Vorbild für Paris?

Heute stellten Vertreter der Städte und der Ruhrgebiets-Wirtschaftsförderung den Zwischenstand des Projektes Konzept Ruhr vor. 

"Dass im Ruhrgebiet die Kirchturmpolitik vorherrscht, ist längst ein Klischee ohne inhaltliche Substanz." Hanns-Ludwig Brauser, Chef der Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr (WMR), beschwört die Zusammenarbeit der Städte: Mit über 800 Projekten hatten sich die Städte des Ruhrgebiets vor Jahren beim Land beworben – für die wollte man EU-Fördermittel haben. Das Land schickte die allzu üppige Projektliste zurück und forderte die Städte auf, sich auf ein kleineres Programm zu verständigen – und vor allem auch untereinander abzusprechen. Wirtschaftsministerin Christa Thoben hatte gleich zu Beginn ihrer Amtszeit klar gestellt: "Zukünftig sollen Projekte, die wir fördern, eine regionale Ausstrahlung haben."

Und die Städte des Ruhrgebiet kooperierten, erstellten eine neue Liste mit 508 Projekten, von denen an 82 Projekten mehrere Städte beteiligt sind. Die Planungsdezernenten Hans-Jürgen Best, Essen und Ullrich Sierau, Dortmund gerieten ob der guten Zusammenarbeit schon fast ins Schwärmen. Jede Stadt, so beide einhellig, profitiere von den Stärken der anderen und nur gemeinsam könne man es schaffen, das Ruhrgebiet nach vorne zu bringen. Kürzlich, so Sierau, hätte er eine Delegation aus Paris zu Besuch gehabt, die von der Zusammenarbeit im Ruhrgebiet begeistert gewesen sei und sie als Vorbild für den Großraum Paris gesehen hätte. "Das Ruhrgebiet als Vorbild für Paris – vor ein paar Jahren hätte das doch niemand für möglich gehalten".

Doch es sind nicht nur die großen Städte, die von der Zusammenarbeit profitieren. Wilfried Klein, Chefplaner aus Dinslaken, kommt mit Wesel aus einem Kreis, in dem sich nicht alle Städte an den gemeinsamen Planungen beteiligt haben – aber mit Dinslaken, Moers, Voerde, Neukirchen-Vluyn, Kamp-Lintfort und Schermbeck trotzdem bis auf Wesel und Xanten die wichtigsten Kommunen: "Das Ruhrgebiet mit seinen großen Städten ist für Dinslaken ein Haifischbecken – aber wir wollen in diesem Becken mitschwimmen und uns durchsetzen. Und die Zusammenarbeit mit den anderen Städten klappt gut." Er sei froh, dass der Kreis Wesel im Regionalverband Ruhr geblieben sei und sich die Austrittsbefürworter nicht durchgesetzt hätten: "Wenn wir kein Teil des Ruhrgebiets mehr wären, hätten wir viele unserer Pläne vergessen können."

Ein Überblick über die Projekte unter: www.konzept-ruhr.de

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3 Kommentare

  1. #1 | David Schraven sagt am 15. August 2009 um 09:18 Uhr

    Interessant, was die WAZ dazu heute bringt. 53 Zeilen Häme. Ein Bericht aus dem Haifischbecken oder so. Ich glaub auch nicht dran, daß das Kirchturmdenken vorbei ist. Das ist Gesundbeten ala Wowi Clement. Kennt man – klappt nicht.

  2. #2 | Arnold Voss sagt am 15. August 2009 um 10:09 Uhr

    Wenn eine Menge Städte die sich gemeinsam Metropole nennen gemeinsam (noch)mehr Fördergeld wollen (und bekommen), dann heißt das noch lange nicht, dass damit ihre Kirchtürme verschwinden.Es heißt nur, dass jeder der Kirchtürme (s)einen Anteil vom Kuchen kriegt.

    P.S. Franzosen sind nun mal sehr höflich. Erst recht wenn sie Pariser sind.

  3. #3 | Nobby sagt am 17. August 2009 um 12:56 Uhr

    @ David Schraven, @Arnold Voss

    Kirchturmdenken? Warum sollten die Fördergeld in der Metropole Essen hängen bleiben? Wenn es schon Fördergeld gibt, dann sollen die Landkreise auch den entsprechen Anteil kriegen.

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