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RVR: Regionalplan-Versager Martin Tönnes abgewählt

RVR-Planungschef Martin Tönnes Foto: RVR/Wiciok

Die Verbandsversammlung der Regionalverbandes Ruhr (RVR), das sogenannte Ruhrparlament, hat gerade den Hauptverantwortlichen für das Regionalplan-Desaster abgewählt.  91 Mitglieder der Verbandsversammlung stimmten für seinen Rauswurf, 29 dagegen und sieben enthielten sich. Weil der RVR gegen alle Versprechungen den Regionalplan nicht bis Mitte nächsten Jahres fertigstellen wird, können viele wichtige Vorhaben im Bereich Wohnungsbau oder Unternehmensansiedlung nicht angegangen werden. Wann der Regionalplan fertig wird, steht in den Sternen. So gut und richtig die Abwahl Tönnes auch ist bleibt ein fader Nachgeschmack: Nicht nur Tönnes, mindestens auch Carola Geiß-Netthöfel (SPD), die Chefin des RVR, die auch für den Regionalplan  hauptverantwortlich ist, hätte vor die Tür gesetzt werden müssen.

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23 Kommentare zu “RVR: Regionalplan-Versager Martin Tönnes abgewählt

  • #1
    Klaus E

    Presse ist verpflichtet schonungslos zu berichten, aufzudecken und auch zu kritisieren. Das ist bei den Ruhrbaronen garantiert. Doch wenn ihr, liebe Barone, über Menschen berichtet, dann soll das nicht ein Berichten im Sinne von öffentlichem Hinrichten sein! Ich habe Herrn Tönnes als einen fachlich qualifizierten, aufgeschlossenen, den Menschen in der Region und seinen Mitarbeitern zugewandten und freundlichen Menschen kennengelernt. Wenn man schon seine Leistung beurteilt, dann muss man immer auch die Aufgabe und das Umfeld betrachten.
    Die halbherzige Verwaltungsreform von Wolfgang Klement, der dem RVR lediglich die Regionalplanung, nicht aber den Verwaltungshintergrund einer Bezirksregierung zugestanden hatte, hat den RVR gezwungen, die Institution Regionalplanung ganz überwiegend mit jungen, unerfahrenen Leuten aus dem Boden zu stampfen. Dass dieser Apparat nicht wie ein Uhrwerk läuft – fast selbstverständlich. Der RVR ist inhaltlich sehr ambitioniert, bürgernah und optimistisch in den Regionalplanungsprozess gestartet. Dass aber die rechtlichen Rahmensetzungen des Landes NRW dieser inhaltlichen Ambition (die ja von der Regionalpolitik ausdrücklich gefordert war) gar keinen relevanten Raum gelassen haben, hat man – und da ist das Ruhrparlament primär in der Verantwortung – ignoriert. Ja, so hat man zu Beginn des Prozesses- und zwar alle Verantwortlichen, nicht nur Herr Tönnes – viel Zeit vertan.
    Wenn man nun den Regionalplan als gescheitert bezeichnet, dann ist das schlicht falsch. Vielleicht ist der Zeitplan gescheitert, aber es ist ein handhabbarer, politisch beschlossener Entwurf in der Welt, der nur regulär zu Ende geführt werden muss. Dieser Entwurf ist aber wohl einigen Lobbyisten (wem seid ihr da denn aufgesessen, liebe Barone) ein Dorn im Auge. Diejenigen, die einer zügellosen "Bauen auf Teufel komm heraus"-Politik das Wort reden, sehen nicht alle Begehrlichkeiten erfüllt, wenngleich schon dieser Entwurf aus Sicht von Natur-, Landschaft-, Boden- und (mit Einschränkung) Wasserschutz gewaltige Wertverluste vorzeichnet. Man hat den Regionalrat und den RVR als dem Gemeinwohl verpflichtete Planungsbehörde schlicht noch nicht weich genug geklopft. Er hat sich immer noch nicht völlig aufgegeben. Gewünscht ist völlige Unterwerfung unter das Diktat der Wirtschaft. Dafür ist Herr Tönnes ein trauriges Symbol vergeblichen Widerstands.
    Man kann das Ruhrgebiet nicht mit noch mehr Gewerbeflächen auf der grünen Wiese, mit noch mehr Bauen und Abgraben im ländlichen Raum und mit noch weniger Klimaschutz- und Freiraumqualität stärken. Das Gegenteil ist der Fall. Mit dieser Freizügigkeit (oder Verschwendung) holen uns Probleme auf allen Ebenen in die Region. Das geht am Ziel einer nachhaltigen Raumentwicklung aber so etwas von vorbei! Wer will denn in solch einer Region seine Kinder aufziehen? Das ist der Skandal!

    Richtig ist, dass Herr Tönnes diesen Qualitätsverlust nicht wirklich verhindert hat. Richtiger ist aber, dass das Ruhrparlament für die verfehlte politische Richtung der Planung, für den fehlenden Rückhalt der Planer- und Visionäre in der Verwaltung und die Aufweichung planerischer Grundsätze verantwortlich ist. Wenn Herr Tönnes ein Versager ist, dann – für mich – allenfalls ein Versager unter lauter Versagern.
    Ein Tipp – Kümmert Euch doch einmal um das Ruhrparlament, liebe Barone. Und gleich noch einer – die Würde des Menschen ist unantastbar!
    K.E.

  • #2
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @K.E; Tönnes bekommt jetzt ein schönes Ruhegehalt und dann eine fette Pension. Für einen Minderleister ist das doch gar nicht so übel.Das größte Problem des Ruhrgebiets ist die Armut und die hängt mit der Arbeitslosigkeit zusammen. Für die Lobby der grünen Wutbürger sind wir sicher das falsche Blog – und daran wird sich auch nichts ändern. Wir sind die Lobby der Leute, die morgens früh aufstehen und arbeiten gehen – oder sich wünschen, das endlich wieder tun zu können.

  • #3
    Robin Patzwaldt

    @Stefan: Mich erinnert das Alles an meine Zeiten bei den Waltroper Grünen. Unser damaliger OV-Boss hat die Grünen beim RVR genau vor diesem Ablauf gewarnt. Vergeblich. Mich ärgert das immer noch, auch wenn ich das Ganze inzwischen ganz gut verdrängt habe. Aber an solchen Tagen kommt das wieder hoch. So wird Politikverdrossenheit erzeugt! 🙁

  • #4
    Klaus Lohmann

    Carola Geiß-Netthöfel kommt bei all dem Bockmist, den sie in ihrer politischen und verwaltungstechnischen Vergangenheit verzapft hat, mit schon an ein Wunder erinnernder Leichtigkeit immer wieder davon. Was weiß diese Frau über Leichen, die die Anderen im Keller liegen haben???

  • #5
    Thomas Weigle

    Ich war ja auch mal bei den Grünen, und bin, wenn ich das recht erinnere- ist schon länger her- 4x in der Woche früh aufgestanden.Was mich stört, ist diese Pauschalisierung. Bei den Grünen sind bekanntermaßen nicht wenige Lehrer. Die stehen auch früh auf, weil er Unterricht früh anfängt. Und der Job ist mit Sicherheit um einiges härter als der eines freischaffenden Journalisten. Und er wird nicht einfacher-ganz im Gegenteil.
    Wutbürger sind mit Sicherheit anderswo zu finden.

  • #6
    Jens

    Mal im Ernst: Sowohl RVR als auch der der Regionalplan sind Opfer eines typischen "setup to fail"
    So eine Sandwichposition zwischen Landesregierung und OBs ohne eigene Macht- auch über Budgets -ist eine Totgeburt. Nach dem Motto: Wir müssen so tun, als ob wir was tun-aber eigentlich ist es sinnlos. Können das aber nicht zugeben. Hab mir mal den Haushaltsplan angeschaut. Das ist ein Witz.
    Ein effektiver RVR ist weder von der Landesregierung noch von den Städten gewollt. Das ist das Problem.

  • #7
    Psychologe

    "Bei den Grünen sind bekanntermaßen nicht wenige Lehrer. Die stehen auch früh auf, weil er Unterricht früh anfängt. Und der Job ist mit Sicherheit um einiges härter"

    Der arme Lehrer. Abgespeist mit dem Salär einer Führungskraft und gefangen in den Ketten der Unkündbarkeit wird er gezwungen, im Übermaß Urlaub zu nehmen. Mittags reitet er dann auf seinem Tesla dem Sonnenuntergang im Grünen (wo er in sein Einfamilienhaus verbannt wurde) entgegen. Wie gut, dass er zum Ausgleich wenigstens privat krankenversichert ist.

    Das ist Lebensnähe, die wir brauchen.

  • #8
    Thomas Weigle

    Ach Pyschologe, warum sind sie dann nicht Lehrer geworden? Also ärgern sie sich nicht über die "Privilegien" der Lehrer, sondern darüber, dass sie zu dumm gewesen sind, Lehrer zu werden. Aber dafür können doch die Lehrer nix.

  • #9
    Alf

    @Klaus E, eine Verwaltungsreform mit einem eigenen Regierungsbezirk Ruhr war nicht durchsetzbar. Düsseldorf wäre mit dem Restbezirk z.B. unter die Kölner Fittiche gekommen.

    @Jens, das Problem beim RVR ist, das viele Städte von den 53 nicht ein mal dem RVR angehören wollen. Der RVR andersrum darauf beseht, das z. B. die Gemeinde Sonsbeck der Metropole Ruhr angehört.

    Davon angesehen, Martin Tönnes bekommt ein schönes Ruhegehalt und kann es in Velbert genießen.

  • #10
    Bebbi

    Also ich habe nicht das Bedürfnis früh aufzustehen. Aber arbeitete gerne in den Abend rein. Welchen Blog muss ich dann lesen?

    Und würde sich irgendetwas anders entwickeln, wenn nun ab jetzt der Regionalplan in den Regalen verstaubt?

  • #11
    Psychologe

    "Ach Pyschologe, warum sind sie dann nicht Lehrer geworden?"

    Weil ich nicht so auf Lehrerzimmer und alles, was darin so zu sehen ist, stehe.

    "Also ärgern sie sich nicht über die "Privilegien" der Lehrer"

    Warum setzen Sie die in Anführungszeichen? Ich zahle ganz real für diese überbordenden Privilegien.

    "sondern darüber, dass sie zu dumm gewesen sind, Lehrer zu werden. "

    Mit dieser "wertschätzenden" und pädagogischen Grundhaltung steht es Ihnen sicher zu, sich hier fundiert zu positionieren. Oder sind Sie sogar noch selber Pauker?

  • #12
    Thomas Weigle

    Ach Pyschologe, sie wissen doch, wie man in den Wald…..Also jammern sie nicht beleidigt rum, wenn man ihnen in ihrem Stil antwortet.

  • #13
    Psychologe

    Herr Weigle,

    ich weiß nicht, von welchem Wald Sie da reden. Vermutlich den, den Sie vor lauter Bäumen nicht sehen. Sie bezeichneten mich hier als dumm, ich habe niemanden so bezeichnet.
    Im übrigen: Wo jammere ich denn beleidigt rum? Bei dem Textverständnis können Sie schon mal kein Deutschlehrer sein. Sport und Reli?

  • #14
    Thomas Weigle

    #13 "Ich weiß nicht, wo von sie reden." Das wundert mich nicht, da sie ja nicht mal wissen, wo von sie die ganze Zeit, sich feige hinter einem Nickname verbergend, lauthals schwadronieren.

  • #15
    Tom der Reimer

    Auf diesen Artikel bin ich über den Blog SatireSenf gestoßen, der den Vorgang ebenfalls beleuchtet:
    http://satiresenf.de/ts12719-der-ehrlichere-teil-der-berichterstattung-ueber-den-rausschmiss-von-regionalplaner-toennes/#more-11929
    Ohne lange zu schwadronieren: Dieser Regionalverband Ruhr ist ja nicht der einzige Regionalverband mit teils unfähigen Leuten und desaströsen Ergebnissen. Der Regionalverband Oberschwaben hat sogar Schwierigkeiten, einen Pressetisch richtig aufzustellen, von den anderen Unfähigkeiten erst gar nicht zu reden. Desaster ist eben auch noch steigerbar. Bis uns die Umwelt um die Ohren fliegt.

  • #16
    Psychologe

    "wo von sie die ganze Zeit, sich feige hinter einem Nickname verbergend, lauthals schwadronieren."

    Jetzt bin ich nicht nur dumm, sondern auch noch feige und ahnungslos. Sie wissen viel über mich, vor allem viel nichts.

  • #17
    Thomas Weigle

    #16 Mit einem,der sich feige hinter einer Berufsbezeichnung versteckt, diskutiere ich nicht weiter.

  • #18
    Thomas Weigle

    Googelt man "Lehrergesundheit" wird schnell klar, warum die Bundesländer so verzweifelt Lehrer suchen, warum bundesweit mehr als 1000 Stellen von Schulleitern unbesetzt sind, allein in NRW um die 450.
    Ich kann nur jedem Abiturienten raten, die Finger vom Lehrerberuf zu lassen. Und wer einen Achtstundentag anstrebt, wird diesen als Lehrer nicht finden, es sei denn er arbeitet Teilzeit.

  • #19
    Psychologe

    "Mit einem,der sich feige hinter einer Berufsbezeichnung versteckt, diskutiere ich nicht weiter."

    Neulich im Sandkasten.
    Sie haben noch gar nicht angefangen, mit mir zu diskutieren. Ich helfe Ihrem Textverständnis mal gern auf die Sprünge:

    Ich habe, natürlich etwas zugespitzt (die Zuspitzung in Form einer Verdichtung soll hier eine Problematik verdeutlichen) in meinem Ursprungsposting nichts anderes als Fakten aneinandergereiht, während von Ihrer Seite aus vorwiegend nur Phrasen und mal mehr, mal weniger subtile Beleidigungen gekommen sind. Eine Diskussion ist etwas anderes. Ihre Aufregung spricht wirklich für sich, ich brauche da der Selbstentblößung eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, das schaffen Sie schon in Eigenregie. Aber bitteschön, wenn es denn selbstwertdienlich ist, gebe ich mich gern als Prügelknabe her. "Haun’se" noch mal drauf.

    "Googelt man "Lehrergesundheit" wird schnell klar, warum die Bundesländer so verzweifelt Lehrer suchen"

    Manchmal fehlt halt auch die persönliche Eignung. Ich wäre dafür, eine psychologische Zugangstestung durchzuführen, damit man die wenig Belastbaren früh vor sich selber schützt.
    DIN 33430 is your friend.

    "Ich kann nur jedem Abiturienten raten, die Finger vom Lehrerberuf zu lassen. Und wer einen Achtstundentag anstrebt, wird diesen als Lehrer nicht finden, es sei denn er arbeitet Teilzeit."

    Glauben Sie, ich habe da ganz eigene Einblicke aus nächster Nähe und über mehrere Jahrzehnte. Und auch, wenn der Lehrer sich gern als notorisch überlastet darstellt (Schreckgespenst "Konferenz"), so gibt es hier je nach Fächerkombination doch erhebliche Unterschiede.

  • #20
    Thomas Weigle

    @ angeblicher Psychologe. "Notorisch" ist hier nur einer, nämlich, der,der sich hinter einem Pseudonym versteckt. Die Klagen der Lehrer sind keinesfalls unbegründet. Das lehrt ein rascher Blick ins Netz. Helfen sie mir auf die Sprünge: welche "Fakten" genau meinen sie?
    Ich musste nicht wie sie aus nächster Nähe die Geschehen betrachten, sondern war als ausgebildeter Haupt-und Sonderschullehrer fast vier Jahrzehnte mitten drin. Ich weiß also von was ich rede.
    "Manchmal fehlt die Eignung." Sicher.Die Schlussfolgerung, die sie daraus ziehen, ist absolut Banane. Die gesuchten Lehrer sollen ja nicht die "ungeeigneten Kollegen" ersetzen, sondern die unbesetzten Lehrerstellen besetzen. Ein kleiner, aber feiner Unterschied, der ihnen in ihrer Aufregung wohl entgangen ist. Kann ja mal vorkommen usw.usf., schmunzel. Oder haben sie es nur wieder nur "verdichtet."
    Wenn die Lehrerschaft "überbordende Privilegien" hat, wieso zum Teufel, hat`s dann zu wenig Lehrer? Da müsste doch gerade zu ein Run auf die unbesetzten Stellen bzw. Studiengänge zu beobachten sein. Tut es aber nicht.

  • #21
    Thomas Weigle

    enn sie tatsächlich Pyschologe sind, dann müssten sie doch aus dem Studium gelernt haben, dass "Einblicke", die man selber tut, nicht verallgemeinern darf. Sie kennen ein paar Lehrer , gut. Wissenschaftlich ist das völlig belanglos und sagt nix aus. Erst wenn diese Beobachtung durch eine repräsentative Datenerhebung belegt wird, gewinnt die eigene Beobachtung an Relevanz und Stichhaltigkeit. Oder auch nicht. Sie gehen den umgekehrten Weg. Sie sehen Untersuchungen und Befragungen, die wissenschaftliche Standards als Grundlage haben, nicht als relevant an, nein, sie erklären ihre "Einblicke" als relevant und ignorieren, dass die schulische Realität nicht so ist, wie sie sich das wünschen und wie sie durch zahlreiche Untersuchungen und Befragungen bestens belegt ist.
    V.a. in ihrem ersten, "verdichteten" u.a. Posts, wertschätzen sie Lehrer nicht, stellen den Lehrerberuf als eine Art Dolce Vita dar, beklagen sich aber anschließend, dass ich sie nicht wertschätze.Als Psychologe sollten,nein müssen sie doch wissen, dass Wertschätzung keine Einbahnstraße ist.

  • #22
    Psychologe

    Ich dachte, Sie wollten mit mir nicht mehr diskutieren.

    "Die gesuchten Lehrer sollen ja nicht die "ungeeigneten Kollegen" ersetzen, sondern die unbesetzten Lehrerstellen besetzen. Ein kleiner, aber feiner Unterschied, der ihnen in ihrer Aufregung wohl entgangen ist."

    Strohmann-Argument. Ich bezog mich auf Ihre Bemerkung zur Lehrergesundheit.

    "Wenn die Lehrerschaft "überbordende Privilegien" hat, wieso zum Teufel, hat`s dann zu wenig Lehrer? Da müsste doch gerade zu ein Run auf die unbesetzten Stellen bzw. Studiengänge zu beobachten sein. Tut es aber nicht."

    Meine Beobachtung ist eher, dass sehr viele ein Studium beginnen, wenige beenden und noch weniger dann durch die Mühle des Referendariats kommen. Ein "Ref", in welchem sich dann in Unterrichtsbesuchen tatsächlich bemitleidenswerte angehende Lehrer von Spinnern terrorisieren lassen dürfen, die realitätsferne Unterrichtsentwürfe und Ausarbeitungen zur "gelungenen Unterrichtsstunde" einfordern. Wenn ich eine Vermutung anstellen dürfte, dann die, dass der Lehrermangel auch viel mit der Lehrerausbildung anno Achtzehnhundert zu tun hat, in welcher sich die Studenten bis kurz vor Schluss mit weltfremdem verkopften Müll zudröhnen dürfen und dann völlig unvorbereitet vor eine Hauptschulklasse treten, die gerade über Tische und Bänke geht. Es ist so aberwitzig, passt aber gut zur eitlen akademischen Welt und ihrem "loriotesk" anmutenden Narzissmus.
    Aber nochmals zu den überbordenden Privilegien: Die Vorteile, die ich aufgezählt habe, sind Fakt und haben außerhalb dieses Berufsstandes weitestgehend Seltenheitswert. Ich habe da, im Übrigen noch Dinge vergessen aufzuzählen. Große Brocken wie die Pension anstelle der Rente und kleine Krümel wie Edu-Rabatte (on top auf ein wirklich ausgewachsenes Einkommen!!) und dergleichen. Und ich bezog mich damit auf die fehlende Lebensnähe dieses Berufsstandes. Ich behaupte beispielsweise: Wer selber unkündbar ist, kann sich nicht in die Lebenswirklichkeit der allermeisten anderen Menschen hineinversetzen. So etwas wie Angst vor Kündigung und Arbeitsplatzverlust sind dann nur noch rational vorstellbar, aber in ihren Auswirkungen nicht nach-empfindbar. Ich bin auch nur einfacher Angestellter. Und glauben Sie mir eines, ich habe in meiner beruflichen Praxis täglich mit Menschen zu tun, denen die nackte Existenzangst ins Gesicht geschrieben steht; die morgens mit diesem Gefühl aufstehen und abends, nachdem es vom Chef mal einen "Einlauf" gegeben hat, mit der latenten Angst um die Zukunft ins Bett gehen. Die latente Angst oder besser auch "Furcht" ist sehr unterschwellig immer da. Sie begleitet die Menschen ins Wochenende und in den Urlaub. Das geht sehr vielen Menschen so. Nur eben unkündbaren Beamten nicht. Dies war einer der wesentlichen Dreh- und Angelpunkt meiner Aussage und wie sie zu diesem Beitrag passt.

    "Wenn sie tatsächlich Pyschologe sind, dann müssten sie doch aus dem Studium gelernt haben, dass "Einblicke", die man selber tut, nicht verallgemeinern darf. (..) Erst wenn diese Beobachtung durch eine repräsentative Datenerhebung belegt wird, gewinnt die eigene Beobachtung an Relevanz und Stichhaltigkeit."

    Ich führe hier auch gerade keine Studie durch. Anders betrachtet: Es sind nicht die Daten allein sondern die Frage, wie man eine Untersuchung operationalisiert.

    "V.a. in ihrem ersten, "verdichteten" u.a. Posts, wertschätzen sie Lehrer nicht, stellen den Lehrerberuf als eine Art Dolce Vita dar, beklagen sich aber anschließend, dass ich sie nicht wertschätze."

    Die Hälfte dieses Satzes ist Projektion. Ich beklage mich auch nicht darüber, von Ihnen nicht wertgeschätzt zu werden, ich stelle es nur fest.

    Anyway. Wir ufern hier jetzt völlig aus und ich will meinerseits die "Barone" auch nicht mit zu viel Moderationsballast nerven. Zum Abschluss: Ich fänd‘ es ehrlich gesagt ganz interessant, mal mit Ihnen persönlich ins Gespräch zu kommen, aber das hier ist sicherlich nicht der richtige Ort dafür. Und noch weniger ist es der Ort für ausufernde Off-Topic-Diskussionen. Wenn die Barone Lust haben, dürfen sie Ihnen gern meine Email-Adresse schicken.

  • #23
    Klaus Lohmann

    @#22: "Die latente Angst oder besser auch "Furcht" ist sehr unterschwellig immer da. Sie begleitet die Menschen ins Wochenende und in den Urlaub. Das geht sehr vielen Menschen so. Nur eben unkündbaren Beamten nicht"

    Ich habe in meinem etwas längerem Leben schon eine ziemlich große Menge an Vorurteilen über das Beamtendasein gehört/gelesen/erfahren, manches davon gar nicht weit von der Realität entfernt. Aber solch ein primitiv-naiver Stuss wie der obige war bislang noch nicht dabei, Respekt!

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