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Sonneborn vs. Semsrott – und viel Doppeldenk

Nico Semsrott verläßt also DIE PARTEI – behält aber sein lukratives Mandat – weil Martin Sonneborn eine rassistische Geschmacklosigkeit von sich gegeben hat. Und alle so: Huch, das hätte ich dem Sonneborn ja gar nicht zugetraut – der war doch immer so witzig. Und ich so: Nö, ist er schon lange nicht.

Niemand mag Klugscheißer, und so werden viele es auch nicht mögen, daran erinnert zu werden, was Sonneborn 2017 twitterte, nämlich dies hier:

Als Sonneborn noch als witzig galt: Tweet aus dem Jahre 2017.

Dem Ganzen setzte er dann in einem nachfolgenden Interview dann noch die Krone auf, in dem er sagte: „Ich wusste ja nicht, dass Netanjahu Jude ist.“ Haha, das war damals so witzig. Legitime Israelkritik FTW. Ein Spiel mit antisemitischen Klischees und alles, und erlaubte selbstredend keine Rückschlüsse auf entsprechenden Überzeugungen Sonneborns.

Die aktuelle Rezeption stellt sich heute anders da. Der Aufschrei ist groß, geht es doch nicht gegen Israel und um Antisemitismus, sondern gegen China und Rassismus.

Sonneborn selbst sah sich genötigt, gezwungen, ja vielleicht sogar bewegt, nach Semsrotts Austritt auf Facebook eine Erklärung abzugeben:

Sonneborns Stellungnahme auf Facebook (Abruf: 13.1.21, 20.39 Uhr)

Und siehe da, einige in den Sozialen Medien versöhnt das. Der Antiamerikanismus der dem sonnebornschen „mea culpa“-Versuch mitschwingt, versöhnt einige dann noch umso mehr. Ging doch nur gegen Amerika, und nicht gegen China – Gott sei´s gedankt.

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Sonneborns neuestes Spiel mit rassistischen Stereotypen ist verurteilbar, man sollte nur nicht, und erst recht nicht rückwirkend, an anderen Stellen wegsehen.

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12 Kommentare zu “Sonneborn vs. Semsrott – und viel Doppeldenk

  • #1
    Helmut Junge

    Amerikaner und Chinesen werden diese Albernheit als deutsche Folklore ansehen und vielleicht sogar drüber lachen. Sonneborn scheint aber eine wichtige eigene Zielgruppe verärgert zu haben. Das wird wohl nicht seine Absicht gewesen sein.Eigentlich ist das jetzt nur ein Problem für seine Zielgruppe und danach seines auch. Ich kann weder einen Witz erkennen, noch einen Rassismus, noch Antiamerikanismus. Dafür ist der Witz zu platt. Wer Rassismus gegen Chinesen sieht, sollte mal einen Chinesen danach fragen, ob der jetzt Hilfe braucht, falls er einen kennt.

  • #2
    Busfahrkarte

    Hallo Herr Bartoschek ich hab mal eine Frage und zwar schreibst du dass das was Herr Sonneborn von sich gegeben hat eine "rassistische Geschmacklosigkeit" sei und beziehst dich dabei auf sein Schina T-Shirt auf dem er alle r Buchstaben durch l Buchstaben ersetzt hat und jetzt frage ich dich und das ist eine wirklich ernstgemeinte Frage und ich würde mich freuen wenn du sie mir offen und ehrlich beantworten könntest ob es auch eine rassistische Geschmacklosigkeit ist wenn man zum Beispiel alle th Buchstaben durch z Buchstaben ersetzt und dann daraus auch noch Kapital schlägt so wie auf dem Bild das erscheint wenn man auf den Link weiter unten klickt lg

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/a/a5/London_herman_ze_german_09.03.2013_14-09-28.JPG/800px-London_herman_ze_german_09.03.2013_14-09-28.JPG

  • #3
  • #4
    Skythe

    Ich verstehe es nicht. Wo ist der Antisemitismus? Hat "Planierraupe" eine versteckte Bedeutung, die nur im extremlinken Kreis bekannt ist? Oder "Wasser abstellen"? Erklär es mir bitte, Sebastian Bartoschek.

    Wenn das der zentrale Punkt in dieser Aburteilung Sonneborns ist, wieso steht dann nicht schwarz auf weiß und für alle verständlich im Artikel, warum Sonneborn ein Antisemit ist? Was soll das Geraune und Getuschel?

    Ansonsten gilt auch hier: wenn man 99% der Leute erklären muss, worin die Beleidigung (oder der Witz) besteht, war es keine Beleidigung (oder kein Witz).

  • #5
    Marko Schulz

    Wieso ist das keine legitime Form der Kritik an den USA sondern es schwingt für Sie da Antiamerikanismus mit? Oder ist das beides so nah beieinander, dass es schwer zu trennen ist?

  • #6
    Skythe

    Mein Kommentar oben kling viel schärfer, als er gemeint war. 😀 Wie wahrscheinlich so vieles im Internet.

    Ich hab den Gedankengang von Sebastian Bartoschek wirklich nicht verstanden und würde es gerne. War keine reine Polemik.

    Ansonsten: Danke für den Text!

  • #7
    MCO

    gehört Provokation und Zynismus bei der Partei, der Titanic und Herrn Sonneborn nicht von jeher zum Kerngeschäft? Ist es nicht bereits Provokation und Zynismus, einen Semsrott auf diesen Platz zu setzen und eine Partei dahinter zu stellen, die nie auch nur die leise Absicht hegte, ernsthaft Politik zu machen?!? Wie zersetzt man Systeme am effektivsten? Von innen heraus…Diesen Witz auf dem Tshirt fand ich jetzt leider nicht lustig, aber es ist herrlich stumpf, es wird dabei auf brutal platte Weise das Klischee geritten, bis es vor Dummheit fast schmerzt. Das hält uns allen einen Spiegel vor und regt uns an, in der eigenen Gedankenwelt nach der Andockstelle für solche Provokation zu suchen oder per Zufall zu bemerken das man auch selbst noch einen Happen dieser Denke ganz tief in sich trägt.. Der Meme des "R-Problems" steckt doch immernoch in sovielen Köpfen, das man die Gesellschaft da auch ruhig mal mit der Nase in den eigenen Haufen stecken kann. Kollateralschaden gehört auch da wieder zum Business und ist nur ein Qualitätsanzeiger. Wenn die Leute zucken und erschrecken, dann ist alles genau richtig. langweilen und belangloses raushauen überlassen wir lieber dem Mann mit der Kapuze…

  • #8
    MCO

    @ #4 Skythe: Es ist Israelkritik, das dürfte ja klar sein. Planierraupe, Wasser, Demütigungen, ich denke da spontan an den Gazastreifen und das Jordantal, ohne mich inhaltlich groß zum Thema Israel/Iran et al. positionieren zu wollen. Das beste wäre friedliche Koexistenz, und dazu sind beide Parteien meines Erachtens nicht in der Lage. Legitime Israelkritik wird leider immer wieder unter Antisemitismus einsortiert und die Ajatollahs haben wir westlichen Kulturen hingegen schon seit Jahrzehnten als modernes Feindbild hinstilisiert. Es ist herrlich provokant, die Gesellschaft auch hier wieder "mit der Nase in den eigenen Haufen zu stecken". Ich greife diese Symbolik aus meinem vorigen Posting bewusst nochmal auf, um darzustellen das das ein grundlegendes Stilmittel Sonneborns, der Titanic und der Partei ist. Es hat ebenso Tradition, das viele Menschen das inhaltlich nicht verstehen können und einfach stumpf denken es sei stumpfer Antisemitismus oder wie hier, Sinophobie oder Amerikafeindlichkeit. Ich vermute viele können es nicht verstehen, weil sie nicht mit der Nase in den eigenen… ihr wisst schon. Danke.

  • #9
    abraxasrgb

    Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.

    Was darf die Satire?

    Alles.
    Kurt Tucholsky

  • #10
    Helmut Junge

    @abraxasrgb, entscheidend ist doch, daß die andere Hälfte Deutschlands sich vor Lachen auf die Schenkel klopft. Das war hier wohl nicht so. Und dann war der Witz vielleicht nicht so gut, oder die Zielgruppe hat ihn nicht verstanden, und die Gegner dieser Zielgruppe sind auch nicht erreicht worden. Ich könnte stundenlang darüber nachdenken.

  • #11
    Skythe

    @MCO
    Der Autor sprach aber nicht nur von Isrealkritik, sondern von "Antisemitismus", von "antisemitischen Klischees". Eine Planierraupe ist ein antisemitisches Klischee? Bitte was?

    Schwere Anschuldigung erfordern gute Belege. Und davon sehe ich im Artikel keine.

  • #12
    Richard Heller

    Also, lieber Herr Bartoschek, da haben sie planierraupenmäßig wohl etwas missverstanden.

    Man muss das aus dem Zusammenhang lesen: Es ging darum, dass Gabriel mit israelischen Oppositionsgruppen sprach und Netanyahu ihn deshalb nicht empfangen hat. Sonneborn hatte damals wie aus dem Tweet ersichtlich Planierraupen als Besuchsmittel empfohlen. Er bezieht sich damit offensichtlich auf Einzelmaßnahmen, die der israelischen Regierung vorgeworfen werden. Es gab Ankündigungen, das Trinkwasser abzustellen. Und es gab Planierraupenaktionen. Ich weiß zwar nur von gerechtfertigten, weil sowohl palästinensische als auch israelische Schwarzbauten beseitigt wurden, aber es wurden auch Vergeltungsmaßnahmen damit durchgeführt.

    Bekanntlich gibt es den 3-D-Test, der auch Teil der Arbeitsdefinition für Antisemitismus geworden ist.

    Welches D hatte Sonneborn damals erfüllt?

    D = Dämonisierung? Nein, das bezog sich auf Einzelmaßnahmen, die auch in Israel selbst kritisiert werden, nicht darauf, dass Israel allgemein Palästinensern massenhaft das Dach über dem Kopf nehme (was ja auch nicht geschieht)

    D = Deligitimisierung? Nein, Israel wurde nicht mal im Ansatz in Frage gestellt.

    D = Doppelte Standards? Ich wüsste nicht, dass Sonneborn Planieraktionen in anderen Ländern (Deutschand liefert mit div. Hüttendörfern ein paar Beispiele) für gut befunden und nur die israelischen kritisiert hätte.

    Was wiederum das Geschrei um das "chinesische" T-Shirt angeht: Da hat die PoMo-Blase mal wieder eine Gelegenheit zum Aufregen gefunden. Besonders sportlich finde ich die angebliche Marginalisierung von 1,4 Mrd. Chinesen. Der Witz war nicht gut, aber er war auch nicht so verletzend, das man das nicht hinnehmen könnte.

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