
Heute ist es wieder soweit: Der Sportsender Sky Sport News feiert den sogenannten „Deadline Day“, also den letzten Tag der aktuellen Wechselperiode im deutschen Profifußball. Doch was einst als vielversprechendes Projekt begann, das den Fußballfans zusätzliche Spannung und Spektakel bringen sollte, hat sich längst ins Gegenteil verkehrt. Durch die völlige Überhitzung des Transfermarktes – speziell auch in diesem Jahr – nervt das Ganze inzwischen nur noch.
Als Sky vor einigen Jahren versuchte, den „Deadline Day“ hierzulande zu etablieren, tat sich der Münchener Abo-Sender zunächst schwer. Häufig genug kam es am letzten Tag des Transferfensters kaum noch zu Wechseln, die für Aufsehen sorgten.
Trotzdem genoss ich damals das dazugehörige TV-Angebot, denn es gab an diesem Tag mehr interessante Interviews und Schalten zu den Klubs als sonst. Als leidenschaftlicher Fußballanhänger freute ich mich regelrecht auf das erweiterte Live-Programm.
Inzwischen ist davon nichts, aber auch gar nichts mehr übrig. Es liegt mir heute völlig fern, das Angebot noch zu nutzen. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe – und keiner davon ist ein Ruhmesblatt für den Sportnachrichtensender oder den modernen Profifußball.
Zum einen hat Sky Sport News in den vergangenen Jahren aus meiner Sicht insgesamt deutlich an Attraktivität eingebüßt. Viele anerkannte und geschätzte Reporter haben den Sender verlassen. Die neu hinzugekommenen Kollegen setzen nach meinem Geschmack – wie der Sender insgesamt – zu sehr auf Effekthascherei.
Hier wird mehr über Gerüchte und Spektakel gesprochen als über Fakten und echte Neuigkeiten. Das bedaure ich auch abseits des Deadline Days, doch heute fällt es besonders stark ins Gewicht. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier etwas künstlich aufgeblasen wird, das es in dieser extremen Ausprägung gar nicht wert ist.
Zum anderen hat sich der Transfermarkt in den vergangenen Jahren so sehr ins Absurde verkehrt, dass man die Meldungen schon seit Tagen nur noch mit Widerwillen zur Kenntnis nimmt. Allein Borussia Dortmund hat in der vergangenen Woche noch drei neue Spieler verpflichtet, nachdem es in der früher üblichen Transferphase vor Beginn der Saisonvorbereitung extrem ruhig geblieben war.
Mit der einst so hochgehaltenen „wichtigen Vorbereitung“ und dem Einspielen der Mannschaft hat das längst nichts mehr zu tun, wie es scheint. Und das betrifft nicht nur den BVB, der für seine späte Kaderplanung mit der strapaziösen Klub-WM zumindest noch einen nachvollziehbaren Grund anführen könnte. In fast jedem Bundesligaverein stapelten sich zuletzt Wechselgerüchte und Vollzugsmeldungen. Der Leidenschaft der Fans, ihrer Begeisterung für das Team, ist das eher abträglich.
Deshalb höre auch ich heute nur noch mit halbem Ohr hin, welche Wechsel sich auf den letzten Drücker noch realisieren lassen – und welche vielleicht auch nicht.
Das Rad des Deadline Days ist längst überdreht – und es verschreckt viele Fußballromantiker unter den Fans. Auch mich.
