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Steiger Award: Ralph Giordano an Altkanzler Schröder: „Nun machen Sie sich zum Laudator eines Brandstifters“

Sehr geehrter Herr Altbundeskanzler,

„Ich bin auch Euer Präsident!“ – „Lernt Deutsch, aber bleibt, wer ihr seid!“ – „Bildet einen Staat im Staat, aber nennt es nicht so“.

Diese Kriegserklärungen an die Integration vom Februar 2008 in Köln und vom März 2011 in Düsseldorf feuerte vor einer aufgeheizten Menge von 18000 Menschen der Mann ab, der am 17. März in der Jahrhunderthalle Bochums den „Steiger Award für Toleranz, Menschlichkeit und das Zusammenwachsen Europas“ verliehen bekommt – Recep Tayyip Erdogan, Ministerpräsident der Türkei.

Es ist derselbe Erdogan, der den Völkermord an den Armeniern 1915/16 auch nach fast hundert Jahren noch leugnet und diese türkische Lebenslüge wie kein zweiter in unserer Zeit personifiziert. Eben jenen Genozid, der unter Ihrer Kanzlerschaft, Herr Altbundeskanzler, zum erstenmal nach fast hundert Jahren vom Deutschen Bundestag anerkannt worden ist. Am 22. Februar 2005, unter fraktionsübergreifendem Applaus, ohne Ge-genstimme oder Enthaltung, ein kaum faßbares Wunder in der Geschichte des deutschen Parlamentarismus.

Nun machen Sie sich zum Laudator eines Brandstifters: „Es leben 100 000 Armenier in meinem Land, die nicht seine Bürger sind. Und denen ich sagen kann, wenn es nötig wäre: Los, zurück in das Land, wo ihr her-kommt“ O-Ton Erdogan, die Sprache eines Gewalttäters.

„Toleranz und Menschlichkeit“? Ich protestiere gegen die Verleihung des „Steiger Award“ an Recep Tayyip Erdogan, die nur ebenso verlogen sein kann, wie seine Laudatio.

Sie, Herr Altbundeskanzler, haben einmal Putin „einen lupenreinen Demokraten“ genannt haben. Das wird in der Erinnerung an Sie haften bleiben.

Lob und Ehrung eines Politikers aber, der einen überwältigend belegten Völkermord leugnet, wiegen noch schwerer.
Ralph Giordano

Crossposting. Der Text erschien bereits in dem Blog Achse des Guten.

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27 Kommentare zu “Steiger Award: Ralph Giordano an Altkanzler Schröder: „Nun machen Sie sich zum Laudator eines Brandstifters“

  • #1
    Ragip

    Sehr geehrter Herr Giordano,

    “ Ich bin auch Euer Präsident !“
    Lernt Deutsch, aber bleibt, wer ihr seid “

    Rest ist es leider nicht Richtig übersetzt wurden !!

    Ich weiss zwar nicht was Sie unter Integration verstehen,

    Ich habe in Deutschland die Schule Besucht, mein Ausbildung absolviert,
    auch mein Studium erfolgreich abgeschlossen.
    Arbeite zur zeit In einer Internationalen Firma für Deutschland !!
    und nicht für die Türkei.
    Aber ich habe immer noch mein türkische Statsangehörigkeit,
    Ich besitze die türkische Kultur, und die Deutsche Kultur,
    habe aber probleme mit der Deutsche rechtschreibung,
    ich kann mich aber in Deutschersprache besser verständigen als in der türkischer sprache.

    bin ich jetzt nicht Integriert weil ich nicht vergessen habe „( wer ich bin ) “ das meine Vorfahren aus der Türkei stammen ?

    Der Ministerpräsident der Türkei leugnet den angeblichen Völkermord an den Armeniern aber sagt gleichzeitig,
    das beide Staaten die Archive öffnen sollen, und das die Archive untersucht werden sollen.

    Da frage ich mich als ein Mensch warum die Armenien diesen Angebot von der Türkei nicht wahrnimmt !!

    Ich als türkische Staatbürger der in Deutschland lebt, und jedes Jahr die Türkei besucht,
    kann beobachten, das seit dem der Recep Tayyip Erdogan Ministerpräsident der Türkei ist,
    das Grosse Schritte in der Demokratisierung der Türkei erfolgt hat.

    Herr Giordano bevor Sie Protestieren würde ich empfehlen das Sie die Türkei besuchen,
    und ohne vorurteile die Türkei betrachten

  • #2
    der, der auszog

    @Ragip

    Die Antwort auf Deine Frage: „bin ich jetzt nicht Integriert weil ich nicht vergessen habe “( wer ich bin ) ” das meine Vorfahren aus der Türkei stammen ?“ – Du bist verdammt gut integriert, wie auch die meisten in Deutschland lebenden Menschen, die über einen ähnlichen Hintergrund verfügen wie Du. Aber in der Kritik von Ralf Giordano an Exaltmeister Schröder geht es nicht darum, wie integriert die hier lebenden türkischstämmigen Mitbürger sind, oder nicht.

    Die Kritik richtet sich vielmehr an Gerhard Schröder, der mit einer Rede zur Verleihung des Steiger Award einen Mann loben wird, dessen Äußerungen bei diversen Besuchen in Deutschland mehr als einmal für Verwunderung gesorgt haben. Und selbst wenn man die Äusserungen Erdogans falsch verstanden hat, weil sie möglicherweise nicht richtig übersetzt wurden, leugnet Erdogan den Genozid an den Armeniern. Hunderttausende Menschen, die ermordet wurden, lassen sich nicht wegleugnen. Das aber macht der türkische Präsident und schürt damit nicht nur Ängste in einem aufgeklärten Europa, das auch ohne geöffneter Archive genügend Beweise für den Völkermord hat, sondern macht auch den in der Türkei lebenden Menschen armeinscher Abstammung ein Zusammenleben schwer.

    Deutschland wäre nie das geworden, was es heute ist, wenn die politisch Verantwortlichen hierzulande vor den Greueltaten unserer Vorfahren die Augen verschliessen würden. Europa in seiner jetztigen Form konnte erst entstehen, nachdem man begriff, dass Integration wichtiger ist, als nationale oder ethnische Überheblichkeit. Aber ich gebe zu: Auch bei uns hat man lange gebraucht, um das zu begreifen. Und irgendwann wird sich auch die Türkei den dunklen Kapiteln ihrer Vergangenheit stellen. Wahrscheinlich aber nicht unter einem Präsidenten Erdogan.

    Aber um den geht es hier ja gar nicht. Es geht um Schröder, den deutschen Exkanzler, der nicht das Format seiner Vorgänger, wie beispielsweise Willi Brand oder Helmut Schmidt hat, die sich klar gegen das Unrecht dieser Welt positioniert haben. Schröders Verständnis von Integration sieht leider so aus, dass er Politiker salonfähig macht, für die Integration, Demokratie und Menschenrechte eher eine untergeordnete Rolle spielen. Erdogan ist da bei weitem nicht der schlimmste, wenn ich daran denke, wie Schröder Muammar al-Gaddafi in dessen Beduinenzelt hofierte oder wie er sich von Putin in Form eines gut dotierten Postens als Aufsichtsratsvorsitzender von Gazprom prostituierten lässt, um dem russischen Präsidenten regelmässig den „lupenreinen“ Persilschein auszustellen.
    Dieser Mann, der einmal deutscher Kanzler war erschreckt wesentlich mehr als ein Erdogan.

  • #3
    Arnold Voss

    “ a n g e b l i c h e r Völkermord“. Na klar, Ragip. Integration schützt offensichtlich nicht vor Selbstbetrug und nationalistischer Verdrängung.

  • #4
    Klaus

    @#1 | Ragip:

    Filmtip für`s Wochenende:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Aghet_%E2%80%93_Ein_V%C3%B6lkermord

    „Aghet – Ein Völkermord ist ein Dokumentarfilm von Eric Friedler über den Völkermord an den Armeniern, der während des Ersten Weltkriegs durch das zwischen 1908 und 1918 regierende Komitee für Einheit und Fortschritt im Osmanischen Reich veranlasst und durchgeführt wurde.“

  • #5
    discipulussenecae

    Ich kann mich Klaus nur anschließen! Wer nach diesem beeindruckenden, gut informierenden und erschütternden Film den Völkermord an den Armeniern noch leugnet, dem ist nicht mehr zu helfen.

  • #6
    Hans Hanke

    http://www.ksta.de/html/artikel/1176113436263.shtml

    da ist der Herr ja grad der Richtige.
    Aber ich schäme mich für meinen Genossen und Exkanzler.
    Nicht erst jetzt.

  • #7
    paule t.

    Erdogan hat explizit zur Integration aufgerufen (und das auch unter verschiedenen Gesichtspunkten inhaltlich ausgeführt, zuallererst bei der Beherrschung der deutschen Sprache), sie allerdings von Assimilation unterschieden und nur letztere abgelehnt (inhaltlich sicher am kritischsten dabei die Meinung, Kinder türkischer Einwanderer sollten zuerst Türkisch lernen).
    Von letztem Punkt abgesehen kann ich aber an einer Stellungnahme pro Integration kontra Assimilation wenig Skandalöses sehen, auch wenn man darüber sicher diskutieren kann.

    Aber jedenfalls finde ich es, vorsichtig ausgedrückt, eine ungewöhnliche Bewertung, vor diesem Hintergund Äußerungen wie „Ich bin auch Euer Präsident!“ und „Lernt Deutsch, aber bleibt, wer ihr seid!“ zu „Kriegserklärungen an die Integration“ hochzustilisieren. Weniger vorsichtig ausgedrückt: Verkehrung ins Gegenteil.

    Für das Zitat „Bildet einen Staat im Staat, aber nennt es nicht so“ habe ich nun sogar gar keinen Beleg im Internet gefunden – obwohl ich die angeblich komplette Rede von 2008 im Internet gefunden habe, es da aber nicht drin steht, und Giordano es schon später im Jahr 2008 verwendet hat, es also nicht aus der Rede 2011 stammen kann. Das kommt mir doch sehr merkwürdig vor.

  • #8
  • #9
    Frank

    …[das seit dem der Recep Tayyip Erdogan Ministerpräsident der Türkei ist,
    das Grosse Schritte in der Demokratisierung der Türkei erfolgt hat]…

    naja, große Teile der Journalisten in der Türkei sehen das aber ganz anders! 🙁

  • Pingback: Pressespiegel

  • #11
    paule t.

    Ja, dass der Brief Giordanos massenhaft durch die Presse gegangen ist, ist offensichtlich. Aber gibt es für die Zitate, die er an den Anfang stellt, auch einen Beleg?
    Ich bin da sehr zwiegespalten, weil ich einerseits nicht glauben mag, dass Giordano so etwas einfach erfindet; andererseits kommt mir jedenfalls das dritte arg unwahrscheinlich vor, und ich habe es auch nicht verifizieren können.

  • #12
    paule t.

    @ #9 Frank:
    Man sollte nicht vergessen, was vor Erdogan war. Sicherlich liegt vieles noch sehr im Argen – Pressefreiheit, Umgang mit dem Völkermord an den Armeniern, Umgang mit Minderheiten usw.
    Aber was war denn davon vor ihm besser? Die Regierungen harter Kemalisten waren sicher nicht demokratischer oder minderheitenfreundlicher.
    Diese Meinung, dass es in Relation dazu, wenn auch nur langsam und mit Rückschlägen, dennoch Fortschritte gibt, habe ich schon öfters gelesen.

  • #13
    Helmut Junge

    @Paule T.
    wenn Sie sich so oft beklagen, dass Sie die von Giordano angegebenen Zitate nicht finden können, fühle ich mich fast wie aus Nächstenliebe aufgefordert, Ihnen zu zeigen, wie man so etwas macht, um eine Quelle zu finden.
    Also Paule, Sie kopieren einen Satz, oder einen Teil eines Satzes, aus dem Text von Giordano. z.B:
    „Es leben 100 000 Armenier in meinem Land, die nicht seine Bürger sind.“
    Das geben Sie dann bei Google ein.
    Dann klicken Sie „Return“ oder auch „Suche“
    und dann gibt Google Ihnen fast eine halbe Million Hinweise.
    Direkt auf der ersten Seite unten ist ein Link zu einem Artikel der Welt online, den ich Ihnen, zur Erleichterung ihrer Suche, direkt hier einsetze.
    Sie brauchen jetzt nichts weiter tun, als den folgenden Link unter diesen Zeilen anklicken.
    viel Spaß dabei
    http://www.welt.de/politik/ausland/article6815281/Tuerkei-droht-100-000-Armeniern-mit-Deportation.html

  • #14
    Arnold Voß

    Erdogan ist vor allem Machtpolitiker. Er versteht es dabei geschickt den Islam mit dem türkischen Nationalismus zu verknüpfen. Auch und vor allem bei den Türken die in Deutschland leben. Egal ob sie die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder nicht. Im übrigen gilt bei den Deutsch-Türken, die in der Türkei wahlberechtigt sind,sehr wohl, dass er ihr Präsident ist. Und zwar ihr einziger.

    Das ist natürlich insgesamt nicht integrationsfördernd. Andererseits ist der türkische Nationalismus, der immer wieder chauvinistische Züge trägt, keine Erfindung Erdogans. Und auch er bricht auf. Zumindest bei einem Teil der Deutsch-Türken. Aber so etwas geht nun mal sehr sehr langsam. Genauso wie die Entwicklung eines moderaten Euroislam.

    Wenn es aber überhaupt ein islamisch dominiertes Land gibt, dass sich für eine solche Entwicklung öffnen könnte, ist/wäre das eine demokratische und säkulare Türkei. Deswegen muss den Europäern an einer engen Kooperation mit diesem Land gelegen sein um dessen Demokratisierung und Säkularisierung weiter voran zu treiben.

    Umgekehrt gilt es in Deutschland die doppelte Staatsbürgerschaft einzuführen und das kommunale Wahlrecht auch für die, die keinen deutschen Pass haben. Integration gibt es nur über reale Teilhabe und nicht über Sonntagsreden.

  • #15
    paule t.

    @#13 Helmut Junge

    Ich weiß, wie man Quellen findet, und normalerweise gelingt mir das auch. Kann aber natürlich sein, dass ich gerade zu doof bin. Also, wenn es Ihnen auch für den Satz gelingt, nach dem ich in #7 und #11 gefragt habe (und nicht irgendeinen anderen), wäre ich dankbar.

    Für „Bildet einen Staat im Staat, aber nennt es nicht so“ habe ich aber eben sehr oft den Brief Giordanos gefunden, auch eine Rede von ihm von 2008, aber einen Beleg von Erdogan nicht (kann ich zwischen den anderen freilich übersehen haben). Obwohl ich Erdogans Rede von 2008 bei der Welt gefunden habe, da war er aber eben nicht drin.

  • #16
    Klaus

    @#14 | Arnold Voß:

    „Umgekehrt gilt es in Deutschland die doppelte Staatsbürgerschaft einzuführen und das kommunale Wahlrecht auch für die, die keinen deutschen Pass haben.“

    Das bringt doch garnichts für die praktische Integration, denn die funktioniert zu allererst über die Sprache und wenn Kinder laut Erdogan zuerst Türkisch lernen sollen, ist das völlig kontra-produktiv.

  • #17
    Frank

    @Arnold Voss
    [Umgekehrt gilt es in Deutschland die doppelte Staatsbürgerschaft einzuführen und das kommunale Wahlrecht auch für die, die keinen deutschen Pass haben. Integration gibt es nur über reale Teilhabe und nicht über Sonntagsreden.]

    Ich befürchte nur das gleichzeitig eine dritte Klasse in Deutschland manifestiert wird, denn Wahlrecht heißt auch wichtige Funktionen besetzen. Wozu ein Wahlrecht? Lieber in Gruppen organisieren lassen und aktive meinungskundtun lassen – also überschaubarer Lobbyismus!

  • #18
    Rudi Gems

    Ich finde, so alte Klamotten, wie die Armenier, immer wieder aufzukochen zu müssen, nicht sinnvoll. Da finde ich es viel schlimmer, das sich so ein fragwürdiger Altkanzler, noch immer in die Poltik einmischen darf.

    Zu Herrn Erdogan, habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Auf der einen Seite, erkenne ich durchaus seine Leistungen an, die er in seinem Land, in Richtung Demokratie und Rechtsstaat geleistet hat. Auf der anderen Seite, habe ich aber auch viel Kritik an ihm, z.B. das mit den Armeniern.

    Insbesondere, aber seine Versuche, sich an vermeindliche Landsleute, hier in der BRD, zu wenden, widert mich schon fast an. Das sind nicht mehr seine Landsleute. Sie sind vor ihm, oder seinen Vorgängern, in Panik geflohen. Sie haben es in der Türkei, nicht mehr ausgehalten. Sie waren die ökonomischen Bedingungen in der Türkei, so leid, das sie alles liegen und stehen gelassen haben, und abgehauen sind.

    Wenn Herr Erdogan sie eingeladen hätte, zurück in die Türkei zu kommen, wäre die Sache ja OK gewesen. Aber, das genau hat er ja nicht getan. Er hat sie aufgefordert, hier in der BRD, zu bleiben, aber auch gleichzeitig Türken zu bleiben, oder wenigstens ein wenig Türken zu bleiben. Das wäre noch vor wenigen Jahrzehnten, der Casus Belli gewesen. Sowas könnte man auch als schlafende Landeinnahme werten. Er kann eigentlich nur froh sein, das die BRD, mehrheitlich ein so reifes Land geworden ist, das wir auch mit solchen Angriffen, leben können. Stellt euch nur mal vor, ein Kurden-Präsident, würde sowas, in der Türkei fordern?

    Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn Kinder zweisprachig aufwachsen. Im Gegenteil, ich nutze jede Gelegenheit, sowas zu fördern. Es gibt ja nicht nur Türkisch, hier in Deutschland, als Zweitsprache. Aber, damit muss die Fremdkörperei, auch ein Ende haben. Wer hier in der BRD, auf Dauer, über Generationen leben will, muss Deutscher werden. Wer das nicht will, soll in das Land zurückgehen, zu dem er sich zugehörig fühlt. Eine gewisse Gastquote, darf in keiner Nation, überschritten werden, ohne ernsthafte Schäden anzurichten.

    Wie kleinkariert, eine solche Denkweise ist, zu meinen, man könnte dauerhaft, ein Fremdkörper in einem Land bleiben, bekommen wir sogar hier im Thread mit. Natürlich spricht es für unsere Toleranz, wenn wir Menschen, sogar studieren lassen, deren Rechtschreibung nicht über das 4. Schuljahr Grundschule geht. Aber auch hier, sollte man wissen, das das Grenzen hat. Einen Beamten, regierenden Politiker, Arzt, Rechtsanwalt oder gar Richter, könnte ich mir mit so einer Rechtschreibung, jedenfalls nicht vorstellen.

    Und das ist auch die Gefahr. Wer so mit der Integration umgeht, das er sogar eine Assimilationsphobie entwickelt, befördert seine Landsleute, in eine Gethobildung. Erst, wenn man in der Lage ist, alle Berufe abdecken zu können, die es in einem Land gibt, ist man auch wirklich, in dem Land angekommen. Dies haben zum Beispiel die Ausländer, die in Berlin, eine Partei in den Senat bringen wollten, schmerzhaft erfahren müssen. Sie sind, im Gegensatz zu den Piraten, nicht über den Status, der „Sonstigen Parteien“, hinausgekommen.

    Ich kann abschließend nur feststellen: „Es war ein weiser Entschluss, von Herrn Erdogan, den Preis nicht anzunehmen.“

    Grüße, Rudi Gems

  • #19
    Sven Glückspilz

    Ich finde, den Völkermord an den Armeniern als „alte Klamotte“ zu bezeichnen, nicht nur nicht sinnvoll, sondern vermessen. Andere Prädikate, die mir dazu einfallen, wären eklig, borniert, geschichtsvergessen. Ich empfehle dem Kommentator #18, sich einmal die wenige deutschsprachige Literatur zu dem Thema anzuschauen, wahlweise, einmal Armenien zu besuchen und dort zu erleben, wie präsent der Völkermord heute noch ist. Der Völkermord hat vor nicht einmal hundert Jahren stattgefunden, er führte – neben hunderttausendfachem Tod – zum Exodus der Armenier nach Frankreich und Nordamerika, während das in der Kaukasusregion liegende Rest-Armenien von der Sowjetunion einverleibt wurde. Für die Armenier ist der Völkermord und seine Folgen alles andere als eine „alte Klamotte“.

  • #20
    Helmut Junge

    @ paule t. (15),
    es ist doch merkwürdig, dass Sie den Satz von Erdogan kennen, den er in dieser bereits „abgemilderten“ Form noch einmal gesagt hatte, und trotzdem zu einer positiven Beurteilung dieser Person kommen.
    Sie sollten den Satz noch einmal lesen. Vielleicht kommen sie dann zu einem anderen Schluß. Was wäre, wenn ein anderer Politiker so etwas sagen würde?

    „„Gegenwärtig leben 170.000 Armenier in unserem Land“, sagte er. „Nur 70.000 sind türkische Staatsbürger, aber wir tolerieren die übrigen 100.000. Wenn nötig, kann es passieren, dass ich diesen 100.000 sagen muss, das sie in ihr Land zurückgehen sollen, weil sie nicht meine Staatsbürger sind. Ich muss sie nicht in meinem Land behalten.“
    Ich setze auch noch mal den Link zu dem Artikel darunter.

    http://www.welt.de/politik/ausland/article6815281/Tuerkei-droht-100-000-Armeniern-mit-Deportation.html

  • #21
    paule t.

    #20 | Helmut Junge sagt am 19. März 2012 um 19:28
    @ paule t. (15),
    es ist doch merkwürdig, dass Sie den Satz von Erdogan kennen, den er in dieser bereits “abgemilderten” Form noch einmal gesagt hatte, und trotzdem zu einer positiven Beurteilung dieser Person kommen.

    Positive Beurteilung?
    Da haben Sie meine Aussagen nicht genau gelesen. Positiv sehe ich ihn höchstens im Vergleich zu seinen kemalistischen Vorgängern; und vielleicht im Vergleich zu dem, was Leute denken, die ihn allein deswegen, weil er auf islamischer Grundlage Politik machen, schon für den Gottseibeiuns halten. Damit ist er aber keineswegs ein Politiker, den ich besonders toll finden oder wählen würde.

  • #22
    Helmut Junge

    @ paule t,
    Sie drücken sich bei Erdogan um jedwede negative Wertung herum.
    Das ist auffällig. Das tun Sie auch jetzt wieder.
    Was sagen Sie denn zu der Idee von Erdogan, die Armenier aus der Türkei auszuweisen, die keinen türkischen Paß besitzen?
    Sie schreiben, dass Sie ihn nicht besonders toll finden und ihn sogar nicht mal wählen würden?
    Ist das die höchste Form von ablehnender Kritik bei Ihnen?
    Paule, ich habe alle Ihre Postings gelesen, und da waren viel moralisierende Anmerkungen dabei. Hier tun Sie sich vergleichsweise aber sehr schwer. Warum?
    Jeder, der hier in Europa so einen Satz sagt, oder auch nur denkt, bekommt die Empörung aller sehr laut und sehr deutlich zu spüren.
    Meine Empörung, Paule, und mit Sicherheit auch Ihre Empörung. In so einem Fall wären wir uns wohl einig. Aber wenn Erdogan so etwas sagt, redet sich @Paule T. um den Kernpunkt herum. Das ist merkwürdig, und da laß ich auch nicht locker.

  • #23
    Ulf

    Kleiner Einwurf: Wer sich über Erdogans Aussage bezüglich der Armenier mokiert, sollte unseren Vorredner Rudi Gems (#18) nicht ungeschoren lassen. Der faselt hier von „Fremdkörperei“ und sagt auch nichts anderes als Erdogan: „Wer hier … auf Dauer … leben will, muss Deutscher werden. Wer das nicht will, soll in das Land zurückgehen, zu dem er sich zugehörig fühlt.“ Es gibt Leute, bei denen das „Ausländer raus!“ heißt und die hier normalerweise kein Forum bekommen.

  • #24
    Stefan Laurin

    @Ulf: Und deswegen wurde auch fast alle von Rudi Gems gelöscht. Und er wird hier auch nicht mehr kommentieren!

  • #25
    Helmut Junge

    @Ulf, so wie Laurin reagiert hat, geht es hier so lange ich hier blogge zu, und zwar selbst wenn es eine Einzelperson ist, die so was sagt.
    Und so ist das auch richtig.
    Stefan Laurin hat mit der Löschung der meisten Kommentare von Gems völlig richtig gehandelt. Und Gems ist jetzt gesperrt.
    Erdogan ist aber sogar Staatsmann, der genau das umsetzen könnte, was er sagt.
    Er ist wichtiger, weil er Macht hat. Soll das, was er sagt, dann unbewertet bleiben?
    Sie haben sich jetzt zu Gems geäußert, aber nicht zu Erdogan, obwohl der Artikel, zu dem wir diskutieren allein ihm gewidmet ist.
    Ich habe beides getan.
    @Paule T. hat das mit der Kritik an Erdogan offenbar bisher noch nicht hingekriegt.
    @Ulf, kriegen Sie das denn hin? Denn darum geht es mir. Bei gleichem Delikt, gleiche Bewertung.
    Allerdings kenne ich etliche Leute, die immer nur eine Seite negativ bewerten, das ist die Seite, die sie nicht mögen. Die eigene Seite dagegen, ja, da findet man doch möglicherweise Gründe, um das zu vermeiden, nicht wahr?

  • #26
    paule t.

    @ #22 Helmut Junge:

    Was Erdogan bezüglich der Armenier in der Türkei sagt, ist schlimmer, minderheitenfeindlicher Populismus, das ist gar keine Frage. Das ist so selbstverständlich, dass man dazu nicht viel sagen muss, finde ich. Allerdings ist derartiger Populismus im Wahlkampf in Europa leider nicht so selten, wie man denken könnte – Sarkozy, Berlusconi, Orban haben duchaus ähnliche Äußerungen getan, und das sind nur die, die mir spontan einfallen und Regierungschefs sind oder waren. Im Unmgang mit Minderheiten und was die dmokratischen Gepflogenheiten angeht, ist in der Türkei natürlich noch mehr nicht in Ordnung, aber das habe ich auch schon gesagt; insofern ist ihre Aussage, ich würde mich „um jedwede negative Bewertung herumdrücken“, einfach nicht richtig.

    Was ich etwas merkwürdig finde, ist Ihr Bestreben, von anderen Leuten Aussagen erzwingen zu wollen. Warum bin ich Ihnen denn Rechenschaft schuldig? Wenn mich hier in diesem Thread etwas anderes interessiert hat als Sie, ist das doch meine Sache. Und mich hat eben interessiert, ob bei aller richtigen Kritik an Erdogan außerdem noch unehrliche und auf falschen Zitaten aufbauende Kritik dazukommt. Das fände ich gerade bei dem Thema, das für unser Land besonders wichtig ist, nämlich die Frage der Integration der türkischstämmigen Minderheit, ziemlich fatal.

    Wenn da einem Politiker, den viele aus dieser Minderheit – ob wir das gut finden oder nicht – gut finden, mit einem schlicht falschen Zitat „Kriegserklärungen an die Integration“ vorgeworfen werden, wäre das mE selbst nicht besonders gut für die Integration. Und der Verdacht wächst bei mir immer mehr, dass das mit dem Satz „Bildet einen Staat im Staat, aber nennt es nicht so“ der Fall ist. Dieser Satz wäre so empörend, so offen integrationsfeindlich, ja geradezu staatsfeindlich gegenüber der BRD, dass er mMn schärfste Reaktionen hätte nach sich ziehen müssen, wenn er echt wäre. Nun habe ich den Satz aber weder in Erdogans Rede, wie die „Welt“ sie im Internet veröffentlicht hat, gefunden, noch bei Wikipedia über Erdogan, noch irgendwo im Presseecho auf seine damalige Rede diesen Satz oder Reaktionen darauf gefunden. Gefunden habe ich ihn nur immer wieder bei Giordano, in seinem jetzigen Brief, der ja dutzendfach durchs Internet geht, und einer alten Rede.

  • #27
    Helmut Junge

    @ paule t. (26),
    Ich hatte schon gedacht, Sie würden für die Imageabteilung der türkischen Regierung arbeiten und dürften Ihren Chef nicht verraten.
    Klar, das ist sehr überspitzt. Sorry.
    Aber was soll ich sagen?
    Jetzt haben Sie sich ja doch erklärt, und Ihr Motiv in diesem Diskurs ist auch nachvollziehbar.
    Jemanden seine Position darzulegen ist doch Sinn solcher Diskurse. Ihre Position war mir aber nicht klar, und so etwas ist für einen Diskurs total ungünstig. Da habe ich mir überlegt, was ich tun kann, um Sie dazu zu bringen, mir Ihre Position zu verraten.
    Aber niemand kann von anderen Personen Aussagen „erzwingen“.
    Ich kann das auch nicht.
    Es geht, oder ging um einen Preis für Friedensbemühungen. Und da dachte ich, dass der Satz, dem Sie nachspürten, keine Erweiterung zu dem Satzanfang haben kann. Denn was bedeutet das schon, zu sagen,“sagt das aber nicht“?
    Meiner Meinung nach muß doch gerade ein solcher Plan, wenn er umgesetzt werden soll, propagiert werden.
    Wenn er nicht millionenfach erklärt, diskutiert, konkretisiert, verfeinert wird, ist er doch nichts wert.
    Und die türkischstämmige Bevölkerung in Deutschland ist doch so differenziert, hat so viele verschiedene Interessen, daß sie mit Sicherheit gar nicht auf solche Forderung, in ihrer Gesamtheit ansprechbar ist. Solch ein Plan ist in dieser Form nicht realistisch. Dass es einzelne Gruppen gibt, die das gerne machen würden, ist zwar möglich, aber solange die das im Geheimen betreiben, sind sie zwar schwer aufzuklären, aber wegen der klandestinen Form auch nicht besonders wirksam.
    Davor habe ich überhaupt keine Angst, und deshalb bin ich auch nur auf den Aspekt der Minderheitenfeindlichkeit eingegangen. Sie haben sich aber an diesen schwer auffindbaren Quellen festgehalten. Habe ich nicht verstanden. Aber gegen die Minderheitenfeindlichkeit haben Sie nichts gesagt. Stattdessen haben Sie gesagt, dass Erdogan besser sei, als seine Vorgängerregierungen.

    Unter meinem Blickwinkel haben Sie also anfangs eine positive Einschätzung Erdogans vorgetragen.
    Aber eigentlich ist es nicht gut, dass ich so nachgeharkt habe. So wichtig sind die Auseinandersetzungen ja nun doch nicht.
    Gut, dass Sie mich danach gefragt haben.
    Vielleicht sollte ich mal wieder einige Zeit aus der Bloggerei aussteigen.

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