Umfrage-Desaster für die SPD im Pott

Wie ich erst jetzt erfahren habe, gab es von Forsa bereits im März eine repräsentative Umfrage zur politischen Stimmung im Ruhrgebiet. So die übliche Nummer mit 1000 befragten und intensiven Telefoninterviews. Die Studie war vergraben unter einer Menge Kulturdaten. Nun, für mich und den ein oder andren ist das Ergebnis immer noch neu und spannend.

Demnach ist die Ruhr-SPD bildlich gesprochen im Schacht abgehangen.

Für die kommenden Kommunalwahlen rutscht die Partei der Genossen in der Stimmung auf mickrige 28 Prozent. Die CDU liegt demnach auf das ganze Revier bezogen bei 37 Prozent. Die Linke erreicht immerhin neun Prozent. Und die Grünen 13. Wie gesagt bei den Kommunalwahlen. Das Bild ist auf die einzelnen Städte bezogen sicher differenzierter. Aber: Es steht, die Linken werden eine Macht, mit der die SPD rechnen muss. Das bedeutet: ohne ROT-ROT-GRÜN gibt es keine Mehrheiten mehr in den meisten Revierstädten für die Sozialdemokratie.

Aber auch auf die Bundestagswahlen und die Landtagswahlen zeichnet sich ab, dass die rote Hochburg Pott geschliffen ist.

Im Land liegt die SPD in der Stimmung bei 33 Prozent. Die CDU bei 38 Prozent. Die Linke könnte mit sieben Prozent rechnen. Die Grünen mit neun.

Nur noch bei den Bundestagswahlen dürfte die SPD mit 33 Prozent auf einen leichten Vorsprung von 3 Prozent auf die CDU hoffen, wenn Forsa mit seiner Prognose der Stimmungen richtig liegt. Allerdings könnten demnach auch die  Linken auf 13 Prozent hoffen. Und damit die SPD weiter unter Druck setzen.

Ich suche noch eine differenzierte Auswertung auf die einzelnen Ruhrgebietsstädte. Aber schon jetzt lässt sich sagen, dass sich die Ruhr-SPD endlich wirkungsvoller um das Ruhrgebiet kümmern muss. Dabei wäre es sicher nötig die einzige politische Klammer, die es im Ruhrgebiet gibt, besser zu nutzen, um als Ruhrgebietspartei wahrgenommen zu werden. Und das ist der Regionalverband Ruhr (RVR). Ob es einem nun gefällt oder nicht. Mit der Konzentration auf die Mikrokosmen der Kleinstädte wird die SPD nur in ihren internen Problemen versanden. Was die Partei braucht ist ein Kopf, der sie im Ruhrgebiet repräsentieren kann. Einer oder eine, die über den Stadtrand hinausragt.

Dazu muss sich die SPD jetzt offensiv der Diskussion um den Umgang mit den Linken stellen. Die Sozialdemokraten müssen die Diskussion selbst führen, bevor CDU und FDP die Debatte für die SPD in die Hand nehmen und immer wieder eine Abgrenzung von den Linken einfordern.

Ich drück der SPD die Daumen. Es wäre schade, wenn die Genossen ins Bodenlose entschwinden.

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5 Kommentare

  1. #1 | Stefan Laurin sagt am 1. September 2008 um 17:55 Uhr

    That´s Strukturwandel – es gibt keine Erbhöfe mehr, der Horizont weitet sich und Politik wird wieder spannend. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als die SPD im Ruhrgebiet 60 + X hatte. Ich vermisse sie nicht – seit Mitte der 90er lautet die Parole auch im Revier: Mehr Demokratie wagen 🙂

  2. #2 | Jens sagt am 1. September 2008 um 17:59 Uhr

    Wer glaubt schon Forsa?

  3. #3 | Stefan Laurin sagt am 1. September 2008 um 18:44 Uhr

    @Jens: Die SPD. Vor gut vier Jahren hat SPD-General Groschek auf einer Presekonferenz in Oberhausen ganz stolz die guten Forsa-Zahlen zur Kommunalwahl 2004 präsentiert. Güllner war auch da.

  4. #4 | Jens Kobler sagt am 2. September 2008 um 13:08 Uhr

    Da hätte jemand fast die FDP verschwiegen in dem Artikel. Könnten ja Sozis lesen, oder wie? haha

  5. #5 | Barbara Underberg sagt am 2. September 2008 um 21:30 Uhr

    Das ist doch das ewige Ruhrgebietsdilemma: Alle wissen, was eigentlich besser wäre (wech vom Kirchturm, einheitliches Auftreten nach außen, regionale Kooperation usw.), aber der politische Sachzwang hat immer das schlagendere Argument auf seiner Seite. Die Debatten um die Konzerthäuser und Shopping Malls kennen wir doch alle. Langemeyer wird in Dortmund gewählt und deshalb interessiert ihn Dortmund und im Zweifelsfall sonst nix. Für alle anderen gilt das gleiche – und das kann man ihnen ja fast noch nicht einmal vorwerfen.

    Starke Ruhr-SPD? Ein frommer Wunsch. Die Interessen im Ruhrgebiet liegen derart quer zueinander, dass die das – glaube ich nach nunmehr zwanzig Jahren Strukturwandelbeobachtung mit immer wiederkehrenden Debatten – nie hinkriegen werden. Das einzige was punktuell hilft, sind Förderkohle und Zwang, Zuckerbrot und Peitsche (so hat die IBA funktioniert, so funktioniert die Kulturhauptstadt).

    Mit der SPD-Hochburg Ruhrgebiet ist endgültig Schicht im Schacht. Die Partei selbst hat doch überall verschiedene Interessen in der Region. Und ist irgendwo ein „Kopf“ zu sehen? Schon in NRW und im Bund tun die sich schwer, kein Zufall.

    Die SPD wird zwischen ihren Flügeln zerrissen. Seit des Die Linke gibt, fällt das halt mehr auf, weil links von der SPD vorher nichts Ernstzunehmendes war. Und solange die Parteispitze sich immer nur versucht, nach links abzugrenzen, kann man ihr eh nicht helfen. Sie züchtet die Konkurrenz von links ja geradezu. Wenn ich mir dieses mediale Schauspiel anschaue, schwanke ich immer zwischen Schadenfreude, Ärger und Mitleid.

    Irgendwie hofft man immer, dass sie’s mit dem nächsten Wahldebakel endlich kapieren. Und was is, nix.

    Nabend, Barbara

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