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Warum ich die FDP gewählt habe

FDP Wahlplakat Foto: Rufus46 Lizenz: CC BY-SA 3.0

Ich habe etwas für meine Verhältnisse ungewöhnliches getan. Ich habe zum ersten Mal die FDP gewählt. Der Brief ist bereits versendet und ich kann es nicht mehr ungeschehen machen. Zu meiner ersten Briefwahl habe ich mich wegen Corona entschieden, für die FDP vor allem aufgrund der anderen Parteien. Von der AfD will ich hier nicht sprechen. Von unserem Gastautor Thomas Hafke.

Zunächst zur CDU. Die letzten zwei Jahre mit dieser Partei waren schrecklich. Nichts haben die Partei und ihre Regierungsverantwortlichen richtig auf die Kette bekommen. Corona, Afghanistan, Russland, Energie, Verkehr, Digitalisierung… und dann stellt sie zu spät einen Kandidaten auf, dem die Leute nicht vertrauen, obwohl es einen allseits beliebten und kanzlerwilligen Söder gibt. Wie sich in der Coronakrise letztlich herausstellte, hat die CDU in ihrer langen Regierungszeit das Land derartig verregelt und bürokratisiert, dass nicht mehr viel geht. „Die müssen unbedingt in die Opposition, um über sich nachzudenken,“ so mein Gedanke.

Die SPD hat sich seit der Kanzlerkandidatur von Scholz gut gemacht. Mit Scholz gibt es wieder einen echten Sozialdemokraten, der die Partei im Grunde führt. Allerdings weiß ich nicht was geschieht, wenn er gewinnt. Was werden Esken, Walter-Borjans und Kühnert tun? Wird es eine Koalition mit der PdL geben? Da diese Fragen nicht beantwortet sind, kann ich die SPD nicht wählen, da ich ein Gegner sozialistischer Staatsexperimente bin. Nicht weil mir Gerechtigkeit egal ist, sondern weil ich weiß wo das Enden wird und mir die Freiheit lieb und teuer ist. Dem zunächst verlachten Scholz gönne ich allerdings die Kanzlerschaft.

Damit sind wir auch schon bei der PdL. Die ist für mich auf keinen Fall wählbar. Sie beherbergt Menschen, die antiwestlich und antidemokratisch eingestellt sind. Und eine unlautere Vorstellung davon haben wie Frieden geschaffen wird, wie unter anderem ihre Vorstellungen zur Ukraine, zu Syrien, Afghanistan und den Kampf der Kurden gegen den IS gezeigt haben. Unter ihnen gibt es Feinde Israels und Freunde von Diktatoren. Und es gibt alle möglichen Sozialisten, die immer mit Hilfe des Staates die Welt verbessern wollen, obwohl das noch nie funktioniert hat. Im Gegenteil, hat es immer in einer Katastrophe geendet. Zum Glück weiß jeder von ihnen, welches der richtige Weg ins Paradies ist und so wird sich die Partei nie auf eine gemeinsame Linie einigen können. Außerdem ein guter Teil ihres eigentlichen Klientel sich nicht mehr von der Partei vertreten sieht und die alten Sozialisten das Zeitliche segnen. Sechs Prozent ist das Ergebnis.

Dann gibt es da noch die Grünen. Aber auch die setzen gerne auf den Staat und wollen die Welt retten. Einiges an dieser Partei gefällt mir sogar. Ganz besonders ihr Einsatz für die Menschenrechte, wie er in der Außenpolitik gegenüber Russland deutlich geworden ist oder ihr Einsatz für Geflüchtete und gegen Diskriminierungen aller Art. Aber das reicht nicht für die Wahl, denn die Grünen wollen vor allem gängeln. Dies wird besonders bei ihrer Verkehrspolitik deutlich. Statt das Auto als ein bequemes und effektives Verkehrsmittel zu akzeptieren, dass den Menschen Freiheit und Mobilität gibt, wird es bekämpft. Dazu denken sich die Grünen alle möglichen Schikanen für die Autofahrer aus. Nach wie wie vor haben sie Probleme mit der Technologie und einen Hang die Natur als etwas über den Menschen stehendes zu betrachten. Wie die Menschen ohne Gentechnik ernährt werden, dazu haben sie allerdings keine Antwort. Was aber Menschen essen beziehungsweise nicht essen sollen allerdings schon. Der Klimawandel ist jetzt ihr neues Killerargument, mit dem sie ihre restriktive Politik als alternativlos begründen. Dabei waren sie es, die noch vor ein paar Jahren auf Kohle und Gas gesetzt haben, um CO2arme Kernkraftwerke abschalten zu können. Damit haben sie zur Erderwärmung beigetragen, tun aber so als wären sie die einzig wahren Klimawandelbekämpfer. Dabei machen sie keinerlei Anstalten, dass Problem international anzugehen. Denn ohne dass Asien mitmacht, wird sich die Erde weiter erwärmen. Fahrräder statt Autos und Eisenbahnen statt Flugzeugen und Falafel statt Currywurst werden daran null ändern. Der Verdacht ist nicht von der Hand zu weisen, dass es ihnen deshalb gar nicht um den Klimawandel geht, sondern darum ihre Vorstellungen, der Art und Weise zu leben, durchzusetzen.

Nun zur FDP, der Partei meiner diesjährigen Bundestagswahl. Sie ist definitiv nicht meine Herzenspartei. Sie ist für mich das Gegengift, zu all der Regelwut und den Staatsfetischismus, den die anderen Parteien an den Tag legen und der mich in der Tat ängstigt. Insbesondere bei den Grünen, die tief in den Alltag der Menschen eingreifen wollen. Die Grünen sind auch keine schützenswerte Minderheit mehr, sie haben mittlerweile Macht, auch wenn sie sich gerne mal als Opfer sehen. Die FDP hat da ein anderes Verständnis von der Gesellschaft. Sie weiß , dass die Wirtschaft laufen muss und nicht gegängelt werden darf, um all die anstehenden Aufgaben zu bezahlen und auch bewältigen zu können. Statt auf staatliche Eingriffe und kollektivistische Ideen setzt sie auf die Freiheit, die Persönlichkeit und die Innovationskraft der Menschen. Trotz des wirklich beunruhigenden Klimawandels, bleibt sie optimistisch, glaubt weiterhin an den Wohlstand für alle Menschen, auf der ganzen Welt, setzt keine sektenhaften Untergangsszenarien in die Welt und predigt keinen Verzicht. Wer Bedenken hat, die Partei könne soziale Errungenschaften gefährden, dem würde ich Recht geben. Es gibt aber noch all die anderen Parteien, die sich in dem Punkt immer gegen die FDP durchgesetzt haben. Aber wie Eingangs gesagt, irgendjemand muss den anderen Parteien auf die Finger gucken, die zur Zeit alle mit der Idee eines übergriffigen Staates liebäugeln.

Thomas Hafke ist Diplom Sozialwissenschaftler und seit über 32 Jahren in der Jugendarbeit tätig. 30 Jahre davon war er im Fan-Projekt Bremen aktiv, wo er mit Jugendlichen Werderfans (Kutten, Hooligans und Ultras) beschäftigt war. Wobei er zwischenzeitlich beim VfB Oldenburg mit Fußballfans und in Delmenhorst mit Skinheads arbeitete. Hinzu kam die Begleitung der Fans der Deutschen Nationalmannschaft ins Ausland. In Oldenburg hatte er das Glück mit Rudi Assauer zusammenarbeiten zu dürfen. Außerdem hat er in dieser Zeit diverse Lehraufträge an der Universität und Hochschule Bremen und an der Hochschule für öffentliche Verwaltung (Studiengang Polizei) durchgeführt. Heute ist er in der Jugendwohngruppenarbeit tätig, wo er mit Risikojugendlichen betraut ist. Sein Gebiet ist die Jungenarbeit.

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