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Wider den Ampelgehorsam oder: selbst der Rotlichtdeutsche kann sich ändern

Sie kennen das alle. Sie stehen vor einer roten Ampel, keine Auto weit und breit, aber dafür andere Passanten neben ihnen oder auf der anderen Seite der Straße. Eigentlich wollen sie gehen. Ihr Verstand sagt ihnen ganz klar: wenn die Ampel nicht da wäre, würde hier jetzt jeder die Straße überqueren. Die Logik der Erfahrung geht noch weiter: Man müsste bekloppt sein, wen man es genau jetzt nicht täte, denn es besteht genau jetzt keine Gefahr, von einem Auto überfahren zu werden.

Aber die Leute um sie herum bleiben stoisch stehen.  Als wäre die Ampel eine Art Gott, der alles sieht, und der sie irgendwann für das Überschreiten bei Rot zur Rechenschafft ziehen könnte. Oder vielleicht, weil sie im Inneren der Ampel eine ganz hinterhältig versteckte weltliche Kamera vermuten, die sie in Flagranti fotografieren wird.  In ihren Köpfen scheint auf jeden Fall der folgende Satz fest verankert zu sein: Rot heißt stehen bleiben, egal was der Verstand sagt und die Gefahrenrealität anzeigt.

Früher nannte man das Kadavergehorsam. Nur, dass das hier und heute gegenüber einem toten Gegenstand passiert. Einem, der einem deswegen auch nichts tun kann. Außer  wenn sich die Polizei in unmittelbarer Nähe befindet.  Die Ampel alleine hat man dagegen nicht zu fürchten. Sie wird einem nichts tun. Sie kann einem nichts tun. Ihr ist es sogar scheißegal ob man sie beachtet oder nicht. Dem deutschen Staat allerdings nicht. Er hat nicht nur wahnsinnig viele Straßenschilder aufstellen lassen, sondern auch massenhaft Ampeln der verschiedensten Formen.

Sogar welche, an denen man sekundengenau angezeigt bekommt, wie lange man noch vor ihr stehen bleiben muss, egal ob eine Auto quert oder nicht. In meiner Lieblings-Ruhrstadt  Bochum sogar eine direkt vor dem Hauptbahnhof, die auch noch ebenso präzise anzeigt, wie wenig Zeit  einem danach selbst bis zu anderen Seite der Straße bleibt. Ein Mensch mit einer Gehbehinderung, sei es aus Alters- oder Krankheitsgründen, schafft das nicht, ohne dabei  in unmittelbare Lebensgefahr zu geraten.

Als ästhetischen Ausgleich hat ein Architekt diesen Übergang besonders breit  als sogenannten roten Teppich übermalen lassen und dafür wohlmöglich sogar einen Preis bekommen. Welch bittere Ironie auf den echten roten Teppich für VIPs , auf dem diese zu jeder Zeit und je nach Gutdünken verweilen können, um ausgiebig die Hände ihrer Fans zu schütteln oder minutenlang im Blitzlichtgewitter zu verharren.

Aber Ampeln sind wider alle Verkehrserziehungspropaganda sowieso nicht zum Schutz der Fußgänger sondern zur Beschleunigung des Autoverkehrs erfunden worden. Wie man unschwer daran erkennen kann, dass letzterem fast immer mehr Passierzeit als den sowieso schon viel langsameren Fußgängern zur Verfügung gestellt wird. Während diese auch schon mal gerne mitten auf der Kreuzung, bzw. zwischen den Fahrspuren zum Warten gezwungen werden, müssen das Autofahrer so gut wie nie tun. Zumindest nicht wegen der Ampelschaltung.

Aber das hat den deutschen Verkehrsstaat noch nie gekümmert. Stattdessen hat er die Strafen für die Missachtung des Rotzeichens auch für Fußgänger und Radfahrer empfindlich gesteigert, um deren letzten Verstandeszuckungen ein ultimatives  „Denke nicht, sondern gehorche!“ entgegen zu leuchten. Unterstützt wird er dabei von Eltern, die einem bei praktischer Zuwiderhandlung vorhalten,  zumindest als Vorbild  für die anwesenden Kinder auch dann stehen zu bleiben, wenn die offensichtlich  fehlende Gefahr  zur Befehlsverweigerung rät.

Als wenn Kinder doof wären. Als wenn man auch Kindern nicht sagt: gehe sofort und schnell über die Straße, wenn du kein Auto von rechts oder links kommen siehst. Die, die von ihnen das noch nicht begreifen können, lässt man als verantwortungsbewusste Eltern sowieso nicht alleine in den Straßenverkehr. Das blinde Gehorchen gegenüber der Ampel führt für alle anderen in Wahrheit  zu einer Steigerung der Gefahr, denn es hat unausweichlich  einen weiteren Mechanismus zu Folge, der genau auf dieser blinden Gehorsamslogik basiert: Wenn es grün ist, kann ich sofort die Straße überqueren.

Genau den muss man seinem Kind dann wieder abtrainieren. Du darfst nicht einfach bei Grün über die Straße gehen, denn es könnte sich ein Autofahrer nicht an die Regeln halten. Man predigt dem Kind also dass, was der Verstand gebietet: Der reale Verkehr ist letztlich entscheidend, und nicht die Farbe der Ampel. D.h. aber doch nichts anderes als: Wirklich verkehrstüchtig ist ein Mensch erst dann, wenn er die Ampel als Empfehlung und nicht als Befehl auffasst. Aber genau das darf nicht sein. Und jetzt wird es erst richtig kompliziert.

Während sie also ihrem Kind beibringen müssen, dass es bei Grün nicht einfach gehen darf, müssen sie ihm bei Rot klar machen, dass es auf jeden Fall stehen bleiben muss. Vom schwierigen gesetzlich korrekten Umgang mit der Farbe Gelb ganz zu schweigen. Es ist kein Wunder, dass Kinder sich an diese Regeln nur dann halten, wenn Jemand in der Nähe ist, der sie für die Missachtung bestrafen könnte. Sowas kann man einem Menschen nämlich nur über Strafe und nicht über den Verstand beibringen.

Darin liegt auch der tiefere Grund für die mittlerweile weltbekannte besondere Hörigkeit des Durchschnittsdeutschen gegenüber Verkehrsampeln. Es ist der internalisierte Strafmechanismus, vermittelt durch überbesorgte Eltern,  der viele von ihnen, selbst mitten in der Nacht, vor völlig menschen- und autoleeren Straßen, gefühlte minutenlang vor einer auf rot gestellten Ampel warten lässt, die sich derweilen kaputtlachen würde, wenn sie es denn könnte.

Der sie als Fußgänger oder Radfahrer andere Fußgänger und Radfahrer anpöbeln lässt, wenn sie sich nicht an die Ampelschaltung halten. Der sie im Auto zu Rechthabern macht, die die  Unterlegenheit von Fußgängern nicht berücksichtigen sondern sie von der Kreuzung drängen, wenn sie sie nicht schnell genug überqueren. Der sie sich die Hände reiben lässt, wenn ein Radfahrer oder Fußgänger von der Polizei beim überqueren der roten Ampel erwischt wird.  Aber, und die Welt merkt es mit Staunen,  auch die Deutschen ändern sich.

In Berlin gehorchen immer weniger Fußgänger oder Radfahrer einer Ampel. Auch in anderen deutschen Großstädten kann man dieses Phänomen zunehmend beobachten. Selbst in Bochum habe ich neben vielen anderen vor kurzen sogar eine resolute ältere Dame gesehen, die , nachdem sie sich der Gefahrlosigkeit und der Straflosigkeit durch einen gezielten Rundumblick vergewissert hatte, für ihr Alter geradezu leichtfüßig  den Südring überquerte. Ich mag mich vertun, aber mir schien, als war eine Art Siegerlächeln auf ihren Lippen.

Und bitte, sage jetzt keiner des Deutschen Lieblingssatz: Wenn das alle machen würden, haben wir das Chaos!

In New York City, d.h. in einer der verkehrsreichsten Städte dieser Welt, machen es nämlich alle und seit vielen Jahren. Auch wenn die Polizei daneben steht, denn die kümmert sich einfach nicht darum, obwohl es auch in dieser Stadt verboten ist. Nur der motorisierte Verkehr muss sich dort, bei  erheblicher Strafe im Falle der Nichtbeachtung, an die Ampelschaltung halten. Das Ergebnis ist frappierend: Von einer überdurchschnittlichen Unfallquote in dieser Stadt ist bis heute nichts bekannt.

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21 Kommentare zu “Wider den Ampelgehorsam oder: selbst der Rotlichtdeutsche kann sich ändern

  • #1
    Parlamentarische Protokollpartei

    Ein wichtiger, ja gewichtiger Blog!

    Wenn man bedenkt, dass ohne den deutschen Ampelgehorsam das dritte Reich und damit Holocaust und zweiter Weltkrieg verhindert worden wären!

    Mir ist es auch unerträglich, wenn sich Menschen einfach so an ein Gesetz (naja eine Verordnung) halten – wir sollten uns alle am besten nur noch an Gesetze und Verordnungen halten, wenn die Gefahr besteht, erwischt zu werden!

  • #2
    Arnold Voss Beitragsautor

    Klar, es musste genau so anfangen. Danke übrigens dafür. Aber wo genau haben sie was vom dritten Reich, Holocaust und Weltkriegen gelesen? 😉

  • #3
    Parlamentarische Protokollpartei

    Das kam automatisch mit dem Wort „Kadavergehorsam“.

  • #4
    Kai

    @#1 Und schon wieder überzeichnen und pöbeln und „wo kämen wir da hin!“ als Tenor?

    Ich mache es seit 2001 genauso mit den roten Ampeln. Da habe ich übrigens in New York gewohnt…

    Ergebnis: man ist deutlich weniger frustriert. Und wenn dann mal eine alte Omma meckert – dann freue ich mich! Und denke an meinen Nachbarn, der mich im Winter angeschnauzt hat, als ich vom Autodach eine handbreit Schnee auf den Gehweg gewischt habe, weil er sonst ins Auto gefallen wäre.

  • #5
    DH

    Schön ist vor allem das Ampelmännchen, dem man vom Handtaschenklau aufwärts beinah jedes Vergehen zutrauen mag. An so einer Ampel überhaupt ans Stehenbleiben zu denken, grenzt schon an Fahrlässigkeit.

  • #6
    TuxDerPinguin

    ganz davon abzusehen, dass es mWn keine Ampelpflicht gibt. Und es somit nichtmals eine Ordnungswidrigkeit wäre, die Straße zu überqueren, wenn man diese nur paar Meter neben der roten Ampel überquert.

  • #7
    Arnold Voss

    @ # 3 Parlamentarische Protokollpartei

    Verstehe. Aber der Begriff ist ein paar Jahrhunderte älter als sie meinen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kadavergehorsam

  • #8
    kalif

    Zitat v. Voss: „Als wenn Kinder doof wären. Als wenn man auch Kindern nicht sagt: gehe sofort und schnell über die Straße, wenn du kein Auto von rechts oder links kommen siehst. Die, die von ihnen das noch nicht begreifen können, lässt man als verantwortungsbewusste Eltern sowieso nicht alleine in den Straßenverkehr. Das blinde Gehorchen gegenüber der Ampel führt für alle anderen in Wahrheit zu einer Steigerung der Gefahr, denn es hat unausweichlich einen weiteren Mechanismus zu Folge, der genau auf dieser blinden Gehorsamslogik basiert: Wenn es grün ist, kann ich sofort die Straße überqueren.“

    Dann bin ich echt dankbar doof zu sein! Wurde in meinen 33 Jahren nie von einem Auto erwischt. Kenne genug Deppen, die erst wie sie dachten( aber das waren Kids und nicht unterb… wie sie), dann machten sie weiter mit , das schaffe ich noch. Naja, das Ergebnis hat bisher zum Glück nur zu Abschürfungen und Brüchen geführt!

    @6 Dann sollten sie es mal erfragen! Es gibt die STVO, nur so als tip! Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

  • #9
    Arnold Voss

    Kalif, unter Decknamen können sie behaupten was sie wollen. Wer will das schon nachprüfen. Ich bin übrigens auch noch nie an einer Ampel angefahren worden, obwohl ich mich nicht so verhalte wie sie. Und klar, jeder darf so doof sein wie wer will. In diesem Sinne noch viel Spaß bei der Einhaltung der STVO. 😉

  • #10
    Josef Kopp

    Der Deutsche und seine internalisierte Über-Ich-Funktion 😉 schön beschrieben.
    Homo Sapiens, kann man auch (etwas verfälscht) als „gleich denkender(?)“ übersetzen 😉 ergo=Massenwahnsinn.
    Wie wäre es mit dem Neologismus „Ampellemming“?
    😉
    Oder für die (selbst)gerechten: Das Prinzip (das Gesetz) hat immer recht!
    Dort wo vernünftige Menschen fragen: „Warum?“ sagt der Amplelemming:“ Jawoll! Bis wann?“
    schmunzelnd.
    JK

  • #11
    Eva

    Lieber Arnold, grundsätzlich hast Du ja recht, doch bevor der Ampelgehorsam in Deutschland abgeschafft werden kann, müssten erst mal die Autofahrer umerzogen werden. In Italien hält sich kaum ein Fußgänger an die Ampelregelung, doch die Autofahrer passen dort auch auf. Befindet sich ein Fußgänger auf der Fahrbahn, ist es selbstverständlich, dass Autos abbremsen und warten. In Deutschland würden viele Autofahrer in dieser Situation nicht im Traum daran denken, die Überquerung des Fußgängers ruhig abzuwarten. Stattdesen hupen sie wild herum und rasen mit Vollgas auf den Fußgänger zu, um diesen zu zwingen, zur Seite zu springen. Ich habe mal beobachtet, dass ein Autofahrer in dieser Weise sogar auf ein kleines Mädchen von ca. 5 Jahren zuraste. Menschenleben scheinen für diese Idioten nicht zu zählen. Solange die ihren narzisstischen Größenwahn im Straßenverkehr ausleben dürfen, sind Fußgänger wohl gut beraten, sich eben doch an die Ampelregelung zu halten.

  • #12
    abraxasrgb

    Könnte man die Stehenbleiber nicht als (H)Ampelmännchen bezeichnen?
    😉
    Hampelmännchen, Warentrennerbenutzer, Regelhörige 😉
    Arnold, You made my day! *ggg*

  • #13
    rtq

    @Kalif
    „@6 Dann sollten sie es mal erfragen! Es gibt die STVO, nur so als tip! Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“
    Von mir auch mal nur so ein Tip. Wenn man sich auf auf die StVO beruft, sollte man den entsprechenden § auch mal gelesen haben. Sie meinen vermutlich StVO §25(3). Dort steht: „Fußgänger haben Fahrbahnen unter Beachtung des Fahrzeugverkehrs zügig auf dem kürzesten Weg quer zur Fahrtrichtung zu überschreiten, und zwar, wenn die Verkehrslage es erfordert, nur an Kreuzungen oder Einmündungen, an Lichtzeichenanlagen innerhalb von Markierungen oder auf Fußgängerüberwegen (Zeichen 293). Wird die Fahrbahn an Kreuzungen oder Einmündungen überschritten, so sind dort angebrachte Fußgängerüberwege oder Markierungen an Lichtzeichenanlagen stets zu benutzen.“
    Entscheidend dürfte das „wenn die Verkehrslage es erfordert“ sein. Sollte mir irgendwann einmal ein Ordnungshüter ein Bußgeld verpassen wollen, weil ich die Straße neben einem Überweg überquert habe, freue ich mich schon auf die Diskussion über diesen §.

  • #14
    Sonja JEAN

    Also man kann mich doof nennen oder auch (H)Ampelmännchen, aber auch ich bringe meinen Kindern bei, dass man bei rot an der Ampel stehen bleibt und bei grün nochmal schaut, bevor man eine Strasse überquert. Mir liegt nämlich was an ihnen und daran, dass sie leben. Wie soll ein Kind einschätzen, ob Gefahr besteht oder nicht? Klar, mag das auf den ersten Blick möglich sein. Nur können Kinder nicht wirklich einschätzen (und auch manch Erwachsener nicht), ob eine Strasse gut einsehbar ist, wie schnell ein Auto herankommt etc. Und warum sollen für Fussgänger und Radfahrer andere Regeln gelten, als für Autofahrer??? Dürfen dann auch Autofahrer einfach so rote Ampeln unbeachtet lassen (weil grad kein Fussgänger oder Polizist in der Nähe ist)?
    Ich möchte noch kurz dazu sagen, dass ich sowohl Fussgängerin, als auch Radfahrerin und auch Autofahrerin bin.

    Mit freundlichen Grüssen aus Frankreich

  • #15
    Wolfram Obermanns

    Kinder sind nicht doof, aber entwicklungsphysiologisch bis zum Alter von etwa 12 Jahren nur sehr schlecht in der Lage z. B. ein fahrendes von einem stehenden Auto zu unterscheiden. (Kann man wissen, wenn man auch mal als Vater an den Fahrradtagen der Grundschulen teilnimmt.)
    Adaption und Antizipation sind deshalb D I E Herausforderung für jeden Jugendtrainer im Ballsport. (Das Wissen um diese kindliche Unreife gehört auch zur Jugendtrainerausbildung.)
    Und sollten die hier Versammelten mal aufmerksam den Autoverkehr beobachtet haben, sollte ihnen aufgefallen sein, daß mit diesen beiden kognitiven Fähigkeiten auch viele Erwachsene zu kämpfen haben (Stichwort: Autobahnauffahrt, Reißverschlußverfahren etc. pp.).

  • #16
    Arnold Voss

    @ Wolfram Obermanns @ Sonja Jean

    Das Problem was sie beide ansprechen lässt sich doch nicht durch Ampeln lösen. Weder können an jeder Kreuzung im Lande welche aufgestellt werden noch bieten sie eine totale Sicherheit dafür, dass keine Autofahrer bei Rot über die Ampel fährt.Von den kreuzungsfreien Straßenüberquerungen, die ja die Mehrheit der Überquerungen ausmachen, ganz zu schweigen.

    Der Autoverkehr ist als solcher eben immer ein Gefahr für Kinder, egal ob es Ampeln gibt oder nicht. Da hilft nur, dass Kinder von Erwachsenen begleitet werden. Ich habe selber eine Tochter und kann mich noch gut erinnern wie besorgt ich um sie war, wenn sie ausnahmsweise mal alleine durch durch den Straßenverkehr musste.

    Da man aber weder den Autoverkehr noch die menschliche Fahrlässigkeit abschaffen kann, hilft neben der Erwachsenenbegleitung nur viel und frühes Gefahrentraining. Dabei kann nur die Regel gelten, dass letztlich der reale Verkehr und nicht die Ampelfarbe zählt. Erst recht da wo es garkeine Ampel gibt.

    Das ist genau das was die Kinder z.B. in New York von und zusammen mit ihren Eltern sehr früh lernen: I m m e r achtsam zu sein, d.h. egal wie die Farbe der Ampel gerade steht. Die Straße wird dadurch genau dann überquert, wenn die Gefahr am geringsten ist, und das unabhängig davon, ob die Farbe Rot, das überqueren verbietet.Bei nich gut einsichtiger Straßenführung wartet man auch in New York das Fußgängergrün bzw, weiss ab.

    Die Frage die sich alle dabei immer stellen lautet: Was würde ich tun, wenn es keine Ampel gäbe? Die Ampel wird also nicht als Grundsicherheit bewertet sondern als zusätzliche Sicherheit. Sie sorgt dafür, dass selbst bei ununtebrochenem Autoverkehrsfluss die Überquerung der Straße möglich wird, weil die Autofahrer im Gegensatz zu den Fussgängern und Radfahrern von der Polizeit hart bestraft werden, wenn sie sich nicht an die Ampelregeln halten.

    Das dahinter stehende Prinzip ist praktisch sehr überzeugend: Für den Stärkeren und damit Gefährlichere Verkehrsteilnehmer ist Rot ein Verbot. Für die Schwächeren ist es ein zusätzliches Sicherheitsangebot. Das hat sich in der Realiät über Jahrzehnte so bewährt, dass die bisherigen Versuche, diese Regel zu ändern, sprich die Fussgänger und Radfahrer ebenfalls zu zwingen, sich genauso zu verhalten wie die Autofahrer, praktisch gescheitert sind.

    Es waren allerdings auch sehr sehr wenige, denn es gab insgesamt eben keine signifikante Erhöhung der Unfallzahlen an den beampelten Vekehrskreuzugen. Auch die Touristen gewöhnen sich sehr schnell an dies für New York typische Umgangsweise mit den Verkehrsampeln. Ja die meisten finden sie nach kürzester Zeit sogar als positiv.

  • #17
    Sonja JEAN

    Das mag durchaus sein (New York). Wobei ich sagen muss, dass meine Kinder (schon auf Grund des Alters 4 und 6 Jahre) nie alleine unterwegs sind.
    Und ich finde Autos nur bedingt gefährlicher als Radfahrer, da mein Sohn schon beim überqueren einer Strasse (er war einen Schritt schneller als ich) von einem RADFAHRER umgefahren und verletzt wurde, der wie eine wild gewordene Sau um die Ecke kam (er hat nicht das Stopzeichen beachtet und die Fahrbahn

  • #18
    Sonja JEAN

    …und hat die Fahrbahn geschnitten).

    Ich denke, dass die einzige Lösung ist, gegenseitig rücksichtsvoller und respektvoller miteinander um zu gehen. Das gilt für alle Verkehrsteilnehmer. Pure Missachtung von Regeln kann nicht die Lösung sein.

  • #19
    Helmut Junge

    Auch Erwachsene müssen gut aufpassen.
    Auf Malta letzte Woche sah ich, wie ein gehbehinderter alter Mann die Ampelaufforderung an einer breiten Straße drückte, sich halb auf die Straße beugte, wartete, um dann, noch bei „rot“ loszuhumpeln. Wir sind normal bei „grün“ gegangen, waren aber schneller auf der anderen Seite als eben dieser Mann. Kaum war der am Gehsteig, schaltete die Ampel schon auf „rot“. Da hab ich kapiert, dass dieser Mensch ohne seine Taktik keine Chance gehabt hätte, während einer Grünphase die Straße zu überqueren.
    Während wohl gewollt sehr kurzen Grünphase ertönte ein schneller werdender lauter Piepston, der signalisierte, daß die Zeit kürzer wird.
    Bei uns ist m.E. die Grünphase deutlich länger. Da kommt bestimmt in den nächsten Jahren noch was auf uns zu.
    Ich selbst bin vergangene Woche auf Malta (Linksverkehr) auf einem Zebrastreifen ohne Ampel fast von einem Müllwagen „erwischt“ worden, der von rechts kam. Letztlich meine Schuld, wenn es auch auf dem Zebrastreifen war.
    Hatte mich nicht so schnell an den Linksverkehr gewöhnt und in die falsche Richtung geguckt.
    Aber wenn ich sehe, dass die Straße frei ist, suche ich die Umgebung auf beobachtende Staatsgewalt ab. Wenn ich die sehe, gehe ich nicht „über die rote Ampel“. Echt nicht.

  • #20
    Arnold Voss

    Natürlich ist die gegenseitige Rücksichtname die einzig wirklich tragfähige Lösung. Raser und/oder Rechthaber, egal in/auf welchem Fahrzeug, sind die, die diese Lösung aber immer wieder torpedieren. Gegen die gilt es sich zu wehren, wobei die rücksichtslosen Raser auch mit entsprechend empfindlichen Strafen in Zaum zu halten sind, weil sie selten eine andere Sprache verstehen.

    Wer allerdings in Anbetracht der konkreten Verkehrslage als Fußgänger und/oder Radfahrer zu seinem eigenen Verkehrsvorteil bestimmte Regeln nicht befolgt und dabei, und das ist die entscheidende Zusatzbedingung, niemanden anderen gefährdet oder beeinträchtigt, sollte von Strafe unbehelligt bleiben.

    Rot z.B. ist eben nicht für alle das gleiche Rot. Bei einer grünen Welle für Autofahrer, die üblicherweise auf 50 km geschaltet ist, bedeutet dies für den Radfahrer nämlich nichts anderes als eine systematische Verkehrsbenachteiligung.
    Auch Grün ist nicht für alle das gleiche Grün, denn fast alle Ampeln haben für die Fußgänger eine kürzeres Grün als für die Autofahrer.

    Subversion wird so über kurz oder lang unausweichlich zu einem fester Verhaltenbestandtteil von Fussgängern und Radfahrern. Immer mehr von ihnen bekommen immer häufiger mit, dass sie systematisch den Kürzeren ziehen, obwohl sie doch die sind, die angeblich alle Fördern wollen. Irgendwann hat man von dieser Art der Veräppellung einfach die Nase voll.

  • #21
    Wolfram Obermanns

    Lösen läßt sich das Problem mit Ampelkadavergehorsam nicht, aber mindern. Außerdem klärt sich die Schuld- und Haftungsfrage, schließlich ist ein Auto oder Motorrad auf der Straße der bevorrechtigte Verkehrsteilnehmer.

    Aufmerksamkeit im Straßenverkehr mit Kindern auch an Ampeln zu üben, ist mit Sicherheit kein Fehler (s. übermotivierte Rechtsabieger). Die Vermittlung einer tendenziell eher defensiven bzw. sogar degressiven denn progressiven Strategie gehört m. E. auch dazu.

    „Geschickte“ Ampelschaltungen, die einen überflüssiger Weise stundenlang auf einsamer Straße stehen lassen, bis endlich ein Auto kommt, wirken von ganz allein einer allzu treudoofen Verabsolutierung des Rotlichtgebots entgegen. Ob ich so eine Nummer allerdings ausgerechnet am Hbf Bo vorturnen würde, sei nochmal dahin gestellt.

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