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Wenn sich Gabriel über Israel (nicht) äußert

Sigmar Gabriels Antwort an Malca Goldstein-Wolf

Sigmar Gabriels Antwort an Malca Goldstein-Wolf

Am 21. Dezember schrieb die jüdische Aktivistin Malca Goldstein-Wolf einen offenen Brief mit Petition an Sigmar Gabriel, mit der Bitte sich für die Behauptung, Israel sei ein Apartheidsstaat, die ihm sogar eine lobende Erwähnung der Hamas einbrachte, öffentlich zu entschuldigen. Nun hat Gabriel in einem Brief dazu Stellung bezogen und interessant ist dabei was er sagt – oder vielmehr nicht sagt.

Auffällig ist zuerst einmal, dass sich Gabriel zu seinen Apartheidsaussagen gar nicht äußert, auch ansonsten in seiner Formulierung sehr schwammig bleibt und weiterhin an Israel doppelte Standards anlegt. Phrasenhaft wiederholt er dabei, dass ihm die Sicherheit Israels, die natürlich deutsche Staatsräson ist, am Herzen liege, nur um diese Aussage kurz darauf zu relativieren, indem er davon spricht, dass für ihn die Solidarität mit Israel eben auch bedeute, dass aus seiner Sicht Organisationen wichtig seinen, die Friedenshindernisse auf beiden Seiten abbauen. Dass für ihn jedoch jemals palästinensische Handlungen ein Friedenshindernis darstellten, ist nicht bekannt. Weder der Art. 7 der Hamas Charta („Und die Zeit wird erst kommen, wenn die Muslime die Juden bekämpfen und töten […]“), dass bereits im palästinensischen Kinderfernsehen zum Judenmord aufgerufen wird, noch die Tatsache, dass sein – wie er ihn nennt – guter Freund Abbas, der in fortgeschrittener Shoa-Relativierung promovierte („The Other Side – The Secret Relationship Between Nazism and Zionism“), die Familien von Terroristen finanziell unterstützt. Auch ist nicht bekannt, dass sich Gabriel bei seinem letzten Iranbesuch mit Vertretern der Zivilgesellschaft getroffen hätte, obwohl dies grade während der dort laufenden Proteste besonders nötig wäre. Gemeinhin bezeichnet man ein solches Verhalten als Doppelmoral.

Weiterhin betonte er, dass der Kampf gegen jede Form des Antisemitismus für ihn oberste Priorität habe und er sich deswegen mit der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus traf. Bei dieser Gelegenheit bezeichnete er Israel jedoch wieder als Apartheidsstaat, was ihm eine lobende Erwähnung seitens der Hamas auf Twitter einbrachte. Durch die dem Vergleich innewohnende Delegitimierung Israels liefert er dem israelbezogenen Antisemitismus, der besonders in der muslimischen Community vorhanden ist, an die sich die Kreuzberger Initiative unter anderem wendet, zusätzliche Nahrung. Seine Taten strafen seine Worte lügen.

Während Gabriel so ziemlich jeden Despoten auf der Welt hofiert – oder ihm sogar Tee einschenkt – und seine Kritik an den jeweiligen Unrechtregimes durch besonders lautes Schweigen auffällt, lässt er es sich nicht nehmen, an die einzige Demokratie im nahen Osten doppelte Standards anzulegen und an ihr rumzukritisieren. Abschließend könnte man zynisch sagen, dass es wünschenswert wäre, wenn Gabriel mit Israel auch nur halb so wohlwollend umgehen würde wie mit dem Iran.

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11 Kommentare zu “Wenn sich Gabriel über Israel (nicht) äußert

  • #1
    heplev

    Die Jerusalem Post ordnet Gabriel in die Kategorie "gefährlich" ein: https://heplev.wordpress.com/2018/01/09/deutschlands-gefaehrlicher-aussenminister/

  • #2
    Tobias

    Wer Israel einen Apartheidsstaat nennt, hat doch einfach keine Ahnung was Apartheid bedeutete. Es gibt Diskriminierung gegenüber arabischen Israelis, aber die hat bei weitem nicht das Maß des damaligen Südafrikas erreicht. Aber Israel kritisieren bringt viele Punkten in manchen Lagern und wenig Gegenwind in Deutschland, da kann man schon mal böswillig übertreiben.

    Passt auch zur heutigen Seite ohne zwischentöne, wo es nur noch Gut und Böse Dichotomien gibt.

  • #3
    discipulussenecae

    Sigmar Gabriel wird diesen Brief sicherlich nicht selbst geschrieben haben; wahrscheinlich wird er noch nicht einmal die Anfrage von Malca Goldstein-Wolf persönlich gelesen haben. Geht mann daher davon aus, daß irgendein subalterner Mitarbeiter der Pressestelle des Auswärtigen Amtes das oben beprochene Schreiben verfasst hat, ist es umso erschreckender, wie tief der Antisemitimus in dieser Behörde immer noch oder schon wieder verwurzelt ist!

  • #4
    Ines C.

    Das darf doch nicht wahr sein! Danke für’s Aufdecken!
    Da vermiss ich doch glatt -und ausnahmsweise- mal einen Grünen im Parlament: Volker Beck, der sich auch ohne Bundestagsmandat für Israel einsetzt. http://chrismon.evangelisch.de/artikel/2018/37371/gelten-israel-fuer-alle-religionen-gleiche-rechte
    Bin gespannt, ob der Mitherausgeber und EKD-Vorsitzende Bedford-Strohm, -Parteifreund Gabriels -mal den Mund aufmacht.

  • #5
  • #6
    Arnold Voss

    Bernd, woanders versteht Herr Gabriel Besetzungen sehr wohl. Oder kennen sie einen solchen Brief von ihm unterschrieben z.B. bezüglich China und den Tibetern. Ansonsten sollten sie wissen, dass die israelische Besatzung das Ergebnis eines gegen Israel gerichteten Angriffskrieges gewesen ist, Ohne ihn und und die immer noch bestehende Vernichtungsdrohung gäbe es weder diese Besatzung noch etwas daran zu verstehen.

  • #7
    Tobias

    Und mit einem Friedensvertrag würde die Besatzung auch aufhören… aber bisherige Friedensverhandlungen waren einer Seite nicht genug.

  • #8
    thomas weigle

    Das muss doch ungeheuer frustrierend für diese Israelasher sein, dass Israel weder auf Herrn Gabriel hören, der ja immer öfter ganz vorne steht, wenn`s gegen Israel geht, noch auf das israelfeindliche Fußvolk.
    @ Arnold, all die von Dir genannten Gebiete, so wie die nicht von Dir genannten, haben eins gemeinsam: Sie sind nicht von der IDF bekriegt und "unterdrückt".
    Seit vielen Jahren wird Tibet sozusagen "umgevokt", werden in großer Zahl Chinesen angesiedelt. Hör ich was, lese ich was?

  • #9
    Alexander Miller

    Herr Gabriel muss nicht ein Sympathisant des Staates israel sein.aber etwas Neutralität darf man schon von so einem representat erwarten.
    Israel ist die einzige Demokratie im nahen Osten.
    1967 wollten alle arabische Staaten ,Syrien,egybten ,Jordanien,israel vernichten,davon träumen noch heute die palestinenser,die sich das Recht nehmen,die einzige legitime Staat in diese Region zu sein.
    Kein araber der in israel wohnt,hätte gewollt unter eine arabischer Herrscher zu leben.
    Ein Mann der ein außen Minister in Deutschland ist,wäre besser beraten,sich gut zu informieren,über die Situation im israel bevor er sich dazu äußert .
    Das ist ein Armut Zeugnis für den deutschen Staat ,so eine Politiker zu wählen,der von Diplomatie so wenig versteht,wie Herr Gabriel.

  • #10
    David Senib

    Wiedereinmal ein guter Bericht von den Ruhrbaronen, Bravo, bitte weiter so.

    Ich habe schon öfters gemeinsam u.a, mit Malca auf Facebook gegen den öffentlichen und wohl geduldeten Antisemitismus "gekämpft" und dabei feststellen müssen, das die hochgelobte Rechtsstaatlichkeit nicht mehr als Makulatur ist.
    Solange Regierungsmitglieder wie Gabriel die Hände derer schütteln, die Israel und die Juden auslöschen wollen, solange wird sich im Kampf gegen den Antisemitismus nichts ändern.
    Mam darf gespannt sein ob sich die CDU mit dem Vorschlag, jene die weder Israel noch jüdische Menschen anerkennen bzw. dulden, des Landes zu verweisen durchsetzen wird. Wenn ja, dann darf man zurecht gespannt sein ob weiterhin offenkundigen Antisemiten und "Israelvernichter", wie dem Iran oder der Türkei, die Hand gereicht und Geschäfte gemacht werden.

    Die deutsche Regierung und deren Behörden scheint von Israel- und Judenhassern infiltriert zu sein, denn anders lässt sich die oftmals zitierte Staatsräson als schlechter Witz nicht erklären.

  • #11
    abraxasrgb

    Gabriel? Der Tee-Servierer? Der Abbas- (oder war das der Schulz?) und Hamas-Versteher? Ć´mon 😉
    Apartheid? (Hier wäre jetzt einfach nur ein Vogelzeig-Smiley). EOD.

    Der war als Wirtschaftsminister eine Pfeife, warum sollte er als (eingewechselter) Außenminister besser sein?

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