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Unstatistik des Monats: Die Medien übertreiben bei der Lebensmittelverschwendung

Tomaten Foto: :Popolon Lizenz: CC/GNU

Tomaten Foto: :Popolon Lizenz: CC/GNU

In Kooperation mit dem RWI-Essen veröffentlichen wir die Unstatistik des Monats. Diesmal geht es um die Verschwendung von Lebensmitteln . Von unserem Gastautor Walter Krämer.

 

Die Unstatistik des Monats Januar sind die regelmäßigen Schreckensmeldungen über weggeworfene Lebensmittel in Deutschland. Zuletzt hatten die beiden christlichen Kirchen beim ökumenischen Landkirchentag auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin die Verschwendung von Lebensmitteln angeklagt. Jeder deutsche Verbraucher werfe im Durchschnitt jedes Jahr 83 Kilogramm Lebensmittel auf den Müll.

Im „Spiegel“ 50/2012 wurde ähnlich alarmierend berichtet, weniger als die Hälfte des in Europa angebauten Obstes und Gemüses würde tatsächlich auch gegessen. Dieser Rechnung lag jedoch ein populärer Denkfehler zu Grunde: Wenn 30% des Obstes während der Produktion verlorengeht, und davon nochmals 20% bei Verpackung und Transport, so ergibt das zusammen nicht 50% der Ausgangsmenge, sondern 44% (30% von 100 plus 20% von 70). Der Prozentsatz der tatsächlich konsumierten Lebensmittel ist daher größer als in den Medien berichtet.

Bei näherem Hinsehen entpuppt sich auch ein großer Teil der von den Kirchen beklagten weggeworfenen 83 Kilogramm als nicht haltbar. Zum einen, weil die Menge der weggeworfenen Lebensmittel nur schwer erfasst werden kann und deshalb – unter teils sehr heroischen Annahmen – geschätzt werden muss. Diese Annahmen haben wiederum eine erhebliche Unsicherheit der Schätzungen zur Folge. Darüber hinaus wird in der allgemeinen Diskussion meist verschwiegen, dass der größte Teil dieser 83 Kilogramm als unvermeidbarer Abfall einzustufen ist. So kommt die Studie, auf die sich die Meldungen beziehen, zu dem Ergebnis, dass von den 83 Kilogramm weggeworfener Lebensmittel je Verbraucher nur 38 Kilogramm vermeidbar waren und knapp 15 Kilogramm teilweise vermeidbar, wobei die Kategorie der teilweise vermeidbaren Lebensmittelabfälle beispielsweise auch Brotrinden und Apfelschalen enthält.

Auch wenn die Berichterstattung über die Vernichtung von Lebensmitteln nur kleinere Schönheitsfehler enthält, sollte man die Verbraucher mit den korrekten Zahlen konfrontieren und diese mit der angemessenen Vorsicht interpretieren. Endgültig als scheinheilig entlarven sich diese Meldungen angesichts der von den gleichen Quellen als große Errungenschaft gefeierten Tatsache, dass allein in Deutschland jedes Jahr über 4 Millionen Tonnen Lebensmittel zu Kfz-Treibstoff verarbeitet werden.

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23 Kommentare zu “Unstatistik des Monats: Die Medien übertreiben bei der Lebensmittelverschwendung

  • #1
    snoff

    Wenn also schon 44% der Lebensmittel weggeworfen werden, bevor sie überhaupt beim Verbraucher angekommen sind, dürfte die Zahl von euch kritisierte Zahl von 50% durchaus realistisch sein, da der Verbraucher ja ebenfalls einen gewissen Prozentsatz wegschmeisst.
    Des Weiteren schreibt ihr, dass die 83 Kilogramm nicht haltbar sind, da keine belastbaren Zahlen vorliegen und geschätzt werden muss. Die 83Kg können also stimmen, aber genauso falsch sein. Ihr könnt ebenfalls keine belastbaren Zahlen angeben.
    Ich verstehe die Intention des Artikels auch nicht. Ihr beklagt, dass angeblich mit falschen Zahlen hantiert wird, habt aber ebenfalls keine handfesten Zahlen. Außerdem wird überhaupt nicht kritisiert, DASS Lebensmittel weggeschmissen werden.
    P.S. Wer Brotrinden und Apfelschalen wegwirft, dem ist eh nicht mehr zu helfen.

  • #2
    murphy42

    Oh ha.

    Ich musste den Artikel dreimal lesen, um die Aussage des Artikels zu finden. Am Ende bleibt ein IRRELEVANT übrig und die nachhaltige Erkenntnis, dass es nicht wirklich ernstzunehmen ist, wenn ein Prof. eine vermeintlich unsaubere Studie mit ähnlich unsauberen Daten, teilweise sogar ohne Quelle kritisiert.

  • #3
    Hans Meier

    Neben dem Rechenfehler, stellt sich auch die Reste-Frage 😉 wie sehen denn diejenigen aus die tapfer alles aufessen und was wiegen denn die?

    Allerdings ist es ein erbärmlich schlechter Scherz, das nicht nur 4 Millionen Tonnen Lebensmittel zu Biosprit mit höheren Herstellungs-Kosten, als herkömmlicher Treibstoff „als ökopolitische Maßnahme“ und gegen den Willen der Verbraucher in den Treibstoff-Markt gezwungen werden.
    Wem nutzt das?
    Noch unsinniger für die Verbraucher ist schließlich die flächendeckende Vermaisung, wo ausschließlich zur Biogas-Verstromung, ein absolut nicht zu marktfähigen Preisen produzierter „Bio-Luxus-Strom“, zu Lasten aller Verbraucher ökopolitisch unterstüzt wird.
    Wie weit der klare Verstand den christlichen Kirchen abhanden kam und zu den „Neugläubigen“ konvertierte, die nun als „Öko-Missionare“ agieren und leider auch regieren, das entgeht im permanenten, medial „bekehrenden Missionseifer“ dieser „Church of Öko“, die die Verbraucher fest im Griff hat, um sie abmelken zu können.

    Mit dem Argument einer „Klimarettung“ als Totschlag-Begründung entstehen „Öko-Politik-Konzerne“, eine ungeheuerliche Verschwendung von Investitions-Blasen in regenerative Stromerzeugung giert nach garantierter Rendite, die die Stromkosten explodieren lässt, der Bevölkerung vielmehr Kaufkraft für die gleiche Leistung abverlangt und ganze Industrie-Branchen samt Arbeitsplätzen außerlandes treibt.
    Aber das ignorieren unsere „Neugläubigen“ unsere „Klimaretter“ und „Ökomissionäre und Innen“.

  • #4
    TuxDerPinguin

    Ich als Vegetarier und Soja-Fan bin auch sehr erbost drüber, dass vieles leckere Essen bei der Fleischproduktion draufgeht, wo wir schon richtigerweise den „Bio“-Sprit anprangern. Weshalb „Bio“-Fleisch auch immer merkwürdig klingt…

    Ich habe nicht mitbekommen, dass eine solche Statistik in den letzten Tagen durch die Medien ging. Hab ich es richtig verstanden, dass es darum geht, dass Haushalte zu viel wegwerfen würden? Ich find das merkwürdig. Denn das Problem dürften ja eher die Lebensmittel-Läden sein.

    Dort wird sehr viel weggeworfen – leider nicht immer den Tafeln oder sonstwie verschenkt, sondern oft weggeworfen (daher neue Mode: containern) – und vorher viel aussortiert wird.
    Die Gurkenverordnung der EU wurde ja zur Lachnummer der Bürokratie. Tatsächlich war das ein Wunsch der Industrie als einheitlicher Standard. Jetz ist es aufgehoben und alle großen Einkäufer wie Aldi und Co haben ihre eigenen Standards. Gemüse, was nicht schön aussieht, wird von vornhinein aussortiert.

    Finde ich schon diskutabel. Würde sowas vom Verbraucher wirklich nicht gekauft? Hätten ja alle was davon… die Bauern würden mehr verkaufen… und die Verbraucher hätten günstigeres Gemüse.

  • #5
    Murat Kayi

    „Die Medien“ übertreiben also bei der Lebensmittelverschwendung. Der Titel jedenfalls übertreibt bei der Übertreibung, so dass, wie schon von einem anderen Leser/Leserin bemerkt, die inhaltliche Substanz dieses Beitrags stark in Richtung Bandbreitenverschwendung geht.

    Berichtet doch mal Relevantes über Lebensmittelverschwendung.
    Oder spielt doch mal was von den Stones!

  • #6
    Nansy

    Die Botschaft, dass hier mit falschen Zahlen hantiert wird, ist für mich erst einmal eine richtige Feststellung. Der Vorwurf, dass der Autor selber ebenfalls keine handfesten Zahlen vorweisen kann, macht die Sache ja nicht besser.
    Diese Art der Panikmache begegnet uns ja täglich in den Zeitungen (soundsoviel Milliarden Menschen sind zu dick) u.s.w. Dass es sich dabei um ganz windige Hochrechnungen und Schätzungen handelt, wird ja wohlweislich verschwiegen – Hauptsache man hat der Bevölkerung erst einmal Angst gemacht und den politischen Zweck erfüllt.
    Allerdings nehmen die meisten Menschen diese Zahlen als „wissenschaftlich erwiesen“ zur Kenntnis und argumentieren auf diesem wackeligen Fundament.

  • #7
    Stefan Laurin

    @Murat Kayi „Berichtet doch mal Relevantes über Lebensmittelverschwendung.“ Ich komm gerade nicht dazu, ich schlepp im Moment meinen Kühlschrankinhalt auf den Müll 🙂

  • #8
    amo

    @#3, Hans Meier.

    Ihre „Probleme“ mit der „Church of Öko“ lasse ich mal unbehandelt, möchte aber doch ein paar Anmerkungen machen.

    Für mich ist es trotzdem eine durchaus relavante Frage, ob mein Wunsch nach großer Brotauswahl zu jeder Abendzeit dazu führen darf, dass Lebensmittel weggeworfen werden.
    Wie TuxDerPinguin in #4 richtig schrieb, scheint die Gesellschaft mit der Ineffizienz der Fleischproduktion keine Probleme zu haben.

    Die Diskussion um Biomasse zur Energieversorgung ist deshalb sehr sonderbar. Ist es etwas anderes, wenn auf einer Fläche Mais (potentielles Nahrungsmittel) oder schnellwachsende Hölzer (keine Nahrungsmittel) wachsen?
    Die Realität in der Nahrungsmittelwirtschaft ist nach der Diskussion um Butterberge in den 80zigern erkannt. Unser Überschuss lässt sich nicht einfach an alle Hungerleidenden in der D und der Welt verteilen. Möglicherweise wird das zu Verdrängung der reginalen Bauern in Afrika führen, was sicherlich nicht beabsichtigt ist.
    Es sollte im Allgemeinen schon jeder Verbraucher versuchen, sein Beitrag an der Lebensmittelverschwendung zu minimieren. Die absoluten Zahlen ob richtig oder falsch helfen da recht wenig.

  • #9
    paule t.

    Erst einmal fehlt mir bei dem angeblichen Rechenfehler in der Medienerstattung der Beleg, dass dieser Fehler tatsächlich gemacht wurde. Woher weiß der Autor denn, dass sich die 20% auf die nach den Produktionsverlusten verbleibenden 70% beziehen und nicht doch auf die Ausgangsmenge? Es kann ja sein, dass die Medienberichte so grobe Fehler machen – aber wenn, sollte der Vorwurf doch durch ein Zitat belegbar sein, oder nicht? So bleibt es reine Behauptung.

    Dann: Daraus, dass die weggeworfenen Mengen geschätzt werden müssen, zieht der Autor flugs den Schluss, die Medien würden übertreiben. Nun sind Schätzungen in vielen Bereichen der Wissenschaft notwendig und werden dann aber (wenn es gute Wissenschaft ist) aber auch gut begründet, durch Stichproben kontrolliert, eine wahrscheinliche Spannbreite wird angegeben u.dgl. Wenn man das kritisiert, muss man die Methodik der Schätzung kritisieren, nciht die oft unvermeidbare Tatsache, dass es eine Schätzung ist. Vor allem kann man nicht einfach behaupten, die Schätzung bedeute notwendig eine Übertreibung. Eine ungenaue Schätzung kann schließlich genauso gut auch eine Untertreibung sein – oder nicht?

    Ein Geheimnis des Autors wird es schließlich wohl auch bleiben, warum es „Heuchelei“ sein soll, Verschwendung zu kritisieren, wenn gleichzeitig mögliche Lebensmittel zu Kraftstoff verarbeitet werden. Dass menschliche Ernährung mit Transport oder Energiebedarf um (mögliche) Ackerflächen konkurriert, ist nicht neu. Das war schon so, als Kutschpferde Hafer fraßen oder Heu (da hätte man schließlich auch Kühe mit füttern können oder die Wiesen in Ackerland umwandeln) und mit Holz geheizt wurde (auch den Wald hätte man schließlich zu Acker machen können). Es kommt nur gerade eine Ausnahmeperiode an ihr Ende, in der diese Funktionen eine gewisse Zeitlang durch fossile Stoffe ersetzt werden konnten – was man mit sehr guten Gründen langsam beenden sollte.
    Verschwendung durch reines wegwerfen anzuprangern wird durch diese Konkurrenz in keiner Weise Heuchelei; das wäre sie nur, wenn gleichzeitig in den konkurrierenden Bereichen Verschwendung propagiert würde. Das Gegenteil ist aber der Fall – auch bei allen Arten des Energieverbrauchs wird ja sehr wohl zum Vermeiden von Verschwendung aufgerufen.

    Kurz: Alles in allem ist dieser Artikel in mehrfacher Hinsicht argumentativ und journalistisch deutlich unsauberer als alle Artikel, die ich zum Thema Lebensmittelverschwendung gelesen habe.

  • #10
    Puck

    Gut, da haben die Statistiker also einen Fehler gemacht. Es werden nicht 50% der produzierten Lebensmittel nicht gegessen bzw. erst gar nicht in den Handel gebracht, sondern „nur“ 44%.
    Ein Grund zum Jubeln ist das aber auch nicht…

    Vor allem hätte ich gerne eine Definition, was denn z. B. „unvermeidbarer“ Abfall ist. Kartoffelschalen? Knochen? Okay, unvermeidbar, keine Frage. Aber falls damit verdorbene Lebensmittel gemeint sind, sieht die Sache etwas anders aus. Natürlich passiert es jedem schon einmal, daß ein Stück Brot verschimmelt. Aber wenn man einigermaßen planvoll einkauft und sich im Supermarkt nicht wahllos den Einkaufswagen vollstopft, kann man das auf ein Minimum drücken. Mal ganz davon abgesehen, daß erstaunlich viele Leute das mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum nicht richtig verstanden haben und alles in die Tonne kloppen, das einen Tag drüber ist.
    Mir fällt auch negativ auf, daß viele Leute keinerlei Kenntnis haben, wie man Essensreste sinnvoll verwertet.

    Ich denke jetzt gar nicht an die Hungernden in Afrika, die negativen Auswirkungen gut gemeinter und nicht ganz so gut gemeinter (sprich profitorientierter) Lebensmitteltransfers in die Dritte Welt dürften sich inzwischen herum gesprochen haben. Was mich stört ist, daß in D mit großem Aufwand und zumeinst unter erheblicher Schädigung der Umwelt (von verschwendeten STeuergeldern via Subventionen ganz zu schweigen) tonnenweise Lebensmittel produziert werden, die anschließend im Müll landen.

  • #11
    Sören

    Wie kann man eine Statistik als ungenau kritisieren in dem man sie mit ungenauen Kritieren angreift? Wie definiert man genau genissbare und ungeniessbare Anteile an Lebensmittel? Wenn die zahl der weggeworfenen lebensmittel schwer zu bestimmen ist woher weiß man dann das die angegebenen zahlen zu hoch sind?
    Und warum empört sich überhaupt ein Ökonom über angeblich zu hohe Zahlen von Weggeschmissennen Lebensmitteln?

    Jedes Kind kann sich ansehen wie auf Wochenmärkten und hinter Supermärkten jeden Tag Tonnenweise auch gut erhaltene Lebensmittel beseitigt werden. Von den großen Logistikzentren mal ganz abgesehen.
    Kann es sein das hier jemand einfach nur Überproduktionskrisen und Ressourcenverschwendung schön Reden will?
    Man mag mich ja gerne als naiv ich bezeichnen aber es bleibt ein Skandal das in Deutschland Lebensmittel beseitigt werden die von dort exportiert werden wo ein Teil der Bevölkerung hungert. Vielleicht darf man kein Ökonom sein um zu erkennen das hier was nicht stimmt.

  • #12
    Nansy

    @Paule T – #9

    Schätzungen haben mit Wissenschaft rein gar nichts zu tun – außer dass sie die Menschen für ein Problem sensibilisieren sollen (also meistens Angst machen mit Übertreibungen). Sie sind Ausdruck für fehlende wissenschaftliche Ergebnisse oder bestenfalls Grund für einen Anfangsverdacht.

    Eine schnelle suche bei Google fördert zum Beispiel folgende Meldungen zu Tage, die angeblich alle durch irgendeine Studie belegt wurden:

    – mehr als zwei Milliarden Übergewichtige…
    – 1,7 Milliarden Menschen leiden unter Übergewicht..
    – rund 1,5 Milliarden Menschen sind übergewichtig..
    – etwa 1,3 Milliarden Menschen von Übergewicht betroiffen…
    – mehr als 1 Mrd. Menschen haben Übergewicht..
    – 750 Millionen leiden an Übergewicht..

    Möchte noch jemand eine Schätzung abgeben? Ähnliches läßt sich schnell zu anderen Themen wie Alkohol, Rauchen u.s.w. ermitteln.
    Paule T – was machen Sie denn nun mit solchen Meldungen? Und Ihnen kommt überhaupt nicht der Verdacht, dass hier für eine politische Maßnahme Stimmung gemacht werden soll..?

  • #13
    paule t.

    @ #12 Nansy
    Quark. Natürlich müssen Wissenschaftler alle Naselang „schätzen“, nämlich immer dann, wenn man Dinge nicht mit exakten Methoden messen oder Stück für Stück abzählen kann; in den Sozialwissenschaften (im weitesten Sinn) also eigentlich immer. Wenn es gute Wissenschaft ist, legt sie offen, wie sie dabei zu ihren Ergebnissen kommt, was die Grundlagen ihrer Schätzungen sind, welche Methoden sie dafür verwendet, wie wahrscheinlich verlässlich sie sind, etc.pp. Zu den Methoden gehört natürlich die Statistik, und natürlich werden die Wissenschaftler, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, statistische Methoden angewandt haben.

    Wenn man solche Studien und darauf beruhende Veröffentlichungen kritisieren möchte, kann man deswegen nicht sagen „sind doch bloß Schätzungen!“. Man muss vielmehr zeigen, wo Annahmen unplausibel sind, Methoden unsauber angewandt wurden usw. Das tut dieser Artikel aber in keiner Weise, bis zu solchen simplen Fragen, dass er nicht zeigt, dass sich die 20% auf eine andere Grundmenge beziehen als die 30% und ein Addieren deswegen falsch is, sondern das bloß behauptet. Gleichzeitig werden selbst völlig unsinnige Dinge impliziert, nämlich dass Ungenauigkeiten gleich Übertreibungen wären.

    Natürlich verfolgen solche Meldungen auch einen politischen Zweck. Hier offensichtlich: Maßnahmen zur Vermeidung von Verschwendung zu propagieren. Gute Sache. Und welchem Zweck dient dieser Artikel hier?

  • #14
    paule t.

    Nachtrag: Ich habe einen Spiegel-Artikel gefunden, der vom Datum her gemeint sein könnte (link unten). [Auch so eine Sache, in einem Artikel im Internet nicht zu verlinken (oder, falls der Artkel nicht Online ist, für die Behauptung hinreichend zu zitieren), sondern nur auf die Holzausgabe zu verweisen, sogar ohne die Artkelüberschrift zu nennen. Auch eine Quelle für die Aussagen der Kirchen wird ja nicht nachgewiesen.]

    Im Spiegel-Artkel wird aber gar nicht auf die beschriebene Weise zusammengezählt. Ganz im Gegenteil zu dem, was hier behauptet wird, wird in dem Artikel gar nicht die genaue Zahl in den Vordergrund gestellt, sondern die Mechanismen der Lebensmittelverschwendung; wo Zahlen genannt werden, werden sie mehrfach explizit als Schätzungen bezeichnet; ein zitierter Filmemacher meint selbst, dass das „Fehlen von Zahlen“ „bisher ein Manko gewesen sei“. Der Artikel hat also so wenig mit der hier vorgebrachten Kritik zu tun, dass er inhaltlich eigentlich gar nicht gemeint sein kann. Die Stichhaltigkeit der Kritik ist für mich also völlig unklar.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/lebensmittelverschwendung-her-mit-den-krummen-gurken-a-810450.html

  • #15
    Nansy

    @Paule T. #13
    Selber Quark! Wissenschaftler können „schätzen“ oder „glauben“ was sie wollen, solange sie ihre Experten­schätzungen nicht „wissenschaftlich untersetzen“ können, gehört das ins Reich der Kaffeesatzleserei und hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Wenn Wissenschaftler offen legen, wie sie dabei zu ihren Ergebnissen gekommen sind (Statistik u.s.w.), dann hat das schon nichts mehr mit Schätzungen zu tun.
    Der Studienunfug, der uns täglich in der Presse begegnet, macht aber die Hoffnung auf „gute Wissenschaft“ zunichte. Mein Beispiel zu den Meldungen über Übergewicht macht den Unsinn solcher „Studien“ deutlich, weshalb Sie ja wohl auch nicht darauf eingegangen sind. Zahlen von 750 Millionen bis mehr als zwei Milliarden Übergewichtigen gehören ins Reich der Schätzungen – damit verschenkt man seine wissenschaftliche Reputation.
    Natürlich verfolgen solche Meldungen einen politischen Zweck, weitere Gründe kann die Jagd nach Forschungsgeldern sein (Trommeln gehört zum Handwerk), oder der Drang nach Selbstdarstellung.

  • #16
    Klaus

    Für alle diejenigen, die sich über mangelnde Quellenlinks beschweren, aber bei ihren Recherchen nicht mal den Originalartikel inkl. Quellenlinks finden:

    http://www.unstatistik.de/

    Dort wird verwiesen auf:
    http://www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Ernaehrung/WvL/Studie_Lebensmittelabfaelle_Kurzfassung.pdf?__blob=publicationFile
    und
    http://www.fao.org/docrep/014/mb060e/mb060e00.pdf

  • #17
    paule t.

    @ Klaus # 16
    Tsssk. Wer ist denn für sauberes Verlinken und Belegen verantwortlich, der Autor oder der Leser? Bei einem Artikel eines als Gastautor gekennzeichneten Autoren, ohne Verweis auf ein anderswo erschienenes Original, war ich irgendwie davon ausgegangen, das hier wäre der Originalartikel.

    @ Nansy #15
    Wenn bei einer Fragestellung exaktere Methoden nicht möglich sind (warum auch immer), können Wege, wie man zu Schätzungen kommt, sehr wohl genauer beschrieben und unterlegt werden, nur dass deren Exaktheit nun mal begrenzt ist. So etwas dann „Schätzung“ zu nennen, heißt dann nicht „Ich hab mir mal ne Zahl ausgedacht“, wie sie anzunehmen scheinen, sondern ist die wissenschaftlich ehrliche Bezeichnung dieser begrenzten Exaktheit.

    Auf die Studien zum Übergewicht bin ich nicht eingegangen, weil ich eben nicht so schnell aus der Hüfte negative Urteile über so etwas fälle. Dass Studien zu unterschiedlichen Zahlen kommen, kann daran liegen, dass
    – zuverlässige Studien zu dem Thema nicht mögliche sind,
    – alle Studien unzuverlässig sind,
    – ein Teil der Studien unzuverlässig ist,
    – unterschiedliche Definitionen von Übergewicht angelegt wurden, …
    Was davon der Fall sein mag, kann ich ohne genaues Anschauen der je einzelnen Studien nicht sagen. Ob Pressebreichte seriös sind, indem sie zB die Definitionen nennen, oder nicht, ist wieder eine andere Frage. Ein Urteil der Art „Ist alles Unsinn“ werden Sie deswegen von mir nicht so schnell hören.

  • #18
    paule t.

    Ergänzung: Die von Klaus verlinkte Pressemitteilung auf http://www.unstatistik.de/ mit ihren Belegen/Links, einigen genaueren Beispielen und zurückhaltenderen Formulierungen wirkt durch diese kleinen, aber wichtigen Unterschiede zum Artikel, wie er hier auf den Ruhrbaronen erschienen ist, um einiges seriöser.

  • #19
    GastAusBochum

    Schon wieder RWI, schon wieder Walter Krämer…Interessant für die Ruhrbarone wäre vielleicht auch mal, wie Herr Krämer im Namen der INSM selbst Unsinn unters Volk mischt…..

  • #20
    murphy42

    @GastausBochum

    Wieso sollte das für Ruhrbarone interessant sein? Liest man/frau die Artikel von Stefan L. und Martin N. und deren übliches Geschrei von Staatsmedien etc. drängt sich eher der Verdacht auf hier wird nicht im Namen der INSM wohl aber in deren Sinne geschrieben. Warum also Hintergründe beleuchten, wenn man möglicherweise selber mit entsprechenden Hintergedanken schreibt.

  • #21
    Stöber

    Ihr habt am Anfang des Artikels zweimal den selben Link hinterlegt.
    Der RWI-Link führt ebenfalls zum Walter-Wikipediaartikel.

    Ansonsten war der Artikel insgesamt bisschen mager und eher als Anstupser zur Eigenrecherche brauchbar.

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