Ullrich Sierau – Der Oberbürgermeister, der sich selbst im Weg stand

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau Foto: Itti Lizenz: CC BY-SA 3.0


Nach einem Bericht der Ruhr Nachrichten wird Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) im kommenden Jahr bei der OB-Wahl nicht erneut kandidieren.  Die Stadt verliert einen Oberbürgermeister, der ein ganz Großer hätte werden können, wenn er sich nicht selbst im Weg gestanden hätte.

Es war vor einem Jahr, als Dortmund Oberbürgermeister Ullrich Sierau im Orchesterzentrum NRW das digitale Abbild einer Skulptur des in Dortmund geborenen Bildhauers Benno Elkan vorstellte. Elkan war Künstler und Fußballfan, hatte schon in Dortmund einen Verein mitgegründet und später, als er in München lebte, auch Bayern München. Vor den Nazis floh Elkan, der Jude war, dann nach Großbritannien. Sierau hielt eine große Rede. Er sprach über die Bedrohung durch Nationalsozialismus und Faschismus, war ernst und tiefgründig. Ein kluger Mann, ein großer Oberbürgermeister. Bis er auf Fußball zu sprechen kam: Bayern München hatte ein Vorstandsmitglied zu der Veranstaltung geschickt, Sierau begrüße ihn, ohne seinen Namen zu nennen – und wenn, dann konnte man ihn nicht verstehen –  und polterte wie ein sechszehnjähriger Nachwuchshooligan  über die kommende Niederklage der Bayern in Dortmund. Es richtig zu machen, den Bayernvertreter zu begrüßen und zu sagen, man sei im Fußball Gegner, aber in so wichtigen Fragen wie Frieden und die Bedrohung der Demokratie vereint, wäre so einfach gewesen. Aber das konnte Sierau nicht. Eine große Rede geriert zu einem peinlichen, kleinlichen Auftritt.

Von den Oberbürgermeistern des Ruhrgebiets ist Sierau der schillerndste: Er hat zahllose Ideen, eine ungeheure Energie und brennt dafür, seine Stadt nach vorne zu bringen. Und er ist, wie sein Vorgänger Gerhard Langemeyer (SPD), erfolgreich: Dortmund hat sich in vielen Bereichen von den anderen Ruhrgebietsstädten abgesetzt, wächst, ist wirtschaftlich nach Ruhrgebietsmaßstäben erfolgreich und man merkt der Stadt an, dass ihr Oberbürgermeister ein gelernter Stadtplaner mit einem zu Recht hervorragenden Ruf ist. Sierau könnte es sich erlauben,  souverän zu sein, weniger verbissen und aggressiv – aber es gelingt ihm nicht, wahrscheinlich will er es nicht einmal. Zu laut, zu großspurig,  zu sehr Provinz und zu wenig selbstbewusster und selbstsicherer Oberbürgermeister einer Großstadt – mit seinem Auftreten stand sich Sierau immer selbst im Weg. Er hätte ein großer Oberbürgermeister werden können. Wenn er jetzt geht, kann er auf erfolgreiche Jahre zurückblicken – und auf eine große, vertane Chance, mit seinem Amt als Persönlichkeit zu wachsen.

Dir gefällt vielleicht auch:

8 Kommentare

  1. #1 | AndiN sagt am 30. August 2019 um 08:40 Uhr

    Es war ein hervorragender OB. Alles andere ist jammern auf hohem Niveau.

  2. #2 | Dirk Schmidt sagt am 30. August 2019 um 15:39 Uhr

    Und die SPD wird wen ins Rennen schicken? Ich tippe auf Thomas Westphal. Er ist Ex-Bundesvorsitzender der JUSOs, Ex-Wirtschaftsförderer der metropoleruhr GmbH, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund und seit kurzer Zeit auch stellvertretender Vorsitzender der SPD im Unterbezirk Dortmund.

    Vielleicht kandidiert bei der CDU Annette Littmann nochmal. Dann könnte es eine sehr interessante Kommunalwahl werden in Dortmund.

  3. #3 | Klaus Lohmann sagt am 30. August 2019 um 16:37 Uhr

    Dass Medien, Bürger und vor allem seine Mitarbeiter und Kollegen in der Verwaltung ihn immer wieder als Choleriker charakterisierten, der mit Kritik an seiner Arbeit nur sehr schwer umgehen kann, ist kein "Hochniveau-Jammern", lieber AndiN, sondern Realität:
    https://www.ruhrbarone.de/no-go-journalismus-das-grosse-mimimi-des-dortmunder-wut-oberbuergermeisters-sierau/142982

  4. #4 | Birgit Scholz sagt am 30. August 2019 um 18:02 Uhr

    Hätte mich auch gewundert wenn K. L.
    diesen Beitrag nicht auch kommentieren würde.
    Wie heißt es doch so schön,
    Neid muss man sich erarbeiten,
    Mitleid bekommt man geschenkt.

  5. #5 | Klaus Lohmann sagt am 30. August 2019 um 18:32 Uhr

    Ach Birgit, dem "B1-Tunnel braucht kein Mensch"-Ulli schenk ich doch immer gern und reichlich einen rein;-)

  6. #6 | Robert Müser sagt am 30. August 2019 um 19:00 Uhr

    Das Mitleid über diesen Abgang in der Dortmunder Stadtverwaltung dürfte sehr in Grenzen halten.

  7. #7 | Arnold Voss sagt am 31. August 2019 um 06:52 Uhr

    Es gibt keine Persönlichkeiten ohne Macken. Ich wünsche ihm noch schöne Jahre ohne die Lust und die Last des Amtes. Machs gut Ulrich!

  8. #8 | Peter Fischer sagt am 11. März 2020 um 22:38 Uhr

    Raumplanung studiert, nie richtig gearbeitet, selbstverliebt und selbstherrlich und und und… und wenn man dann mal so durch Dortmund fährt und genau hinschaut, ist´s ganz schön gammelig. Kaum eine Straße ohne Schlaglöcher und wer einen Termin bei den "Bürgerdiensten " braucht, kann zwei Wochen warten. Toller OB

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.