Über die offensichtlich völlig verdrehten Prioritäten bei Facebook

Das Cover des Pixies-Album ‚Surfer Rosa‘ verstößt gegen die Facebook-Regeln.

Dass Facebook zuweilen eine etwas merkwürdige Art hat die auf der eigenen Plattform veröffentlichten Beiträge zu ‚moderieren‘, das ist nicht neu. Als aktiver Teil eines Blogs wie diesem, der durchaus mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert ist, habe ich dafür grundsätzlich erst einmal Verständnis.

Verschiedene Moderatoren haben eben unterschiedliche Einstellungen, Empfindsamkeiten und Geschmäcker. Tagesform spielt sicherlich auch eine Rolle bei so etwas. Da kann man gemeinsame Richtlinien aufstellen wie man will, letztendlich wird es nie gelingen eine Linie zu 100 Prozent konsequent einzuhalten.

Trotzdem sollte ein Seitenbetreiber sich selbstverständlich stets bemühen das Ganze irgendwie nachvollziehbar zu gestalten und umzusetzen. Ob das hier bei uns immer gelingt, das lasse ich mal dahingestellt. Zumindest bemühen wir uns darum dem Ganzen am Ende bestmöglich gerecht zu werden und entsprechend zu handeln. Das will ich auch Facebook grundsätzlich gar nicht absprechen. Und trotzdem schwillt mir von Zeit zu Zeit der Kamm, wenn ich dort miterleben muss, wie dort mit Beiträgen verfahren wird.

Hier ein kleines Beispiel:

Ich mache privat auf Facebook gerade bei einem kleinen Spielchen mit, wo man an zehn aufeinanderfolgenden Tagen jeweils ein Liebling-Musikalbum mit seinen Freunden teilt, indem man das jeweilige Cover zeigt. Soweit, so harmlos.

Als ich Anfang dieser Woche in dieser Reihe das Cover des Pixies-Albums ‚Surfer Rosa‘ mit meinen Freunden geteilt habe, da kommentierte ein FB-Freund sofort, dass er das im konkreten Fall auch schon einmal versucht habe, das Bild dann aber umgehend von Facebook wieder gelöscht wurde.

Gelöscht? Ernsthaft? Wegen zweier nackter Frauenbrüste, die man quasi mit der Lupe suchen müsste um sie überhaupt zu erkennen? Gehört hatte ich von den strengen Regeln bei Bezug auf Nacktheit ja schon häufiger, aber ein Cover eines echten musikalischen Kult-Albums? Zumal ein so harmloses?

Da es bei mir zunächst keine Reaktion von Facebook gab, vergaß ich den Gedanken erst einmal wieder. Bis Gestern. Da erhielt ich eine Nachricht von Facebook, dass mein Bild wegen Verstoßes gegen die „Gemeinschaftsstandards“ ab sofort nur noch von mir selber gesehen werden könnte.

Mein Kumpel hatte also Recht. Auch bei mir wurde das Cover mit den zwei abgebildeten nackten Brüsten in Stecknadelkopfgröße also nicht in der Timeline geduldet.

Eigentlich könnte man die Sache ja sofort vergessen, schließlich ist das bei einer solchen Spielerei ja nicht wirklich wichtig. Und doch hat das Ganze natürlich eine viel tiefere Bedeutung.

Wenn am gestrigen Abend in den Nachrichtensendungen im TV nämlich auf vielen Kanälen ausführlich darüber berichtet wird, dass Facebook mit Hasskommentaren ein größeres Problem hat, offensichtlich gerade einmal wieder nicht hinterher kommt die unzähligen, unerträgliche Verunglimpfungen in Sachen der Tötung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke von seinen Seiten zu löschen, dann bekommt die Löschung meines vergleichsweise völlig harmlos wirkenden Plattencovers eine ganz unangenehme Dimension und macht einen nur noch fassungslos….

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6 Kommentare

  1. #1 | Und nein: Wir haben nicht 1984! YouTube geht gegen Hass und Desinformation vor | Ruhrbarone sagt am 6. Juni 2019 um 16:03 Uhr

    […] Ruhrbaron Robin Patzwald hat, in Fragen der Moralrichtlinien. bei Facebook heuer schlechte Erfahrungen bei Facebook sammeln dürfen. […]

  2. #2 | Wolf sagt am 6. Juni 2019 um 17:44 Uhr

    Die Doolittle war doch hoffentlich auch unter den zehn Alben?

  3. #3 | Robin Patzwaldt sagt am 6. Juni 2019 um 17:45 Uhr

    @Wolf: Ich habe mich auf ein Album pro Interpret/Band beschränkt. Daher leider nein, auch wenn es verdient gewesen wäre… 🙂

  4. #4 | ke sagt am 6. Juni 2019 um 18:01 Uhr

    Frauenbrust auf dem Bild => Aussortieren

    Ist eine einfache Verfahrensanweisung, die jeder ausführen kann. Vermutlich sogar ein Algorithmus. Dann stellt sich natürlich die Frage, warum der Artikel so lange verfügbar war.

    Gab es einen Denunzianten, der zu einer Kontrolle durch die "Moderation" führte?

    Transparenz ist in diesen Fällen dringend erforderlich, wenn schon private Unternehmen mit enormer Reichweite Beiträge aussortieren.

  5. #5 | Der Fall Dr. Lübcke und der recycelte Hass im Web | Ruhrbarone sagt am 17. Juni 2019 um 11:53 Uhr

    […] wenn man sieht aus welchen Gründen Facebook sonst so sperrt und ermahnt (Beim Ruhrbaron-Kollegen Robin Patzwaldt z.B., ein auf Facebook geteiltes Foto einer LP-Hülle: Auf dem man, mit starker Brille oder […]

  6. #6 | Angemessen '50 Jahre Woodstock' zu feiern ist auf Facebook gar nicht so einfach | Ruhrbarone sagt am 15. August 2019 um 09:50 Uhr

    […] es beispielsweise bisher ’nur‘ erlebt habe, dass das Netzwerk ein von mir gepostetes Plattencover der Pixies ‚zensierte‘, für mit mit verknüpfte Freunde zur Ansicht sperrte, da dort mikroskopisch kleine Brustwarzen zu […]

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