Wer die Ruhrstadt leben will braucht ein Faltrad – eine Empfehlung

Klassisches Faltrad Foto_ Leupold Lizenz: CC BY-SA 3.0
Klassisches Faltrad Foto_ Leupold Lizenz: CC BY-SA 3.0

Nein, das Ruhrgebiet ist nicht der urbanste Ort der Welt. Selbst wer hier an einem der vier großen Hauptbahnhöfe, also in der Mitte von Dortmund, Bochum, Essen oder Duisburg ankommt, wird nicht gleich vom quirligsten Innenstadtleben umfangen. Selbst zum Bochumer Gastro-Viertel Bermuda3eck geht es erst einmal ein paar Minuten zu Fuß durch eine eher unansehnliche und spät abends auch menschenleere Kulisse. Urbanität heißt im Ruhrgebiet in der Regel erst einmal: Fahren, fahren, fahren. Für Fußgänger, geschweige denn für Flaneure ist diese Stadtlandschaft nun mal nicht gemacht.

Aber für Menschen, die die permanente ,flächendeckende und zuweilen alle anderen Stadtbewohner quälende Zusammenrottung von Menschen in Form von Party People, Szenegängern und Touristen nicht zu ihrem Lebenselixier zählen. Die ohne Probleme ein Stück Weges in kaufnehmen, um ihre ganz persönlichen Urbanitätsbedürfnisse jeweils wie ein räumliches Puzzle zusammenzusetzen. Gerne auch mal mit Fußweganteilen, aber nie ohne eigenes Fahrzeug, weil nur das sie wirklich unabhängig macht. Fahrzeug-Urbanauten eben, weil das Ruhrgebiet überall etwas bietet, aber selten räumlich konzentriert.

Gegen diese Art der urbanen Dispersion hilft selbst der beste Nahverkehr der Welt nicht. Die durchschnittliche Anzahl der Umstiege ist schlicht zu groß und selbst in Berlin und New York sind die Taktzeiten in der Nacht geringer als am Tag. Wer es sich im Ruhrgebiet leisten kann, wird deswegen auch in Zukunft sein Fahrzeug immer an der Frau oder am Mann haben wollen, zumindest aber in fußläufiger Nähe. Ausnahmen bestätige dabei die Regel, da es natürlich auch im Ruhrgebiet Orte wie das B3E gibt, zu denen man auch nachts gut mit Bus und Bahn kommt und dort dann, ohne Parkplatzsorgen, prima zu Fuß unterwegs sein kann.

Wer allerdings im Ruhrgebiet ganztägig und überall verkehrlich flexibel sein will, ohne sein privates Auto zu benutzen, für den gibt es nur eine Alternative: ein leichtes, relativ klein und schnell faltbares Fahrrad. Leicht heißt unter 10 kg. Klein heißt, du musst es auch in einer vollbesetzen Straßenbahn oder in einem Taxi mitnehmen können. Schnell heißt, in höchsten 20 Sekunden zu falten. Und da es bei jedem Wegezustand auch noch verkehrstüchtig zu sein hat, sollte die Rädergröße mindesten 20 Zoll betragen. Und ja, bezahlbar sollte es auch noch sein.

Ich habe lange nach einem solch einem Rad gesucht und es mittlerweile gefunden: Das Mu Uno von Dahon. Man bekommt dieses Single Speed Faltrad im Internet unter 500 €. Aber auch beim Händler bleibt man unter 600€ einschließlich Schutzbleche. Damit ist es das ideale Zweit-Rad, das auf Grund seines geringen Gewichtes und den niedrigen innerstädtischen Steigungsgraden im Ruhrgebiet aber auch als Erst-Rad funktioniert. Erst recht, da es auch über einen perfekten Kettenschutz verfügt, der Hosen und Finger sowohl beim Fahren als auch beim Falten sauber bleiben lässt.

Das Handling ist so leicht, dass ich es eigentlich immer bei mir habe. Fehlende Aufzüge oder kaputte Rolltreppen sind damit genauso wenig ein Problem wie eine absolut diebstahlsichere Unterbringung in Kneipe, Büro und Wohnung. Selbst bei einem Theaterbesuch haben es die Garderobieren mit hinters Pult genommen. Auf der Straße sind die 22 Zoll-Räder völlig ausreichend, da man mit ihnen auch unebene Strecken, ja selbst Bordsteine gefahrlos bewältigen kann. Auch an die Rücktrittbremse gewöhnt man sich schnell.

Wer ein ebenso leichtes Faltrad mit Gangschaltung haben will, der muss natürlich mehr Geld anlegen. Aber auch da gibt es mittlerweile Anbieter, bei denen trotz geringem Gewicht und geringer Faltgröße das Preisleistungsverhältnis stimmt. Empfehlenswert ist das Spin von FSIR mit einer 9-Gang Kettenschaltung. Mit seiner dickeren Bereifung ist auch die wilde Haldenlandschaft des Ruhrgebietes locker ersteigbar, ohne das es beim Innenstadt-Shopping und im Büro unpassend wirkt. Eine ernst zu nehmende Federung wird bei diesem Faltrad allerdings genauso wenig geboten wie beim Mu Uno.

Damit käme man allerdings in eine Preisklasse, die für den hier anvisierten urbanen Gebrauch das zusätzliche Geld nicht lohnt. Wirkungsvolle Federungssysteme gehen obendrein immer ins Gewicht, und genau darum dreht sich bei der Kombination von Fahrrad und Nahverkehr fast alles. Man muss das Rad dabei nämlich, gefaltet oder nicht, häufiger tragen als man denkt. Gefaltet hat das Rad obendrein den Vorteil, dass es in Bus und Bahn als Gepäckstück gilt und deswegen kein extra Fahrradtickert gelöst, geschweige denn irgendwelche Mitnahmezeit beachtet werden muss.

Kombiniert man die mittlerweile hoch entwickelte Falt- mit der ebenso hoch entwickelten Informationstechnologie in Form des auch im Ruhrgebiet angebotenen Nahverkehrs-Apps auf seinem Smart-Phone, ist auch diese antiurbane Gegend spontan und urban zu bewältigen, ohne dass man dazu ins eigene Auto steigen muss. Wenn es dann doch mal von oben schüttet und von vorne der Wind bläst, kann man mit eben diesem Smartphone auch ein Taxi bestellen, das Faltrad in dessen Kofferraum packen, und sich bis zur nächsten ÖPNV Station fahren lassen.

 

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5 Kommentare

  1. #1 | Mats Hummels sagt am 8. Mai 2016 um 12:22 Uhr

    Bestes. In Brüssel siehste die Dinger überall und Brüssel ist hügelig, aber da scheint das irgendwie Trend zu sein. Macht auch das steuerfinanzierte Bürokratenoutfit nicht dreckig. Ich bin aber trotzdem für ne Ringbahn im Ruhrgebiet. Die hätte man für den Preis von Stuttgart21 mit Sicherheit bekommen. Dann noch einmal Kehrwoche bei den Stadtwerken und Aufsichtsräte wegrationalisieren. Die SPD-Bonzen finden sicher auch woanders Schnorrermittel, vielleicht ja sogar bei den KollegInnen in Brüssel.

    #pottohnespd #faith

  2. #2 | Thorsten Stumm sagt am 8. Mai 2016 um 12:23 Uhr

    Ahoi Arnold,
    seit ich mein Dahon habe, dass ich gekauft habe weil ich öfter von Dortmund nach Köln muss, benutze ich es immer öfter in Dortmund und Bochum. Zusammen mit der Bahncard50 erlebe ich plötzlich eine völlig neu Art von Mobilität. Vorher war ich Autojunkie und reibe mir verwundert die Augen, dass man mit der Bahncard und Klappfahrrad ICE fast zum VRR Tarif fahren kann.

    Das Federungsproblem der schmallen 20er habe ich mit BigApple Ballonreifen gelöst….ist super kann ich Dir sehr empfehlen. Und das mit den hervorstehenden Pedalen im Klappzustand lässt sich mit Steckpedalen ebenfalls lösen….und die sind auch noch ein super Diebstahlschutz…keiner klaut ein Rad mit dem er nicht wegfahren kann….

  3. #3 | Arnold Voss sagt am 15. Mai 2016 um 10:46 Uhr

    Danke für den Tip mit den fetteren Reifen, Thorsten. Was die Steck-Pedale betrifft, musst du sie allerdings dann immer auch mit dir rumschleppen, nachdem du das Rad abgeschlossen hast. Aber meistens hat man ja einen Rucksack oder ähnliches zum Verstauen bei sich.

  4. #4 | Arnold Voss sagt am 15. Mai 2016 um 10:56 Uhr

    @ Mats Hummels

    Klar braucht das Ruhrgebiet auch einen besseren und koordinierteren Nahverkehr. Aber ob der je kommen wird, weiß kein Mensch. Bis dahin hilft eine modernes und leichtes Faltrad mehr, als sich die meisten Auto-Junkies vorstellen können. Ansonsten siehe:

    http://www.ruhrbarone.de/e-mobility-die-zukunft-des-nahverkehrs-im-ruhrgebiet/17298

  5. #5 | Dima sagt am 17. August 2016 um 19:51 Uhr

    Ja so ein Faltrad ist echt ne tolle Sache. Hab seit kurzem eins und muss sagem der Arbeitsweg ist viel einfacher geworden. Vorallem in der Straßenbahn ist es so viel bequemer.

    Lg Dima

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