
Die Telekom hat ein neues Rechenzentrum in München eröffnet. Das ist eine gute Nachricht für den Digitalstandort Deutschland, aber kein Grund für Euphorie.
10.000 Nvidia-GPUs, nach Eigenangaben eine der größten KI-Fabriken Europas, eine Riesen-Rechenzentrum, eine Stärkung der digitalen Souveränität und eine Steigerung der KI-Rechenkapazität in Deutschland um rund 50 Prozent, ein Produktionsbooster für den KI-Standort Deutschland: Das frisch eröffnete KI-Rechenzentrum der Telekom in München sorgt für Schlagzeilen.
Und ja, es ist eine gute Nachricht, dass die Telekom in der bayerischen Landeshauptstadt Milliarden in die IT-Infrastruktur Deutschlands investiert hat. Doch das kann nur ein erster Schritt sein. International operieren oder planen andere Player mit deutlich größeren Dimensionen: Microsoft baut an Clustern mit hunderttausenden GPUs, Amazon will mit dem Projekt „Rainier“ Millionen GPUs verbauen, Meta plant einen KI-Campus mit bis zu fünf Gigawatt Kapazität und die Stargate-Initiativen von OpenAI sollen allein in der ersten Phase rund 100.000 GPUs nutzen. Das relativiert die „Riesen“-Rhetorik deutlich.
Europa hat im Bereich der Rechenzentren einen massiven Nachholbedarf. Auch wenn gerade zahlreiche neue Rechenzentren gebaut und geplant werden, wird der Abstand zu den USA eher größer. Nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom verfügten die USA 2024 bereits über zehnmal so viele Rechenzentrumskapazitäten, wie sie in Deutschland bis 2030 geplant sind. Jedes Jahr werden zudem in den USA mehr als viermal so viele Kapazitäten hinzugebaut, wie in Deutschland überhaupt installiert sind.
Dass hierzulande eine mit öffentlichen Geldern geförderte NGO wie AlgorithmWatch Anleitungen zur Verhinderung von Rechenzentren veröffentlicht, ist sicherlich kein Standortvorteil.
