Ruhrgebietsstädte: Aus Dummheit in der Armutsfalle

Gelsenkirchen

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung geht die Armut in Deutschland zurück. Eine Ausnahme bildet das Ruhrgebiet: Neun der 18  Städte des Landes, in denen die Armut trotz des langen Aufschwungs am stärksten gestiegen sind. liegen im Ruhrgebiet. Mit Gelsenkirchen, Essen, Dortmund, Duisburg und Herne schafften es gleich vier Städte in die Top5.

Und daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern, denn der drohende Abschwung wird dazu führen, dass die wirtschaftlichen Probleme im Ruhrgebiet eher zu- denn abnehmen.

Die Politik im Ruhrgebiet hat den Aufschwung verdaddelt, sie hat die Chancen nicht genutzt, die wirtschaftliche Lage der Menschen dauerhaft zu verbessern. Und sie hat daran auch kein Interesse. Dem Ruhrgebiet droht ein vom Regionalverband Ruhr erstellter Regionalplan, dessen Ziel es ist, möglichst wenige Flächen für Wohnen und Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Anstatt den Nahverkehr fit zu machen und ein gemeinsames schlagkräftiges Bus- und Bahn-Unternehmen zu schaffen, bastelt man an einer „Radautobahn“, die nicht fertig wird. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Ruhrgebiets ist wie eh und je ein Zwischenlager für Politiker mit mäßigen Aussichten und ohne Qualifikationen und einig sind sich die Städte nur  wenn es darum geht darum geht, bei Projekten wie der Internationalen Gartenbauausstellung möglichst viel Staatsknete abzuziehen. Kein Wunder, das Politiker wie der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) langsam aber sicher die Lust verlieren, Teil der Verlierertruppe zu sein, die sich Ruhrgebiet nennt.

In den vergangenen 20 Jahren haben rot-grüne und schwarz-gelbe Landesregierungen das Ruhrgebiet gestärkt. Kompetenzen wanderten von den Bezirksregierungen an den Regionalverband Ruhr. Es sieht so aus, als ob das keine gute Idee war. Diejenigen, die, in allen Parteien, im Ruhrgebiet bestimmen wo es lang geht, verfügen in ihrer Mehrzahl offenbar nicht über die Qualitäten, diese Möglichkeiten zu nutzen. Noch nicht einmal zum Mittelmaß reicht es bei den Ruhrgebietspolitikern.

 

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Robin Patzwaldt
Editor
3 Jahre zuvor

An fehlenden Flächen für Gewerbeneuansiedlungen liegt es meiner Meinung nach nicht, denn die werden hier teilweise schon seit Jahren angeboten wie Sauerbier. Es kann also nicht schaden bei der Neuerschliessung solcher Areale grundsätzlich eher sparsam zu sein. Aber ansonsten teile ich die Kritik.

Robin Patzwaldt
Editor
3 Jahre zuvor

@Stefan: Ansiedlungen natürlich, aber bitte zunächst einmal die Flächen auffüllen, die schon seit Jahren auf neue Betriebe warten, bevor ich neue Flächen erschliesse. Wenn schon die bestehenden nicht nachgefragt werden, dann besteht da offensichtlich zunächst an anderer Stelle ein Problem…

Uta Rotermund
3 Jahre zuvor

Ich habe vor einigen Jahren auf Einladung am Jahrestreffen des Regionalverbandes teilgenommen. Ein willkommener Anlass für die gesamte SPD-Inkompetenz des Ruhrgebietes sich ordentlich einen auf die Lampe zu giessen. Martin Schulz wurde als Hauptredner erwartet zum Thema "Europa und das Ruhrgebiet" . Europa sei, so erklärte Schulz, wenn Lewandowski ein Tor schösse und sich eben auch die Polen freuten. Dann kam eine Kindertanzgruppe aus Herne auf die Bühne, die in Neoprenanzügen im Flashlight zu Michael Jackson Zombietitel tanzten. Spätestens da wusste ich, ich bin falsch. Ich war für einen satirischen Vortrag zum Thema "Europa und das Ruhrgebiet" eingeladen worden. Die Raumtemperatur sank, es wurde stiller und stiller, als ich en passant die legendären Aktionen der SPD-Häupter in Bezug zur realen Lebenssituation stellte. Danach wollte niemand mehr mit mir sprechen. Die Chefin des Regionalverbandes Karola Geiss-Netthövel verordnete mir ein "klärendes" Gespräch in näherer Zukunft , das allerdings nie stattfand, weil sie immer beschäftigt war. Ihre schlussendliche Ansage lautete : "Sie haben die anwesenden Kommunalpolitiker brüskiert." So ist das, wenn man Dummheit benennt. Seit meinem Auftritt verzichtet man auf die Verpflichtung von Kabarettisten.

thomas weigle
thomas weigle
3 Jahre zuvor

@Uta Rotermund Was wollen Sie? Warum sollte die SPD für teuer Geld eine Beschimpferin verpflichten, wenn sie das doch billig bis umsonst jeden Tag in den Medien und im Netz haben kann, wie bspw hier bei Ruhrbarons. Da muss man schon recht naiv sein, wenn man da glaubt, eine ernsthafte Einladung für ein "klärendes Gespräch" erhalten zu haben. Nee, den Kakao zu trinken, durch den man gerade gezogen worden ist, muss auch die SPD sich nicht antun.

ke
ke
3 Jahre zuvor

Zu wenig Flächen? Das kann ich nicht nachvollziehen. Mich nervt es eher, dass viele der vorhandenen Flächen förmlich zubetoniert werden, um weitere Lagerhallen und noch mehr Verkehr anzusiedeln.
Dass dabei häufig wenig verdient wird, ist klar und das merkt man auch in den Städten. Jeder arbeitet, aber das Geld reicht nicht für einen kleinen Wochenendausflug .

Dann sehe ich auch das Thema Zuwanderung in die Region als einen Faktor, der zu einer schlechteren Statistik beiträgt. Es herrscht Druck auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt. Insbesondere in den Bereichen, wo sowieso schon viele Langzeitarbeitslose Probleme hatten.

Für mich bleibt es wenig nachvollziehbar, dass ein Zuzug in die Regionen mit wirtschaftlichen Problemen nicht verhindert wird.

Eine Entlastung könnte das Pendeln in die Boom-Regionen schaffen. Aber diese blöde schnelle S-Bahn ins Rheinland wird einfach zum Jahrhundert-Projekt. Eine schnelle Verbindung von Essen nach Ddorf würde auch helfen.

Eine Alternative wäre es natürlich auch, mehr Behörden in Städte mit Konjunktur-Schwächen anzusiedeln. Aber auch in diesen Bereichen ist bspw. Köln/Bonn immer gut dabei, wenn es um Gerichtsstandorte und Behördenstandorte geht. Dabei ist dort doch eigentlich schon genug Druck auf dem Arbeitsmarkt vorhanden.

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