Was ist Mansplaining?

Laber Rhabarber – Männer erklären die Welt Foto: Kasa Fue Lizenz: CC BY-SA 4.0

Von unserer Gastautorin Anastasia Iosseliani.

Geehrte Leserinnen und Leser,

Auch dieser Text wird wieder ein Quickie! Und wie der Titel schon andeutet, geht es um Mainsplaining. Als Frau habe ich dazu nämlich etwas zu sagen. ?

Vor einiger Zeit hatte ich eine Konversation mit einem Bekannten, bei dem er sich während des Gesprächs für vermeintliches Mainsplaining seinerseits entschuldigte. Das, was er getan hat, war allerdings kein Mansplaining. Er hat mir stattdessen ganz normal einen Sachverhalt erklärt. Mainsplaining ist, wenn ein Mann einer Frau ungefragt etwas «erklärt», was diese Frau eh schon weiss. Schlimmer noch, wenn das, was der Mann sagt, nachweislich falsch ist.

Ein Beispiel: Ich war vor einiger Zeit mit einem Iraner befreundet und hatte mit diesem eine Auseinandersetzung über die korrekte Aussprache der ukrainischen Stadt Lugansk. Auf Russisch wird Lugansk als «Lugansk» ausgesprochen und auf Ukrainisch spricht man «Gs» oft als glutarale «Hs» aus. So spricht man also auf Ukrainisch Lugansk als «Luhansk» aus. Das weiss ich, weil ich Russisch in Wort und Schrift beherrsche und genug Ukrainisch kann, um die Lieder von MusikerInnen wie Khyrystina Soloviy zu verstehen. Mein ehemaliger  iranischer Bekannter hat zwar in der DDR gelebt, kann aber weder Russisch noch Ukrainisch sprechen, und schon gar nicht diese beiden Sprachen voneinander unterscheiden, bestand aber darauf, dass der Name der Stadt «Logansk» sei. Als ich ihn versuchte aufzuklären, nannte er mich «ein dummes Mädchen» und «Mahang» (dt.Dummchen).

Ich hätte noch ähnliche Geschichten auf Lager, meist von Männern, die alterstechnisch meine Väter und Grossväter sein können, mir aber selbst in den Feldern, in denen ich nachweislich mehr weiss als sie, von vornherein die Expertise absprechen und mir versuchen Dinge, zu erklären, die ich schon lange weiss oder so nicht stimmen.

Aber da bin ich nicht die einzige Frau auf dieser Welt, der es so geht. Darum gibt es ja auch den Begriff «Mansplaining». Eine Bekannte von mir ist angehende Ärztin und studierte Bio-Ethikerin, und auch sie muss sich regelmässig damit rumschlagen, dass Männer die keinerlei medizinische Ausbildung haben, ihr versuchen ihren Fachbereich zu erklären.

Natürlich ist «Mansplaining» nicht der Weltuntergang, aber trotzdem ist es nervtötend und überflüssig, und es wäre mir demnach Recht, wenn die Herren der Schöpfung dies in Zukunft unterlassen würden.

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8 Kommentare

  1. #1 | vonthorn sagt am 28. April 2020 um 08:53 Uhr

    Solange frau sich darüber noch aufregen kann, gehts uns doch gold.

  2. #2 | der, der auszog sagt am 28. April 2020 um 09:31 Uhr

    Nach der ausführlichen Darstellung des Beispiels im dritten Absatz spreche ich mich zum allerersten Mal in meinem Leben dafür aus, ein Wort zu gendern:

    Statt "der Klugscheißer" oder "die Klugscheißerin" werde ich in Zukunft von "Klugscheißenden" reden, denn diesbezüglich unterschieden sich Mann und Frau nu wirklich nicht, wenn ich diesen Artikel zu Grunde lege…

  3. #3 | Sarah F. sagt am 28. April 2020 um 10:16 Uhr

    Oh ja, ich kenne dieses Phänomen. Es ist wirklich nervig. Diese Blitzbirnen sollte man am besten einfach ignorieren, denn ansonsten passiert einem so etwas oder so etwas ähnliches wie in Kommentar #1. Ein Whataboutism erster Güte. Das ist dann zwar kein Mansplaining mehr sondern süffisanter Sexismus. Und beides wird man so schnell nicht los, befürchte ich.

  4. #4 | Berthold Grabe sagt am 28. April 2020 um 10:34 Uhr

    @2
    da sehe ich ähnlich, die beschriebene Verhaltensweise ist ziemlich universell sicher sie wird häufiger von Männern praktiziert, aber geschlechtsübergreifend angewendet.
    Allenfalls bei der Themenwahl bei der das verstärkt vorkommt, spielen geschlechtsspezifische Vorurteile eine Rolle. wobei gilt, je dümmer und eitler der Mann, desto ausgeprägter das Verhalten.
    Frauen sind bei diesem Verhalten nur gegenüber eindeutig als sicher unterlegen angesehen Personen hemmungslos. Sie fühlen sich deutlich unbehaglicher eine entsprechendes Risiko einzugehen.
    Was diesbezüglich ein Vorteil ist, aber keiner anderen Einstellung dem gegenüber geschuldet wäre. Es gibt bislang nur mehr Unsicherheit bi Frauen und weniger Überlegenheitsklischees seitens der Frauen, was sich langsam aber unaufhaltsam ändert.

  5. #5 | Helmut Junge sagt am 28. April 2020 um 12:29 Uhr

    Männer hören ja bekanntlich nie zu. Sagen jedenfalls viele Frauen. Dabei kenne ich Frauen, die kaum Zeit zu atmen haben, weil sie pausenlos reden. Berüchtigt war in meinem Arbeitsumfeld eine Helga. Wenn ich mich mit der unterhalten hab, bin ich oft gefragt worden, ob ich selber auch zu Wort gekommen bin. Ja bin ich. War eigentlich einfach. Man muß auf die Tonlage und die Mimik achten. Frauen haben nämlich beim Sprechen immer eine lebhafte Mimik und entsprechend auch eine lebhafte Sprachmdulation. Da gibt es immer mal Ansatzpunkte um Zustimmung zu signalisieren. Ach so, darüber reden wir ja gar nicht? Mansplaining soll ja was anderes sein.

  6. #6 | Anny Pelzer sagt am 28. April 2020 um 14:54 Uhr

    ……und wie bitteschön heißt das wenn einem Text ein Bild zugeschaltet wird, auf dem einem Mann etwas zugeordnet/ unterstellt wird – einfach so, ohne jegliche Erklärung

  7. #7 | M. sagt am 28. April 2020 um 19:51 Uhr

    Wie nennt man es eigentlich im Internet, wenn einem als Mann ungefragt etwas von einem Mann erklärt wird??

  8. #8 | Tim sagt am 29. April 2020 um 14:04 Uhr

    Bei mir war es das Gegenteil.

    Ich (einfacher Angestellter) hatte mit einer Oberärztin ein Gespräch.

    Sie war Russin und wir haben uns über Stalin unterhalten. Sie war felsenfest der Meinung das Stalin Russe war und ich das er Georgier war.

    Er kam aus Georgien.

    Und das als Russin 😉

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