13

taz: Riskante Hegemoniekonflikte

Die Titel der taz sind legendär Foto: taz/PR

In der taz wird der Streit um Identitätspolitik mittlerweile offen ausgetragen. Dabei geht es nicht nur um Fragen der journalistischen und politischen Ausrichtung der wichtigsten linken Tageszeitung der Republik, sondern auch um Macht.

Die am Montag vergangener Woche von Hengameh Yaghoobifarah in der taz veröffentlichte Kolumne „All cops are berufsunfähig“ löste eine Debatte aus. Yaghoobifarah, freie Mitarbeiterin der Zeitung, ging der Frage nach, welche alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten es für Polizisten gäbe und setze sie in dem Satz „Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“ mit Abfall gleich.  Der Text war provokativ und vor allem auch Public Relation in eigener Sache. In hunderten Artikeln wurde über die Kolumne Yaghoobifarahs diskutiert, der Presserat wurde angerufen und Bundesinnenminister Horst Seehofer dachte über eine Strafanzeige nach – ein Glücksfall für die taz und ihre Autorin, denn so konnte man sich als Opfer präsentieren. Jeder, der sich ein wenig auskennt, weiß, dass Strafanzeigen gegen Journalisten, so auch in diesem Fall, kaum Aussicht auf Erfolg haben. Wer die Presse mundtot machen will, greift zur Abmahnung – die kostet Geld und Geld ist ein knappes Gut. Seehofers ebenso dummes wie hochsymbolisches Gedankenspiel nutzte also vor allem Yaghoobifarah.

Doch Yaghoobifarahs Text löste nicht nur außerhalb sondern auch innerhalb der taz eine Debatte aus. In einem Brief an die Mitglieder der taz-Genossenschaft, der diesem Blog vorliegt, schreibt taz- Chefredakteurin Barbara Junge:

„Das Ringen in der Redaktion über den Text und darüber, was gesagt werden soll, darf oder muss, legt aber auch einen tieferen Konflikt in der taz offen. Wir streiten darum, wie stark der subjektive Blick den Journalismus prägen soll und darf. Identität, Repräsentation und Antidiskriminierung haben in den gesellschaftlichen Debatten inzwischen einen anderen, größeren Stellenwert. Die Frage, ob das einen anderen Journalismus definieren darf oder muss, ist eine schon lange schwelende Kontroverse in der taz.“

Ins Detail ging dann Christian Jakob in seinem Artikel Die Welt ist nicht schwarz-weiß:

„Es ist eine Generationenfrage, die den Journalismus tief verändern wird. Die taz hat nur noch nie offen darüber gesprochen. Und das ist gerade ihr eigentliches Problem(…)So soll die gesellschaftliche Auseinandersetzung stärker von Benachteiligten bestimmt werden können und sich die Dinge deshalb zum Besseren verändern mögen.

Und deswegen „darf“ eine PoC-Autorin wie Hengameh Yaghoobifarah in den Augen intersektional Denkender auch „alles“, wie es hieß. Wer ihr das abspricht – und etwa an der Kolumne herummäkelt –, ist kein guter „ally“, Verbündeter der Diskriminierten, sondern verteidigt seine Privilegien. Und wer ihr das abspricht und selber PoC ist, ist in dieser Lesart ein „token“, also von Weißen manipuliert. Entscheidend ist die Zugehörigkeit zu einem privilegierten oder zu einem unterdrückten Kollektiv. Aus Letzterem soll Definitionsmacht erwachsen – das Recht also, zu bestimmen, was diskriminierend ist. Rassistisch etwa ist demnach, was von einer – im Zweifelsfall einzigen – PoC so empfunden wird. Für intersektional Denkende ist dies zwingend.

Die meisten von ihnen kamen ab etwa 2005 an die Universität und wurden dort politisch sozialisiert, als Identität, Repräsentation und Privilegien zu zentralen Begriffen wurden.“

Wie allen Debatten die ihre Wurzeln im postmodernen Denken haben, hat auch Identitätsdebatte ein erheblich zerstörerisches Potential, schreibt Vojin Saša Vukadinović heute in der Welt: „…das Verbannen von Unliebsamem; der Wille, zu zerstören; die Tendenz zur Phalanx. Penetranz im Auftritt und kraftmeierische Rhetorik, Apodiktik der Forderungen und Lust an öffentlicher Zurechtweisung weisen Ähnlichkeiten mit autoritären Phänomenen der 70er-Jahre wie den K-Gruppen auf.“

Doch es geht bei all diesen Auseinandersetzungen nicht nur um Inhalte, es geht natürlich auch um Macht. Und Inhalte lassen sich beliebig in Machtkämpfen instrumentalisieren. Man kann die Debatte in der taz daher auch als Machtkampf zwischen den Jüngeren und den Älteren sehen, bei dem es, wie bei allem, dem man das Etikett Generationenkonflikt anheftet, um den Zugriff auf Ressourcen geht. Das ist so an den Hochschulen, in denen die Identitätspolitikapologeten, wie Vukadinović schreibt „Teile der Geistes- und Sozialwissenschaften hinter sich“ wissen: „Sie drangsaliert zielgenau diejenigen Kollegen und Kolleginnen, die andere Positionen vertreten. Der Campus ist mittlerweile einer der zentralsten Schauplätze der diesbezüglichen Auseinandersetzungen. „Cancel culture“ und „De-Platforming“, wie die Aufrufe zum Mobbing nunmehr selbstbewusst und unverhohlen genannt werden, sind die akutesten Ausprägungen der Entwicklungen.“

Dort verliefen diese Kämpfe erfolgreich, wie die zahlreichen Stellen an Hochschulen in Bereichen wie Gender-Studies, Kulturwissenschaften oder Postcolonial-Studies belegen. Aber Universitäten werden vom Staat bezahlt. Ein Sieg der Identitären in der taz könnte sich für sie selbst verheerend auswirken, denn sie gehören zu jener Fraktion des neuen Bürgertums, das nicht in der Lage ist, die Grundlagen seiner eigenen wirtschaftlichen Existenz zu sichern. Die Reaktionen zahlreicher taz-Leser auf den Text von Yaghoobifarah waren ablehnend. Die von den Identitären bevorzugte journalistische Herangehensweise könnte zu Abo-Kündigungen führen und die Existenz des Blattes gefährden. Vor wenigen Jahren hofften zahlreiche Medienunternehmen, mit einer Ausrichtung auf identitätspolitische Themen erfolgreich zu sein. Das stellte sich als Illusion heraus. Bento wird eingestellt, Vice, Watson und Buzzfeed stecken tief in der Krise und kämpfen zum Teil  um ihr Überleben und nur bei Funk sieht es gut aus, aber der Identitätskanal von ARD und ZDF wird über Gebühren bezahlt. Ob das Programm ankommt, es sich rechnet oder nicht, ist erst einmal egal.

Die taz ist kein kulturwissenschaftliches Institut, das öffentlich finanziert wird. Sie ist eine Zeitung die sich, nach anfänglichen Schwierigkeiten, erfolgreich am Markt behauptet. Die taz ist die wichtigste linke Tageszeitung des Landes und kann mittlerweile auf eine über 40jährige Geschichte zurückblicken. Und so imposant die Vertreter der Postmoderne in all ihren Verästelungen auch auf den ersten Blick erscheinen mögen: Außerhalb von Hochschulen und Szenestrukturen ist ihr Einfluss überschaubar – die Medien, die sich ihrer Linie verpflichtet haben, sind wie beschrieben gerade dabei zu scheitern. Ihre Vertreter sind auch nicht die ihrer Generation, sondern nur die einer überschaubaren Fraktion ihrer Generation. Von den junge Ingenieuren, Ärzten, Facharbeitern, Auszubildenden, den Kids, die vom neuen iPhone oder einem schnellen Auto  träumen, haben viele andere Interessen, als sie in den Augen vieler Medienmacher vielleicht haben sollten. Die Shell-Jugendstudie aus dem vergangenen Jahr beschreibt die Jugendlichen als offen, tolerant, umweltbewusst, demokratisch und traditionell orientiert, wie die Welt feststellte:  „Die wichtigsten Werte sind für die überwältigende Mehrheit der Jugendlichen nach wie vor gute Freunde (97 Prozent), eine vertrauensvolle Partnerschaft (94) und ein gutes Familienleben (90). Dreh- und Angelpunkt sind für die meisten Zwölf- bis 25-Jährigen die eigenen Eltern. 92 Prozent verstehen sich gut mit ihnen, 74 Prozent betrachten sie auch als Erziehungsvorbild. Zwei Drittel wollen später auch eigene Kinder haben. Hier erlebten die Forscher allerdings eine Überraschung. Erstmals fragten sie nach, wie die Jugendlichen Arbeit und Erziehungszeit in einer Partnerschaft aufteilen würden, wenn sie ein zweijähriges Kind hätten. Das Ergebnis: erstaunlich traditionell. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) bevorzugen das klassische „Versorgermodell“ mit einem Vollzeit oder vollzeitnah arbeitenden Vater und einer Teilzeit oder gar nicht arbeitenden Mutter.“

Ob sich in dieser Generation viele Leser finden lassen, die bereit sind, für Texte Geld auszugeben, in denen es um Definitionsmacht und das ideologisch überhöhte Ausleben der eigenen Befindlichkeiten geht, darf bezweifelt werden. Aufgeblasene Bürgerkinder und ihre Egos sind eine Zeit lang, wenn es gut läuft, unterhaltsam, in der Regel dann aber doch eher nervend und in ihrer Weltfremdheit auch etwas dumm. Sollten sie den Machtkampf um die taz gewinnen, könnte es für die Zeitung eng werden.

Mehr zu dem Thema:

Von Textmüll und Müllmenschen – ein gründlicher Blick auf die Taz-Kolumne zur Polizei

 

RuhrBarone-Logo

13 Kommentare zu “taz: Riskante Hegemoniekonflikte

  • #1
    Dr.Dagmar Schatz

    " Und so imposant die Vertreter der Postmoderne in all ihren Verästelungen auch auf den ersten Blick erscheinen mögen: Außerhalb von Hochschulen und Szenestrukturen ist ihr Einfluss überschaubar – die Medien, die sich ihrer Linie verpflichtet haben, sind wie beschrieben gerade dabei zu scheitern. " Sehr richtig bemerkt. Rein methodisch: ich denke, der Text, um den es hier geht, ist einfach nur grottenschlecht und die ganze Aufmerksamkeit überhaupt nicht wert. Ganz abgesehen davon: damit leistet sie dem von ihr mit herausgegebenen, wirklich sehr guten und wichtigen Buch, "Eure Heimat ist unser Albtraum" eine Bärendienst.

  • #2
    Bochumer

    Es fehlt bei der Kritik am Text eine Ebene: Die Autorin hat einen grauenhaften Stil. Das zeigt ja die offenbar ungewollte Doppeldeutigkeit des Textes.
    Und das bei einer Zeitung, die den großartigen Wiglaf Droste vergrault hatte.
    Ansonsten zeigt sich die gesellschaftliche Spaltung: Es wird provoziert bis zum Äußersten, bei Kritik duckt man sich weg und schreit Mimimi.

  • #3
    Christian Alexander Tietgen

    Ich dachte bei linker Politik ging es um Vision und nicht nur um Kampf.

  • #4
    Helmut Junge

    Was und wie diese junge Frau schreibt, erinnert mich an schlechte dialektische Aufsätze in der Oberstufe. Seehofer hat falsch reagiert. Eine 4-5 als Note hätte gereicht.
    Aber beim Lesen der TAZ und auch jetzt beim Artikel von Laurin bin ich über einen Punkt gestolpert, der mich vom Kern des Problems abgelenkt hat. Die Chefredakteurin der TAZ heißt mit Nachnamen, so wie ich. Und jetzt fängt es an. Die TAZ sieht sich ja als linkes Blatt. Da muß ich wohl gendern. Also, heißt das nun, daß Frau Junge eine NamensVETTERIN von mir ist, oder heißt das NamensCOUSINE? Da kann man in viele Fettnäpfen treten. Gendern oder nicht gendern. Wenn, dann aber wie. Wenn ich häufiger die TAZ lesen würde, hätte ich kaum noch Zeit für wirklich wichtige Themen.
    Was die Sommerhitze doch so die Gedanken unscharf macht.

  • #5
    Ernönü

    Ausgerechnet Springers "WELT" als Gegenbeispiel für den "taz"-Artikel zu zitieren (also den Erzfeind), erscheint mir…nun ja…fragwürdig. Ja, Frau Y. hat übertrieben. Dass Sie aber Bürgerkinder als "aufgeblasen" bezeichnen, nehme ich Ihnen persönlich übel. Ich bin Bürgerkind und habe studiert und akzeptiere so eine aufgeblasene Aussage Ihrerseits nicht. Mein Ego, Sie verstehen…

  • #6
    Stefan Laurin Beitragsautor

    @Ernönü: Das Erzfeindgerede ist Folklore. Das sind alles Kollegen, die vernünftig miteinander umgehen.

  • #7
    Detlev Winkler

    Meine Kündigung des Abos von 2019, alles richtig gemacht!

    Datum: Mi, 20.02.2019, 22:00
    An: abomail@taz.de
    ————————————————————————–

    Liebe TAZ,
    Unsere Wege werden sich trennen. 2003 fand ich es eine sehr gute Idee, der
    WAZ/Lensing-Ruhrgebiets-Filterblase in Sachen Tageszeitung zu entsteigen. Seitdem
    habe ich u. a. euch gelesen, fand nicht nur die einzigartige Wahrheit mit ihren
    Beiträgen klasse. Sondern auch sonst vieles andere, von dem ich dachte: Das ist eine
    Erweiterung des Horizontes.
    Das Anregende ist – aus meiner Perspektive – zurückgegangen. Stattdessen seit 2-3
    Jahren für meinen Geschmack viele belanglose bis beleidigende Kolumnen.
    Einheitsbrei, platter Meinungsjournalismus, z. B. nach dem Muster „Wir retten die
    Welt“ und aus vielen Artikeln quillt der Wunsch, etwas zu beschränken, zu
    reglementieren und zu verbieten. Progressiv und nach vorne gewandt ist das alles
    nicht. Im Gegenteil, vieles hat in seiner Verbohrtheit eher den Muff der Uni-80er
    Jahre mit Jute Beutel und Schwulen- und Lesben-Referat.
    Mich nervt es jedenfalls eher. Diesen Meinungsjournalismus kriege ich an jeder Ecke,
    will ich aber gar nicht jeden Tag zum x-ten mal lesen. Ich habe da– noch und seit
    geschätzt 35 Jahren den Spiegel, den Stern seit langen nicht mehr und die Zeit wg.
    übergroßer Langeweile bei der Lektüre sowieso noch nie !
    Ein weiteres Mosaiksteinchen, die letzte Recherche von Malte Kreutzfeld: Da feiert
    man sich auf eine für mich unangenehm bornierte Weise
    hauptsächlich selbst, weil man scheinbar einen bösen Gegner zu Fall bringen konnte.
    Und blendet dafür vieles andere, was rund um dieses Thema bemerkenswert wäre könnte,
    desinteressiert komplett aus. Wenn ihr das tatsächlich unter guter Recherche
    versteht?!
    Also erst mal Schluss, das Abo kündige ich zum nächst möglichen Zeitpunkt. Und
    ich lese dann ein paar Monate einen anderen Blick, einen von aussen, die NZZ.
    Passt auf euch auf, dass ihr in eurer neuen und hübschen, aber auch etwas
    selbstgefällig eingerichteten Bubble an der Friedrichstraße nicht
    mittelfristig versauert und eingeht.
    Nicht für ungut und ein „Glück Auf“ aus Dortmund!

    Detlev Winkler

  • #8
    Susanne Scheidle

    @ Ernönü #5

    Nein, ich fürchte, Sie irren sich. Frau Y. hat nicht übertrieben – sie hat falsch etikettiert. Sie hat ungebremst ihren Hass und ihre Frustration rausgehauen und das Ganze dann Satire genannt, weil Satire angeblich alles darf – außer nicht witzig zu sein, könnte man anmerken.
    Witz ist eine scharfe Waffe, nicht von ungefähr werden in totalitären Staaten Witze (die nicht gegen die jeweilige zum Abschuss freigegebene Minderheit gehen) gar nicht gerne gesehen und mit drakonischen Strafen belegt.
    Der Text war aber nicht witzig, dafür aber stilistisch grottenschlecht gemacht.
    Allein dafür hätte die Redaktion der TAZ ihn ablehnen sollen.

    Dass Sie sich vor allem als "Bürgerkind" persönlich auf den Schlips getreten fühlen, nun ja, tragen Sie’s mit Fassung, sehen Sie es einfach als kleinen Stachel in einer ansonsten privilegierten Existenz … pardon!… akademischen Existenz, darauf scheinen Sie ja Wert zu legen…
    Ansonsten könnte man auf die Idee kommen, dass da vielleicht doch irgendwo eine größere Ansammlung von Luft ist, die bei einem kleinen Pieks mit einem Pfeifton entweichen könnte…

  • #9
    Petra 42

    Leider wie so oft im sog. Netzjournalismus sind viele unterwegs, die eigentlich keine fachliche Expertise haben, sich aber durch provokative Thesen u. Beschimpfungen eine breite Followerschaft gesichert haben, Hengameh Habibitus gehört dazu. Selbst wenn sie Diskriminierung und Rassimus erfahren hat, ist es doppelbödig, wenn sie derartiges (auf den Inhalt will ich gar nicht mehr eingehen) als Satire getarnt (und es ist ncht einmal schlechte Satire, sondern eine Hetzschrift) veröffentlicht.

    Sie ist anderer Stelle sehr überzeugt von ihrer moralischen Überlegenheit gegenüber Almans (und der schrecklichen Bundesrepublik). Es gibt viele dieser jungen sog. Journalistinnen, die sich eigentlich nur auskotzen sich einer entmenschlichenden Sprache bedienen , dabei sich aber moralisch überhöhen. Ich frage mich manchmal wirklich, wenn hier wirklich alles so hochrassistisch ist und schrecklich, warum tut sie es sie sich dann an hier zu leben?

    Die Reaktionen aus ihrer Bubble waren vorhersagbar, alle, die sich sonst über solche Ergüsse von rechts aufregen legen hier einen anderen Maßstab an bspw. Teresa Bücker, Sibel Schick etc.. In der Psychoanalyse nennt man das Projektion: das Schlechte ist im anderen, dann kann ich mich frei davon fühlen und bin bei den Guten.

    Dieser Text und die Reaktionen aus der Bubble offenbaren etwas viel grundlegenderes: dass diejenigen, die immer auf den Finger auf andere zeigen, einmal vor ihrer eigenen Haustüre kehren sollten und eigene Menschenfeindlichkeit reflektieren müssten.

  • #10
    Psychologe

    Bei Frau/Herrn/Unbinär Yaghoobifarah muss man natürlich beachten, dass dieser sehr medienwirksame Ausrutscher nur einer von vielen war. Ich verfolge die linke Bildzeitung und das Treiben der/des Autor*in schon eine ganze Weile, die Beiträge strotzten eigentlich schon immer vor Abwertung an allen Ecken und Enden. Jetzt hat wurde einfach ganz klassisch den Bogen überspannt.

    Zur allgemeinen Thematik kann man aber ganz sicher sagen, dass der Hinweis, taz und Co. würden nur eine Minderheit der Jugend vertreten, kaum zutreffender sein könnte. Wir sprechen hier ganz eindeutig von einer Schein-Welt. Die meisten jungen Menschen interessieren sich ganz sicherlich nicht für "Queers" und auch nicht für "Social Justice". Das sind geisteswissenschaftliche Fraktionen der Gesellschaft. Auch die "PoC", die hier in Erscheinung treten, sind ganz sicher nicht repräsentativ für die Merheheit der "PoC", sondern eine kleine geisteswisschaftliche Elite.
    Warum wohl gibt es keine nennenswerte Bestrebungen seitens der Postmodernen, in PoC-Kreisen für den Schulterschluss mit Queers zu werben? Die Antwort sei der Phantasie eines jeden Einzelnen überlassen…

  • #11
    paule t.

    Also, die Gleichsetzung von Polizist*innen mit Müll am Ende des Textes geht natürlich gar nicht. Da hat Yaghoobifarah keine Abschlusspointe gefunden und stattdessen eine plumpe Beleidigung dahingerotzt.

    Bis dahin war der Text mit seinen Gedankenspielen, welche Aufgaben man Polizisten anvertrauen wollte, wenn es keine Polizei mehr gäbe, zwar hart, auch nicht stilistisch herausragend, aber durchaus eine Satire zu nennen – anders als die meisten hier meinen.
    Und die Härte ist aus der Perspektive derjenigen durchaus verständlich, die regelmäßig racial profiling und andere Diskriminierung seitens der Polizei erleben; erleben, wie Opfer von Straftaten oder deren Familienangehörige aus rassistischen Gründen selbst verdächtigt werden (NSU-Morde); und immer wieder hören müssen, dass Polizisten in rechten Netzwerken aktiv sind, teils sogar an Verbrechen beteiligt sind.
    (Dass das nicht alle, nicht einmal die Mehrzahl der Polizisten sind – geschenkt. Aber bei welchem anderen Beruf würde man sich damit abspeisen lassen? Die meisten Krankenpfleger ermorden keine Patienten, die meisten Lehrer belästigen keine Schülerinnen, die meisten Finanzbeamten unterschlagen kein Geld … würde uns das ernsthaft reichen?)
    Und bei all dem ist bei Polizei, ihren gewerkschaftlichen Vertretwern und den meisten Innenpolitikern nicht einmal hinreichendes Problembewusstsein vorhanden, sonst könnten sie nicht von "einzelnen Vorkommnissen" schwafeln, grundsätzliche Probleme ableugnen und bei der Forderung nach Bearbeitung dieser Probleme von "Genralverdacht" schwafeln – so als wäre es irgendwie unzumutbar, dass Leute kontrolliert werden, ob sie ihren Job auch ordentlich machen (zumal bei einem Beruf mit solchen Machtmöglichkeiten).

    Also, wie gesagt: Die Beleidigung am Schluss disqualifiziert die Autor*in. Hätte aber da ein Redakteur eingegriffen, die Beleidigung gestrichen und der Autor*in gesagt, sie solle sich statt der Beleidigung eine Pointe einfallen lassen, wäre der Text mMn völlig in Ordnung.

  • #12
    Robert Müser

    Die taz scheint aktuell nicht an einer Diskussion über den Text von der/die/das Schreiber/rin Y. und andere Kontexte in diesem Zusammenhang interessiert zu sein. Ein schwaches Bild, wenn man/frau/es nicht mit kritischen Kommentaren von außerhalb der eigenen Filterblase klar kommt:

    >> Liebe Kommune,
    wir pausieren vorübergehend die Kommentarfunktion: Wir freuen uns darauf, bald wieder von Euch zu hören.

    Bis dahin wünschen wir Euch eine gute Zeit!
    Eure taz <<

    z.B. hier:
    https://taz.de/Linke-Medien-und-die-Polizei/!5692814/
    (taz vom 27.06.2020)

  • #13
    Susanne Scheidle

    @ Paule T. #11
    Das Problem ist nur, dass der ganze Text ja auf die letzte Zeile hinausläuft.
    Zu sagen, ohne die letzte Zeile wäre der Text doch an sich ganz stimmig (was an sich m. E. schon nicht stimmt), ist ungefähr so, als sagte man: Nun ja, Knorr-fix für Goulasch ist soweit schon okay, man darf es nur nicht in die Sauce rühren, dann gibt’s Sodbrennen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.