WDR – Wieder Schleichwerbung?

Wir haben eine Geschichte beim WDR aufgerissen, die seltsam ist.  Es geht um Schleichwerbung und gekaufte Sendezeit. Doch alles nacheinander:  Nach unseren Informationen soll in der WDR-Sendung „Servicezeit: Mobil“ Schleichwerbung verbreitet worden sein. Dabei hätten sich vor allem deutsche Autofirmen über Produktionen der Firma TVT.media aus Hürth unerlaubt Werbeplätze in einer der wichtigsten Beratungssendungen des öffentlich-rechtlichen Senders gesichert, erzählten uns mehrere Personen, die mit den Vorgängen vertraut sind. Ein Sprecher des WDR bestätigte zudem auf unsere Anfrage: „Nach einem Hinweis auf Schleichwerbung in der Sendung ‚Servicezeit: Mobil‘ haben wir umgehend eine Prüfung durch unsere Revision veranlasst.“ von Marvin Oppong und David Schraven

In den Beiträgen der Servicezeit werden Autos getestet und Hinweise für den Kauf von Neuwagen gegeben. Im heiß umkämpften PKW-Markt genießt die WDR-Sendung vor allem wegen der angeblichen Neutralität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einen besonders hohen Stellenwert. Nach Auskunft des WDR-Sprechers sind die Recherchen in seinem Haus noch nicht weit gediehen, die Intendantin sei aber informiert. Derzeit werde untersucht, ob sich die Produktionsfirma vertragswidrig verhalten habe. „In unseren Verträgen muss der Vertragspartner ausdrücklich versichern und garantieren, die Produktion ohne sachfremde, vertragswidrige Einflussnahme Dritter zu realisieren.“ Bei Verstößen gegen den Vertrag könnte der WDR eine Strafanzeige wegen Betrugs gegen die Verantwortlichen stellen.

Nähere Einzelheiten wollte der Sprecher derzeit nicht nennen.

So bleiben viele Fragen offen: Welche Autofirmen sollen sich unerlaubt Werbezeit besorgt haben, wie viel Geld wurde gezahlt und wer profitierte davon?

Bereits vor drei Jahren war der WDR in einen großen Schleichwerbeskandal verwickelt. Damals wurde in fünf Folgen der Krimireihe „Schimanski“ verbotene Werbung entdeckt, die dort über die Produktionsfirma Colonia Media platziert wurden. Kurz zuvor wurde enthüllt, dass Interessierte nahezu problemlos über die Produktionsfirma Bavaria Sendezeit in der WDR-Serie Marienhof kaufen konnten.

Derzeit wird beim WDR und der betroffenen Produktionsfirma TVT.media nur hinter vorgehaltener Hand über Details des neuen Skandals in der Servicezeit gesprochen. Den Angaben mehrerer beteiligter Personen zufolge steht der Chefredakteur von TVT.media Bernd K. im Zentrum der Nachforschungen. Der Verdacht: Der frühere WDR-Mitarbeiter habe als Chefredakteur der TVT.media dafür gesorgt, dass unerlaubte Werbung in den Beiträgen untergebracht wurde. Im Gegenzug habe er Geld kassiert. Bernd K. antwortete bis jetzt nicht auf eine schriftliche Anfrage. Auch die TVT.media wollte bis jetzt keine belastbaren Auskünfte zu diesem Thema geben. Eine Mitarbeiterin des Unternehmens rief lediglich bei mir an und wollte mich ausfragen.

Ein WDR-Sprecher sagte lediglich: „Es liegen keine Hinweise vor, dass an den WDR für Platzierung von Produkten Geld geflossen ist.“

Die Firma TVT.media ist in der Autobranche bekannt. Nach unseren Informationen hat das Unternehmen zum Beispiel Rohmaterial für VW über den Phaeton produziert, das für redaktionelle Beiträge in Fernsehsendungen genutzt werden sollte. Zudem war TVT.media für BMW, Opel und den Opel Mutterkonzern General Motors tätig. Nach vorliegenden Informationen sollen WDR-Mitarbeiter vor rund drei Wochen die Firma aufgesucht und Unterlagen über WDR-Produktionen mitgenommen haben. Etwa zeitgleich stellte der Sender die Zusammenarbeit mit dem Bernd K. ein. Ohne auf eine konkrete Person Bezug zu nehmen, sagte ein WDR-Sprecher: „Der WDR lässt die Zusammenarbeit mit dem betroffenen externen Mitarbeiter bis zur Beendigung der Prüfung durch unsere Revision ruhen.

Wenn jemand da draußen noch einen Hinweis hat: wir sind unter david.schraven@ruhrbarone.de oder marvin.oppong@ruhrbarone.de zu erreichen.

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