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Teure Erblast Industriekultur

Zollverein. Foto: Ruhrbarone

Die Industriekultur des Ruhrgebietes ist zu einer Art regionalem Heiligtum geworden. Keine Frage, wo gibt es auf der ganzen Welt davon soviel und so vielfältiges zu besichtigen wie hier. Die Bewahrung der letzte großen und zugleich großartigen Funktionsästhetik der nun schon Jahrtausende alten Technikgeschichte ist ein internationales Markenzeichen der Ruhrstadt geworden. Da grenzt die Frage nach den Kosten im Verhältnis zum Nutzen schon an Ketzerei. Erst recht, wenn es sich um „Kathedralen“ (der Industriekultur) handelt. Dass die so benannten baulichen Zeitzeugen als sie noch ihren praktischen Dienst erwiesen im Volksmund aus gutem Grund „Knochenmühlen“ hießen kommt da leicht in Vergessenheit. Dass sie von ihren Erbauern, ganz im Gegensatz zu den richtigen Kathedralen, keineswegs für die „Ewigkeit“ gedacht wurden erst recht. Das Weltkulturerbe Zeche…

Zollverein. Foto: Ruhrbarone

Die Industriekultur des Ruhrgebietes ist zu einer Art regionalem Heiligtum geworden. Keine Frage, wo gibt es auf der ganzen Welt davon soviel und so vielfältiges zu besichtigen wie hier. Die Bewahrung der letzte großen und zugleich großartigen Funktionsästhetik der nun schon Jahrtausende alten Technikgeschichte ist ein internationales Markenzeichen der Ruhrstadt geworden. Da grenzt die Frage nach den Kosten im Verhältnis zum Nutzen schon an Ketzerei. Erst recht, wenn es sich um „Kathedralen“ (der Industriekultur) handelt.

Dass die so benannten baulichen Zeitzeugen als sie noch ihren praktischen Dienst erwiesen im Volksmund aus gutem Grund „Knochenmühlen“ hießen, kommt da leicht in Vergessenheit. Dass sie von ihren Erbauern, ganz im Gegensatz zu den richtigen Kathedralen, keineswegs für die „Ewigkeit“ gedacht wurden, erst recht. Das Weltkulturerbe Zeche Zollverein z.B. war gerade mal für ein halbes Jahrhundert Haltbarkeit konstruiert und musste deswegen für gut 100 Millionen Euro überhaupt erst einmal denkmalfähig gemacht werden. Wenn der Kölner Dom lachen könnte, man hätte es bis Essen hören kennen.

Die Jahrhunderthalle in Bochum hätte von sich aus länger gehalten, was allerdings schon bei reinem Leerstand ca. 5-10 Millionen Euro pro Jahr gekostet hätte. So hat man sie zu etwas umgebaut, zu dem sie genauso wenig geeignet war wie die Zeche Zollverein zum Jahrtausenddenkmal: zu einem Konzerthaus. Entsprechend hat die Sache natürlich auch aufs Konto geschlagen. Bedenkt man, dass die dortigen künstlerischen und sonstigen Veranstaltungen, unverdächtig harmlos im Fachdeutsch als „Bespielung“ bezeichnet, in der Mehrzahl ebenfalls staatlich subventioniert werden, dann verwandeln sich diese architektonisch sehr wohl gelungenen Projekte rein finanziell über kurz oder lang in ein Fass ohne Boden.

Machen wir uns nichts vor, würden an allen Gebäuden des Ruhrgebietes, mit denen in den letzten Jahrzehnten ähnliches geschehen ist, gut sichtbar die Summen angeschlagen die sie alles in allem die Allgemeinheit gekostet haben und – sagen wir mal die nächsten 20 Jahren – noch kosten werden, würde die Begeisterung für die Industriekultur selbst bei denen einen herben Dämpfer erleiden, die zu ihren regelmäßigen Nutzern gehören.

Das alles spricht nicht grundsätzlich gegen die Bewahrung der eigenen Technikgeschichte und soll es auch nicht. In Anbetracht leerer öffentlicher Kassen, der überdurchschnittliche hohen Arbeitslosigkeit und der zunehmend prekären sozialen Lage eines immer größer werdenden Teils derer, die um diese baukulturellen Highlights herum ihr Leben fristen, muss jedoch die Frage erlaubt sein, ob das ganze nicht etwas kostengünstiger und zahlenmäßig kleiner zu haben gewesen wäre. Ob es nicht zumindest für die Zukunft dringend notwendig ist, standort- und effektbezogen Prioritäten zu setzen und nach Umnutzungen zu suchen, die Geld einspielen statt weitere Subventionen zu erfordern. Ob die bestehenden Objekte nicht erst einmal baulich und sozial besser in ihr Umfeld eingebunden werden müssen, bevor man neue angeht. Ob nicht auch über Abriss nachgedacht werden muss, wenn trotz redlichen Bemühens keine ökonomisch tragfähige Nutzung gefunden werden kann.

Warum ist das Loftwohnen in Städten und Regionen mit weit weniger baulichem Potential zum Renner geworden und nicht im Ruhrgebiet? Warum haben wir flächendeckend mit öffentlichen Geldern nagelneue Technologieparks gebaut, deren Mieten subventioniert werden müssen, um sie nur annähernd mit Nutzern zu füllen, statt dafür geeignete Gebäude ausschließlich aus unseren industriell nicht mehr gebrauchten Bestand zu nutzen. Warum muss  j e d e  Stadt im Ruhrgebiet auch noch  „Kultur in alten Mauern“ haben, wenn  schon die in den modernen zu wenige Besucher hat?

Am meisten Geld pro eingesetztem Investment wird im Ruhrgebiet zur Zeit weder mit dem vielgepriesenen kreativkulturellen Sektor noch mit dem ewigen Allheilmittel Dienstleistung  noch mit Tourismus sondern mit den Klassikern Stahl, Chemie und Maschinenbau sowie den darauf  bezogenen ingeniösen  und ökologischen Innovationsleistungen verdient. Der Bergbau ist zwar für das Ruhrgebiet passe – und das ist gut so – aber in anderen Teilen der Welt firmiert er nicht unter Industriekultur, sondern unter technologischer Zukunft. Es wird höchste Zeit im Ruhrgebiet mehr als bisher über letztere zu Reden. Technologische Zukunft braucht nämlich auch angemessene, ja spektakuläre bauliche Zeichen. Wichtiger aber noch ist: Ohne technologische Zukunft  lässt sich das durchaus sinnvolle Bewahren der technologischen Vergangenheit auf Dauer nicht finanzieren.

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27 Kommentare zu “Teure Erblast Industriekultur

  • #1
    Prof. Dr. Wolfgang Ebert

    Nun, ich habe die Route Industriekultur erfunden und ihren Masterplan geschrieben, es wird nicht Wunder nehmen, dass ich nicht neutral bin. Natürlich kann ich dem Artikel nur wenig beipflichten, und zwar mit wohl überlegten Gründen.
    Es stimmt, es wurde viel Geld in die Hand genommen. Aber: es rechnet sich. Allerdings micht immer sofort und nicht immer auf direktem Wege. Der Imagegewinn ist nur schwer zu beziffern, ist aber sowieso unbezahlbar. Aber es gibt durchaus Methoden. Ein Beispiel: Ich habe auch den Landschaftspark Duisburg-Nord „erfunden“ und seither sammele ich konsequent die nationalen und internationalen Pressemitteilungen über ihn, die überwältigend in Zahl und Qualität sind. Dabei kommt zum Beispiel heraus: Für die Stadt Duisburg steht das Projekt unumstritten seit Jahren auf der Nummer 1 der internationalen Presseberichte! Und zwar in sehr positiven Licht. Darüber hinaus: würde man die Zahl der Berichte mal auf gängige Anzeigenpreise herunterbrechen, so hätten diese bisher ein 15faches der Investitionssumme in das Projekt erreicht. Mal abgesehen davon, das man bisher 113 Meldungen auf einer Seite 1 internationaler Pressetitel nicht bezahlen könnte. Zum Thema Image, Herr Voß, wäre auch noch anzumerken, dass der zu erwartetende Zugewinnn durch die Kulturhauptstadt 2010 ohne die Industriekultur nicht denkbar wäre, weil es das Projekt ohne diese gar nicht gegeben hätte.
    Zum anderen rechnen sich die Investitionen auch wirtschaftlich, wenn auch nur mittel- und langfristig. Durch die Projekte der Industriekultur ist die städtebauliche Qualität in der Region erheblich aufgewertet worden. Man sieht jetzt schon, dass dies weltweit ein zunehmend wichtiger Standortfaktor wird. Nicht zufällig sind die großen und zersiedelten Ballungsgebiete ohne diese Qualität (London, Paris, NY etc.) auf dem absteigenden Ast im Vergleich zu den gewachsenen und städtebaulich gelungerenen Zentren wie Dublin, Kopenhagen, Barcelona etc. Wenn das Ruhrgebiet langfristig eine Chance haben soll, dann muss man nicht über schon verausgabtes Geld für öffentliche Infrastrukturprojekte klagen, sondern eher noch mehr Investitionen fordern.
    Außerdem halte ich den Standortfaktor „sustainable identity“ für überaus wichtig. Langfristig haben nur die Zentren wirtschaftlich eine Chance, die ein möglichst ungestörtes historisch gewachsenenes Stadtbild aufweisen. Nur diese langfristige Entwicklung einer Stadt bietet eine „historische Qualitätskontrolle“ die eine lebenswerte Stadt braucht. Und dazu kommt, dass eine von ihren historischen Wurzeln abgeschnittene Bevölkerung auch wenig Kraft für die weitere Entwicklung aufbringt. Beides wird sich zum Beispiel in Beijing oder Shanghai und den Emiraten(und weiteren ähnlichen Beispielen) noch als Bumerang erweisen; diese Blase wird platzen. Das Ruhrgebiet kann dann zur Stelle sein. Im übrigen braucht man ja nur zurück zu blicken, um zu wissen, dass das historisch intakte Stadtbild (und das ist Ruhrgebiet die Industriekultur, wozu auch die vielen lebenswerten Siedlungen gehören) bisher schon immer der wichtigste Wachsumsfaktor war, der Beispiel gibt es viele. Nur ein kleines: In den 1950er Jahren wollte der Stadtrat von Rothenburg seine Altstadt komplett abreißen und eine neue Stadt bauen. Was wäre daraus wohl geworden…
    In einem gebe ich Ihnen recht: Wir müssen auch neue Zeichen setzen, auch und gerade in der Architektur. Dazu muss man aber nicht auf die Industriekultur verzichten. Ein uraltes Märchen über die Region ist das vom angeblichen „Platzmangel“. Neue Architektur hat hier mehr Platz als anderswo, gerade auf den zahlreichen leeren Brachen, auf denen von Industriekultur schon längst nicht mehr die Rede ist. Im übrigen: die Kritik gilt weniger der öffentlichen Hand (soll die überall jetzt wieder neue Gewerbegebiete mit neuen Architektur-Highlights oder neue Rathäuser bauen?). Da ist doch wohl der private Investor gefragt, und der ist hierzulande weder innovativ, noch kreativ, noch wirklich zukunftsfähig.
    Der private Sektor ist überhaupt viel mehr zu kritisieren. Im Ruhrgebiet hat die öffentliche Hand schon immer (z.B. die weltweit einzigartige Politik des Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirks zu Beginn des 20. Jahrhunderts oder die IBA Emscher Park) stadtplanerisch eine hohe Qualität aufgewiesen. Aber der private Sektor sieht seine Chancen nicht. Wo auf oder im Umfeld der Standorte der Industriekultur wird privates Geld in die Hand genommen, um neue Attraktionen zu schaffen? Was ist mit der Wertsteigerung, die im Wohnumfeld durch Investitionen in alte Immboilien zu schaffen wäre? Nichts, oder viel zu wenig passiert. Das liegt u.A. aber auch an der konservativen Wirtschaftsförderung, die immer noch nur große Fabriken als erste Wertschöpfungsquelle ansieht – und dazu immer noch „ihre“ Kommune als Basis ansieht und nicht die Gesamtregion. Das dies anders geht sehe ich zur Zeit zum Beispiel in Istanbul, wo ich ein großes industriekulturelles Projekt entwickle. Binnen Wochen nach der Eröffnung war die Zahl der potenziellen Investoren in Infrastruktur (wie gute Restaurants, Taxistände, Geldautomaten, Shops etc) kaum noch zu bewältigen. Und im Stadtquartier wurden im ersten halben Jahr über 1500 Gebäude von privaten Investoren mit Blick auf die verbesserte Standortsituation aufgekauft – und das ganze Quartier boomt.
    Erkenne die Möglichkeiten – und mach was draus! Das hilft uns mehr, als letztlich nur scheinbar vorwärtsgewandte Kritik.

  • #2
    Arnold Voß

    Die Idee meines Kommentars war genau die: eine Diskussion anzustoßen wie Sie sie, Herr Ebert, hier sehr qualifiziert in diesem Blog beginnen. Ihre Nichtneutralität ist dabei für mich überhaupt kein Problem. Im Gegenteil. Zumindest einige Dinge in seinem Leben sollte der Mensch mit einer gewissen Leidenschaft für die Sache tun.

    Natürlich ist mein Artikel deswegen auch partiell polemisch und er sollte es auch sein. Es kann nicht sein, dass die Ökonomie bei der Bearbeitung von räumlicher und damit auch immer sozialer Identität, die ich, ganz wie Sie, stadtkulturell für äußerst wichtig erachte, überhaupt keine Rolle spielt. D.h. auch hier sollte sich die Wirkung einer Maßnahme, sofern das einigermaßen nachvollziehbar möglich ist, am Aufwand messen lassen. Mein Einwand heißt diesbezüglich auf den Punkt gebracht ?nur?: Qualität geht auch hier vor Quantität. 900 !! (0der sind es sogar 1000? )Industriedenkmäler sind, selbst wenn es auf Grund von Ressourcenüberfluss kein ökonomisches Kalkül gäbe, auch für eine so weitläufige Stadt wie Ruhr nicht mehr identitäts- sondern vor allem verwirrungsstiftend. Und zwar nach Innen wie nach Außen. Geschichte muss, wenn sie nachhaltig bewusstseinsstiftend sein will, in der heutigen Gesellschaft (leider?) ihr ?begehbaren Bilder? auch medial wirkmächtig machen. D.h. die dafür Verantwortlichen müssen sie auch räumlich verdichten und zugleich in die Stadtlandschaft wahrnehmungsgemäß so integrieren, dass sie auch der (zufällige) Passant und nicht nur der (absichtliche) Besucher mitbekommt. Das ist, zugegeben, im Ruhrgebiet bei so vielem und räumlich sehr gestreutem, ja teilweise verstecktem Potential, nicht einfach. Aber es muss zumindest in Zukunft geschehen bzw. rückwirkend verbessert werden. Gerade wenn man solche Effekte erzielen will, wie Sie sie für Istambul beschreiben. Wobei, offen gesagt, wenn ich höre, dass in kurzer Zeit dort 1500 Gebäude von privaten Investoren aufgekauft wurden, nachdem sie dort tätig waren, bei mir ein paar, wenn nicht sogar alle Warnlampen angehen. Sie wissen, was das wohlmöglich für die dort angestammten Bewohner bedeutet? Ja sicher wissen sie das!

  • #3
    Prof. Dr. Wolfgang Ebert

    Na, lieber Herr Voß, SIE haben es angerichtet, sie haben es polemisch gewollt, bitte sehr, jetzt haben Sie den Salat:

    Zunächst einmal: Seit mehr als 25 Jahren bin ich in dem Bereich tätig und, ehrlich gesagt, ich fasse es immer noch nicht, dass ständig jemand mit denselben alten Agrumenten kommt. Frei nach Johannes Rau: Es ist schon alles gesagt, nur nicht von allen. Ich bin es so leid! Aber bitte:

    Die industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet weisst viel, viel mehr Denkmale auf, als Sie in ihren kühnsten Albträumen befürchten. Z.B. alleine über 3000 komplette Arbeitersiedlungen. Und natürlich gehören auch die von Haniel gestiftete Kirche am Katernberger Markt dazu, die Bude am Ruhrorter Friedrichsplatz, viele Grünanlagen, das Oberhausener Rathaus und vieles, vieles mehr. Die geschützten Produktionsanlagen sind nur ein sehr kleiner Teil. Und zwar eine nur minimaler Prozentsatz von dem ehemals Vorhandenen und potenziell Denkmalwerten. Das ist alles ist im Zuge und infolge der Industrialisierung entstanden, wir nennen es Industriekultur.

    Und Sie wollen jetzt nur jedes 10. Haus in den Siedlungen erhalten, die eine oder andere historische Freizeitanlage überbauen und eine von zwei erhaltenen Kokereien auch noch platt machen, wo es ehemals 250 gab? Noch mehr Verluste? So etwa wie die ehemalige Zeche Oberhausen, ehemals das Versaille des Ruhrgebietes genannt, ein denkmalgeschütztes Besucherbergwerk auf 800 m, vielleicht eines der beeindruckendsten Industriedenkmale weltweit – und in der ersten Kohlenkrise von Haniel ohne jeden Widerstand beseitigt.

    So, das wollen Sie also?

    Und das mit dem Argument, eine Großstadt wie das Ruhrgebiet könnte mehr nicht vertragen bzw. kommunizieren?!

    Mit Verlaub: Was würden wohl die Römer sagen, wenn ihre (kleinere) Stadt auf zahlreiche Denkmale verzichten müsste weil es „zu viele“ sind? Oder die Kleinstadt Görlitz? Oder Berlin, Paris oder NY? Da, Sie werden es nicht glauben, gibt es überall wesentlich mehr als die von Ihnen „befürchteten“ 1000 Denkmale. Und jeder findet es richtig. Du liebe Güte, Sie wissen wirklich nicht, wovon Sie reden… 🙂

    Mal abgesehen davon, dass ein Denkmal – schon von der Gesetzgebung her – niemals mit anderen verglichen werden darf und seine Qualität sich aus seiner historischen und nicht von seiner ästhetischen Bedeutung ableitet. Gott sei Dank – dass ich das mal sagen würde – gibt es kluge Gesetze, die solchen Perspektiven wie der Ihren per se das Handwerk legen.

    Realität ist: im Ruhrgebiet gibt es noch nicht mal von den wichtigsten technischen, baulichen, sozialen und kulturellen Zeugnissen der Industriegeschichte wenigstens ein erhaltenes Exemplar. Mal ganz abgesehen von den archivalischen Totalverlusten. Die Verluste an Bausubstanz sind jetzt schon unerträglich. Weiter würden immer auf meinen entschiedenen Widerstand stoßen, seien Sie sich dessen gewiss!

    Und dann wäre noch das Argument der fehlenden Kommunizierbarkeit (gemeint ist auch: Vermarktung) von „so vielen“ Denkmalen.

    In der Tat muss man das hierarchisch gestuft tun. Und genauso ist macht es die Route Industriekultur. Sie zeigt etwas über 500 Orte, wirbt aber nur mit 24. (Und das auch noch diskontinuierlich, denn die Extraschicht oder die Ruhrtrienale bewerben z.B.wechselnde Orte). Diese stehen als Ankerpunkte in der Pflicht, für die anderen die Werbebotschaft mit zu kommunizieren. Das nennt man Netzwerk-Marketing. So haben wir auch die Europäische Route der Industriekultur aufgebaut. Kennen Sie www.erih.net?

    Immerhin gestehen Sie mir zu, das ich die möglichen sozialen Folgen einer neuen Stadteilentwicklung vielleicht kennen würde. Oh, vielen Dank.

    Ich war einer der ersten, die aus diesem Grund die London Docklands für Unsinn gehalten haben und war und bin auch einer der wenigen Rufer in der Wüste, die die ähnliche Entwicklung im Eastend für die Olympiade verurteilen. Und so ist mein Istanbuler Projekt ein integriertes Projekt der Stastentwicklung, wo der private Investor (!), eine private Universität (!), im Umfeld nicht nur genügend Wohnraum für sozial Schwache selber bereit hält. Nein, wir sorgen für Kindergärten, Aus- und Weiterbildung, geben Arbeitsplätze (über 2000) für gering Qualifizierte und vieles mehr. So macht man das! Im Ruhrgebiet ist da vieles nicht beachtet worden und vieles wurde falsch gemanaget. Das wäre mal ein Punkt den man diskutieren könnte: die öffentliche Geldverschwendung durch falsches Management im und um das Industriedenkmal im Ruhrgebiet!

    Zum guten Schluss: Der wahre Hintergrund dieser Diskussion – hier wie woanders – ist die unterbewusst immer noch geringe Wertschätzung der schwarzen, grauen, ja blutigen Industriegeschichte. Das kann nur der historische Abstand zu ihr regeln. Und das wird mit absoluter Sicherheit der Fall sein. Nachfolgende werden diese Zeilen belustigt wie gleichermaßen kopfschüttelnd lesen.

    PS

    Kleine Anekdote am Rande: Als ich mich in den 1980er Jahren für den Erhalt der Speicher am Duisburger Innenhafen einsetzte, drohte mir der damalige Oberstadtdirektor (Herr Klein, nomen est omen!) mit Rufmord. Er wisse wie das geht, man macht das wie in den Docklands: alles weg und dann Platz für Neues. Nur dass die Docklands ein ökonomisches und soziales Desaster geworden sind – und der Innenhafen eines der erfolgreichsten Entwicklungsprojekte in ganz Deutschland.

  • #4
    Arnold Voß

    Sorry Herr Ebert, das Problem ist, dass ich genau weiß wovon ich rede. Das Meiste,was sie da minutiös ausbreiten, ist nicht völlig unbekannt.Ich bestreite auch nicht im geringsten ihre Fachkenntnis und ihr nachgewiesenes Engagement.Gott im Himmel, jetzt kommen sie mal auf den Teppich zurück. Ich habe auch nicht von allen Denkmälern sondern von den Industriedenkmälern geschrieben. Ansonsten haben sie in ihrer Aufzählung noch die über 100 Kirchen vergessen,die jetzt schon oder in den nächsten Jahren leerstehen werden, weil uns Gott irgendwie abhanden gekommen ist.Ich habe nur eine einzige Frage: Wer soll das was schon da ist und was sie nun zusätzlich aufgelistet haben, sagen wir die nächsten 5o Jahre bezahlen. Wo sollen alle die Besucher herkommen, die sich das alles anschauen und ein bisschen von dem ausgegeben Geld wieder einspielen? Das Ruhrgebiet ist weder Rom, noch Paris noch Istambul noch New York! Wo sind die privaten Sponsoren im Ruhrgebiet, die dabei genauso begeistert mitzahlen wie sie es sich wünschen?

    Es reicht auch nicht sich fachkundig darüber zu beschweren, was alles noch getan werden müsste und allen anderen die das nicht so sehen zu bescheinigen, dass sie sowieso keine Ahnung haben. Die Route der Industriekultur ist eine tolle Sache. Aber nicht sie haben sie bezahlt sondern ne Menge anderer Leute, oder? Sie haben sie immerhin erfunden!Oder waren noch ein paar andere dabei? Wie auch immer, was denken sie, was die größere Leistung vonbeiden ist wenn man bedenkt, dass die anderen noch dafür zahlen müssen wenn wir beide schon lange tot sind? Die Jahrunderthalle wollte die Stadt Bochum jetzt schon nicht übernehmen, weil sie sonst schlicht bankrott geht bzw. sich keine anderen kulturellen Projekte mehr leisten kann.

    Und was halten sie davon, dass wir jetzt mal einen Experten für das Soziale und für die Bildung aufzählen lassen, was man aus dessen fachlicher Sicht so alles an zusätzlichen Einrichtungen bräuchte,damit unseren Schulen und Universitäten so richtig top funktionieren und die Kids auf der Straße nicht dauernd auf irgendwelche Leute einprügeln die sie nicht mal kennen? Von den zusätzlichen Arbeitskräften ganz zu schweigen. Und dann lassen wir vielleicht noch jemand der genauso engagiert für den Umweltschutz tätig ist wie sie für das Erhalten von Denkmäler ran. Und ich kenne noch ein paar andere Experten zu weiteren wichtigen Themen mit ner Menge Forderungen. Sie doch auch, oder? Verstehen sie jetzt was ich sagen will?

    So, wie kriege ich jetzt die Kurve, dass wir beide uns nicht weiter die Köpfe einschlagen? Können wir uns darauf einigen, dass es auch für den Denkmalschutz so etwas gibt wie eine Finanzierungsgrenze? Können wir uns darauf einigen, dass nicht immer der Staat/Steuerzahler sondern auch mal andere dran sind, unseren kollektiven Erinnerungsschatz zu erhalten? Können wir uns darauf einigen, dass,wenn möglich, es auch Nutzungen in den erhaltenen Gemäuern geben sollte, die Geld einspielen und nicht weiteres Geld erfordern? Können wir uns darauf einigen, dass sich auch Menschen zu Denkmalpflege und Industriekultur äußern dürfen, die sie nicht erfunden haben, die sie aber bezahlen müssen? Können wir uns darauf einigen, dass es außerhalb ihres geliebten Interessengebietes noch eine „Restwelt“ gibt, die teilweise bis zu Halskrause in Problemen steckt,die nur wenig mit ihrer Vergangengeit sondern mit ihrer Gegenwart und ihrer Zukunft zu tun haben? Können wir uns darauf einigen, dass der Erhalt der Erinnerung nicht nur was mit Bauten zu tun hat? Das wäre doch schon mal was.

    Ansonsten habe ich ihren Beitrag mit Vergnügen gelesen. Obwohl sie nicht gerade zur Bescheidenheit neigen und man beim ersten Lesen den Eindruck gewinnt dass sie eine Weltstadt nach der anderen im Alleingang vor dem geschichtlichen Untergang gerettet haben. Ansonsten glaube ich, ich hätte mich, was mein Fachgebiet anbetrifft, genauso heftig zu Wehr gesetzt, wenn wieder mal einer mit dem öden Finanzhammer gekommen wäre. Ist halt oft auch ein Totschlagsargument. Glauben sie mir einfach, dass es von mir nicht so gemeint war.Und dass ich Leute sehr schätze, die diesen Hammer ersteinmal nicht akzeptieren.Aber in diesem Falle musste endlich einer mal diesen Hammer schwingen.Und sich natürlich dafür „verhauen“ lassen.Finanzminister ist halt ein beschissener Job. Möchte ich im wahren Leben auch nicht sein.

  • #5
    Arnold Voß

    P.S. Ach ja, habe ich irgendwo gefordert, dass man jedes 10 Haus in den Arbeitersiedlungen abreißen soll? Nein,natürlich nicht! Nicht so lange es Leute gibt die darin auch Miete bezahlen. Und die wird es noch lange geben, weil die neben der Erinnerung auch noch ein tolle Wohnqualität bieten.

  • #6
    Schweers Detlef

    Zitat: ich habe die Route Industriekultur erfunden und ihren Masterplan geschrieben?.

    Erst einmal: besten Dank dafür.

    Zitat: Herr Voß, wäre auch noch anzumerken, dass der zu erwartetende Zugewinnn durch die Kulturhauptstadt 2010 ohne die Industriekultur nicht denkbar wäre, weil es das Projekt ohne diese gar nicht gegeben hätte.

    Essen, ohne Zollverein, wäre NIE Weltkulturhauptstadt geworden?Warum auch?

    Ich, als Katernberger, kann nur sagen: besten Dank für den Erhalt von Zollverein, ohne dieses wäre hier schon alles den Bach runter gegangen, denn unsere Gegend lebt zu 95% von Zollverein, wenn auch nicht mehr, von der Kohle.
    Zollverein ist nicht mehr Zollverein von vor 50 Jahren, aber das NEUE Zollverein ist die Zukunft unserer Region.

    Ich möchte nicht noch auf weiteres im einzelnen eingehen, aber: BESTEN DANK für Ihre Kommentare, nur so kann man unsere Gegend und vor allem auch unsere Siedlungen, die immer noch zu 80% aus Zechenhäusern bestehen erhalten und da gehört ein Erhalt von Zollverein dazu, ansonsten könnte man Katernberg platt und einen großen Parkplatz für irgendeine bekannte Handelskette (mit 4 Buchstaben) machen.

    Zu den Besucherzahlen der Zeche und Kokerei:
    Dieses sieht man jeden Tag!! Der Parkplatz direkt an der Zeche, ist meist schön voll mit Reisebusse aus alle möglichen Länder, zugegeben, nicht jeden Tag, aber es werden immer mehr!!! Warum auch sonst wird an der Kokerei ein großer, neuer Parkplatz und anderes gebaut? Muss doch einen Sinn haben, ansonsten könnten die Besucher weiterhin auf dem vorhandenen Matschparkplatz parken, aber auch solche Bebauung gehört zum Ansehen von Zollverein, ansonsten kommt kein Besucher ein 2. mal. Viele Besucher schwärmen von dem, was erhalten und instand gesetzt wird/wurde und das ist nicht nur im Winter die Eisbahn, sondern ganzjährig von den Gebäuden und was mittlerweile alles an Firmen und Ausstellungen ect. dort untergebracht ist und weiterhin wird.

    Natürlich sind das alles Unsummen, die da verschlungen werden, aber ich gehe fest davon aus, dass sich das in den nächsten Jahren rechnen wird, wenn Essen Kulturhauptstadt ist wird sich der Besucherstrom auf Zollverein mehr als verdoppeln, meine Einschätzung als Bürger von Essen Katernberg.

    Mit freundlichen Grüßen
    Admin www.essen-katernberg.de

  • #7
    Arnold Voß

    Hallo Herr Schweers, schön das sie sich an der Debatte beteiligen. Sie sind sicher auch nicht der einzige Karnaper , der Zollverein nicht nur als wichtiges Industriedenkmal sondern auch als Rettung für seinen Stadtteil sieht. Ich wohne in Herne und als begeisterter Radfahrer besuche ich, so ein-zwei Mal im Jahr, per Pedale das Weltkulturerbe und bin immer wieder sehr beeindruckt davon.

    Aber sie müssen zugeben, wenn man jedem ehemaligen Zechenstadtteil im Ruhrgebiet auf diese Weise und mit diesen Summen mehr Zukunft verschafft hätte, dann wäre das schlicht unbezahlbar gewesen. Und es stimmt auch nicht, dass sie bzw. die Karnaper von Zollverein ?leben?. Das könnten sie nur, wenn dabei mehr Geld herauskommt, als man rein steckt bzw. gesteckt hat. Wenn das, wie sie in verständlichem Optimismus prognostizieren, wirklich in absehbarer Zeit der Fall sein würde, hätte sich mit Sicherheit ein privater Investor bzw. eine Investorengruppe gefunden, die sie dieses wunderbaren Ensembles angenommen hätte. Einschließlich der denkmalschützerischen Auflagen die ein Weltkulturerbe nun mal mit sich bringt.

    Die Wahrheit ist, dass Karnap durch Zollverein für lange Zeit mehr am öffentlichen Subventionstropf hängt als je zuvor in seiner Geschichte. Die Wahrheit ist auch, dass junge Kreative das Gelände wieder verlassen, weil die Denkmalschutzauflagen teilweise so eng sind, dass eine großzügige natürliche Belichtung, die gerade künstlerisch Tätige häufig brauchen und die zum heutigen Loft-Life-Style gehört, dort nicht im ausreichendem Maße realisierbar ist. Sie gehen zurück in oder suchen sich Gebäude mit Ambiente und mehr Lichtzufuhr, aber ohne Denkmalauflagen. Und davon gibt es im Ruhrgebiet reichlich und in wesentlich zentralerern Lagen und zu günstigerer Miete.

    Hätten die Neumieter übrigens die Realmiete auf Zollverein zahlen müssen, sprich soviel, dass das Ensemble davon zumindest erhalten werden könnte, wären sie nie dort hin gekommen. Aber selbst die subventionierte Miete ist, jenseits der begrenzten Belichtungsmöglichkeiten gerade für junge Unternehmen immer noch zu hoch.

    Hätte man die gesamte Umbausumme für Zollverein in einen großen Fördertopf bzw. in eine Stiftung getan, so hätte man für lange, lange Zeit allein von den jährlichen Zinsen in Karnap viele mehr Arbeitsplätze schaffen bzw. kreieren können, als jetzt durch das Projekt realisiert und in Zukunft erhofft werden.

    Trotzdem gibt es gute Gründe für Zollverein. Nur haben die nichts damit zu tun, dass dieses Ensemble irgendwann doch die ökonomischen Effekte erzielt, die von seinen ?Erfindern? in gewohnt großsprecherischer Art angekündigt werden. Sicher ist vielmehr, dass das Ensemble „bis zum Abwinken“ weiter subventioniert werden muss, und das logischerweise am allerwenigsten von den Karnapern sonder vom Rest der Bevölkerung. Auch von denen, die noch nie da waren und wohlmöglich nie dorthin finden werden. Und noch einmal: Dieses Projekt war und ist wichtig für die ganze Region.

    Nur, und obwohl das mich wieder zum ?bösen Buben? macht: wie viele,Herr Schweers, glauben sie, können wir uns davon noch leisten?

  • #8
    Arnold Voß

    P.S. Apropos Kulturhauptstadt und Zollverein. Die ergänzen sich ökonomisch perfekt, vor allem was den Grad der öffentlichen Subventionierung betrifft. Aber auch hier: Die Kulturhauptstadt ist wichtig für die ganze Region und die Subventionen sind gut angelegt (wenn die Macher was gutes draus machen).

  • #9
    Detlef Schweers

    Hallo Hr. Voß,

    vorneweg, ich bin aus Katernberg, nicht aus Karnap und die Zeche Zollverein befindet sich ebenso in Katernberg!!!

    Dann glaube ich nicht, dass Sie als Pedal-Reisender, der ca. 2x zur Zeche Zollverein radelt, die genauen Ausmaße der Zeche als Kulturerbe und Besucheranzugspunkt einschätzen kann. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass Sie im Umfeld der Zeche leben würden, denn Ihre Daten und Fakten kamen mir sehr selbstgeprüft und recherchiert vor.
    Ich hoffe mal nicht, dass Sie Ihr Wissen nur aus Google, Wikipedia, ect. herausgefiltert haben.
    Das würde mich sehr traurig machen.

    Nun zum Thema:
    Ich habe ja geschrieben, dass ich davon ausgehe, dass in naher Zukunft sich Zollverein selbstständig trägt, Wenn Sie sich die Firmen anschauen, die sich mittlerweile dort niedergelassen haben und es werden von Jahr zu Jahr mehr!!!
    Da ich selber direkt im Einzugsgebiet von Zollverein lebe, sehe ich das dortige weiterkommen immer direkt und nicht durch Zeitung, oder Internet, oder 2x im Jahr.
    Und ich gehe mit SICHERHEIT davon aus, dass sich Zollverein durch die Firmen und den kommenden Besucherstrom zum größten Teil selbst finanzieren kann und wird.
    Natürlich müssen, bei weiteren Renovierungen, ect. immer wieder auch Gelder dort hineingespühlt werden, aber nicht mehr in diesem großen Stiel wie bisher. Davon wird Katernberg profitieren, die Zeche selber und auch die weitere Umgebung.
    Wir haben in unserem Forum selbst Firmeninhaber die auf Zollverein Ihren Firmensitz haben. Natürlich sind das dort andere Auflagen, als wenn eine Firma in irgendeinen Neubau ziehen würde, aber gerade das man in einem Weltkulturerbe seine Firma hat und dies dann auch noch Denkmalgeschützt ist, ist doch ein Reiz den viele Firmen ausstrahlen und auch mit einkalkulieren. Natürlich muss auch alles dort noch reichlich Subventioniert werden, aber dafür haben wir auch ein Denkmal, das Weltweit bekannt ist und in dieser Art kein zweites mal gibt. Natürlich hätte man mit den Geldern auch anders machen können, Darüber sehe ich aber Steuergelderverschwendungen in vielen andere politischen Bereichen, die nicht weniger Gelder aufwirbeln aber nicht mal etwas bringen, oder auch die einfache Verschwendung der Steuergelder (als Beispiel das Wasserhochhaus in Düsseldorf) Jahrelang leer, kosstete jedes Jahr Millionen und wurde dann nach vielen Jahren Leerstand doch endlich abgerissen.
    Auf Zollverein sehe ich diese Verschwendung nicht, denn Zollverein hat Zukunft!!!

    Auf Ihren letzten Punkt zu kommen, dass viele Menschen die Subventionierung mitzahlen müssen? Überlegen Sie mal was und wofür wir alles zahlen und sind auch nie da gewesen.
    Was wird in Burgen, Schlösser usw. hineingebuttert und was habe ICH davon? Auch nix!!!
    Wir hatten ja schon das Beispiel Rothenburg, dort hat die Altstadtsanierung auch Unmengen an Gelder verschlungen und was ist daraus geworden? Eine super erhaltene / erneuerte Altstadt wo man einfach mal hin MUSS (und ich war sogar schon dort) und genau so sehe ich das auch mit Zollverein. Geben wir Zollverein noch ein paar Jahre und dann sagen viele Menschen auch? da war ich schon mal? klasse, was die da erhalten haben.

    Ihre Frage, was wir uns noch leisten können??

    Ich meine: alles was nötig ist um solche Bauten, und Städte zu erhalten, denn bei vielen rechnet sich das, wenn auch erst nach zig Jahren!!!
    Das ist unser Kulturerbe!!!

  • #10
    unruhr

    Vieleicht kann ich hier auch mal schlichtend eingreifen, da ich selbst schon mit Dr. Ebert Projekte zusammen gemacht habe (schade, dass es beim letzten Mal mit ERIH nicht geklappt hat, Herr Dr. Ebert) und daher weiß, mit welcher Leidenschaft er dieses Thema beackert. Er tut das zurecht: Denn es gibt sogar Studien, u.a. aus Berlin und Hamburg, die belegen, dass Investitionen im Denkmalbereich sich lohnen. Und zwar weit über über so genannte ?weiche? Standortfaktoren hinaus gehend. So erweisen sich derartige Immobilien z.B. auch im Hinblick auf Austattung und Flexibilität als wettbewerbsfähig, v.a. im Sinne einer nachhaltigen, Ressourcen schonenden Stadtentwicklung. Außerdem haben diese Investitionen eine positive Auswirkung auf den Verbleib der Unternehmen am Standort wie auch auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter.
    Insofern greifen die Argumente für eine Einschränkung des Denkmalschutzes oder weniger Projekte zu kurz. Sie sind dem kurzlebigen Denken der heutigen Immobilienwirtschaft und dem Turbokapitalismus geschuldet, der in der Tat ebenso viele Investitionsruinen produziert – nur leider moderne.
    Meiner Meinung nach ist im Ruhrgebiet viel an Identität einfach platt gemacht und nicht klug und nachfragegerecht transformiert worden. Modernisierung hätte man auch an anderer Stelle betreiben können. Insofern muss ich Dr. Ebert in einem widersprechen: So klug ist manche Stadtentwicklung hier nun wirklich nicht gewesen. Die IBA musste viel Überzeugungsarbeit leisten. Hier ist auch viel Unheil angerichtet worden. Damit meine ich aber noch nicht einmal den unterlassenen Wiederaufbau nach dem Krieg. Den konnte man im Sinne einer sich auch politisch erneuernden Stadtplanung sogar verstehen.

  • #11
    Arnold Voß

    Hallo Herr Schweers, sorry für Karnap statt Katernberg.Das Ruhrgbiet ist halt sehr sehr groß und hat viele viele Stadtteile, was der Rest der Welt kaum weiß. Glauben sie mir einfach, dass ich schon öfter da war.Ich bin im Ruhrgebiet geboren und kenne die Gegend bestens.

    Und nun zum Thema. Und auch zu Unruhr. Habe ich irgendwo geschrieben, dass sich Investitionen in den Denkmalschutz bzw. in unser kulturelles Erbe sich grundsätzlich nicht lohnen? Das Gegenteil ist der Fall! Oder nehmen sie nur wahr, wenn man in der Eile ( ich mache das hier ehrenamtlich, sprich also „nebenbei“ und nichtsdestotrotzt aus Leidenschaft,) Karnap statt Katernberg schreibt?

    Ich bezweifele aber erheblich ihre ökonomischen Aussagen dazu. Sie bleiben, und das ist auch bei den entsprechenden Untersuchungen der Fall, aus gutem Grunde sehr im Ungefähren und gewöhnlich gehen sie von mehr oder weniger indirekten Rückflüssen in weiter Zukunft aus.

    Auch sind mir ihre Aussagen durch die Bank zu generell und pauschal. Es ist keineswegs immer und bei jedem Projekt so, dass die Mitarbeiter immer zufrienden sind, die Unternehmen auf Dauer bleiben, die Standorte wettbewerbsfähig sind. Letztes kann schon deswegen nicht sein, weil die realen Mieten dort in der Regel gar nicht bezahlt werden, also von einer echten Wettbewerbssituation gar nicht geredet werden kann.

    Es geht mir einfach um Kriterien der Auswahl, der Prioritätenbestimmung, sofern sie akzeptieren, dass das Geld von Steuerzahlen nicht nur, aber auch nach den Regeln der Sparsamkeit auszugeben ist. Egal ob sie selbst einen unmittelbaren Vorteil aus dem ausgegebenen Geld ziehen oder nicht.

    Bei ihnen scheint mir jedoch der Denkmalschutz grundsätzlich außerhalb jeder ökonomischen Frage zu stehen, bzw. ist nach ihren Aussagen per se jeder Euro gut angelegt. Sie weigern sich damit schlicht auch nur irgendein Kriterium zu nennen, mit dem es so etwas wie eine Auswahl zwischen verschieden Projekten nach den Regeln des begrenzten Geldes im Verhältnis zum Nutzen geht.

    Statt meine Fragen konkret zu beantworten (hat auch Herr Ebert nicht getan) weichen sie in die üblichen Standardaussagen aus die ich alle kenne, die leider aber nicht weiterhelfen. Letztlich fordern sie bzw. Leute die so denken wie sie, einfach immer nur mehr Geld. So wie bei Zollverein, wo die anfängliche Kalkulation immer wieder und in einem erschreckenden Maße überschritten wurde und wo es für die öffentlichen Finanziers auch kein zurück mehr gab, weil das Ganze sonst in einem Komplett-Desaster (Investitionsruine) geendet wäre.

    Warum erzählen sie das, und zwar mit genauen und vor allem ehrlichen Zahlen, nicht den Leuten. Ich habe ihren „Großsprech“ , und nehmen sie das bitte nicht persönlich, über unser „kulturelles Erbe“ etwas satt, mit dem sie sich aus diesen Problemen einfach rausreden. Und ein paar Gutachter finden sich immer, die „nachweisen“, dass das „lanfristig“ (wie lanfristig genau eigentlich?) auch für alle anderen gut so ist.

  • #12
    Arnold Voß

    P.S. Zu „schlichtend eingreifen“. Bei den Ruhrbaronen geht es, wie man in Ruhr (und nicht nur hier) so schön sagt, „zur Sache“. Eine gewisse „Heftigkeit“ ist bei Menschen mit Leidensschaft dann nicht zu vermeiden und das ist auch gut so. Wir nennen das „Streitkultur“ und wir finden, dass Ruhr, wenn es denn wirklich Metropole werden möchte, dringend mehr davon nötig hat. Das dabei die Regeln des Fair Play, wenn irgendwie möglich, eingehalten werden, ist für uns selbstverständlich. Wir freuen uns über jeden, der in diesem Sinne hier mitwirkt, ob uns seine Meinung passt oder nicht, denn er könnte ja die unsere verändern, die natürlich auch je eine individuelle und damit unterschiedlich ist.

  • #13
    Detlef Schweers

    hmmm… im prinzip muss ich Ihnen da schon recht geben, aber haben Sie sich mal mit der Geschichte von Zollverein befasst? Hier mal ein Link dazu:
    http://www.essen-katernberg.de/thread.php?postid=126845#post126845
    ist zwar ziemlich lang, aber das lesen lohnt sich!!! Die Erzählung ist von einer anderen Internetseite, ich habe sie nur berichtigt und angepasst.

    Wenn ich dann sehe, was für ein Mist an Bauten erhalten wird, was für Umbaumaßnamen für Bauten, die eigentlich abgerissen werden sollten ausgegeben wird, dann ist es meine Meinung, dass es sich für Zollverein 10-Fach lohnen wird.

    Natürlich kann keiner von uns in die Zukunft schauen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt!! Was man mir, als Katernberger zugestehen möchte.

    Ich sehe hier ja direkt VOR ORT, was auf Zollverein alles an Erneuerungen, Pläne und zukunftsweisende Aufgaben gestalltet wird, dazu möchte ich einfach noch einmal auf unsere Seite verweisen:
    Aktuelle: http://www.essen-katernberg.de/board.php?boardid=36
    Geschichte: http://www.essen-katernberg.de/board.php?boardid=93

    Dies soll keine Werbung sein, sondern daran kann man sehen, was sich UM die Zeche, für und durch die Zeche entwickelt, z.B. werden im nahen Einzugsbereich reichlich Gebäude um- und neugebaut, die von privaten Investoren zum Leben erweckt werden (Beispiel: Niermann-Karree). Oder die Entwicklung in Katernberg selber, da werden neue Geschäfte gebaut/eingerichtet, Plätze und Häuser um- und weitergebaut. Das alles muss man ja dem Projekt Zollverein noch hinzubedenken und dass sind alles Erneuerungen die es ohne Zollverein nicht geben würde. Von daher sehe ich ein bisschen mehr als NUR Zollverein und die Geldausgaben dafür, es entwickelt sich hier eine komplett neue Infrastruktur, die ausschließlich durch Zollverein und dessen neuem Leben entsteht. Wie heißt es so schön:
    >> Zollverein ist Katernberg, Katernberg ist Zollverein <<
    Das sind meine Aspekte, die nur durch den Erhalt von Zollverein aufkommen und alles in allem sehe ich da die Zukunft des ganzen Stadtteils, zu dem auch Zollverein, Triple Z, PACT und vieles mehr gehört.

  • #14
    unruhr

    Nun, vmtl. liegt die Allgemeinheit der Aussagen daran, dass wir hier alle nicht die Zeit und Muße haben, in aller Ausführlichkeit zu argumentieren.
    Eigentlich glaube ich ja, dass wir gar nicht so weit auseinander liegen – und ich gebe Ihnen ja auch völlig recht. Selbstverständlich muss jedes Einzelprojekt einer wirtschaftlichen Prüfung standhalten – auch jedes Denkmalschutzprojekt. Das Problem – und das schreiben sie ja auch – sind die oft unrentablen Nutzungen, aber das ist ja kein Problem der „Erblast Industriekultur“, sondern der mangelnden Berücksichtigung des Betriebes in den Wirtschaftlichkeitsberechungen und falscher Nutzungen im Immobilienmarkt – also ein Problem der Projektentwicklung und Markteinschätzung. Aber mit Verlaub: „Teure Erblast Industriekultur“ ist nicht gerade die differenzierende Aussage dazu.
    Ihre Vorwürfe, „Leute, die so denken wie ich“, würden immer nur mehr Geld fordern und ebenso den Vorwurf des „Großsprechs“ möchte ich dennoch in eben solcher Pauschalität zurückweisen 😉

  • #15
    Arnold Voß

    Das Ausgangsposting war mit Absicht provozierend.Aber die Fragen, die ich dort und in meinen weiteren Kommentaren gestellt habe, bleiben. Nach ihren letzten Comments sehe ich mich allerdings damit nicht mehr so alleine und das mit dem „Großsprech“ war wirklich nicht persönlich gemeint.

  • #16
    Arnold Voß

    Ich will meine Position am Beispiel der Jahrhunderthalle zu Bochum vertiefen:

    Warum konnte die Jahrhunderthalle nicht im wesentlichen (und natürlich unterfüttert durch Erhaltungsmaßnahmen)so bleiben wie sie war? Dieser überwältigende Gebäudekomplex hätte seine Nutzer gefunden bzw. hätte man ihn so wie er war weltweit und jährlich als Kunstraum ?ausschreiben? können. Vom Ansatz her wie es mit „Land for Free“ in der Fläche geschehen soll.Allerdings jedes Jahr mit einem anderen Programm und nicht als Inkubator für darüber hinausreichende Konzepte.

    Mit der richtigen Werbepower (die insgesamt auch über die Jahre unendlich viel weniger gekostet hätte als das was mit dem Gebäuden gemacht wurde und wird) wäre dieses Ensemble und das Ruhrgebiet international noch viel bekannter geworden. Und die Besucher kämen nicht zum größten Teil aus Ruhr und Umgebung.Und es wären wahrscheinlich sogar mehr,wenn wirklich spannende Künstler u.ä.sich dieser Räume angenommen bzw. sie jeweils auf Zeit umgenutz und umgestaltet hätten.

    Ich habe das übrigens ?damals? in einem Essay quasi öffentlich als eine alternative Perspektive aufgezeigt und es hat natürlich kein Schwein interessiert. Aber der „Schnee von gestern“ könnte zumindest für die Zukunft einen neuen Ansatz bieten, mit Industriekultur umzugehen.

    Ansonsten empfehle ich z.B. eine Reise nach Toronto, wo Private in einem ähnlichen Gebäudekomplex als Haus-im-Haus-Konzept Loftwohnungen eingesetzt haben, und damit die Fassaden im wesentlichen unverändert lassen konnten.Denkmalschützern reicht das natürlich nicht. Im Gegenteil, sie laufen Sturm, wenn nur ein einziges Fenster bzw. Teile des Dachaufbaus zwecks mehr Innenlicht vergrößert werden. Das ist auch der Grund, weswegen im Ruhrgebiet Loftwohnen und Denkmalschutz fast immer miteinander kollidieren.

  • #17
    Birgit Sonnenschein

    Den Kommentar zur Teuren Erblast Industriekultur am Beispiel von der Jahrhunderthalle zu diskutieren, halte ich für verfehlt. Die Jahrhunderthalle ist m.E. die wichtigste Sehenswürdigkeit der ganzen Ruhrstadt überhaupt. Wahrscheinlich wird Zollverein für immer und ewig ein riesiges Subventionsgrab sein und sich nie selbst tragen können, aber dafür hat sich genau dieses Projekt als vielleicht eines der Wenigen im Revier wirklich „gelohnt“, weil sie die Region geeint hat. Denn das ist ja das, was uns fehlt: Jede Weltstadt hat ihre Top-Sehenswürdigkeiten. Vor ein paar Jahren hätte jeder Besucher bei der Frage, welche Sehenswürdigkeit man hier im Revier unbedingt gesehen haben muss, von den Ruhrstädtern etwas anderes gehört. Heute würden die meisten „Zollverein“ sagen. Endlich haben wir eine zentrale Sehenswürdigkeit der Ruhrstadt und nur das ist es für mich schon wert!

    Abgesehen von den vielen bedeutenden Industriedinosauriern im Revier gebe ich Herrn Dr. Voß völlig recht in der Ansicht, dass der Nutzen der Investionen für die restlichen 800 oder 900 Industriedenkmäler endlich einmal überdacht werden muss, in die so viel Geld gesteckt wurde und in Zukunft noch gesteckt werden muss. Vor allem müssen wir bedenken, dass die nachfolgenden Generationen diese Investitionen noch tragen können.

  • #18
    Christoph Hinderfeld

    Hallo,

    ich möchte die Diskussion gerne nutzen, um Ihnen einige Informationen zu ganz pragmatischen und privatwirtschaftlich leistbaren Nutzungsperspektiven (u.a. Kokerei Zollverein, Lohn-Lichthalle/Schwarzkauenbereich Zeche Ewald) zu geben. Die „Die Zunft AG“ (http://www.die-zunft.de) beschäftigt sich seit Jahren mit der Umnutzung von Altindustriestandorten in „gute Dritte Orte“, in einer Mischung aus Erleben von regionalen Produkten/Manufakturen/Kunst-/Designhandwerk, Veranstaltungen, Slow-Food-Gastronomie, Edutainment und Events (weitere Informationen unter http://www.zunftviertel.de). Wichtig wäre es aus unserer Sicht, wenn die an einer sozial verträglichen/animierenden Nutzung erreichbaren Vernetzungspotentiale noch besser als bisher nutzbar und kommunizierbar würden. Erste Ansätze gibt es über den in Planung befindlichen 2. Zunfttag Ruhr auf Zollverein im Oktober 2008 (Informationen über http://www.zunftwissen.org). Ich jedenfalls würde mich über eine weitere anregende Diskussion freuen.

    Herzlichen Gruß

    Christoph Hinderfeld

  • #19
    Dirk E. Haas

    @Christoph Hinderfeld: Dass Sie für die „strategischen Konsumenten“ des Ruhrgebiets neben dem Hoofschen Imperium in Waltrop noch weitere Wallfahrtsorte schaffen wollen, ist eine charmante, wenn auch nicht großartig neue Idee ? wie auch die Vorstellung, dass in die Knochenmühlen der Schwerindustrie nun ausgerechnet die Genusshandwerker Einzug halten, ein schönes Moment historischer Ungehorsamkeit hat.

    Es ist auch völlig unstrittig, dass das Ruhrgebiet innovativere Immoblienentwickler ? mehr ?Urban Splash? (http://www.urbansplash.co.uk) und weniger ?Wilma? (http://www.wilma-wohnen-rheinland.de) ? verdient hätte. Und zu den Innovativeren will ich auch Sie gerne zählen.

    Aber schon die Renderings Ihres Zunftviertels für Zollverein zeigen das grundsätzliche Problem, dass auch Sie haben: ?Wertigkeit? schlägt allzuoft in müde Seriösität um, wenn neue räumliche und architektonische Qualitäten geschaffen werden müssen ? und nicht mehr nur die spezifische Aura alter Kokereien, Mälzereien und Schlachthöfe für Ihre sicher innovativen Geschäftsmodelle (aus)genutzt werden kann. Ihre Entwurfskizzen zeigen Räume, wie ich Sie in jedem zweiten, einigermaßen solide entworfenem Büroneubau finde, aber sicher keinen ?Dritten Ort?.

    Wirklich diskussionswürdig ist aber ein anderer Aspekt, nämlich dass hier eine Art regionale Handwerkerbewegung ?erfunden? werden soll, die im Ruhrgebiet eben nicht brav und wertkonservativ an eine Jahrhunderte alte regionale Tradition anknüpfen kann. Christoph, wie viel von z.B. Richard Sennetts Zukunftsentwurf ?Handwerk? steckt in Ihrem Zunft[kosmos]?

  • #20
    Christoph Hinderfeld

    Hallo Herr Haas,

    erst einmal herzlichen Dank für die Auseinandersetzung mit unserem Ansatz. Aber warum eigentlich gleich wieder die Infragestellung von werteorentiertem Denken und Handeln? Wir wissen ganz genau, dass wir in dem Spannungsfeld Kosten und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit sicherlich nicht immer in der Lage sein werden in jedem Umfeld das „schöpferisch wertvollste Gesamtgebilde“ auch umsetzen zu können. Aber einen Versuch ist es ja allemal wert. Und Handwerk oder Manufaktur sind Kern unseres Ansatzes, wobei im Blick auf die privatwirtschaftlich machbare Umsetzung eben weitere Bestandteile eines Ortes mit Verweilqualität nötig sind um in einer Mischkalkulation überhaupt faire Mieten für Kunst-, Designhandwerk und Handwerkerbündelung zu ermöglichen.

    Freundlichen Gruß

    Christoph Hinderfeld

  • #21
    Dirk E. Haas

    @Christoph Hinderfeld

    Neinnein, ich stelle Ihr werteorientiertes Denken und Handeln ja nicht in Frage, sondern mache darauf aufmerksam, dass man dieses Denken und Handeln Ihren Entwurfsskizzen zum Zunftviertel nicht ansieht. Es ist ja nicht so, dass Ihre Renderings ?billige? Architektur zeigen; billig wird auch das nicht, nur ein wenig allzu beliebig. Wenn Sie mir aber sagen, dass etwas Anderes als das, was ich da sehe, für Ihr Konzept letztlich unwirtschaftlich wäre, kann ich schwerlich widersprechen. Da passen halt Konzept, Ort und Architektur nicht so zusammen, wie ich mir das (auch in Ihrem Sinne) wünsche.

  • #22
    Christoph Hinderfeld

    Hallo Herr Haas,

    dann freue mich mich natürlich über die Intensivierung des Kontaktes, denn bis zur Umsetzungsreife haben wir ja noch zahlreiche Schritte vor uns (Bergrecht, Baurecht, Nutzer, etc.) und können noch viele gute Anregungen mit berücksichtigen – http://die-zunft.de , Sie erreichen mich über den Bereich Kontakt.

    Freundlichen Gruß

    Christoph Hinderfeld

  • #23
    Dirk E. Haas

    @Christoph Hinderfeld, wenn Sie Ihre Projekte hier in diesem Blog posten und sich eine ?anregende Diskussion? wünschen, müssen Sie damit rechnen, dass nicht alle alles so uneingeschränkt toll finden. Vielleicht tue ich Ihnen auch unrecht, weil die Renderings allzu vorläufig und holzschnittartig sind. Aber etwas anders habe ich nun mal nicht gesehen.

    Sehr viel interessanter ist der gesellschaftliche und ökonomische Hintergrund Ihrer Aktivitäten im [Zunft]kosmos; darüber hätte ich, wie Sie ja lesen konnten, (und hätten vielleicht auch andere Leser und Diskutanten dieses Blogs) gerne etwas mehr gewusst. Aber mit Ihrem ?Sie erreichen mich über den Bereich Kontakt? scheinen Sie sich hier ja eher wieder verabschieden zu wollen.

  • #24
    Christoph Hinderfeld

    Hallo Herr Haas,

    fraglich ist doch, ob wir alle Punkte, die zukünftig noch zu diskutieren sein werden, in diesem Blog „ausbreiten“ wollen – daher die Anregung zu einem persönlichen Gespräch s.o.. Zu den Motiven der Die Zunft AG finden Sie sehr viel mehr Informationen besonders in unserer Wikipedia Zunftwissen (Ziel ist mehr Kundensouveränität durch Beteiligung und Transparenz) – http://www.zunftwissen.org .

    Sonst darf ich schon einmal auf den im Oktober geplanten Zunfttag auf Zollverein verweisen, als Folgeveranstaltung zum „Tag der Nachhaltigkeit“ am 27.06.2007 (einer der 365 Orte im Land der Ideen).

    P.S „Leider“ sind wir kein Manufactum/Otto Versand-Ableger und können nicht für alle Projekte Ideenwettbewerbe ausloben (leisten).

    Freundlichen Gruß

    Christoph Hinderfeld

  • #25
    Rolf

    Nee, wat schön! Den Kohlenpott seine Leuchttürme ma‘ im Blickpunkt, un‘ schon hammer den schönsten Streit.

    Also: Quatsch finde ich, Zollverein gegen U-Turm, Jahrhunderthalle, Gasometer, Innenhafen, … auszuspielen. Ich nenne das Kirchturmdenken. Wir brauchen alle.

    Hier im Ruhrgebiet gibt es eine Menge Geschichte, auch Technik-Geschichte. Das gibt es woanders nicht. Woanders, das heißt doch „Heimatmuseum im Rokoko-Schlösschen“, und das ist Kultur, das sieht man schon von Weitem. Hier im Ruhrgebiet wird experimentiert, wird um Nutzungsmöglichkeiten und ihren Sinn gestritten, weil eben nicht so deutlich Kultur draufsteht, wo Kultur drin ist. Oder umgekehrt. Das ist aber genau der Punkt.

    Gerade am Beispiel Zollverein sieht man aber auch, wie vieles man damit verbinden kann, von der Knochenmühle bis Museum, Designstandort, Zentrum für zeitgenössische Kunst, Edelhandwerk, Edel-Fressschuppen und Einfallstor für die Kulturhauptstadt.

    Wer hätte denn vor 20 Jahren gedacht, dass die olle Ruine noch einen solchen zweiten Frühling erlebt? Ich bin sicher, dass dieser „Leuchtturm“, genau wie die anderen übrigens, auch außerhalb des Ruhrgebiets Neugierde wecken.

    Nur darf man sich nicht darauf beschränken, einen Leuchtturm nach dem anderen zu bauen. Daher kommt ja auch der Spruch: „Ein Leuchtturm ohne Meer ist eine Bauruine.“

    Vielleicht sollten wir wieder das alte Lied aus den 1960ern auskramen: „Unter dem Pflaster liegt der Strand“. 😉

  • #26
    Dirk E. Haas

    @Christoph Hinderfeld: Okay, ich seh‘ schon, Sie wollten eigentlich nur Ihren Zunfttag bewerben. Eines habe ich aber dennoch erfahren: zunftwissenorg ist nicht gerade ein leidenschaftlicher Debattierklub. Und gehört nicht dem Otto-Versand.

    @Rolf:Wer ist das Pflaster, wer ist der Strand, wer ist das Meer?

  • #27
    Arnold Voß

    @ Rolf

    Wir brauchen alle (Leuchttürme), klingt immer gut. Nicht gegeneinander ausspielen auch. Aber nur so lange wie das Geld reicht.Und es reicht hinten und vorne nicht! Sprechen sie mal mit den Leuten (z.B. beim RVR oder beim Land), die für die Finanzierung verantwortlich sind. Oder fragen sie mal (einfach so auf der Straße) die Bevölkerung, ob sie bereit wäre, dafür mehr Steuern zu bezahlen.

    @ Hinderfeld

    Natürlich muss man hier nicht „alles ausbreiten“. Aber was ist so exklusiv und vor einem größerem Publikum schützenswert an der Beantwortung der Frage, wie ästhetische Qualität und kommerzielle Nutzung zusammengebracht werden kann? Sie könnten damit einer Menge Leuten „auf die Sprünge“ helfen bzw. könnten diese auch aus ihren „Fehlern“ lernen.

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