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Wer verantwortlich handelt, meidet die Weihnachtsmärkte in diesem Jahr!

Hier war Abstand kein Problem: Der ‚Micro-Weihnachtsmarkt‘ in Waltrop im Dezember 2019. Foto: Robin Patzwaldt

Es sind Diskussionen, die einen irritieren. Immer wieder stieß ich im Internet in den vergangenen Tagen auf Diskussionen rund um die in diesem Jahr angedachten Weihnachtsmärkte. Ähnlich wie auch beim Thema Karneval, ist es dort aktuell nicht zu erkennen, wie eine einheitliche Regelung in Zeiten der andauernden Corona-Pandemie aussehen könnte.

Einige Veranstaltungen werden vermutlich stattfinden, andere fallen hingegen aus. Hygienekonzepte und Wirtschaftlichkeit ringen hier derzeit heftig miteinander. So kommt es an unterschiedlichen Standorten zu unterschiedlichen Entscheidungen.

In Münster zum Beispiel, so las ich gerade beim WDR, werden die Weihnachtsmärkte mit einem ausgedünnten Angebot stattfinden. Mehr Abstände, insgesamt weniger Stände. So soll der Rubel in Münster trotz aller gesundheitlichen Risiken bestmöglich rollen, wenn es auf die Adventszeit zugeht.

Mir bereiten solche Nachrichten massives Unbehagen. Klar, Freizeitaktivitäten sind für uns alle wichtig und sollten selbst in einem Jahr wie diesem nicht völlig ausgeklammert werden. Aber gerade Karneval und Weihnachtsmärkte? Termine, an denen für viele Alkohol quasi automatisch mit dazugehört, wo dann nach dem x-ten alkoholhaltigen Getränk die empfohlenen Abstände und Hygieneregeln keinen mehr interessieren? Das kapiere ich nicht!

Warum fällt es den Leuten nur so schwer in diesem Jahr darauf einmal komplett zu verzichten? Bisher fanden sowohl die letzten Weihnachtsmärkte im November und Dezember 2019 als auch die komplette Karnevalssaison bis zum Februar 2020 doch noch ohne irgendwelche Corona-Einschränkungen statt.

Im kommenden Winter werden wir das Virus noch nicht im Griff haben. Es wäre daher nur vernünftig, in diesem Jahr einmal auf diese liebgewonnenen Traditionen zu verzichten. So wie die Dinge derzeit stehen, haben wir doch recht gute Chancen beides ein Jahr später wieder durchführen zu können.

Ein Impfstoff wird für 2021 erwartet. Wenn alles nach Plan läuft, werden Ende des kommendes Jahres schon viele von uns geimpft sein. Sollte das tatsächlich wie gewünscht klappen, könnten wir über diese Veranstaltungen mit deutlich weniger Sorge im Hinterkopf in einem Jahr noch einmal neu diskutieren. Unter Umständen sind dann vielleicht schon keine nennenswerten Einschränkungen mehr nötig.

Aber im kommenden Winter auf Weihnachtsmärkte und Karnevalsveranstaltungen zu gehen, das wäre aus meiner Sicht schlicht unverantwortlich. Im Sinne der eigenen und auch im Sinne der Gesundheit der Mitbürger.

Es wird uns doch wohl einmal möglich sein ein Jahr lang ohne diese liebgewonnenen Gewohnheiten auszukommen. Alles andere wäre ein echtes Armutszeugnis für unsere Gesellschaft!

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8 Kommentare zu “Wer verantwortlich handelt, meidet die Weihnachtsmärkte in diesem Jahr!

  • #1
    Pit

    Meiner Meinung nach sollten Weihachtsmärkte in diesem Jahr sogar gefördert werden und die Öffnungszeiten verlängert werden:
    Sie finden draußen statt und können damit Menschen davon abhalten, sich in geschlossenen Räumen zu versammeln (Kneipen, Restaurants..), wo die Infektionsgefahr durch Aerosolansammlungen höher einzuschätzen ist.
    Gleichzeitig wird das Bedürfnis der Menschen nach sozialer Interaktion befriedigt.
    Abstandsregeln müssen natürlich eingehalten werden.

    Gut, wenn es bis Dezember weiterhin so wenige schwer Erkrankte (zur Zeit 233 in D-Land) und Tote im Zusammenhang mit Covid19 gibt, sind weitere Einschränkungen ohnehin kaum noch zu rechtfertigen.

  • #2
    Berthold Grabe

    Es gibt Weihnachtsmärkte und Weihnachtsmärkte…
    Wer die Großveranstaltungen besonders in den Großstädten betrachtet, für den ist die Lage eindeutig, Sie müssten zumindest zugangsbeschränkt werden, damit ein Massengedränge nicht stattfinden kann,denn vor allem im beständigen engen Gedränge liegt ausschließlich das Risikopotential.
    Ob sich das dann noch rechnet, muss man den Standmietern überlassen, wobei es empfehlenswert wäre Standgebühren auszusetzen.
    Bei kleineren Weihnachtmärkten ist das Gedrängerisiko ohnehin deutlich geringer, vor allemaußerhalb der Boomzeiten.
    Wie immer geht es darum das es zwar einheitliche Zile, aber unterschiedliche Bedingungen gibt, die unterschiedliche Regelungen erfordern.
    Der Drang es immer und überall gleich zu regeln ist vor allem einem Grund geschuldet, die dann nötigen Aufsichtskosten durch mehr Personal zu vermeiden.
    In Krisenzeiten wird so deutlich, woran unsere Gesellschaft krankt, das sie aus Kostengründen alles über einen Kamm scheren möchte, auch weil das natürlich zentrale Macht begünstigt.
    Nicht zuletzt dieser entartete Trend der oberflächlichen Gleichmacherei ist zuletzt der tiefere Grund für die zunehmende Unruhe in der Gesellschaft.

  • #3
    DAVBUB

    Wenn ich mir den Wochenmarkt in unserem Ort ansehe (Stand an Stand, viel Nähe maskenloser Menschen, Kaffee in gemütlicher Runde an Stehtischen und Festzeltgarnituren…), verstehe ich nicht, wieso ein breiter gestellter Weihnachtsmakt nicht stattfinden soll. Als aktiver Teilnehmer an kleineren Weihnachtsmärkten kann ich dem Autor versichern, daß sehr viele der Händler maximal ein Taschengeld erwirtschaften. Bei mir ist es etwas mehr, allerdings nur, weil ich einen Teil der Produktion und anderer Dinge (Buchhaltung, Steuer, PVW) im alltäglichen Geschäft miterledige bzw. sehr viele Dinge nicht als Arbeitszeit sondern als Freizeitgestaltung für mich schönrechne. Für diesen Gewinn würde sich kein Arbeitsloser am Wochenende oder am Abend in eine von einem Umluftgerät oder Gasöfchen ( max. die Füße wärmend) beheizten Arbeitsplatz stellen.
    Viele betreiben Stände für Wärmestuben, Dritte-Welt-Hilfe oder andere caritative Zwecke ehrenamtlich; oft schießen Sie nicht nur ihre Zeit, sondern auch Geld in Form der Rohstoffe, Waren, selbstgefertigter -nicht selten kunsthandwerklich hochwertiger-Waren zu. Das reduzieren der Weihnachtsmärkte auf die Glühweinstuben mag ja in journalistischen Kreisen en vogue sein, geht aber -wie so häufig bei dieser Berufsgruppe- an der Realität vorbei.
    Natürlich gibt es auch die Gastronomen, die darauf bauen, auf dem Weihnachtsmarkt das wirtschaftliche Fundament des Jahres zu legen, aber das ist auch legitim; zudem bringen auch diese Menschen in die Innenstädte. Die bezahlen Parkgebühren, nutzen den ÖPNV, gehen vor oder nach dem Weihnachtsmarktbesuch in Geschäfte und Lokale,….
    Nun mag das Streben nach Gewinn der deutschen Journaille ja suspekt, unmoralisch oder grundsätzlich zuwider sein, aber sehr viele Menschen in D finden das ganz in Ordnung.
    Niemand wird den Autoren zu Besuch eines Weihnachtsmarktes zwingen, aber er sollte seinen Mitbürgern etwas mehr Eigenverantwortung und Fähigkeit zur Willensbildung zutrauen. Die Überschrift klingt doch arg nach Heiner Geißler.

  • #4
    el_emka

    Nicht nur die Tatsache, dass ein Weihnachtsmarkt als Außenveranstaltung tendenziell weniger gefährlich ist als vergleichbare Innenveranstaltungen ist es mittlerweile auch eine gesellschaftliche Frage, wie wir in Zukunft leben wollen.

    Im ausgebreiteten Idealszenario, dass wir kommendes Jahr einen Impfstoff in ausreichender Menge verfügbar haben gesteht uns der Autor zu, wieder über Weihnachtsmärkte nachdenken zu dürfen. Vielen Dank dafür. Aber eigentlich ist es relativ egal, ob es nächstes Jahr einen Impfstoff gibt, oder nicht. Die Schausteller müssen bereits den Ausfall der kompletten Sommersaison verkraften. Wenn die Weihnachtsmärkte mit wegfallen, wird sich die Frage 2021 ohnehin nicht mehr stellen. Zumindest nicht im bekannten Rahmen.

    Der selbe Autor beklagt regelmäßig den Zustand der Innenstädte, zu welchem er selbst zugibt durch konsequenten Einkauf im Netz aktiv beizutragen. Wie sieht denn die Idealvorstellung aus? Wir bleiben bis zur weitgehenden Verfügbarkeit eines Impfstoffs auf Dauer zu Hause und stellen das gesellschaftliche Leben komplett und das wirtschaftliche weitgehend ein? Der volkswirtschaftliche Schaden, und das schließt Gesundheitskosten ein, wird den eines halbwegs kontrollierten Pandemieverlaufs deutlich übersteigen.

    Dem zu erwartenden Argument, dass man Menschenleben keine wirtschaftlichen Erwägungen gegenüberstellen sollte, möchte ich entgegentreten, dass wir uns als Gesellschaft auch den Straßenverkehr leisten, deren Todesopfer weitgehend als unabwendbares Schicksal dahingestellt bleiben. Von indirekten Opfern durch Luftverschmutzung und Erderwärmung rede ich noch nicht einmal mehr.

    Was spricht gegen entzerrte Weihnachtsmärkte mit größeren Abständen? Mit Auflagen, dass es dieses Jahr den Glühwein nur ohne Schuss gibt? Mit Zugangsbeschränkungen auf größeren Plätzen? Die Klientel, für die das harte Besäufnis notwendig bleibt, wird sich nicht vom Fehlen der Buden abhalten lassen.

  • #5
    Robin Patzwaldt Beitragsautor

    @4: Oh, oh, da weiss ich ja echt nicht, wo ich anfangen soll. Also: Ich gehe fast täglich in die hiesige Innenstadt und kaufe dort die Dinge des täglichen Lebens ein. Auch in Zeiten von Corona jetzt wieder. Das ist doch auch nicht der Punkt. Notwendige Aktivitäten sind natürlich nicht völlig zu vermeiden. Aber es geht hier doch um Risikovermeidung im Allgemeinen. Urlaub in fernen Ländern, der Besuch von großen Sportveranstaltungen und eben auch irgendwelche Festivitäten lassen sich doch vergleichsweise leicht einschränken. Viele Leute erscheinen mir dazu jedoch erschreckend wenig Bereitschaft an den Tag zu legen. Immer wieder hört und liest man davon, dass das Corona-Leben doch so schrecklich sei, einem jedweder Spaß genommen würde. Das ist entlarvent, denn es geht aktuell eben einmal nicht in erster linie um ‚Spaß‘. Das scheinen viele aber noch immer nicht zu verstehen. Sich auf Weihnachtsmärkten oder im Karneval zu tummeln, ist völlig entbehrlich, wenn ich mit dem Fernbleiben auch nur einen Menschen vor einer ernsthaften Erkrankung bewahren kann. Finde ich zumindest.

  • #6
    Psychologe

    "Immer wieder hört und liest man davon, dass das Corona-Leben doch so schrecklich sei, einem jedweder Spaß genommen würde. Das ist entlarvent, denn es geht aktuell eben einmal nicht in erster linie um ‚Spaß‘. Das scheinen viele aber noch immer nicht zu verstehen. "

    Man hört so vieles "immer wieder". Hier muss man auch mal genau hinschauen: Was ist tatsächlich so, was ist Strohmann-Argument, was ist im Kern berechtigt, aber nur plump ausgedrückt?
    Sicher ist: Auch an dem "Spaß" hängen ganze Wirtschaftskreisläufe, gerade, wenn wir z.B. über Reisen sprechen. Da sind weltweit Millionen von ihrem Haupterwerb abgeschnitten.
    Für dieses Problem, aber auch für hiesige Szenarien, haben wir schlicht keinen Plan. Beamte freuten sich zeitweise über "Entschleunigung", was interessierte einen da schon, dass der Veranstaltungstechniker nun bis open end mit Kurzarbeitergeld 0 von 1700€ Netto auskommen muss?
    So langsam zeigt sich auch, dass "auf Sicht fahren" für ein Szenario dieser Größenordnung unangemessen war. Noch unwürdiger war der Gebrauch dieser infantilen Wortbilder. Im März hieß es zudem noch "kann man nicht mal für ein paar Monate auf dieses und jenes verzichten?". Jetzt sind ein paar Monate um, wir haben gesamtgesellschaftlich noch immer keine bessere Antwort, als weiter durchzuhalten. Dass niemand den Masterplan auf dem Tisch liegen hat, ist nachvollziehbar. Aber dann sollte man wenigstens so ehrlich sein und zugeben, dass wir sehr hoch pokern und einen gewichtigen Teil des Deals schlicht verschweigen. Als es mit "social distancing" und "wir bleiben Zuhause" los ging, haben sich die Medien stattdessen so richtig warm gelaufen um zu suggerieren, dass es jetzt einfach nur darum geht, dass es "doof" und "langweilig" ist, dass man jetzt nicht zur Party kann. Da konnte ich dann jeden Morgen im Auto auf dem Weg zur Arbeit im WDR-Radio Tipps hören, was man sich auf Netflix so anschauen kann. Dass diese Tonart nicht im Geringsten die Stimmung derer widerspiegelte, denen die nackte Existenz- und Zukunftsangst ins Gesicht geschrieben stand und auch weiterhin steht, wurde elegant ausgelassen. Somit: Das, was Sie als "leichte Risikovermeidung" bezeichnen, ist eben gesamtgesellschaftlich nicht so "leicht", darauf bezieht sich der Beitrag vor Ihnen. Es hängt ein Rattenschwanz von Folgeproblemen dran. Diejenigen, die heute wegen Corona in Privatinsolvenz gehen oder mit Mitte 50 keine neue Anstellung mehr finden, sind die "Problemrentner" oder "Coronarentner" der Zukunft (so wird man sie dann wohl titulieren). Da wird es auch um Verteilungsfragen gehen und diejenigen, denen man "mangelnde Solidarität" vorgeworfen hat, werden dann Fragen stellen. Und ich rede hier nicht von den Verschwörungsphantasten, die sich wegen des Mundschutzes beim Aldi in der Merkel-Diktatur wähnen. Das tun die so oder so. Die sind eh nicht mehr erreichbar und warten darauf, dass der Führer mit der Flugscheibe kommt.

  • #7
    DAVBUB

    Reden wir doch mal über den "Spaß":
    Der alleinerziehenden Mittdreißigerin, die ab und zu ihre Kinder für mehrere Tage bei ihrer (sic!) Mutter unterbringt, um auf Mittelaltermärkten von morgens bis abends Getränke zu verkaufen. Als Teilzeitkraft (der Kinder wegen) in einem Schulcateringbetrieb mit knapp über Mindestlohn machen der Lohn und das Trinkgeld den Unterschied. Zwischen einem Leben immer knapp am Rand, kurz vor dem Gang zum Amt, um Aufstockung, Hilfe zu beantragen und der Möglichkeit, den Kindern auch mal etwas außer der Reihe zu gönnen. Vielleicht sogar etwas zu sparen, sich sogar ganz zum Schluß einen kleinen Wunsch zu erfüllen.
    Ihres Arbeitgebers, der vor zwanzig Jahren als Geringverdiener ohne berufliche Perspektive den Sprung ins kalte Wasser gewagt hat, jahrelang mit seiner Schenke immer kurz vor der Insolvenz stand. Der dennoch versuchte, seine Leute gut zu bezahlen und nicht selten nach einer Veranstaltung nach Abzug der Löhne und sonstigen Kosten immerhin sagen konnte:" War ja trotz allem schön hier…"
    Und der seit einigen Jahren- in denen es in diesem Bereich boomte- endlich auch einmal Geld beiseitelegen konnte. dDer Spaß ist vorbei, es geht in großen Schritten Richtung Insolvenz.
    Von diesen Menschen gibt es zehntausende, mit gebrochenen Biographien, deshalb im prekären oder niedrig bezahlten Event-Spaß- Arbeitsmarkt unterwegs. Zudem die gut ausgebildeten Veranstaltungskaufleute, -techniker, -manager. Und auch die Kunden und Menschen, die in den diversen Lagern einen Aktivkurzurlaub mit der Familie für wenig Geld machen können. Denen macht der gutsituierte ÖD, die steuergeldfinanzierte Politik mit dem gebührenfinanzierten ÖRR als Sprachrohr das Leben unmöglich. Iss ja nur Spaß.
    Statt sich darauf einzurichten, das uns die Krankheit noch lange begleiten wird, kreativ nach Lösungen zu suchen, neue Wege aufzuzeigen, wird verboten, untersagt, stillgelegt. Die Suche oder der Aufbau einer "neuen Normalität" ist sicher risikobehaftet und kann auch Todesopfer fordern. Nur werden wir über kurz oder langen alle tot sein. Da könnte man ja vorher etwas Spaß haben…

  • #8
    DAVBUB

    Wo ich gerade so gut gelaunt bin:
    Das kommt dabei heraus, wenn man die Menschen in "systemrelevant" und "den Rest" einteilt.
    Der Rest kann dann irgendwann weg.

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