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Schauspielhaus Bochum: Seven Shades of Green


Von meinem Wohnzimmerfenster aus kann ich das Schauspielhaus Bochum sehen. Es ist für viele Bochumer ein Identitätsort, ziemlich egal ob sie jemals eine Aufführung gesehen haben oder sich nur auf dem Vorplatz treffen, um Bier zu trinken. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich wäre ein eifriger Besucher des Hauses. Zuletzt habe ich es bei der Lesung von Deniz Yücel besucht. Es war ein schöner Abend.

Ab und an wird im Schauspielhaus nicht nur Theater gespielt, sondern aus diskutiert. So öffnet sich das Haus auch für Menschen, deren Interesse an dem, was auf seinen Bühnen passiert, gering ist, was erst einmal eine gute Sache ist. Eigentlich. Denn was das Schauspiel in seinem alle zwei Monaten stattfindenden Forum „Wie wollen wir hier leben?“ bietet ist nicht mehr als ödestes grünes Agitprop. Man will keine Debatten, keine Diskussionen und Auseinandersetzungen sondern Bochumer einladen um “gemeinsam über Verbesserungen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Stadt zu diskutieren, sich miteinander zu vernetzen – und inspirieren zu lassen.” Nun ist Klimaschutz eine wichtige Sache – unter vielen anderen wichtigen Sachen. Aber auch über ihn kann man diskutieren: Ich mag zum Beispiel die Vorstellung, Braunkohle durch Kernenergie zu ersetzen. Man könnte so auch Wasserstoff herstellen und den einsetzen, wo es Sinn macht: In Stahlwerken und Autos zum Beispiel. Spannend finde ich auch die Frage, wie sich eine Gesellschaft, zum Beispiel die, in der ich lebe, entwickelt, die ihren Wohlstand riskiert, wenn sie sich grünen Dogmen unterwirft. Bleibt dann die Demokratie stabil? Ausgemacht ist das nicht. Und auch die Frage, wie es auf der Welt aussieht und wie Menschen anderswo leben wollen, ist ja nicht unwichtig wenn es um eine globales Phänomen wie den Klimawandel geht. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn Menschen in Afrika denselben Lebensstandard wie wir in Europa hätten – und unsere Freiheiten gleich mit dazu – und ich denke, viele Afrikaner würden es auch tun.

Die Teilnehmerliste der ersten Veranstaltung im Februar nannte die WAZ ohne jeder Ironie “bunt gemischt“:  “Slam-Poet Jason Bartsch, Klimaaktivist Ingo Franke (NABU Bochum), GLS-Bank-Vorständin Aysel Osmanoglu, RUB-Wissenschaftler Prof. Dr. Wilhelm Hofmann, die Leiterin der Koordinierungsstelle/Innovationcity der Stadt Bottrop Stefanie Hugot, Scientists for Future-Mitglied David Piorunek sowie Martina Schmück-Glock (SPD), Vorsitzende des Umweltausschusses und Ratsmitglied der Stadt Bochum.”
Wer diese Mischung für “bunt” hält glaubt auch, dass im Zugrestaurant Spitzenköche am Werk sind.

Ich hab mir die ersten zehn Minuten angeschaut, dann hielt ich es nicht mehr aus. Es war noch heller Tag und die mich übermannende Müdigkeit war dabei, mich ins Bett zu treiben. Man kann sich das Video noch anschauen. Wer Schlafstörungen hat, möge es tun.

Und am kommenden Sonntag geht es im selben Stil mit den sieben Gästen Dr. Christian Holz-Rau (TU Dortmund, Prof. für Verkehrswesen und Verkehrsplanung), Carsten Daldrup (Bogestra), Martin Krämer (Radwende Bochum), Sebastian Pewny (Die Grünen, Ratsmitglied der Stadt Bochum), Jean Philippe Kindler (Poetryslammer), Michael Zyweck (Leiter der Koordinierungsstelle des VRR, Zukunftsnetz Mobilität), Christoph Matten (Leiter der Abteilung Straßen, Tiefbauamt Stadt Bochum) weiter.  Seven Shades of Green

Es geht um Verkehr und bevor das erste Mikrofon angestellt wird, ist schon in der Ankündigung alles gesagt:  “Bei der Planung dieser 2. Folge des Klimaforums waren das Coronavirus und seine Folgen noch ganz weit weg, und doch ist das Thema Mobilität in dieser immobilen Zeit so aktuell wie nie. Homeoffice, Reisebeschränkungen und das Herunterfahren industrieller Produktion führten zu einer spür- und messbaren Entlastung der Umwelt. Eine echte Chance, Mobilität neu zu denken. Doch Automobilkonzerne und Fluggesellschaften, verhaftet in konventionellen Denkstrukturen, machen Druck: Schnell soll die Wirtschaft mit alten Rezepten wie z. B. der Abwrackprämie wieder angekurbelt werden. Verpassen wir also gerade eine historische Chance, oder schaffen wir die zukunftsfähige Verkehrswende? Wie kann das in der ehemaligen Opel-Stadt Bochum gelingen? Darüber wollen wir mit Ihnen und unseren Expert*innen diskutieren – diesmal online.”

Vielleicht wäre es ja spannend zu erfahren, was jemand von der IG Metall zu  dem Thema Mobilität zu sagen hat oder jemand vom Arbeitgeberverband Metall. Was sagt eigentlich ein Pendler zu all dem grünen Furor, der jeden Morgen 30 Kilometer zur Arbeit muss? Und vielleicht könnte jemand den Öko-Aktivisten des Schauspielhauses erklären, dass es für ihre eigene wirtschaftliche Existenz einen Grund gibt: Eine starke Wirtschaft, die es diesem Land erlaubt hunderte von Theatern, Konzerthäusern und Opern zu finanzieren. Nun denn, das soll es alles nicht geben. Man mag es öde, grün und kuschelig. Was solls, komische Nachbarn bin ich gewohnt. Das Ehrenfeld ist ein Problemstadtteil, zum Teil 42 Prozent haben hier bei der Europawahl grün gewählt. Wenn man sie ignoriert, ist es trotzdem ein schönes Viertel.

 

 

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3 Kommentare zu “Schauspielhaus Bochum: Seven Shades of Green

  • #1
    Philipp

    Man hätte ja auch mal jemanden von Elmos Semiconductor in Dortmund einladen können, der über Chipeinsatz im "Smart Home" Bereich und nachfolgend stromsparende Maßnahmen berichten könnte.

    Welche Wachstumhemnisse gibt es? Lassen sich genug Programmierer für den Standort Dortmund begeistern? Deutschland will unabhängiger von der Chipproduktion in China werden, gibt es Chancen fürs Ruhrgebiet?

    Stattdessen Selbstbestätigung des eigenen Milieus wie überall sonst auch. Nils Heisterhagen hätte seine hehre Freude dran.

  • #2
    Ruhr Reisen

    Das kann man/frau nicht ignorieren. Soviel Nachwuchs ohne Migrationshintergund in hippen Laufbuggys, Fahrradanhängern und Tragetüchern vor Männerbäuchen gibts nirgendwo – jedenfalls nicht in Bochum. Zur Kritik: Ausgewogen ist das Podium nicht – Akademiker unter sich halt- die Meisten wohl in gut dotierter Festanstellung im Eigenheim. Aber ob Braunkohle die Alternative ist, wage ich zu bezweifeln. Die Auswirkungen von Corona allerdings werden noch Ausmaße annehmen, die noch gar nicht absehbar sind. Und dann kann es ziemlich ungemütlich werden – jedenfalls für die ohne Eigenheim und Festanstellung. Und die sind in der Mehrzahl.

  • #3
    Ruhr Reisen

    P.S. Ich meinete natürlich Kernenegie – und nicht Braunkohle. Solange die nicht wissen wohin mit dem Atommüll ist die Vorstellung eine Kataastrofe. Sonnenergie das wärs. Braucht halt nur ordentliche Speicher – das sollen sich die Wissenschaftler mal Gedaneken machen.

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