#MenschenSindWichtiger – Der FC Schalke 04 sieht in Katar-WM einen ‚historischen Fehler‘

Fans in Gelsenkirchen. Archiv-Foto: Michael Kamps

Fußballdeutschland diskutiert in diesen Tagen leidenschaftlich und emotional darüber, wie mit der am kommenden Wochenende beginnenden WM in Katar umzugehen ist. Der FC Schalke 04 hat sich hierzu mit einer Veröffentlichung auf der Vereinshomepage ganz klar positioniert. Dort formulieren die Gelsenkirchener harte Kritik, sprechen in Bezug auf die Wüsten-WM gar von einem ‚historischen Fehler‘.

Auf der Vereinsseite der Schalker heißt es diesbezüglich wörtlich: „Die 2010 erfolgte Vergabe des größten Sportereignisses der Welt an Katar bleibt ein historischer Fehler in der Geschichte des Fußballs. Dass gesellschaftliche Standards, insbesondere im Bereich Menschenrechte, keine Rolle im Bewerbungsprozess spielten, ist für den Fußball, der eigentlich Völker und Gesellschaften miteinander verbinden soll, bitter und unverständlich. Es widerspricht dem Herzstück des Schalker Leitbilds.“

Und während auch wir hier bei den Ruhrbaronen in diesen stunden noch intern debattieren, wie wir mit dem Turnier in den kommenden Wochen am besten umgehen sollten, ist S04 auch in diesem Punkt schon ganz konkret: „Der FC Schalke 04 hat sich daher dazu entschieden, lediglich kurz und nachrichtlich über die Spiele von Maya Yoshida zu informieren“

Auch der deutschen Nationalmannschaft wünschen die Knappen in ihrer Stellungnahme grundsätzlich ein sportlich erfolgreiches Turnier und appellieren gleichzeitig an den DFB, dass der Verband die während des Turniers vorhandene Öffentlichkeit sinnvoll einsetzen möge.

Schalke 04 will seine medialen Kanäle in dieser Zeit lieber anderen Themen widmen, die der Verein für berichtens- und unterstützenswerter hält, als die Weltmeisterschaft.  So will der Ruhrgebietsklub in den kommenden Tagen vermehrt über den Bereich Erinnerungskultur berichten, sich am Aktionstag gegen Gewalt gegen Frauen beteiligen, das Thema Nachhaltigkeit ins Zentrum rücken und über Bereiche des Vereinslebens berichten, denen sonst nicht so viel Raum eingeräumt wird.

Dies erscheint den Verantwortlichen dort sinnvoller, denn sie beleuchten die Werte, für die der Verein aus ihrer Sicht steht. Weltoffenheit, Toleranz, Respekt, Fair Play und Gleichheit sollen in den Mittelpunkt der Berichterstattung auf den Vereinsseiten rücken.

Eine ohne Zweifel sehr respektable Haltung. Es bleibt zunächst abzuwarten, wie viele andere Klubs sich ebenfalls so verhalten werden und vor allem auch, was am Ende die Fans dazu sagen, ob sie ihren zuletzt vielerorts öffentlich angekündigten Katar-Boykott während des Turniers wirklich beibehalten, oder aber ob das alles reine Theorie bleibt, wenn erst einmal der Ball in Katar rollt und das dann nächste Woche Mittwoch auch das DFB-Team in das Geschehen eingreifen wird….

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6 Kommentare

  1. #1 | Walter Stach sagt am 16. November 2022 um 14:08 Uhr

    Robin,
    um wie viel friedlicher, von Achtung und Respekt geprägt wäre die Fußballwelt, wenn Spieler, Trainer, Funktionäre und vor allem die große Mehrheit der Fans sich nicht nur, aber vor allem dann, wenn es direkt oder indirekt um ihren Sport geht, bemühen würden . ihr Denken und ihr Handeln auszurichten an : “ Menschen sind wichtiger“ oder an „jeder Mensch ist wichtiger als……“.

    Leider komme ich nicht, wie schon mehrfach in jüngster Zeit hier bei den Ruhrbaronen geschehen, auch . im Zusammenhang mit den Protesten gegen die WM-in Katar, gegen das dortige Regime, gegen die dortigen Menschenrechtsverletzungen nicht darum herum, ein „gehöriges Maß“ an Heuchelei wahrzunehmen…

  2. #2 | Robin Patzwaldt sagt am 16. November 2022 um 14:49 Uhr

    Das stimmt, Walter. Mich hat man vorhin in diesem Zusammenhang auf das Engagement von Gazprom bei Schalke aufmerksam gemacht, das es ja auch noch bis Anfang 2022 gab. Ganz frei von diesen Widersprüchen geht es im Profisport wohl nicht….

  3. #3 | Suwarin sagt am 16. November 2022 um 15:43 Uhr

    Wer sich jahrelang von Gazprom hat sponsoren lassen, sollte jetzt mal ganz dezent die Schnauze halten.

  4. #4 | Hos sagt am 16. November 2022 um 15:49 Uhr

    Die gezogenen „Konsequenzen“, dass man ausschliesslich knapp über Yoshida berichten wird, sind schon ziemlich heuchlerisch. Blickt man auf die letzten WMs zurück, so gab es aus den medialen Vereinskanälen ebenfalls nur knappe Infos über Schalker Spieler bei den Turnieren. Man soll jetzt bitte nicht so tun, als hätten Weltmeisterschaften je im Hauptfokus gestanden, nur diesesmal nicht, weil…

    Dass man die Kataris bzgl. Menschenrechte anprangern darf, bleibt hingegen unbestritten. Ich hätte mir aber eher einen weitgehend geschlossenen Boykott verschiedener grosser Fussballnationen gewünscht als nichtsbringende Lippenbekenntnisse.

  5. #5 | thomas weigle sagt am 16. November 2022 um 16:00 Uhr

    Sollte es ein Überraschungsteam wie 1990 Kamerun geben,also,da könnte ich schwach werden und ein paar Blicke nach Katar tun. Naja, und im Sommer haben wir ja dann die Frauen-WM. Alao da ist Vorfreude bei mir.

  6. #6 | SvG sagt am 16. November 2022 um 17:19 Uhr

    Hier einmal eine etwas differenzierte Betrachtung eines Gewerkschafters zum Thema, der wirklich weiß, wovon er spricht:
    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/fussball-wm-in-qatar-den-gastarbeitern-geht-es-viel-besser-18465771.html
    Und noch eine Frage an die moralisch Überlegenen: Betriftt #boycottkatar auch das katarische Gas? Werden die Schalker freiwillig die Heizung abschalten, weil demnächst Gas aus dem neuen Reich des Bösen durch die deutschen Leitungen fließt? Oder will man bei S05 endlich einmal zu den Guten gehören und positive Schlagzeilen produzieren, wo das auf dem Platz ja nicht so möglich ist? Und würden die sich auch so echauffieren, wenn Sie wie die Bayern 2/3 der Mannschaft stellten? Fragen über Fragen…

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