„Was sich gestern vor dem WDR abspielte, hatte es seit Jahren in Köln nicht mehr gegeben“


Rund 100 Neonazis, Hooligans und extrem rechte „BürgerInnen“ demonstrierten vor dem WDR gegen das satirische Kinderlied. Angekündigt hatte die Kundgebung die Aktivistin „Myriam – die Stimme von Kandel“ „Omas und Opas“ die bei „Schnitzel und Eierlikör“ vor dem WDR auflaufen wollte. Von unserem Gastautor Karl Rosa.

Es kamen knapp 100 Teilnehmende zusammen, die vorgeblich den Ruf von „Oma und Opa“ verteidigen und das Liedgut bewahren wollten. Darunter reisten gewaltbereite und militante Hooligans von der „Bruderschaft Deutschland“ an, die Passant_innen und den Gegenprotest bedrohten und versuchten anzugreifen. Bis die Polizei vor Ort war, versuchten die Hooligans eine regelrechte Jagd durch die Innenstadt auf die anfangs recht kleine Gruppe des Gegenprotests. Teilweise per Livestream dokumentiert sind Rufe der Neonazis wie „Jagd sie!‘

Vor Ort waren neben der Bruderschaft der Kölner Neonazi Samy M. Aus dem Umfeld des Begleitschutz Köln (der erst kürzlich in Berlin „Ein Galgen, ein Strick, ein Pressegenick“ skandierte) mit Cindy K. Ebenfalls aus diesem Umfeld .Der erst gestern durch eine Morddrohung gegen den Blogger Korallenherz aufgefallene Nazi und Fotograf Kevin Gabbe, die extrem rechte YouTuberin „Patriot TV“ aus Düren und die ehemals identitäre Videobloggerin Licentia waren ebenfalls vor Ort.

Anfangs war die Kölner Polizei durch einen einzigen Streifenwagen präsent, was die Bruderschaft zu ermutigen schien, auf die Jagd zu gehen. Erst nach fast einer Stunde waren Polizeikräfte vor Ort wahrnehmbar und bildeten eine Kette vor den nach wie vor aggressiv auftretenden Nazis. Es sammelte sich der leicht verstärkte Gegenprotest Nach Auflösung der rechten Kundgebung wurde eine Gruppe der Bruderschaft dann schließlich von der Polizei eingekesselt und fest gehalten.

Das, was sich gestern vor dem WDR abgespielt hat, hat es in dieser Form seit Jahren in Köln nicht mehr gegeben. Ähnliche Szenen spielten sich in Köln nur bei der ersten Hogesa Demonstration auf dem Breslauer Platz ab. Auch da war der Gegenprotest in Unterzahl und es war schon ein gewisser Erfolg, am Ende mit einem spontanen gemeinsamen Abzug sicher zum DGB Haus weggekommen zu sein. Erneut konnten Nazifotografen ungehindert Fahndungsfotos vom Gegenprotest machen. Sicher hinter der Polizeikette, im Rücken des Gegenprotests. Selbst Bruderschaftchef Nieland konnte sich dort mit einem zeitweise demonstrativ vermummten Hooligan aufhalten – er wurde dann freundlich aufgefordert zu gehen, nachdem die Polizei von Gegendemonstranten angesprochen wurde.
Vorher die mehrfach beschriebenen Jagdszenen. Die übrigens im Polizeibericht nicht erwähnt werden!

Deutlich wurde , dass ein solcher Aufruf wie der der „Stimme Kandels“ nicht mehr nur ein paar verstrahlte „Besorgte“mobilisiert. Die extrem rechte Mischszene hat sich weiter vernetzt und ist deutlich mobilisierungsfähiger geworden. Nicht nur in ihren Hotspots in Essen, Herne und Düsseldorf sondern auch in Köln – fast ohne lokale Akteure.

Bis auf das „Rheinisches antifaschistisches Bündnis gegen Antisemitismus“ und das Autonome Zentrum gab es im Vorfeld fast keine antifaschistische Öffentlichkeit bezüglich der Kundgebung. Auf Twitter und Facebook gab es fast ausschließlich Posts von überregionalen oder auswärtigen Accounts. Einen Aufruf, einen angemeldeten Gegenprotest gab es nicht – eigentlich nicht verwunderlich, dass dann so wenig Menschen vor Ort waren. Und nachträglich wird deutlich, ohne angemeldeten Gegenprotest ist diesen extrem rechten Strukturen wenig entgegenzusetzen …
Es besteht Diskussionsbedarf…

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6 Kommentare

  1. #1 | Daniel sagt am 30. Dezember 2019 um 19:13 Uhr

    Der letzte Satz erinnert mich irgendwie an das Leben des Brian ?
    Der Zug ist doch eh abgefahren. Bis auf wenige Ausnahmen bestehen die "antifa" – gruppen mittlerweile doch nur noch aus persönlichkeitsakzentuierten selbstdarstellern und regressiven antikapitalisten. Da gibt es keine ernstzunehmenden Strukturen mehr. Und mit den Kommentaren einiger wdr-Mitarbeiter wollen sich offensichtlich nur noch wenige solidarisieren….

  2. #2 | Elsie sagt am 30. Dezember 2019 um 22:36 Uhr

    Also 2 Neo-Nazis, der Rest angebliche Hooligans und erboste (rechte?)Bürger.
    Ich habe gestern Ausschnitte der Demo gesehen, die wie erwartet nicht gerade die intelligentesten Teilnehmer in den Mittelpunkt rückten.
    Auch ich war sehr erbost über die manipulierten Kinder, die freudig ihre Omas als Umweltsau beschimpften. Ebenso wie viele andere, gehöre ich nicht zum rechtsextremen Milieu.
    Es macht keinen Sinn, in der heutigen Zeit gegen solche Entgleisungen öffentlich zu demonstrieren.
    Die selbsternannten"Aktivisten" werden versuchen jeden ihrer Gegner zu verunglimpfen und ihn öffentlich bloss zu stellen.
    Ein kleiner Vorgeschmack dessen, was uns blüht wenn die Grünen die nächste Regierung stellen …
    Um gerichtlich gegen den Mob vorzugehen, fehlt den meisten OMAS das Geld. Mit Minimalrente fährt man auch keinen SUV, fliegt nicht in den Urlaub, macht keine Kreuzfahrten und kann sich schon gar nicht jeden Tag Fleisch leisten. ( auch nicht das billige vom Discounter)

  3. #3 | Opa sagt am 30. Dezember 2019 um 23:20 Uhr

    Eure Ansprechpartner und Mitdemonstranten sind wohl Omas und Opas. Die sind nicht gekommen?
    Ja, dann habt ihr tatsächlich diskussionsbedarf.

  4. #4 | Bebbi sagt am 31. Dezember 2019 um 19:45 Uhr

    @#2

    In dem Lied war nie von allen Omas die Rede, sondern von der einen Oma des lyrischen ichs des Liedes. #SinnerfassendeMedienrezeption

  5. #5 | trevor philips sagt am 31. Dezember 2019 um 23:20 Uhr

    @4
    Gib Dir keine Mühe, Argumente oder Berichtigungen interessieren die nicht. Leichte Verfälschungen der Wahrheit werden gerne in Kauf genommen.
    Arne Vogelgesang hat das in einem Vortrag des diesjährigen CCC untersucht: Let's play infokrieg

    https://media.ccc.de/v/36c3-10639-let_s_play_infokrieg

  6. #6 | puck sagt am 1. Januar 2020 um 12:41 Uhr

    @Elsi #2

    Vielleicht hat man nur Teilnehmer der weniger intelligenten Sorte gezeigt, weil intelligentere auf der Demo nicht zu finden waren? Das könnte ursächlich damit zusammenhängen, dass man schon ein wenig beschränkt sein muss, um wegen einer missglückten Satire (genau genommen eines einzigen Wortes in einer mussglückten Satire!) gemeinsam mit bekannten Gewalttätern zu demonstrieren.

    Die Teilnehmer wurden nicht öffentlich bloßgestellt, sondern haben sich öffentlich mit eben jenen bekannten Straftätern gezeigt. Sie wurden bei einer Demo gefilmt/fotografiert, nicht heimlich beim Smalltalk mit einem Rechtsextremen am Pissoir aufgenommen.

    Auch wer hier der "Mob" bei der Demo war scheint Ihnen irgendwie entgangen zu sein, es sei denn, Sie sind es, die hier ein bisschen verunglimpfen will, was wir von einer "nicht dem rechtsextremen Milieu" zugehörigen Person selbstverständlich nicht annehmen!

    Dass inzwischen laut darüber nachgedacht wird, ob verschiedene Mitarbeiter des WDR wegen Morddrohungen unter Polizeischutz gestellt werden müssen, zeigt allerdings, was uns blüht, wenn Leute, die offenbar Ihr Verständnis finden, die nächste Regierung stellen…

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