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ThyssenKrupp II: Steinbrück hat seinen Auftrag nicht erfüllt

Peer Steinbrück (www.peer-steinbrueck.de)

Peer Steinbrück (www.peer-steinbrueck.de)

Die „Schienenfreunde“ sind eines der übelsten Beispiele für Wirtschaftskriminalität in den vergangenen Jahren: Mit Preisabsprachen haben die Hersteller von Schienen sowohl die Bahn als auch kommunale Nahverkehrsunternehmen betrogen: Weil es keinen Wettbewerb gab, weil der Markt ausgeschaltet war, entstand eine Schaden von mehreren 100 Millionen Euro.

Beteiligt an den kriminellen Machenschaften war auch ThyssenKrupp – der Konzern, in dessen Aufsichtsrat der jetzige SPD-Kanzlerkandidat zwischen 2010 und 2012 saß. Und was machte Steinbrück, als die kriminellen Machenschaften im Aufsichtsrat zur Sprache kamen? Nach einem Bericht der WAZ setzte er auf Vertuschung:

Der Aufsichtsrat diskutierte laut Protokoll über das Kartell. Aufsichtsratschef Gerhard Cromme forderte personelle Konsequenzen, nicht nur bei den Untergebenen, auch bei den Führungskräften. Ex-Henkel-Chef Ulrich Lehner setzte sich dafür ein, das interne Warnsystem bei Thyssen-Krupp zu verbessern, um schneller kriminelle Machenschaften im Konzern enttarnen zu können. Und der Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Peer Steinbrück, wies laut Protokoll darauf hin, „dass es schädlich wäre, wenn der aktuelle Fall in der Pressekonferenz nach der Aufsichtsratssitzung thematisiert würde.“

Das ist nun strunzdumm und zwar in zweierlei Hinsicht: Jeder der bis drei Zählen kann weiß, dass es keinen Sinn  macht einen Skandal zu vertuschen, wenn er einmal auf dem Tisch liegt. Will ein Unternehmen noch einen Rest an Reputation behalten, muss alles raus. Steinbrücks Vorschlag ist auf dem Niveau eines Kleingartenvorsitzenden, der verhindern will das über das gesprochen wird, was eh alle wissen: Der Gestank im Stadtteil kommt von der Schweinegülle, mit der die Kleingärtner ihre Biotomaten düngen.

Und dann sind da noch die Interessen der Allgemeinheit: Industriejobs zu sichern liegt in deren Interesse, Kartelle zu schützen nicht. Sie sind nicht anderes als Banden, die sich zusammengetan haben, um die Kunden zu betrügen. Wer in solchen Fällen keine Aufklärung will, darf auf keinen Fall Vorstandsvorsitzender einer Sparkasse in Nordrhein-Westfalen werden und könnte auch mit dem eher schlecht dotierten Job eines Bundeskanzlers moralisch und intellektuell überfordert sein.

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9 Kommentare zu “ThyssenKrupp II: Steinbrück hat seinen Auftrag nicht erfüllt

  • #1
    fn.

    Ja und wo sind jetzt all die Gesteinbrückten, die das eben noch totaaal suuper fanden, daß ihr Kandidat im Thyssen-Aufsichtsrat so klasse pro kleine Strompreise für Großkonzerne plädiert hat? Alle wieder still und heimlich im Ortsvereinsheim aufs nächste Steinbrück-Lob am Warten? Das geht aber dann auch wieder nach hinten los! Immer wieder. Der Wahnsinn hat Methode, Genossen!

  • #2
    Klaus

    Der Vorwurf des Vertuschens ist aber weit hergeholt, schon beinahe verleumderisch. Nur weil Steinbrück nicht wollte, dass direkt im Anschluss an die Sitzung darüber öffentlich auf einer PK gesprochen werden sollte, bedeutet es nicht, dass gar nicht darüber gesprochen werden sollte.

    Im Gegenteil wäre hier eine öffentliche Stellungnahme nach einer Bedenkzeit und ggfs. Absprache mit PR-Experten, wie diese denn vollzogen werden soll, weitaus sinnvoller als eine sofortige Stellungnahme. Es gibt genug an Steinbrück zu kritisieren, sein Verhalten hier aber nicht.

  • #3
    Jens Kobler

    Schienen abschaffen, Autobahnen abreißen, Industrie abschaffen, Steinbrücks unnötig machen:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/3d-drucker-was-heisst-hier-herstellung-12017412.html

  • #4
  • #5
    Emscher-Lippizianer

    TK hat im Jahre 2012 fünf Milliarden Euro verbrannt. Das sind fünftausend Millionen Euro. Gut, für jemanden der als ehemaliger MP von NRW im WestLB-Sumpf steckt und als Bundesfinanzminister durch Deregulierung der Finanzmärkte der augenblicklichen Krise bald schon seinen Namen geben kann, sind die 5 Mrd. wohl nur Peanuts. Als Aufsichtsrat der Firma, die diese 5 Mrd. verbrannt hat, scheint der Problem-Peer allerdings den Kopf in den Sand zu stecken und für den goldenen Wowereit zu kandidieren.

  • #6
    Chrisi

    Fäng ja schon gut wieder an, das Wahljahr. Aber ich finde es gut das Journalisten vorab die Plagiatsanfälligkeit von Politikern abklopfen. So langsam wird es doch langweilig immer die Leute aus zu tauschen mit den Leuten die man nicht hätte gewählt.

  • #7
    Der Stadtfuchs

    Der Mann wird mir immer sympathischer. Auch wenn Stefan Laurin „Skandal, Skandal“ schreit: Nicht auf *einer Pressekonferenz* *im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung* ein heißes Eisen cora pressepublico diskutieren zu wollen, bei dem man mit Sicherheit diverse Stöckchen hingehalten bekommt, ist auch im Krisenfall eine vernünftige Strategie, wie oben schon geschrieben wurde. Das ist weder vertuschend, noch strunzdumm, sondern politisch richtig. Gut, der Mann.

  • #8
    Arnold Voss

    @Klaus # 2

    „Im Gegenteil wäre hier eine öffentliche Stellungnahme nach einer Bedenkzeit und ggfs. Absprache mit PR-Experten, wie diese denn vollzogen werden soll, weitaus sinnvoller als eine sofortige Stellungnahme.“

    Warum macht ihr „Krisenexperte“ das nur so selten bei sich selbst, Klaus? 🙂

  • #9
    Eva

    Arbeitsplätze sichern hört sich oberflächlich betrachtet gut an, doch das Ganze hat einen gewaltigen Haken. Mit niedrigeren Strompreisen sollen ja lediglich Arbeitsplätze in der Industrie gesichert werden. Andere Branchen, die ebenfalls Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, werden nicht auf diese Weise gesponsert. So entsteht folgende Situation: Die Ausfälle bei den Einnahmen, die durch die Rabatte für die Industrie entstehen, werden bei den privaten Nutzern wieder reingeholt. Die müssen ja als Ausgleich für diese Rabatte höhere Strompreise zahlen. So wird dann also eine Krankenschwester, eine Lehrerin oder eine Friseurin gezwungen, den Arbeitsplatz eines Industriearbeiters zu subventionieren, während der Industriearbeiter im Gegenzug ihren Arbeitsplatz nicht sponsern muss. So geht das nicht. Das ist soziale Ungerechtigkeit.

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