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Selber Schuld! – Wir werden uns auf ein Weihnachtsfest im Lockdown einstellen müssen

Foto: Robin Patzwaldt

Ob es nun ein realistisches Ziel war, oder von Anfang an nur ein ziemlich unrealistischer Traum, eines es steht jetzt schon fest: Ein Weihnachtsfest ohne grundlegende Einschränkungen unseres Alltags wird es in diesem Jahr nicht geben!

Das machen die aktuellen Covid-10-Zahlen und das zu beobachtende Leben um uns herum deutlich. Über eine Woche liegt der offizielle Beginn des Wellenbrecher-Lockdowns inzwischen schon hinter uns. Zwar hat sich das Tempo der Steigerung der Corona-Infektionszahlen in den vergangenen Tagen schon etwas verlangsamt, und vielleicht sinkt die Zahle der Neuinfektionen in den kommenden Tagen auch noch etwas, doch ein Zurückdrängen der 7-Tage-Inzidenz auf unter 50, so wie es ja das Ziel dieser Maßnahmen war, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit so schnell nicht gelingen.

Der Traum eines wieder etwas normaleren Monats Dezember, er platzt damit frühzeitig. Ein Wunder ist das jedoch wahrlich nicht.

Man muss gar kein großer Experte sein, um zu erkennen, dass sich unser aktuelles Verhalten im Alltag längst (noch) nicht wieder in dem Rahmen befindet, wie man das im Frühjahr im Lande beobachten konnte.

Natürlich war durch das bewusste Offenhalten weiter Wirtschaftszweige und der Schulen und Kindergärten auch von Anfang an klar, dass das nicht wieder vollümfänglich der Fall sein wird, und dass die Zahlen von daher auch nicht so stark zurückgehen dürften, wie das theoretisch möglich wäre.

Und doch sind die Realitäten in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens in diesen Tagen schlicht enttäuschend.

Wer beispielsweise einmal an einer Schule vorbeigegangen ist, der sieht das sofort. Kaum jemand hält dort den stets als notwendig propagierten Abstand. Masken mutieren vielfach zu einer Art mitgeführtem Spielzeug. Da bleibt, so oder so, sehr viel Potenzial ungenutzt.

Und auch die Innenstädte bieten vielfach ein erschreckendes Bild. Einkaufen im dichten Gedränge, gemeinsam mit vielen Masken-Muffel und –Verweigerern. Auch hier werden leicht ersichtlich die selbst bei weitergehendem Betrieb durch Disziplin und Selbstbeherrschung möglichen Potenziale unnötig verschenkt.

Wo sollen die für einen erfolgreichen Wellenbrecher-Lockdown erforderlichen 75 Prozent Kontakreduzierung also herkommen?

Aus Restaurants, Sportvereinen und Fitnessstudios? Da erkennt doch schon ein Laie, dass das gar nicht klappen kann.

Was ist also die Folge? Logisch erscheint, dass die Maßnahmen schon bald weiter verschärft werden müssen, wenn wir wirklich wieder unter  500 Neuinfektionen pro Woche auf 100.000 Einwohner kommen wollen. Zumindest ist an Lockerungen so gar nicht zu denken.

Und von einem Tag auf den anderen wird eine Verbesserung der Lage auch nicht möglich sein, das ist klar. Wir haben bekanntlich inzwischen schon Mitte November. Bis Weihnachten sind es nur noch sechs Wochen. Mit einem Corona-Wunder ist bis dahin nicht zu rechnen.

Stellen wir uns also besser schon einmal frühzeitig auf Weihnachtstage und einen Jahreswechsel im Shutdown ein. Und ein großes Schimpfen und Wehklagen in Richtung ‚Regierung‘ ist dann auch unnötig. Den Jahreswechsel in relativer Einsamkeit haben wir dann diesen vielen Desinteressierten und Gedankenlosen im Lande zu verdanken….

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9 Kommentare zu “Selber Schuld! – Wir werden uns auf ein Weihnachtsfest im Lockdown einstellen müssen

  • #1
    Beate

    Wer an Schulen Abstand und Maskenpflicht propagiert, ist kinderfeindlich. Kinder lernen durch ANFASSEN und Kontakte sind übrigens für alle Menschen lebensnotwendig. Ein RNS Virus lässt sich nicht Masken und Abstand "besiegen", das ist unrealistisch. Statt dessen muss möglichst weltweit und zumindest in Europa ein ordentliches Gesundheitssystem mit Mindestlohn von 14 Euro, Ausbildung und Stärkung der Ambulanz, Aufhebung von Fallpauschalen etc geschaffen werden, eine Armutsbekämpfung und das Recht auf Wohnraum geschaffen werden. Und Wohnraum muss erfüllen: so hell wie möglich, maximal 2 kinder pro zimmer, so sauber, trocken und hygienisch wie möglich. Also Geburtenkontrolle durch kostenlose Verhütung plus Abtreibung und Fitness für die Senioren, damit sie möglichst fit bleiben, bis die Pumpe aufhört. Fitness und Selbstbestimmung. Das Problem ist ja nicht das Virus sondern die privatisierte und überlastete Gesundheitsversorgung, die Fremdbestimmung und der mangelnde Sport. Und Masken helfen wirklich nichts. Nicht dieses unhygienische Zeug, das einmal pro woche gewaschen wird oder nur alle 4 wochen gewechselt… IH Gitt….Und alles andere ist zu teuer. Und ob die teuren "Impfstoffe" etwas bringen außer Geld und Ruhm den Aktionären und den Biotechnikern, das erscheint mir fragwürdig. Schließlich wird es im Rahmen des Klimawandels noch viele gefährliche Viren geben und eine sterile Umwelt ist nicht möglich. Zum Glück.

  • #2
    kassandro

    Die "Infektionszahlen" werden bis Ende des Monats deutlich zurückgehen, mit Sicherheit unter 10.000 Neuinfektionen pro Tag. Das liegt schon daran, dass jetzt laut RKI wieder weniger getestet werden soll, angeblich weil die Labore überlastet werden, aber wahrscheinlich wohl, damit sich unsere Politiker auf die Schultern klopfen können. Der Erfolg des Lockdowns ist damit schon jetzt gesichert. Entscheidend wird aber die Zahl der invasiv Beatmeten sein. Diese kaum manipulierbare Zahl wird vorerst noch weiter steigen. Wenn der Lockdown wirklich etwas bringen sollte, dann muss auch diese Zahl gegen Ende des Monats zu fallen beginnen. Die invasiv Beatmeten kämpfen alle um ihr Leben, und wenn sie überleben, werden sie wahrscheinlich Spätschäden davontragen.

  • #3
    Emscher-Lippizianer

    Naja, ich teile den Tadel für überhedonistisches Party-Volk und diejenigen, die ihre Kontakte nicht reduziert haben. Aber ich empfehle hier die Lektüre der Interviews mit Herrn Memmeler zum Thema Pandemiebekämpfung. Hier zeigt sich, daß die Regierigen ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Ein stetiges hinterherlaufen hinter der Lage, anstatt zu versuchen vor diese Lage zu kommen. Ausgerechnet die von mir ansonsten sehr kritisierte Kanzlerin zeigt sich von ihrer besten Seite. Das Ergebnis der Tagung der Bund/Länderkonferenz vor drei Wochen war ja sehr ernüchternd und die weitere Lageentwicklung absehbar. Da hat Frau Merkel bei der Lageeinschätzung bewiesen, daß es eben ein Unterschied ist, ob jemand wissenschaftlich ausgebildet ist, oder nur Jura o.ä. gehört hat.

  • #4
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @Emscher-Lippizianer: Zur Diskussion stehende Fehler der Regierung befreien die Bürger meiner Meinung nach nicht von einem gesunden Maß an Eigenverantwortung und Rücksichtnahme. Beides war meiner Beobachtung nach im Frühjahr noch deutlich stärker ausgeprägt. Das ärgert mich, wäre es doch so einfach die Zahlen zu verbessern, ohne das ‘die Regierung’ einem alles bis aufs Letzte vorschreiben muss.

  • #5
    Psychologe

    Der Lippizaner hat aber schon Recht. Was ist denn bitteschön seit März/April passiert? Nichts!
    Zettelwirtschaft und Faxe in den Gesundheitsämtern, eine Corona-App völlig für die Tonne und in den Schulen die Anweisung, es möge doch bitte gelüftet werden. Das ist eine Bankrotterklärung.
    Ich sehe es ganz genau so wie der Vorredner. Man hat es noch nicht mal versucht, vor die Welle zu kommen, bzw. die Situation zu gestalten. "Eigenverantwortung" ist zwar nett gemeint, das Problem ist allerdings, dass Verhaltensweisen einreißen und wir auch in einem Land mit sehr heterogenen Millieus leben, die alle eine unterschiedliche Einstellung zum Miteinander haben.

  • #6
    ke

    Eine Demo auf einem engen Platz mit Menschen, die Corona Party feiern, wurde von einem Gericht genehmig.
    Fußballer verteilen aktuell wieder überall auf der Welt ihre Viren, weil sie irgendwelche bedeutungslosen Spiele spielen. Gleichzeitig weist der Bundestrainer darauf hin, dass die Spieler stark belastet sind.
    Dann haben wir eine Kultusminsterin, die unbedingt den Rekord in Sachen Corona-Fälle und Quarantäne-Fälle brechen will, statt sich an die Regeln des RKI zu halten.

    Ich bin ehrlich gesagt ziemlich sauer auf unsere tief schlafende politische Klasse inkl. der Verwaltungen. Aktuell wird meine Freiheit massiv eingeschränkt, weil einfach auf breiter Front die Arbeit im Zivilschutz verweigert wurde. Dies gilt insbesondere in den Bereichen Schule, Kita, ÖPNV und Überwachung von Gesetzen. Zusätzlich zeigen auch viele Gerichte, dass sie exponentielles Wachstum nicht verstanden haben. Selbst die die Altenheime jammern jetzt, da es endlich Schnelltests in guter Qualität gibt, dass das Testen zu teuer ist.
    Viele Betriebe haben zu Corona Zeiten Zustände wie im Frühkapitalismus und der Staat tut kaum etwas.

    Wir es besser? Vermutlich nicht, da anstrengende Aktivitäten weiterhin unterlassen werden. Es kommt ja irgendwann eine Impfung. Nur was passiert, wenn das dauert oder die Impfung nicht die erhoffte Qualität hat?

    Selber Schuld? Ich weiß es nicht.
    Ich weiß nur, dass ich mich nie auf den Staat verlassen sollte. Aber das wusste ich schon vorher.

  • #7
    Emscher-Lippizianer

    #4 Robin
    Eine Eigenverantwortung ist selbstverständlich vorhanden und sollte von mir nicht abgestritten werden. Aber ihrer Vorbildfunktion sind die politisch Verantwortlichen definitiv nicht nachgekommen. Das macht es natürlich erheblich schwerer, den Bürgern dann das Verständnis für entsprechend notwendige Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung abzuverlangen.

  • #8
    Nansy

    Robin Patzwaldt: Die Regierung’ schreibt uns doch gerne alles bis aufs Letzte vor, oder? Damit glaubt man Führungsstärke beweisen zu können und kann so schön über die eigene Ratlosigkeit hinwegtäuscchen.
    Davon abgesehen, ncht die Menschen allein sind Schuld an mangeldem Abstand im Alltag – schon bei den absolut notwendigen Besorgungen (Supermärkte) ist Abstand manchmal schwer einzuhalten. Bei kleinen Supermärkten sind die Gänge so eng, dass man kaum aneinander vorbeikommt. Und grosse Supermärkte bauen in ihren breiteren Gängen weitere Aufsteller und Nachfüllbestände auf, sodass man sich auch dort aneinander vorbeiquetschen muss. Den Supermärkten scheint die Problematik am Hintern vorbeizugehen und den Behörden scheint es egal zu sein. Geschäft ist eben Geschäft.
    Kritik am Party-Volk schön und gut, aber die Ansteckungswege sind für mich nicht immer nachzuvollziehen – in Bussen und Bahne und Flugzeugen sind die Menschen auch auf engem Raum zusammen, das soll aber angeblich unproblematisch sein. Klingt für mich nicht überzeugend.

  • #9
    Enno

    Wenn man sich die Zahlen und den 7-Tage-Durchschnitt auf Worldometers anschaut, sieht man, dass seit dem 24. Oktober eine Abbremsung des Anstiegs eingetreten ist, die sich mittlerweile zu einer Abflachung auswächst.

    Da sich Infektionen erst mit einer ca. zweiwöchigen Verspätung in den Zahlen zeigen, bedeutet das, seit dem 10. Oktober ist es vorbei mit dem "exponentiellen Wachstum". Drei Wochen später kam dann der Lockdown – exakt wie im März, als die Zahlen und der R-Wert schon längst abgeflacht beziehungsweise gesunken waren.

    Besonders lernfähig scheinen die Verantwortlichen also nicht unbedingt zu sein…

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