlag, 2018))
    Im Flusstransport wurde DO als "Dortmund bei Lünen" bezeichnet. Schlechte Zeiten also, von Visionen, gar großen war in Dortmund damals nichts zu spüren. Erst ab 1847 war DO durch die CME an die große Welt angeschlossen. Aber auch nur, weil die Ruhrvariante der Eisenbahnverbindung von Köln nach Minden, Hannover und Berlin um einige Millionen preiswerter war als die bergisch-märkische Trasse, die dann später doch noch kam.
    Fehlende Visionen sind also nix Neues im Pott, es zeigt sich aber, dass auch die Zeiten fehlender Visionen vorübergehen. Nur Mut also.
    Die vom preußischen Staat gebauten dauerhaften Chausseen verschwanden völlig erst in den beginnenden 1960er Jahren in der Bundesrepublik. Die Fahrt in einer Postkutsche, v.a. in einer der Schnellposten( um die 10-12Km/h) , muss ziemlich durchrüttelnd gewesen sein, kein Vergnügen jedenfalls.

  • Pingback: Wahl zum Ruhrparlament: "Der RVR sollte nach 100 Jahren besser aufgelöst werden" | Ruhrbarone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.