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Verlogene Hysterie um Glyphosat

Mit 2000 Gläsern sind Sie dabei!
Glyphosat: Mit 2000 Gläsern sind Sie dabei

Glyphosat-Gefahr: Mit 2000 Gläsern täglich sind Sie dabei!

Das gewaltige Echo zum Pflanzenschutzmittel Glyphosat im Bier ist verlogen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärte zum Beispiel: „Glyphosatgehalte von 30 Mikrogramm pro Liter Bier stellen nach dem derzeitigen Stand des Wissens kein gesundheitliches Risiko dar.“

Der aktuelle Wissensstand verbietet also schnelle Schlussfolgerungen. Dazu hat auch das Magazin Novo Argumente einen klugen Artikel veröffentlicht.

Aber natürlich lassen sich die besseren Klickzahlen erzielen mit Geraune über das angeblich krebserregende Pflanzenschutzmittel und mit dümmlichen Seitenhieben auf das Reinheitsgebot.

Deshalb lesen wir über fast alle Medien hinweg hochkonzentrierten Schwachsinn.

Zur Erhellung hier die Pressemeldung des BfR im Wortlaut:

 

Laut Medienberichten wurden in einer Studie Bierproben auf Glyphosatrückstände untersucht. Dem BfR liegen weder die Originalstudie noch ausreichende methodische Informationen zu den Analysenmethoden und der Probennahme vor. Glyphosatrückstände in Bier sind aus wissenschaftlicher Sicht plausibel und grundsätzlich erwartbar, da Glyphosat ein zugelassener Pflanzenschutzmittelwirkstoff in Getreide ist, wobei Rückstände in Bier maximal in Höhe der für Getreide unter Berücksichtigung eines Verarbeitungsfaktors festgesetzten Rückstandshöchstgehalte in Bier vorkommen dürfen. In Deutschland gilt allerdings für die zu Rückständen führenden zugelassenen Spätanwendungen von Glyphosat in Getreide, dass Braugetreide in der Regel von der Anwendung ausgenommen ist.

Unabhängig davon wären selbst die höchsten aus den Medien bekannten Gehalte (30 Mikrogramm pro Liter) so niedrig, dass die hieraus rechnerisch resultierende Aufnahmemenge bei einem Erwachsenen (60 kg Körpergewicht) mehr als 1000-fach niedriger liegen würde als die derzeit als unbedenklich geltende lebenslänglich duldbare (ADI) oder einmalig duldbare (ARfD) tägliche Aufnahmemenge. Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken. Glyphosatgehalte von 30 Mikrogramm pro Liter Bier stellen nach dem derzeitigen Stand des Wissens kein gesundheitliches Risiko dar.

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58 Kommentare zu “Verlogene Hysterie um Glyphosat

  • #1
    Robin Patzwaldt

    Da sagst Du was, Daniel. Habe meine Biervorräte gerade extra noch einmal aufgestockt. Antizyklisch einkaufen ist angesagt. 😉

  • #2
    Frank Heinze

    Funfact: Erinnerung: 1 Flasche Bier enthält 12,7 Gramm sicher krebserregenden reinen Alkohols – IARC Class 1!)
    Vorschlag: Testet als nächstes Zigaretten auf Glyphosat und macht auch das Rauchen endlich gesünder!

  • #3
  • #4
    Franky

    Ich will Glyphosat weder in meinem Bier noch sonst wo drin haben. Egal ob laut BfR ein Risiko für die Gesundheit besteht oder nicht!

    Mal ne Frage, Liebe Ruhrbarone: Was erzielt man mit einem solchen Artikel / einer solchen Überschrift, wenn nicht Klickzahlen???

  • #5
    Nansy

    @Frank Heinze:
    Zur Erinnerung: selbst die notorischen Angstmacher vom DKFZ geben folgende Empfehlungen: Wieviel Alkohol pro Tag?
    Männer: maximal ein halber Liter Bier oder ein Viertelliter Wein (etwa 20 Gramm Alkohol)
    Frauen: maximal ein Viertelliter Bier oder ein Achtelliter Wein (etwa 10 Gramm Alkohol)
    Und diese Werte sind schon aus Gründen der "Volksgesundheit" extrem nach unten gerechnet.
    Da die "guten Wissenschaftler" aber keine harten Zahlen präsentieren können, weisen sie gerne darauf hin, dass es keine Menge an Alkohol gibt, die bedenkenlos konsumiert werden kann.
    Diese Allerwelts-Formel wird gerne dann angewandt (Zucker, Fett, Tabak usw.) , wenn Fakten nicht vorliegen und der Umerziehungsgedanke im Vordergrund steht….

  • #6
    Frank Heinze

    Und das ist der springende Punkt: Heute soll im Bundestag in namentlicher Abstimmung über einen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen entschieden werden, die angeblich “voreilige Neuzulassung” von Glyphosat zu stoppen: Tagungsordnungspunkt 26. Da kommt so eine morgendliche Schreckensmeldung gerade recht und die schreibende Zunft übernimmt die Headlines mal wieder ungeprüft. https://schillipaeppa.net/2016/02/25/das-ende-der-aufklarung-sind-hopfen-und-malz-verloren/

  • #7
    Thomas Krämerkämper

    Das BfR hat gesprochen, also ist alles gut und die Kritiker naive Deppen. Wahrscheinlich hat Hr. Fallenstein noch nie Widerspruch gegen einen Steuerbescheid, ein Knöllchen oder irgendeine andere behördliche Maßnahme zu seinen Lasten eingereicht. Denn was aus dem staatlichen Sektor kommt, kann nur richtig sein?!

  • #8
    der, der auszog

    In zwei Monaten, am 23. April, feiert das deutsche Reinheitsgebot seinen 500. Geburtstag und vermutlich ist dieses Ereignis für Deutschland genauso wichtig, wie die Reformation Martin Luthers, die sich im nächsten Jahr zum 500. mal jährt.

    Das zumindest könnte erklären, dass einige Gut-Gläubige (Gut-Mensch darf man ja nicht mehr sagen und wie man die Studie nun versteht, hat ja auch sehr viel mit Glauben zu tun), die mit Bier ein Problem haben ausgerechnet jetzt versuchen gegenzusteuern.

    Fakt ist, dass es kein Gesetz gibt, dass sich von der Substanz bis heute in Deutschland so unverändert halten konnte, wie das deutsche Reinheitsgebot von 1516 und das mit diesem Gesetz ein Produkt geschaffen wurde, dessen Qualität – und ein wesentlicher Bestandteil dieser Qualität ist die Reinheit – auf der ganzen Welt rühmt und das zum Markenzeichen für Deutschland geworden ist.

    Insofern kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Studie irgendwen davon abhalten wird, Bier zu trinken.
    Prost.

  • #9
    Robin Patzwaldt

    @der, der auszog: Och, kurzfristig lassen solche Meldungen die Verkaufszahlen doch häufiger mal einbrechen. Ich erinnere mich da noch an diverse Milch, Käse, Fleisch und Fisch-Skandale, wo dann urplötzlich niemand mehr ein bestimmtes Produkt haben wollte. Im Münsterland wurden vor Jahren z.B. mal Riesen-Würste (Salamis?) für Schleuderpreise verkauft….. War zu Zeiten des Rinderwahnsinns, wenn ich mich nicht täusche. Kein Mensch hat da mehr den regulären Preis für zahlen wollen damals. Nach wenigen Tagen oder Wochen essen die Leute dann aber erfahrungsgemäß ungeniert wie vorher weiter. Dabei wird doch gerade in den Tagen und Wochen nach einer solchen Meldung doppelt und dreifach streng kontrolliert. War auch mal so als frischer Fisch irgendwelche Würmer hatte…. Und obwohl so streng kontrolliert wurde wie noch nie, wurde der Fisch dann notgedrungen tonnenweise entsorgt, da ihn niemand mehr gekauft hat. Alles nicht so ganz logisch…

  • #10
    Klaus Lohmann

    Diese Studie des Umweltinstituts München (http://www.umweltinstitut.org/home.html) wird ja nicht von ungefähr knapp vor der entscheidenden EU-Zulassungsrunde für Glyphosat im März in Brüssel veröffentlicht. Und zu klar tendenziösen, manipulativen "Studien" gehört nun mal auch anständiges Bangemachen und Verunsichern der Bevölkerung.

    Ich gehöre zwar seit langem zu denjenigen, die Monsanto und ihre "Erzeugnisse" bzw. Patent-Gier möglichst schnell und möglichst vollständig von diesem Planeten gestrichen haben wollen, aber dieser plumpe Versuch, Stimmung zu erzeugen, obwohl nun nachweislich keine Gefahr für Leib und Leben der Biertrinker besteht, ist einfach nur kindisch.

  • #11
    mt

    Naja, die Ergebnisse verwundern mich nicht.

    Aber wenn ich sie auch für letztlich unbedenklich halte, stellt sich doch die Frage, ob gewisse Praktiken, von denen ich vermute, dass sie zu eben dieser Belastung führen, wirklich notwendig sind.

    Konkret geht es um die sogenannte Sikkation, dabei wird das Getreide selbst vor der Ernte gezielt mit Glyphosat gespritzt, um die Reife zu beschleunigen und konstantere Ernteergebnisse zu erzielen. Siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Sikkation

    Halte ich für äußerst fragwürdig, erklärt aber die Messergebnisse ganz gut…

  • #12
    Klaus Lohmann

    @#11 mt: Die Glyphosat-Anwendungen zur Reifebeschleunigung und Ernteverbesserung sind seit letztem Sommer verboten bzw. stark reglementiert:
    http://www.agrarheute.com/news/glyphosat-getreide-regeln

  • #13
  • #14
    der, der auszog

    @Robin

    die von Dir genannten Beispiele werden niemanden zum Vegetarier gemacht haben noch haben sie dazu geführt, dass in Deutschland der Verzehr von Fleisch verboten wurde.

    Niemand muss wegen der Diskussion um Glyphomat Angst davor haben, dass man vom Bier trinken stirbt, noch davor, dass man Bier trinken in Deutschland verbieten wird.

  • #15
    Robin Patzwaldt

    @dda: Natürlich nicht. Bis nächste Woche wird jetzt erst einmal aufgeregt und ganz heftig diskutiert, und dann gerät das Ganze wieder in Vergessenheit. Wie immer bei solchen Anlässen… Ganz bestimmt! 🙂

  • #16
    Thomas Weigle

    Was wird erst sein, wenn wer entdeckt, dass Biertrinken zu Sucht und anschließender sozialer und sonstiger Verwahrlosung führt oder zumindest führen kann!

  • #17
    Gerd

    Vor dem Bier hat man Glyphosat in der Muttermilch gefunden. In einer Konzentration, die bei einem täglichen Konsum vom etwas über 3.000 Litern gefährlich wäre, was nur in wenigen Zeitungen Erwähnung fand.

  • #18
    Alreech

    Was vom BfR verschwiegen wird:
    Bier enthält auch große Mengen Hydroxyethan, ein Stoff der nachweislich die Leber und ungeborene Kinder schädigt.
    Hydroxyethan ist ein Stoffwechselprodukt einer Mikrobe namens Saccharomyces, die auch in der Gentechnik Verwendung findet. Wollen wir wirklich Mikrobenpisse in unserem Bier ?
    Auch das giftige und kanzerogene Halbmetall Selen ist in vielen Bieren nachzuweisen, zum Teil liegt die Konzentration 19 mal höher als die im Trinkwasser erlaubte Menge !

  • #19
    Franzi

    Na Männer,

    ihr wusstet halt schon immer: was uns nicht umbringt, macht uns hart !

    peinlich Hilfsausdruck

  • #20
    Stefan Laurin

    @Franzi: Alles besser als die Angstpolitik autoritärer Parteien. Die einen versuchen es mit Angst vor Flüchtlingen, die anderen mit Glyphosat. Gehen tut es immer nur um die eigene Macht.

  • #21
    Kai Hoffmann

    Um es mal salopp zu sagen: Man kann sich auch irgendwie alles schön Trinken.

    Die Frage ist doch nicht vorrangig, ob Glyphosat nun schädlich ist oder nicht, sondern vielmehr, was ein Pestizid in einem Lebensmittel zu suchen hat. Abgesehen davon ist Glyphosat eben nur nach derzeitigem Wissensstand unbedenklich, was ja nicht zwangsläufig bedeutet, dass nicht irgendwann doch eine schädliche Wirkung nachgewiesen wird.

    Anderen Medien zu unterstellen, dass sie hochkonzentrierten Schwachsinn verbreiten, wenn sie über solche Testergebnisse berichten, finde ich jedenfalls mindestens genauso bedenklich, wie unnötige Hysterie zu schüren, um Klickzahlen zu generieren.

    http://www.restaurant-reporter.de/glyphosat-beliebte-deutsche-biere-schwer-belastet/

  • #22
    Stefan Laurin

    @Kai Hoffmann: Ohne den Einsatz Chemie in der Landwirtschaft gäbe es zu wenige Lebensmittel und das zu deutlich höheren Preisen. Die Ökohysterie ist schlicht menschenfeindlich und das Argument, wir wissen ja nicht ob sich noch herausstellen könnte, dass es irgendwie doch schädlich ist, perfide. Ich verspreche ihnen: es wird nie so gefährlich sein wie Ökohysterie und Chemiefeindlichkeit.

  • #23
  • #24
    der, der auszog

    @Robin

    Sogar die Lebenserwartung von Krebskranken hierzulande steigt und steigt…!

    Ohne die alles zerstörende Chemie und ohne die korrupte Pharmaindustrie, denen man von NATUR aus skeptisch gegenüber treten muss, weil sie die Umwelt zerstören und eigentlich nur Kasse machen wollen, würden viele Menschen wesentlich früher wegen Krebs ins Gras beißen. Aber egal, sie würden wenigstens eines NATÜRLICHEN Todes sterben.

  • #25
    Walter Stach

    Stefan, Robin, DER, DER……
    ich habe schon vor ca. 35 (?)Jahren anläßlich einer Diskussion mit Vertretern des damaligen Chemie-Pharma-Unternehmens Ciba-Geigy (?) in Basel denen gegenüber die sarkastische Bemerkung gemacht:

    " Sie haben eine glänzende Unternehmensstrategie:
    Sie produzieren zunächst chemische Erzeugnisse, die das Wachstum von Tieren und von Getreide extrem fördern. Und für die Menschen, die wegen der Nahrungsaufnahme der so produzierten Erzeugnsse erkranken, z.B. an Krebs, stellen sie dann hochwertige Medikamente z.B. für die Chemo-Therapie, her".

    Dieser "Spruch" kam damals ganz und gar nicht gut an -weder bei den Gastgebern vom Baseler-Unternehmen noch bei denen, die uns als Gäste des Unternehmens -mich eingeschlossen- repräsentierten.

  • #26
    Robin Patzwaldt

    @dda: Mal was Privates: Mein Opa ist im letzten Jahr im Alter von 94 Jahren gestorben. Für ihn war es eine Art Erlösung. Er war am Ende längst blind und auch fast taub, lebte zuletzt knappe 10 Jahre in einem Pflegeheim. Er wäre gerne schon deutlich eher gestorben, tat es aber nicht. Fast jedes Mal wenn ich ihn gesprochen habe hat er mir vorgejammert er wäre gerne schon längst tot. Das Thema hat also viele Aspekte. Mein Opa hat das übrigens u.a. darauf zurückgeführt, dass er jahrelang tagtäglich (aus gesundheitsgründen) jede Menge Knoblauch gegessen hatte, welcher zwar seiner Meinung nach sein Herz-Kreislauf-System fit hielt, ihm im Alter aber so auch keine Lebensqualität mehr gewährleisten konnte. Er bedauerte am Ende seines Lebens, dass sein Kreislauf noch durchaus fit war, andere Teile seines Körpers aber eben nicht. Am Ende hatte er dann ‚Glück‘ starb friedlich im Schlaf. Wie gesagt, ein durchaus vielschichtiges Thema.

  • #27
    Gerd

    Kai Hoffmann,

    Glyphosat könnte nach der Meinung einer UNO Behörde möglicherweise Krebs auslösen. Und auch dann nur wenn es in der Landwirtschaft in (Un)Mengen angewendet wird, die um ein Vielfaches über den hiesigen liegen.

    Wenn das dir immer noch zu gefährlich sein sollte: Womit willst du es ersetzen? Und ganz ohne Pflanzenschutzmittel geht es nicht mal in Ökolandbau.

  • #28
    der, der auszog

    @Walter

    1986 hat in Basel eine Halle mit Unkrautvernichtungsmitteln gebrannt, und zwar bei Sandoz, das später mit Ciba-Geigy zum größten Pharmaunternehmen der Welt fusionierte und heute Novartis heißt.
    Laut Medienberichten soll es sich dabei um die größte Umweltkatastrophe in Deutschland gehandelt haben, weil das Löschwasser, welches sich mit den Chemikalien vermischte, in den Rhein lief und auf einem Abschnitt von 400 km so ziemlich alles Leben im und unmittelbar am Fluss vernichtete. Anbetracht der Tatsache, dass Sandoz immer auch schon Arzneimittel produzierte – das bekannteste dürfte das zwischen 1930 und 1960 produzierte LSD gewesen sein – kann ich deinem Sarkasmus durchaus etwas abgewinnen.

    Umweltkatastrophen, wie die des Baseler Chemiekonzerns Sandoz, tragen sicherlich mit dazu bei, dass viele Menschen der Branche skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen. Und auf die Finger schauen sollte man ihr allemal.

  • #29
    Walter Stach

    Der, Der….
    ja, nach Deinem Hinweis erinnere mich jetzt wieder exakt an Ciba-Geigy und an dessen damalige Konkurrenz Sandoz und an die von Dir erwähnte große Unweltkatastrophe.

    Also losgelöst von dem damals wie heute naheliegenden Sarkasmus angesichts der vorgeblich "wundertätigen Arbeit" der Pharma-Riesen in Europa und den USA für die Armen und Kranken dieser Welt, ist es wegen des primären Zieles auch dieser Unternehmen, nämlich eine höchstmögliche Gewinnerzielung, und wegen des unbestritten hohen Gefahrenpotentiales der Pharma-Produkte, zwingend geboten, daß Gesellschaft und Staat -Medien, Umwelt- und Gesundheitsbehörden- diesen Unternehmen, wie Du es gesagt hast, besonders " auf die Finger zu schauen".

    "Gutgläubigkeit" ist jedenfalls dann, wenn es um "das Gewinnmachen geht", generell fehl am Platze, erst recht in der chemischen Industrie, konkret im Pharma-Bereich, denn dort ist das Gefahrenpotential für die Umwelt im allgemeinen und im besonderem Maße für die Menschen sehr hoch -in der Produktion und in den Produkten-.

    Das steht nicht im Widerspruch zu Anerkennung und Repsekt gegenüber der chemischen Industrie, gegenüber den Pharma-Konzernen für Ihre Produkte, die weltweit der Menschheit im allgemeinen und den kranken Menschen im besonderen von Nutzen waren und von Nutzen sind.

  • #30
    Stefan Laurin

    @Walter Stach: Ohne Pharma- und Agrarindustrie würden die Menschen hungern und viel früher sterben. Man muss schon extrem saturiert sein, um gegen den technischen Fortschritt zu sein. Es ist nichts anderes als die Dekadenz einer geschichtsvergessenen, gelangweilten Mittelschicht.

  • #31
    engineer0815

    fyi:

    DER gesundheitsschädliche stoff im bier ist nicht glyphosat, sondern C2H5OH.
    – 0,5-1%% wirksame dosis,
    – 3-4%% tödliche dosis,
    – teratogen.

  • #32
    Gerd

    @der, der auszog

    Hat Sandoz die eigene Halle absichtlich oder grob fahrlässig angezündet? Und war dabei Glyphosat im Spiel? Nein!

  • #33
    Helmut Junge

    Gäbe es keine Pflanzenschutzmittel, müßte ein Teil der Menschheit verhungern. Aber weil diese Schutzmittel giftig sind, sind sie natürlich auch für den Menschen giftig. Allerdings sind sie für uns nicht so giftig, wie für die Schädlinge gegen die sie angewandt werden. Die Pflanzenschutzmittel sind chemisch sehr unterschiedlich und wirken auch unterschiedlich auf die Organismen. Die Frage ist lediglich, wie stark sie auf den Menschen wirken. Wie stark wirkt also Glyphosat auf den menschlichen Organismus? Das können nur Fachwissenschaftler herausbekommen. Niemand sonst.
    Und ich denke, daß das auch von Fachwissenschaftlern untersucht wurde, bzw. jetzt noch einmal untersucht werden wird. Wenn wissenschaftsfremde Laien Befürchtungen haben, die sie nicht wirklich fundiert begründen können, haben sie halt den falschen Beruf gewählt. Sie hätten einen entsprechenden naturwissenschaftlichen Beruf studieren sollen. Wenn sie das trotz des riesigen Angebots an entsprechenden Studienplätzen nicht getan haben, sind sie selbst schuld an ihrem Elend, das da heißt, Angst, aber keine Ahnung zu haben, wovor eigentlich. Dumm gelaufen.
    Ich trinke übrigens weiter Bier. Denn wenn Glyphosat für den Getreideanbau benutzt wird,ist es sicher auch im Brot enthalten, und Brot esse ich auch täglich, sogar morgens schon. Bier trinke ich nur abends. Und in einer Flasche Bier sind mindestens zwei Schnitten Brotgetreide enthalten.

  • #34
    der, der auszog

    @Gerd

    Ob Glyphosat im Spiel war, werden wir beide nicht beantworten können.
    Nachgewiesen sind wenigstens 34 verschiedene Giftstoffe, die bei dem Unglück mit dem Löschwasser in den Rhein gelangten, darunter diverse organische Quecksilberverbindungen.

    Das Bundesumweltamt schrieb zum 25. Jahrestag der Katastrophe folgendes:
    "Ihren Ausgang nahm die Sandoz-Katastrophe, als in einer Lagerhalle des Unternehmens unerwartet 1350 Tonnen hochgiftige Chemikalien in Flammen aufgingen. Die Feuerwehr war zwar sofort zur Stelle und löschte den Brand – mit dem Löschwasser flossen jedoch mehr als 20 Tonnen eines giftigen Pflanzenschutz-Gemisches ungehindert in den Rhein. In den nachfolgenen beiden Wochen verteilte sich das Gift mehr als 400 Kilometer rheinabwärts und vernichtete dabei nahezu den gesamten Aalbestand. In den Niederlanden, die einen Teil des Trinkwassers aus Uferfiltrat des Rheins bezogen, war die Versorgung stark beeinträchtigt. Deutsche Behörden konnten damals lange Zeit nur hilflos zusehen – denn obwohl sich das Unglück direkt an der deutsch-schweizerischen Grenze ereignete, gab es keinen grenzüberschreitenden Informationsaustausch."

    Das Feuer bei Sandoz brach bei Verpackungsarbeiten aus. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat ein falsch eingesetzter Heizlüfter eine Palette, die mit Farb- und Anstrichmitteln beladen war, in Brand gesetzt und so das Großfeuer ausgelöst. Ob bei Sandoz jemand "grobfahrlässig" oder sogar mit Vorsatz gehandelt hat, ist mir ehrlich gesagt aber auch Scheißegal angesichts der Dimension dieser Katastrophe. Die Schweiz hat es nie für nötig befunden, den größten Chemieunfall Europas juristisch aufzuarbeiten und deutsche, französische oder niederländische Gerichte sind in der Schweiz machtlos.

    hier noch ein schönes altes Filmdokument aus dem Schweizer Fernsehen von damals:
    http://www.ideesuisse.ch/256.0.html?&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=1600

  • #35
    Klaus Lohmann

    Was Produkte aus den befreundeten Häusern Bayer/Monsanto und ihren Impact auf Mensch und Umwelt angeht, müssen wir ja nicht so weit in der Geschichte kramen. Mit dem PCB-Skandal beim Dortmunder Entsorger Envio gibt es eine aktuelle "größte Umweltkatastrophe", die z.Zt. immer noch vor dem Dortmunder Landgericht verhandelt wird – und auch dort immer noch mit der im deutschen Recht schon längst gestrichen gehörten Beweisführungspflicht zu Lasten der Opfer.

    PCB sollten als stark brandhemmender Zusatz in Lacken, Dichtungsmassen und Isolierstoffen ebenso wie Glyphosat mal den Menschen "schützen", gehörten dann aber schnell zum Top-"dreckigen Dutzend" der Umweltgifte. Neben der weit stärkeren toxischen Wirkung unterscheiden die PCB von Glyphosat auch, dass sie sich im menschlichen Fettgewebe einlagern und in der Umwelt auch noch nach Jahrzehnten an Orten wie z.B. in der Sahara, in der Arktis oder auf Andengipfeln nachweisbar sind.

    Und trotz des seit 1989 weltweit geltenden Herstellungsverbots und der weltweiten Einigung, PCB zumindest in den Industrieländern bis 2010/12 komplett zu entsorgen, werden wir noch auf viele Jahrzehnte besonders in Altlasten und (speziell öffentlichen) Altbauten mit dem Zeug zu tun haben – was viel Aufwand zur Entsorgung und demnach viel kriminelles "Einsparpotential" ala Envio bedeutet.

  • #36
    Helmut Junge

    @Klaus Lohmann,
    Wenn jemand ein Problem durch chemische Substanzen verursacht, konkret benennen kann, so daß das überprüfbar ist, bin ich auf seiner Seite.
    Ich habe nur etwas gegen Gejammer aus dem hohlen Bauch heraus.
    Und Letzteres überwiegt. Und das ist unser Glück, denn wenn die Unfälle oder die kriminellen Aktivitäten so häufig wären, wie das ängstliche, unqualifizierte Gejammer, wären wir längst alle tot.
    Es ist nun mals so, daß in jedem Produkt Chemie steckt, aber es ist auch so, daß diejenigen, die am lautesten jammern, sich auch einkommensmäßig den größeren Konsum erlauben können. Und jedem Konsum geht eine Produktion mit vielen giftigen Zwischenprodukten voraus. Da hat man dann aber garnix mit zu tun. Und jammern tun ja nicht die, die in der Produktion stecken, sondern diejenigen die beruflich ganz ganz ganz produktionsfern arbeiten. Im Prinzip herrscht unter denen das Motto:
    Produkt ja, aber Produktion nein!
    So, ich habe fertig.

  • #37
    Klaus Lohmann

    @#36 Helmut Junge: Im Fall PCB/Envio hat nicht nur das Management des Entsorgers Envio, sondern auch dessen Vorgängers, des Schweizer Großkonzerns ABB, die Gefährlichkeit von PCB gegenüber Mitarbeitern, Nachbarn und der Eigentümerin des Betriebsgrunds, der Stadt Dortmund, verschwiegen und sogar heimliche Säuberungsaktionen durchgeführt. Hier sind es also hauptsächlich die direkt in der und durch die Produktion/Entsorgung betroffenen Menschen, die über langfristige Umwelt- und Gesundheitsschäden klagen und Prozesse gegen die Verantwortlichen führen. Bei Seveso war es ähnlich.

  • #38
    Klaus Lohmann

    Ach, und der Hauptgutachter im Envio-Prozess, Prof. Rettenmeier, ist in der Fach- und Verwaltungswelt auch dafür bekannt, Verdachtsmomente und Aufkommen von PCB-Altlasten in Behörden- und Schulgebäuden auch gern mal auf ein Harmlosigkeitslevel herunter zu spielen, damit die Sanierung/Entsorgung bloß keine kommunalen Aufwände verursacht und wir, die wir dort ohne große Konsumlust ein- und ausgehen, von der Gefahr bloß nix mitbekommen.

  • #39
    Thomas Weigle

    Letztlich ist man doch als Verbraucher in solchen Diskussionen der letzte A…… Man weiß nicht, was wirklich dabei rauskommt. Fing nicht einer der größten Umweltskandale produktionstechnisch in Dortmund an? Asbest?? Da wurde doch anfangs gelogen und reingewaschen um anschließend für teuer Geld ohne Ende zu sanieren oder abzureißen. Ein wenig ungutes Gefühl bleibt immer, trotz der Tatsache, dass wir immer älter werden, so durchschnittsmäßig jedenfalls, auch weil @ Robin weiter oben auch die Kehrseite dieser Medaille sehr anschaulich beschrieben hat.

  • #40
    Helmut Junge

    @Klaus Lohmann,
    Seveso ist überall haben mir damals Chemiker gesagt, die ich kenne. Deren Chef, ebenso Chemiker aber fand das nicht besonders originell. So läuft das oft. Es ist also immer schwierig, selbst so eine Ungeheuerlichkeit wie Seveso ans Sonnenlicht zu bringen. Wenn es aber überhaupt jemals zu einer breiten Öffentlichkeit kommt, waren immer sehr viele außenstehende Fachleute daran beteiligt. Die melden sich schon, wenn etwas kritisch ist. Wenn die aber ganz fehlen, und nur Politiker darüber sprechen, und mit ihnen "Laiengutachter", dann frage ich entweder befreundete Fachleute, oder warte ab, ob die sich melden. Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber die Chemiker, die ich kenne, sind alle an ihrer politischen und ökologischen Umwelt interessiert! Und sie äußern sich auch gerne. Nur leider meist nicht in den Foren. Dort zählt die Masse, die Lautstärke, die Sprachgewandtheit. Und da kommen sie oft nicht so gut mit, wie die Politikwissenschaftler. Darum bekommt der Durchschnittsmensch auch den Eindruck, daß die Unis nur solche Wissenschaftler ausspucken. Und die melden sich auch ungefragt zu jedem Thema als erste. Und weil das meist fachlich unqualifizierter Unsinn ist, höre ich in dem Stadium einfach noch nicht zu. Früher hab ich versucht auf den Gebieten, die ich verstanden hatte und auch erklären konnte zu diskutieren. Gegen halbreligiöse Ideologien ist das aber vergeblich und kostet nur Nerven.
    Wenn sich bei der Glyphosatfragestellung in den nächsten Wochen keine Fachleute einschalten, wird es sowieso still darum. Wenn die sich aber jetzt massenhaft zu Wort melden, steht ein Bundesinstitut mal wieder doof da. Dann kann ich mich politisch äußern, denn dann wäre ich von der Regierung belogen worden. Dann wäre mal wieder ein Ministerposten neu zu besetzen.

  • #41
    Klaus Lohmann

    @#39 Thomas Weigle: Das mit Dortmund ist der von mir (hier schon häufiger und weit ausführlicher) beschriebene PCB-Skandal bei Envio, der mittlerweile auch – je nach Medium – als einer der größten oder der größte Umweltskandal in DE überhaupt firmiert.

    Die sehr teure Sanierung des Envio-Betriebsgeländes am Dortmunder Hafen wird nun trotz einiger halbherziger Anwaltsversuche der Stadt und der Bezirksregierung Arnsberg als komplett versagende Aufsichtsbehörde, den Geschäftsführer der Envio Recycling Dortmund GmbH in seiner gleichzeitigen (damaligen) Funktion als Vorstandsvorsitzender der Mutter Envio AG haftbar zu machen, komplett vom deutschen Steuerzahler beglichen.

  • #42
    Klaus Lohmann

    @#40 Helmut Junge: Unter den 50 Opfern der durch Gier und Verstöße gegen Umweltschutz- und Anlagengenehmigungsgesetze verursachten PCB-Kontaminationen bei Envio ist kein einziger Chemiker. Ans Licht der Öffentlichkeit gebracht haben diesen Skandal selbst betroffene Mitarbeiter mit verfahrenstechnischer Ausbildung und querqualifizierte Zeitarbeiter. Envio und die Stadt haben sich übrigens die Aus- und Weiterbildung von älteren Langzeitarbeitslosen an sicherheitsrelevanten Anlagen in diesem Betrieb von der EU fördern lassen.

  • #43
    Helmut Junge

    Es sind beihnahe immer diejenigen betroffen, die direkt in der Produktion arbeiten, und nicht die , die im entfernten Büro sitzen.
    Aber in diesem Fall müssen die Gerichte bei der Aufarbeitung dieser Fälle schon auf Sachverständige zurückgreifen. Erst die, und nur die können die üblichen Ausreden, Schutzbehauptungen der jeweiligen Firmensachverständigen aushebeln. Da verlassen sich die Richter nicht auf "querqualifizierte Zeitarbeiter". Nicht mal dann, wenn die alle mit dem Kopf unter dem Arm vor ihnen stehen.
    Die beklagten Firmen haben eigene Sachverständige, die die mögliche Firmenschuld herunterspielen.
    Aber im Fall des oben diskutierten Glyphosats geht es nicht um einen Unfall, sondern um die Giftigkeit der produktionsbedingten Rückstands eines Pflanzenschutzmittels. Es gibt die (vorläufige) Aussage einer Bundesbehörde, daß dieser Rückstand für den Menschen nicht giftig ist.
    Wer soll diese Aussage entkräften? Querqualifizierte Fachtrinker, die sich krank fühlen, gehen erst mal zum Arzt. Wenn der Verdacht schöpft, geht vielleicht ein langwieriger Forschungsprozeß in Gang, vielleicht auch nicht. Wenn der Arzt z.B. Alkohol für alles verantwortlich macht, dann nicht.
    Ich kann das nicht genau beurteilen, obwohl ich Bier trinke, manchmal auch krank bin, aber auf mich hört ja keiner. Und ich kann die Kompetenz der Aussage einer Bundesbehörde nicht dadurch entkräften, daß ich sage, daß ich krank bin, weil Glyphosat im Bier ist. Und genau darum geht es in dieser öffentlichen Diskussion.
    Aber Klaus Lohmann, Sie dürfen gerne das letzte Wort haben. Ich bin in dieser Frage reichlich hilflos.
    Sie offenbar auch, denn Sie weiten die Diskussion bereits auf Unfälle usw. aus. Das führt zu keinem Ende.

  • #44
    Klaus Lohmann

    @#43 Helmut Junge: Da es sich um eine Richtigstellung handelt, ergreife ich gern nochmal das Wort. Bei meinem Verweis auf Seveso geht es mir ausschließlich um die Auswirkungen auf direkt Betroffene in der Fabrik und in der Nachbarschaft als Kontrapunkt zu Auswirkungen auf Konsumenten. Und beim Envio-Skandal geht es nicht um einen Unfall, sondern um vorsätzliche Körperverletzung durch die jahrelange, systematische MIssachtung von Arbeits- und Umweltschutzgesetzen zwecks Gewinnmaximierung für die Firmeneigner.

    Übrigens wurden im Envio-Prozess die Gutachter der Anklage durch Winkelzüge der prominenten Verteidiger vom Gericht in den Status einfacher Zeugen herabgestuft. Da "verlässt" sich das Gericht auf ziemlich einseitigen, weil tendenziösen Sach"verstand", denn das Einstiegsgutachten des o.g. Prof. Rettenmeier war schon derart fehlerbehaftet (zugunsten des Angeklagten), dass man ihn eigentlich hätte ausladen müssen. Aber er durfte es nochmal neu schreiben und vortragen, was allein schon ein Skandal ist.

    Die "Querqualifizierten" waren es letztlich, die den Skandal mittels Kontaktaufnahme zur lokalen Politik in die Öffentlichkeit brachten; Ulrike Märkel kann Ihnen da sehr genau weitere Auskunft geben, falls Interesse besteht. Zum ganzen Skandal und zu dessen Einordnung in die branchenübergreifende Thematik Zertifizierung und behördlicher Genehmigungsirrsinn gibt es mehr Details u.A. hier: http://pcb-skandal-dortmund.blogspot.de/

  • #45
    Helmut Junge

    Danke Herr Lohmann. ich war bei Envio nicht so "drin" wie Sie, aber wie kann ich Bürger etwas daran ändern, wenn sich ein Gericht nicht nach meinen Vorstellungen verhält und sich von " Winkelzügen der prominenten Verteidiger" beinflussen läßt?
    Nächste Instanz? Richter verdächtig finden? Kann ich machen.

  • #46
    Thomas Weigle

    @Klaus Lohmann Mir ist der Asbestskandal auch deshalb in schlechtester Erinnerung, weil ich als Mitglied des LWL-Schulausschusses von 90-99 immer wieder mit teuren Schulasbestsanierungen auf Steuerzahlers Kosten zu tun hatte. Abgesehen natürlich von den großen "Asbestbaustellen" wie der "Edeka" (Erichs Lampenladen am Kanal) genannte Palast der Republik in einstmals "Berlin, Hauptstadt der DDR", die ja auch immer wieder mediales Thema waren. Asbest wurde ja auch noch jahrelang weltweit verbaut, obwohl die Gefahren längst bekannt waren und von "Fachleuten" dennoch geleugnet oder klein geschrieben und geredet wurden. Ich selbst kann nicht beurteilen, welcher der Skandale mehr Krankheitsbedingte und finanzielle Schäden verursacht hat.

  • #47
    Klaus Lohmann

    @Helmut Junge: Leider ist es speziell im Prozess um Envio bzw. gegen deren Ex-Geschäftsführer und seine Helfer etwas "dumm gelaufen", wenn man sich die Rolle der Dortmunder Staatsanwaltschaft näher betrachtet. Mal ganz abgesehen davon, dass es im Prozess-Vorfeld nicht wenige Kollegen aus anderen regionalen Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften gab, die die nötige Kompetenz und Durchhaltekraft ihrer Dortmunder Kollegen in diesem Fall anzweifelten, hat sie selbst zunächst für Aufsehen gesorgt, weil sie mit dem Anspruch, erstmals in einem deutschen Umweltkrimi-Prozess die Beweismittellast weg von den Opfern hin zu den angeklagten Unternehmern zu verlagern, angetreten war. Also sollten nicht die Opfer beweisen, dass sie durch ganz konkrete Handlungen ganz konkrete Gesundheitsschäden davongetragen haben, sondern die Hersteller und Verarbeiter der betroffenen Umweltgifte sollen beweisen, dass aus ihrer Produktion heraus niemals ein Schaden für Mensch und/oder Umwelt emittiert wurde – weil halt alle Auflagen eingehalten und alle Fachkentnisse über die Gefährlichkeit der Stoffe berücksichtigt wurden.

    Denn außer evt. bei Organklagen z.B. vor einem obersten Gericht haben Opfer in den seltesten Fällen die finanziellen Möglichkeiten, ihre Schäden beweissicher mittels teurer Gutachten auf die Verantwortung des Unternehmens zurückzuführen. Und die Verteidiger des Ex-Envio-Chefs Neupert hatten von Prozessbeginn an "argumentiert", die nachgewiesenen Gesundheitsschäden könnten ja auch auf "ungesunden Lebenswandel" zurückzuführen sein…

    Die Dortmunder Staatsanwaltschaft hatte aber schon kurz nach Prozessbeginn ihre ehrgeizige Linie komplett verlassen und "wurschtelt" sich seitdem möglichst gesichtswahrend durch den Prozess durch:(

    Man kann natürlich als mündiger Bürger politische Protagonisten und Prozesse unterstützen, die diese Beweislast-Umkehr weiterhin vom Gesetzgeber einfordern.

  • #48
    Klaus Lohmann

    @#46 Thomas Weigle: Die Medien machen ja fast automatisch aus jedem aktuellen Skandal den "größten" seit Erfindung des Schießpulvers, insofern wäre ein "Ranking" nach Opferzahlen natürlich Unsinn. Zumal beim Skandal um Asbest viel mehr Menschen in *direkten* Kontakt mit dem Zeug gerieten und erst im Zuge der Aufklärung entsprechende Arbeitsschutz-Regeln, z.B. zum Gehalt von Giftstoffen aus Baumaterialien in der Atemluft, definiert wurden – was dann wiederum zumindest in einem geregelten Ablauf heute auch Bauarbeiter vor PCB-Kontamination schützt.

    Bei Asbest hatte die internationale Zementlobby über Jahrzehnte ein Verbot von Herstellung und Verwendung verhindert, bei PCB war die Lobby von Bayer und Monsanto – vor allem nach den kurz zuvor passierten DDT-Skandalen – gottseidank nicht so groß, obwohl es ja auch heute noch große Vorkommen in Altbauten und Industrieanlagen (z.B. unter Tage in Hydraulikanlagen in aufgegebenen Flözen) gibt. An die Berechnung der volkswirtschaftlichen Kosten für deren Entsorgung traut sich noch kaum Jemand heran.

  • #49
    Alreech

    @Klaus Lohmann
    Nur der Interesse halber, welcher Stoff wäre als Alternative zu PCB als Brandschutzmittel besser gewesen, und warum wurde er nicht verwendet ?

  • #50
    Klaus Lohmann

    @Alreech: Es gibt seit Jahrzehnten synthetisch hergestellte organische Ester, die ähnlich gute flammhemmende Eigenschaften wie PCB-haltige Öle besitzen. Noch länger werden Epoxidharze statt Öle in Trafos eingesetzt. Bei Fugendichtungen und Lacken gibt es unzählige Nicht-PCB-Produkte. Bayer und Monsanto haben es trotzdem geschafft, mit ihrem Marketing und ihrer Marktmacht den Markt für PCB zu kontrollieren.

    Aber das Produkt an sich ist noch nicht einmal das eigentliche Problem. Die falschen, schludrigen Anwendungen, das von den Herstellern aus "Rücksicht" auf den Absatz bewusst inszenierte Verschweigen der langfristigen Toxidität bzw. der giftigen Rückstände in Umwelt und menschlichen/tierischen Körpern und die durch zu lasche Kontrollen begünstigte kriminelle Energie einiger Entsorger (und das passiert ja nicht nur mit PCB) sind die Faktoren, die Umwelt-Skandale quasi mit Sicherheit vorhersagen.

  • #51
    Helmut Junge

    @Alreech, wo er Recht hat, hat er Recht, der Herr Lohmann. Es geht nicht um gute Alternativen, wenn man damit nichts verdienen kann.
    verdienen kann man nur mit Produkten, für die man EIGENE Patente hat, und die MÜSSEN auf den Markt. Und genau da steigt der Verbraucher nicht dahinter. Und ob die über lange Anwendungen Schädigungen hervorrufen, ist meist sehr schwierig zu beweisen. Produkte die kurzfristig zu Erkrankungen führen, sind schneller entlarvt und aus dem Verkehr.
    Daß ich gegen übertriebene Hysterie bin, hatte ich oben bereits ausführlich erklärt, andererseits habe ich auch was gegen naive Gutgläubigkeit. Nur wo ist da die richtige Position? Aus dem Internet angelesenes lexikalisches Wissen führt bei mir regelmäßig zu tausend Fragezeichen. Man findet zu jeder Frage mehr als hundert Antworten. Nur manchmal muß man so ein Zeug schlucken, obwohl man denkt, daß es ungesund sein könnte. Und wenn ich mich, wie beim Glyphosat-Rückstand im Bier entscheiden muß, ob ich der Aussage der Behörde vertraue, oder das Biertrinken erst mal sein lasse, was ich übrigens tatsächlich von Zeit zu Zeit über Jahre hinweg gemacht habe, dann laß ich es drauf ankommen. Vertragen tu ich Bier als Diabetiker sowieso nicht. Da ist Stärke, also Zucker drin, und Alkohol sowieso. diese Substanzen spüre ich gesundheitlich unmittelbar, und die Ärzte sagen, daß ein halber Liter täglich schon Sucht bedeutet. Dazu kommt, daß Bier Östrogene enthält. Für Männer eigentlich giftig, darüber redet aber keiner? Quatsch, darüber wird unglaublich viel geschrieben, nur gibt es deshalb keine allgemeine Hysterie. Warum eigentlich nicht?

  • #52
    Klaus Lohmann

    Und die Verängstigungsmaschinerie setzt mit "höchsten" Glyphosat-Funden im menschlichen Urin noch einen on top:
    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/glyphosat-im-urin-panikmache-auf-verbraucherkosten-a-1080585.html

    Wenn die Grenzwerte für Umweltschadstoffe bei Urin nun die gleichen sein sollen wie beim Trinkwasser, damit diese absurden Vergleiche auch nur den Hauch einer wissenschaftlichen Grundlage hätten, dann müsste man Carmen Thomas ("Hallo Ü-Wagen!" im WDR) für ihren damaligen Pipitrink-Bestseller "Ein ganz besonderer Saft – Urin" nachträglich den Chemie-Nobelpreis verleihen.

  • #53
    der, der auszog

    Die Panikmache mit Glyphosat geht weiter. Die Heinrich Böll Stiftung der Grünen klärt auf: "Umweltschützer haben im Urin von Kindern und Erwachsenen Glyphosat gefunden… 75 Prozent der Deutschen sind deutlich mit Glyphosat belastet…"

    Wer jetzt noch sein Eigenurin trinkt, ist selber schuld!

    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/glyphosat-im-urin-panikmache-auf-verbraucherkosten-a-1080585.html

  • #54
    Helmut Junge

    @Klaus Lohmann, @dda,
    welche Schlüsse kann man logischerweise aus einer Studie ziehen, nach der beinahe 100% aller Bewohner Deutschlands seit Jahrzehnten dieses Zeugs im Urin haben?
    Wenn das nämlich so ist, kann dieses Zeugs eben nicht gefährlich sein. Die Studie macht es so dramatisch, daß eigentlich von millionenfachem Massensterben auszugehen ist. Das scheint aber nicht der Fall zu sein.
    Alle Nachbarn leben noch, wie ich höre.

  • #55
    Klaus Lohmann

    @Helmut Junge: Man könnte sogar noch weiter gehen und den Schluss ziehen, diese Urin-Studie schade dem grünen Anliegen eines Glyphosat-Verbots in der EU wesentlich mehr, als sie populistisch zur Angstmacherei und Beeinflussung der jetzigen Neu-Untersuchungen zur Genehmigung mal gedacht war.

    Denn diese exorbitante Verbreitung der Glyphosat-Rückstände über die gesamte Bevölkerung bedeutet schließlich, dass die schon immer geltenden, restriktiven Regeln zur Anwendung dieses Pflanzengifts flächendeckend, vorsätzlich und gründlich missachtet werden ("RoundUp" von Monsanto ist mittlerweile auch der "kleine Freund des Hobbygärtners" geworden). Gleichzeitig aber sind verbreitete gesundheitliche Langzeitschäden innerhalb der Bevölkerung kaum erkennbar.

    Wie man dann die Vermutung der WHO über die Karzinogenität von Glyphosat noch aufrechterhalten will, ist mir schleierhaft.

  • #56
    Helmut Junge

    @klaus Lohmann. die analytische Nachweisgrenze gehen mittlerwile bei einigen Substanzen fast in den atomaren Bereich.
    Wer will, kann in der freien Natur in den Industiegebieten alles und das überall nachweisen.
    Laufen Sie mal mit einem eingeschalteten Geigerzähler durch die Gegend. Damit können Sie jeden erschrecken. Das Problem ist der Sachverstand, der erlaubt zu sagen, ob etwas, was tickt, tatsächlich auch gefährlich ist, oder nur die normale Radioaktivität, die überall vorkommt.
    Und im Pipi ist nun mal alles drin, was wir essen oder trinken. Das kann man sich denken. Sollen die doch mal Radioaktivität auf der Ebene die maximalen Meßgenauigkeit messen. Dann wären wir alles längst verseucht. Es ist die Fähigkeit Analysenwerte zu verstehen, die gefragt und oft leider nicht vorhanden ist.

  • #57
    Klaus Lohmann

    Richtig. Und viele Mitmenschen würden schreiend auf die Straße rennen und sofort Demos formieren, wenn sie wüssten, was sie an Spurenelementen in ihren Körpern rumtragen und dass man sogar vermutet, in höheren Dosen extrem giftige Substanzen wie Cadmium, Brom oder Blei könnten als Ultra-Spurenelemente physiologische Funktionen haben.

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