‚Datteln 4‘ wird im Bundestagswahlkampf 2013 kein großes Thema sein – Dabei wären doch noch viele Fragen zu diskutieren!



Der Bundestagswahlkampf steht schon bald vor der Tür. Das Kraftwerk ‚Datteln 4‘ wird darin wohl keine nennenswerte Rolle spielen. Und den Verantwortlichen, sowohl bei SPD als auch bei den Bündnisgrünen im Lande, scheint das so auch ganz recht zu sein.

In den letzten Wochen wurden zudem alle Weichen von den handelnden Personen so gestellt, dass die Anhängerschaft des jeweiligen NRW-Koalitionspartners mit den jüngsten Entwicklungen zu diesem Thema auch scheinbar keinen wirklichen Grund zur Unzufriedenheit haben kann. Bei näherer Betrachtung schwelt der Konflikt, der eigentlich die Kraft zum Koalitionsbruch in Düsseldorf und beim RVR hätte, aber unverändert weiter. Er wird aktuell wohl nur mehr oder weniger elegant aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit gezogen.

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Eishockey: Die Chicago Blackhawks spielen gegen die Boston Bruins im Stanley Cup-Finale 2013

Kann Patrick Kane mit seinen Chicago Blackhawks nach 2010 den nächsten Titel in der NHL erringen? Foto: Robin Patzwaldt
Patrick Kane erzielte in der Nacht den entscheidenden Treffer gegen Los Angeles in der Verlängerung. Foto: Robin Patzwaldt

Zu einem echten Klassiker kommt es im diesjährigen ‚Stanley Cup-Finale‘ in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL. Mit den Boston Bruins und den Chicago Blackhawks treffen hier nämlich in diesem Jahr zwei ‚Original-Six-Teams‘, also Gründungsmitglieder der ursprünglichen nur 6-Teams umfassenden NHL aufeinander, um den Titelträger 2013 auszuspielen.

Während die Boston Bruins gestern, etwas überraschend, vor allem auch in der Deutlichkeit, die hoch gewetteten Pittsburgh Penguins mit 4:0 Siegen, also einem sogenannten ‚Sweep‘ aus dem Rennen warfen, setzten sich die Blackhawks, ihrer Favoritenrolle gemäß, gegen die Los Angeles Kings, den Titelverteidiger, nun ebenfalls recht deutlich mit 4:1 Siegen durch.

Den entscheidenden Siegtreffer zum 4:3 im Spiel heute Nacht erzielte ausgerechnet der kanadische Publikumsliebling Patrick Kane für sein Team in der zweiten Verlängerung vor heimischer Kulisse.

Damit treffen nun

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Eishockey: Die Titelträger der letzten vier Jahre ermitteln den NHL-Champion 2013 unter sich

Kann Patrick Kane mit seinen Chicago Blackhawks nach 2010 den nächsten Titel in der NHL erringen? Foto: Robin Patzwaldt
Kann Patrick Kane mit den Chicago Blackhawks 2013 den Titel erringen? Foto: Robin Patzwaldt

Häufig genug gab es in der nordamerikanischen NHL (National Hockey League) in den letzten Jahren Überraschungssieger. Teams aus der unteren Setzliste konnten die Vorrunde vergessen machen und sich Lord Stanley’s Cup sichern. Dieses Jahr wird das nicht der Fall sein. Seit heute Nacht steht fest: Die Titelträger der letzten vier Jahre machen den neuen Champion unter sich aus. Es kommt zum Treffen der ‚Giganten‘ in der National Hockey League.

Spannend und ausgeglichen waren die Serien zuletzt. Sowohl Chicago als auch Los Angeles benötigten die volle Anzahl von Spielen, nämlich sieben, um ihre Gegner mit jeweils 4:3 aus dem Wettbewerb zu befördern. Hierdurch hatten die San Jose Sharks und auch die altehrwürdigen Detroit Red Wings knapp das Nachsehen. Zuvor hatten bereits die New York Rangers (2:4 gegen Boston) und die Ottawa Senators (1:4 gegen Pittsburgh) den Kampf um den großen Silberling für dies Jahr aufgeben müssen.

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FC Schalke 04: Christoph Metzelder erklärt Karriereende im Profifußball

Christoph Metzelder, hier noch im Trikot von Real Madrid. Quelle Wikipedia Foto: Elemaki Lizenz: cc
Christoph Metzelder, hier noch im Trikot von Real Madrid. Quelle Wikipedia Foto: Elemaki Lizenz: cc

Nun kam es also doch so, wie es vielleicht zu befürchten war: Christoph Metzelder hat im Alter von nur 32 Jahren seinen Rücktritt vom aktiven Profifußball erklärt. Der Abwehrrecke wird zukünftig als TV-Experte für den Bezahlsender ‚Sky‘ arbeiten, für den er u.a. auch schon während der WM 2010 tätig war. Damit verliert die Bundesliga, ohne Zweifel, einen ihrer wohl profiliertesten Profikicker.

Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde ‚Metze‘ Vize-Weltmeister, mit Borussia Dortmund Deutscher Meister, mit Schalke DFB-Pokalsieger. „Ich bin unglaublich dankbar dafür, eine großartige Karriere erleben zu dürfen“, sagte der 32-Jährige gestern. „Ich kann auf dem Niveau körperlich nicht mehr mithalten. Ich höre sehr früh auf, aber ich glaube, es ist richtig.“

Damit setzt der gebürtige Halterner einen leisen, aber würdevollen Schlusspunkt unter seine, vom Verletzungspech gebeutelte Karriere, welche trotzdem einige imposante Höhepunkte vorweisen kann, welche aber sicherlich ursprünglich noch deutlich mehr Potential versprach. Sein Körper spielte da aber nicht mit.

Immerhin 47 Länderspiele sind für ihn verzeichnet. Bei der Weltmeisterschaft 2002 spielte er in allen sieben Begegnungen des DFB-Teams, wurde Vize-Weltmeister. Doch bereits kurz darauf begann seine Pechsträhne. Schon in seiner Zeit bei Borussia Dortmund fehlte er

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Der Star ist die Mannschaft

Wer hätte das gedacht? Nach bisher 11 WM-Spielen mit dem ersten Antritt von 22 Mannschaften hat die deutsche mit Abstand am meisten überzeugt. Bei ihr war augenfällig, was auch in den anderen Spielen entscheidend war: sie hatte einen Teamspirit.

Spieler, die eine Scheiss-Saison hinter sich hatten, blühten wieder auf (Podolski, Klose), und Spieler, die eine Supersaison hinter sich haben, bestätigten ihre Form (Müller, Khedira, Cacau). Die müssen einen guten Trainer haben. Offen bleibt, ob sie vielleicht mit Australien einen sehr leichten Gegner hatten. Darüber wissen wir bald mehr, spätestens Freitagnachmittag. Gehen wir kurz mal die anderen Spiele durch:
Südafrika-Mexiko 1:1 – vor allem für die Südafrikaner wird es d a s Spiel ihres Lebens gewesen sein. Mexiko war spielerisch besser – insgesamt für die Zuschauer ein enttäuschendes Spiel wie fast alle Eröffnungsspiele, aber der Teamspirit stimmte auf beiden Seiten – das 1:1 also logisch.
Uruguay-Frankreich 0:0 – Frankreich eine derangierte Ansammlung von Einzelstars, Uruguay spielerisch stark limitiert, aber als Mannschaft auf dem Platz.
Südkorea-Griechenland 2:0 – bei Südkorea rannten alle füreinander.
Argentinien-Nigeria 1:0 – Maradona, man glaubt es kaum, hat eine Mannschaft geformt, sogar Messi hat ein gutes Länderspiel gemacht; Nigerias Spieler wirkten dagegen nicht als Team, sie sind zuhause verehrte reiche Männer, aber das ist auf dem Fußballplatz eher leistungshemmend.
England-USA 1:1 – England wirkte ratlos, Aussenseiter USA kämpfte als Mannschaft.
Algerien-Slowenien 0:1 – Algerien glaubt nach dem Qualifikationskrimi gegen Ägypten den Fußballgipfel schon erklommen zu haben, so ehrgeizarm spielten sie auch.
Serbien-Ghana 0:1 – Ghana hat als einziges Afrika-Team bisher überzeugt, allerdings nur in der 2. Halbzeit, und wie üblich unter Auslassung vieler Torchancen; eine Mannschaft mit Potenzial, aber mit großer Prognoseunsicherheit.
Niederlande-Dänemark 2:0 – die Niederlande wurden nicht wirklich gefordert, die Einwechslung des Hamburgers Elia in den letzten 15 Minuten steigerte sofort die spielerische Agressivität. Von denen haben wir noch nicht alles gesehen, vor allem Robben nicht (noch verletzt).
Japan-Kamerun 1:0 – Kamerun hat sich offensichtlich selbst überschätzt und sich entsprechend blamiert, Japan hat gefightet.
Italien-Paraguay 1:1 – Paraguay hat bis zum letzten Atemzug gekämpft und den Weltmeister fast blamiert; Italien blieb spielerisch alles schuldig, hat sich aber immerhin mit Müh und Not wieder ins Spiel hineingebissen, wie so oft bei Turnieren. Auch von ihnen haben wir noch nicht alles gesehen, Schönheit werden wir jedenfalls nicht geboten bekommen.
Am Dienstag wird spannend, wie Elfenbeinküste-Portugal (16 h) läuft. Wird Drogba spielen und ist das gut oder schlecht für das Team? Welche Rolle spielt die Diva Cristiano Ronaldo, der Schöne mit der rasierten Brust, für Portugal?
Dass Ballack fehlt, die These wage ich, war für das deutsche Team ein Doping-Clou. Flache Hierarchie, Verantwortung für alle, Leistung von allen. Da ist viel drin. Sogar die Rettung von Merkel.

Essen: Jugend forscht 2010 oder „Tu Gutes und rede darüber.“

Heute wurde Deutschlands Wissenschaftsnachwuchs in der Philharmonie Essen prämiert. Bundesbildungsministerin Annette Schavan war nicht die einzige, die die (fast) kostenlose PR für sich nutzte.

Foto: C.Hahn

Eines vorweg: Forschung ist wichtig und Forschung ist gut. Bildung ist die einzige Ressource, die uns noch bleibt, wenn alle Quellen leer gepumpt sind. Forschung lebt von Investoren. Gerade im Ruhrgebiet möchte man das unterschreiben.

Die Philharmonie in Essen strahlte bei der Preisvergabe von „Jugend forscht 2010“ und ließ die Debatten um die Bildungspolitik kurz verstummen. Denn heute waren alle stolz auf den Nachwuchs Deutschlands. Zurecht – denn hier präsentierten zum Teil minderjährige Genies ihre Werke. Da konnte selbst Annette Schavan mit ihrem Theologie und Philosophie-Studium einpacken.
Sobald man sich jedoch von dem Intelligent Input erholt hat, holt einen die Wirklichkeit wieder ein. Die Pressemappe platzt aus allen Nähten, gefüllt mit Infos zu den Sponsoren. Ein Firmenlogo jagt das nächste, auf der Suche nach ein bisschen Aufmerksamkeit.

Dieses Jahr schmückt das ThyssenKrupp-Logo das Wettbewerbs-Motto „Entdecke neue Welten“. Und so verläuft auch die gesamte Veranstaltung nach dem Motto „Unsere schöne PR-Welt“. ThyssenKrupp-Vorstandsmitglied Ralph Labonte hält die Eröffnungsrede und vergisst nicht, sein Unternehmen das ein oder andere Mal zu erwähnen. Tradition, Gegenwart, Zukunft – all das hat ThyssenKrupp. Jede Runde wird von einem anderen Unternehmen oder einer Stiftung gesponsert.

Wie sehr die stolzen Eltern ihre Sprösslinge sponsern, wird klar, als Annette Schavan ihre Rede hält: „Gerade in Zeiten der Krise darf niemand in Wissenschaft und Politik nachlassen. Wir brauchen mehr Investitionen in Bildung und Forschung. Wir brauchen mehr Investitionen in die Zukunft.“, lässt die Bildungsministerin verlauten. Tobender Applaus. Es ist klar, wo die stolzen Eltern stehen.

Ein bisschen Verwirrung kommt zwischenzeitlich auf: Zwischen Händeschütteln und Posing vergisst Schavan glatt das Programm, fragt nach einem kurzen Briefing und sammelt sich. Denn schließlich muss es weitergehen – so ein Termin mitten im Ruhrgebiet ist nicht die schlechteste PR. Wäre er doch nur eine Woche früher gewesen, vielleicht hätte sie für ihren Kollegen Rüttgers das Ruder rumreißen können. Ein Stückchen wenigstens.

Doch zurück zum Applaus: Schavan strahlt, schüttelt Hände, es ist ihr Job. Sie muss hier stehen und sie muss betonen, dass es auch gute Schulen in Deutschland gibt. Dass nicht alles schlecht ist an ihrer unserer Bildungspolitik. Aus aktuellem Anlass betont sie, man dürfe nicht an Bildung sparen. Applaus.

Ich hätte gern die Eltern der Sieger gefragt, welchen akademischen Titel sie haben. Oder ob die Eltern mancher Kinder nicht kommen konnten, weil kein Armani-Sakko im Schrank hängt oder schlichtweg nicht das Geld für die weite Anfahrt und ein Hotel da ist. Zwischen Jazzmusik und Perlenketten sehe ich Murat*. Er ist der einzige, der mir heute auf der Bühne aufgefallen ist, zwischen den Florians und Sebastians. Doch Murat kann man – wenn man aus dem Ruhrgebiet kommt – eigentlich nicht dazu zählen. Denn Murat kommt aus Süddeutschland und ist Gymnasialschüler.

Nach wie vor ein seltenes Bild: Frauen in der Wissenschaft / Foto: C.Hahn

Ich hätte auch gern auch Frau Schavan gefragt, woran es wohl liegt, dass gut 1/5 aller Projekte aus Süddeutschland kommen. Soll es wirklich so sein, dass wir ein Nord-Süd-Bildungsgefälle haben? Ich hätte gern gewusst, warum nur ein Mädchen aus Nordrhein-Westfalen am Finale teilnimmt. Und wie es kommt, dass unter den Erstplatzierten nur Jungen sind. Doch dafür bleibt keine Zeit.

Und dann bringt es Ralph Labonte es in seiner Rede auf den Punkt:“Wenn in den Bewerbungsunterlagen eine erfolgreiche Teilnahme an ´Jugend forscht´vermerkt ist, hat der Bewerber gute Chancen, ganz oben auf dem Stapel zu landen.“ Seine Auswahlkriterien sind klar. Labonte selbst ist gelernter KfZ-Mechaniker und hat es geschafft. Eine steile Karriere, die heute so wohl nicht mehr möglich wäre.

Elite fördert Elite, von der Krippe bis zur Bahre.

Applaus, der Saal leert sich. In der Halle gibt es Häppchen und Sekt, im RWE-Pavillon Buffet. Der Kellner kommt, er könnte Murats Bruder sein. Nur eben mit Schürze. Und im Ruhrgebiet.

*Name geändert

2010 macht gaga

Was ist nur im Führungsteam der Kulturhauptstadt 2010 los? Erst drehte Fritz Pleitgen hohl, im Zeppelin will er über den Ruhrschnellweg und zigtausend Kölner Kegelschwestern, klick. Jetzt ist Karl-Heinz Petzinka nicht mehr zu halten, klack.

Foto: flickr buffel_de_be

Petzinka ist im normalen Leben Geschäftsführer der Treuhandstelle (THS) und dazu einer von vier  künstlerischen Direktoren von 2010. Was offenbar ziemlich ansteckend ist: Denn jetzt will auch Petzinka die A 40 ab 2010 jedes Jahr zur Volksfestmeile machen. "Love-Parade, Marathon oder eine Olympiade für Gehandicapte", schweben Petzinka vor. Eine "Olympiade für Gehandicapte". Tolle Idee, nur gibt es längst Paralympics, Special Olympics. Und ob die wirklich auf einer Autobahn stattfinden wollen? "Auf einmal wird sich zeigen, dass diese Straße bespielbar ist", sagt Petzinka der WAZ. Aber wieso sollte ein Asphaltstreifen nicht "bespielbar"sein? Sogar spielbar, man müsste nur die Autos weglassen.

Weiter. Natürlich soll die A 40 auch zur "Visitenkarte der Region" werden, mit Autos und mit Kunstwerken, die sie "aufwerten, markieren" und blabla-en: "Die Aufwertung der A40 ist definitiv eines der schönsten Projekte im Rahmen der Kulturhauptstadt", sagt Petzinka. Denn dass sich "zwölf Städte an einer Hauptstraße abbilden" (steht da so), "gibt es an keiner anderen Stelle der Erde". Stimmt schon, zwölf Städte "die sich an einer Straße abbilden", das gibt es nirgendwo, nicht einmal im Ruhrgebiet! Aber nur hier wird aus solchem Unfug auch noch eine Vision gebaut:  "Und wenn es zwölf von 53 Städten geschafft haben, darüber Einvernehmen zu erzielen, werden es bei anderen Projekten vielleicht bald 24 und dann 48 sein. Dann fehlen uns zur Einheit nur noch fünf." Immerhin Kopf-Rechnen geht noch.

Wo der gute Mann aus Gelsenkirchen schon einmal bei seinen Flausen ist, stellt er noch eine weitere vor: Am Sitz von THS will der oberste Zechenhausverwalter auf den Turm von Zeche Nordstern vier Stockwerke Glasbüro setzen und "als Clou" (WAZ) ganz oben drauf einen 18 Meter großen Herkules  – "als Zeichen für Kraft und Mut" …. und Großspurigkeit?

Mein Fazit: Wenn die anderen Kulturstadtdirektoren Dieter Gorny, Asli Sevindim, Steven Sloane dann auch noch durchgedreht sind, kann Oliver Scheytt endlich seine Arbeit machen.

C’est la vie, Sellerie

Weil erst morgen Volksverdummungstag ist, heute nur wahre Meldungen:
 
1) Schlappe auf Schalke. Das Finale des UEFA-Pokals 2010 wird nicht in der Arena auf Schalke, sondern im Hamburger ADW-, Signal-, Nordbank-, wieauchimmer-, Stadion stattfinden. klick Zuvor hatte sich die Ruhr 2010 GmbH und Schalke 04 intensiv um eine Austragung des Endspiels im kleinen Europapokal bemüht. Im Kulturhauptstadtjahr sollten dadurch Fußball und Kultur zusammen finden.

2) Und der WDR-Essen meldet am Wochenende das:

Mit gemeinsamen Projekten wollen Istanbul und das Ruhrgebiet das Jahr 2010 gestalten. Die türkische Millionenstadt am Bosporus ist gemeinsam mit dem ungarischen Pecs und dem Ruhrgebiet im Jahr 2010 Europäische Kulturhauptstadt. Mit dem Regie-Star Peter Sellers soll ein gemeinsames Projekt erarbeitet werden, erklärte Nurin Colakoglu am Rande eines Empfangs beim deutschen Generalkonsul in Istanbul dem WDR. Der Chef eines großen türkischen Medienkonzerns leitet das Komitee Istanbul 2010. Außerdem werde die Rossini-Oper über Mohamed II., den Eroberer Istanbuls 2010 in Essen und Istanbul gezeigt. Der Generalsekretär des Goethe-Instituts Hans-Georg Knopp sagte seine Unterstützung zu. In der heutigen Zeit sei es wichtiger zusammenzuarbeiten, als sich gegenseitig zu zeigen, was man alleine leisten könne. Das Goethe-Institut in Istanbul arbeitet daran auch für 2010.

Dazu eine Anmerkung: Erst denkt man, na hoppla, Peter Sellers ist doch gar nicht mehr. Dann denkt man, na hoppla, Peter Sellars eigentlich auch nicht – zumindest dürfte der "Regie-Star" nach dem Hick und Hack um seine Intendanz nur noch wenig Lust aufs Ruhrgebiet haben (klick). Und schließlich denkt man, na hoppla, Peter Sellers lebt . . . als Chef der BospoRuhr 2010. Bombe.

flickr.com/ron-dorothy

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2010 in aller Stille

 Foto: Archiv

 

Zum Glück sprach die WAZ heute mal mit Dr. Oliver Scheytt, dem GF der Ruhr 2010 GmbH. Das Gespräch bekam einen abmoderierenden Bild-Teaser auf der Titelseite: "Noch 21 Monate bis 2010. Oliver Scheytt verrät – nichts". Stimmt aber nicht, denn Scheytt verriet doch etwas. Bitteschön:

Scheytt: Wenn das mit der A 40 gelingt, wird es eine Sensation (…) Kegelclubs haben schon Tische bestellt, und alle ehemaligen Bewerberstädte kommen. Köln hat 1000 Tische reserviert. Es heißt nicht umsonst „Stillleben A 40”! Das wird ein Feiertag, ein großes Gemeinschaftserlebnis. Und Fritz Pleitgen will mit einem Zeppelin da lang fahren und alles filmen.

Hm. Revier-Intendant Fritz Pleitgen wird also "mit einem Zeppelin da lang fahren und alles filmen". Wir freuen uns schon: Fritz sitzt in seinem Zeppelin und fährt die A 40 entlang und filmt 1.000 Kölner Kölschtische, ach was, 100.000 Kölner an Kölschtischen und macht daraus einen Dreiteiler für die ARD im Winter 2011. Die Kegelschwestern sind auch da und das ganz nennen sie Stillleben A 40. Köstlich. Raffiniert. Fabelhaft: Still Leben, weil alles still steht! Weil der Lärm weg ist! Und die Autos. Dafür gibt es aber den winzigen Rest von 1.000.000 Kölschtischen und Kegelgeschwistern, was natürlich auch hübsch still ist und auf jeden Fall den zentralen Gedanken vieler Stilleben gekonnt umsetzt: Vanitas, die Vergänglichkeit.

Statt knallbetrunkene Keglerinnen oder filmende Fernsehfritzen in Luftschiffen werden sonst allerdings lieber abbrennende Kerzen, Totenschädel oder faule Trauben genommen. Ich freu mich schon auf das Fernsehprogramm 2010/11. Fritz Pleitgen präsentiert das Fernseh- und Luftbildereignis zwischen den Jahren: "Die A40. Teil 1, Von Moers bis Kaiserberg. Die A 40, Teil 2, Von Styrum bis Kray. Die A 40, Teil 3, Von Frillendorf bis Kley."

2010: City of Cities

flickr/ariturk

Plötzlich war sie da, die Frage: Wer ist gerade die zweite europäische Kulturhauptstadt ?
Neben Liverpool. Weiß das jemand? Kennt das jemand?

Machen wir einen Sprung ins Jahr 2010: Drei Städte sind dann Europäische Kulturhauptstadt, und ich habe schon Angst um die anderen zwei. Denn worum geht es bei der Kulturhauptstadt? Um Besucher, neue Musentempel, herausragende Veranstaltungen, glückliche Menschen. Aber vor allem – und vor allem im Ruhrgebiet – geht es um den guten Ruf.

Bilbao, Glasgow, Weimar haben sich seinerzeit so rausgeputzt, dass sogar ich noch von ihnen weiß. Und warum? Weil darüber berichtet wurde, viel, überall. Was wird also 2010 sein? Wohin geht die Reise der Reisejournalisten, Korrespondenten, Weltfeuilletonisten, Fernsehmannschaften, Berichterstatter? Nach Pecs? Nach Essen? Nach Istanbul?

Bislang dachte ich, egal wie die Vorbereitungen auf 2010 laufen, wie die freie Szene auch meckert. Wenn es losgeht, dann geht es los, weil die Überreste des Fordismus, der kontrollierte Zerfall und das bisschen Phoenix für die Welt da draußen genug ungesehene Bilder liefern. Aber können Förderturm, Gebläsehalle, Dampfmaschine wirklich gegen Istanbul anstinken und Weltfragen: Wo beginnt und endet Europa? Wie groß ist Istanbul, das zweite Rom, wie jung, modern, kopftuchlos, kultiviert ein islamisches Land? Sagen wir es so: Zeche Fritz trifft auf die Hagia Sophia.

Ruhr 2010 wird also doch kein Selbstläufer! Und hoffentlich nicht nur White Trash, ein Volksfest auf der A40. Ich sehe schon diese Szene vor mir, eingefangen vom BBC-Worldservice, ein einsamer, alternder Jogger wackelt durch Industrienebel, denn über Ruhr 2010 wird erst im Herbst berichtet, weil es leider doch nicht abgeht.