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Schauspiel Bochum: Kehrt Matthias Hartmann zurück?

Alexandra Liedtke und Matthias Hartmann zu Gast bei der Verleihung des Nestroy-Theaterpreises 2010 im Burgtheater in Wien. Foto: Foto: Tsui Lizenz: CC BY-SA 3.0

Alexandra Liedtke und Matthias Hartmann zu Gast bei der Verleihung des Nestroy-Theaterpreises 2010 im Burgtheater in Wien. Foto: Foto: Tsui Lizenz: CC BY-SA 3.0

Das Bochumer Schauspielhaus sucht einen neuen Intendanten. Könnte es einer der alten sein? Unser Gastautor Andreas Wilink ist Chefredakteur des Kulturmagazins K.West

Ein Gespenst geht um in Bochum – kein Phantom der Oper, sondern ein Gespenst des Theaters. Es wurde bereits von einigen Personen gesichtet, als es das Rathaus betrat, darunter auch von einer naturgemäß unzuverlässigen Schauspieler-Existenz. Wir wissen nicht, ob es dem Kulturdezernenten den Kuss des Vergessens gegeben oder ihm rhetorisch gewieft, wie wir es kennen und fürchten, den Ausnahmezustand angedroht hat. Seither sieht und träumt der brave Mann Harald Schmidt, Otto Sander, Helge Schneider, Michael Maertens (heimlich auch Dörte Lyssewski) in wechselnden Kostümen. Träumt zudem davon, das städtische Theater im neobarocken Stil von Gottfried Semper umzubauen und die Königsallee in Wiener Ringstraße umzutaufen.

Es ist gang und gäbe, dass Intendanten kommen und gehen: von der Berliner Sonnenallee an die Bochumer Königsallee, sogar aus Kreuzberg an die Münchner Maximilianstraße, nun gut, auch von Köln nach Hamburg, von Bochum nach Frankfurt am Main oder von dort nach Berlin, um sich wie Brecht zu fühlen, wenn der sich wie Moritz Rinke gefühlt hätte, oder auch nur vom gnädigen Altenteil in den gähnenden Schlund des Düsseldorfer Gustaf-Gründgens-Platzes. Das Phantom soll alles dürfen und werden wollen, zum Beispiel Chefdirigent der Berliner Philharmoniker oder Direktor der Tate Modern in London, nur eines nicht – noch einmal: Intendant des Bochumer Schauspielhauses.

Es ist ein Wiederkehrer. Es hat einmal den Karriere-Weg, der immer ein karrieristischer gewesen und vielleicht jetzt von dem Phantom als Irrweg – für zwei seiner drei Stationen – bußfertig abgetan wird, hat also den Karriere-Weg vom blauen Himmel über dem Ruhrgebiet, das er gar nicht so schnell wieder verlassen konnte, wie er es zuvor fix mit Schmeicheleien über seine Kumpel-Treue eingeseift hatte, durch die Höllen des Schweizer Luxus-Lebens mit Seeblick und der österreichischen Gemütlichkeits-Gemeinheiten gemacht. Aber nun ist das Paradies verriegelt. Auch wenn das Phantom die Reise um die Bühnen-Welt gemacht hat und sehen will, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist, soll es den Zugang versperrt finden.

Nicht, weil das Phantom womöglich einerseits Millionen versenkt und andererseits angehäuft hat, was den nationalen Burgfrieden im ehemaligen Imperium gewaltig gefährdet hat; nicht, weil es sich in Ego-Herrlichkeit überall dort, wo man es hin berief, als allererste Wahl selbstpräsentiert hat; nicht, weil Künstlertum sich kaum in PS messen lässt; nicht, weil die Opferrolle einem Mitschuldigen schlecht ansteht. Sondern schlicht und einfach, weil das Phantom eine Fiktion von Theater in den Köpfen seiner euphorisierten Wahnsinns-Bewunderer inszeniert. Dabei ist es ein Designstudio, ein Theater des geschmeidigen Entertainments, der Kunst-Attitüde, der Überwältigungsstrategie. Dass dabei auch beachtliche, zuvörderst von einem tollen Ensemble getragene Aufführungen von Beckett, Jon Fosse, Schleef etc. entstanden und vom Aussterben bedrohte Theatertiere wie Gosch, Kruse, Minks ihren Freilauf fanden, sei nicht unterschlagen.

Gespenstisch genug, dass die Betäubungsmittel des Phantoms immer noch wirken auf populistisch eingestellte Nerven und Hirne.

Crosspost: Der Artikel erschien bereits auf K.West

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