Schlechte Laune hatte keiner: Max Raabe und das Palastorchester spielten in Duisburg

Max Raabe und das Palastorchester in Duisburg; Foto: Peter Ansmann
Max Raabe und das Palastorchester in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Vergleiche mit den 30er Jahren liest man in diesen Tagen öfter, vielleicht war das mit ein Grund dafür, dass fast alle 1550 Sitze im Theater am Marientor zu Duisburg am Samstagabend belegt waren: Max Raabe und das Palastorchester verliehen dem – alleine wegen des trostlosen Umfeldes – eher unspektakulären Theater am Marientor einen Hauch von Eleganz der goldenen 20er Jahre. 

Wer hat hier schlechte Laune“ ist der Name des letzten Albums und der Tournee, auf der Max Raabe und sein Stammorchester Hits der 30er Jahre darbietet und beweist:

Schlager machen die Welt, auch in schlimmen Tagen wie diesen, einfach schöner und lebenswerter.

Max Raabe in Duisburg

Duisburg passt, als Veranstaltungsort für diese Tournee, alleine wegen des Album-Covers wie Topf auf Deckel: Ist das Zebra, das in der Videoshow im Hintergrund der Bühne immer wieder zu sehen war, doch Symbol des Duisburger Erfolgsvereins MSV.

Seit man weiß, dass Frauen und Männer eigentlich nicht zueinander passen, versucht man, sie möglichst getrennt voneinander zu halten. In Kaufhäusern und Schuhgeschäften hat man separate Flächen und Etagen eingerichtet, um Konflikte zwischen den Geschlechtern zu vermeiden. Separate Bereiche in Sport, Badeanstalten und so weiter, alles nur, um Frauen und Männer möglichst voneinander zu trennen. Am Ende ist es aber so wie bei einer Mülltrennung. Wenn keiner guckt, landet alles auf einem Haufen.

Was bei Max Raabe und dem Palastorchester überwältigt, ist nicht nur die Musik: Der trockene Humor, mit denen Max Raabe seine Stücke anmoderiert – dabei geht es um Speeddating, Spitzmäuse die aus Gründen der Energieersparnis ihre Gehirne im Winter schrumpfen lassen, die Deutsche Bahn und Isolierfenster –  und die extreme Coolness, mit der er auf der Bühne agiert, machten den Abend zu einem Erlebnis der Extraklasse: Man schaut fasziniert auf die Musiker des Palastorchesters, die teilweise auch mitsingen, während Max Raabe – extrem lässig – am Flügel angelehnt im Schatten steht.

Dass es dazu auch einfach wunderschön ist, Klassiker, wie z.B. Mein Gorilla hat ’ne Villa, Unter den Pinien von Argentinien, Mein kleiner grüner Kaktus und Erstens küss ich nicht live und perfekt vorgetragen zu genießen: Das ist beim Gesamtkonzept von Max Raabe und dem Palastorchester fast Nebensache.

Max Raabe und das Palastorchester in Duisburg; Foto: Peter Ansmann
Max Raabe und das Palastorchester in Duisburg; Foto: Peter Ansmann

Das folgende Stück wäre eigentlich hervorragend als Ständchen geeignet. Doch seit Einführung der Thermofenstern ist das Vortragen von Ständchen sinnlos geworden. Draußen ist der Mann und singt sich die Seele aus dem Leib und drinnen, hinter der Doppelglasscheibe, sitzt die Angebetete und kriegt nichts mit.

Dieses Gesamterlebnis – das Zusammenspiel zwischen Orchester und Max Raabe, die Spielereien mit Licht und Schatten, der Zeppelin (Eine Drohne!), der lautlos zur Melodie von Dream a Little Dream of me durch die Halle fliegt – begeisterten am letzten Samstag (und am Vorabend) das Publikum in Duisburg.

Die Wiederholungsgefahr (Ich habe ich jetzt zum zweiten Mal gesehen!) für den Besuch des nächsten Konzertes ist als „extrem hoch“ einzustufen!

Max Raabe & Palast Orchester – Wer hat hier schlechte Laune

Heute Abend, 22.01.2024, kann man Max Raabe und das Palastorchester ab 20.00 Uhr in der Philharmonie Essen (Huyssenallee 53, 45128 Essen) genießen.

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