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Wie sich Zeche Zollverein wandelte

Zeche Zollverein FotoLizenz © Jochen Tack/Stiftung Zollverein


Zum Ende  seiner zehnjährigen Zeit an der Spitze der Stiftung Zollverein hat  Hermann Marth ein Buch über das Essener Weltkulturerbe herausgegeben. Es zeichnet die Geschichte Zollvereins nach und gibt einen Ausblick auf die Zukunft.

Als Hermann Marth 2008 in die Leitung der Stiftung Zollverein einstieg, lief vieles falsch auf  Zollverein. Die ehemalige Zeche in Essen-Katernberg war zwar Weltkulturerbe geworden und hatte sich als Kultur- und Veranstaltungsort etabliert, die erhofften wirtschaftlichen Perspektiven für den Essener Norden waren allerdings zum größten Teil ausgeblieben. Marth, der zuvor viele Jahre die Immobilientochter der RAG  geführt hatte, sollte dieses Manko beheben. Nach zehn Jahren scheidet Marth nun aus dem Amt. In seiner  Amtszeit gelang es ihm, nach und nach Unternehmen und Institutionen auf Zollverein anzusiedeln: Neben der RAGMontan Immobilien und der Folkwang-Universität finden sich heute ein Pflegedienst, ein Produktentwicklungsbüro, Handwerker, Dienstleister und Agenturen auf dem Gelände. Eine von der Stiftung und dem NRW-Bauministerium in Auftrag gegebene Prognos-Studie bescheinigt Zollverein eine Wertschöpfung von 120 Millionen Euro pro Jahr. Marth glaubt daran, dass sich diese Zahl in den kommenden zehn Jahren verdoppeln lässt.

Das von ihm herausgegeben Buch zeigt  Zollverein als  Vorzeigebeispiel für die Bewältigung des Strukturwandels. Im Buch werden die Wurzeln dieser Entwicklung dokumentiert. Diese „Metamorphose“, die Rem Koolhaas etwas weniger pathetisch als „Erhalt durch Umnutzung“ bezeichnet hatte, ist das eigentliche Wunder von Zollverein. Das Motto, dem Rem Koolhaas (OMA) mit seinem Masterplan einen architektonischen Rahmen gegeben hat, ist bis heute erfolgreich umgesetzt worden. In den vergangenen 30 Jahren wurde das Areal zugleich zu einer touristischen Attraktion, zu einem Wirtschaftsstandort und auch zu einem Bildungscampus.

Marths Nachfolger, Hans-Peter Noll, will dessen Weg weiter gehen. Neben neuen Ansiedlungen, welche die nach wie vor dringend benötigten Jobs bringen sollen, will er Zollverein als einen internationalen Standort für Debatte und Konferenzen etablieren. Ein erster wichtiger  Schritt in diese Richtung ist für ihn die Ansiedlung des Büros der Ruhrkonferenz auf Zollverein. Noll,  der wie Marth zuvor die RAG Montan Immobilien leitete,  ist einer der profundesten Kenner des Ruhrgebiets und  wird die Stiftung-Zollverein gemeinsam mit Heinrich Theodor Grütter führen, dem Leiter des Ruhr Museums. Die  Doppelspitze hat auf Zollverein Tradition: Marth leitete die Stiftung gemeinsam mit Jolanta Nölle. Konfliktfrei war dieses Modell nie, aber die  Spannungen eines solchen Konzepts können ja auch produktiv sein.

Hermann Marth
„Zollverein. Welterbe und Zukunftswerkstatt.“
Jovis Verlag, Berlin 2018
224 Seiten 39,95 Euro

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5 Kommentare zu “Wie sich Zeche Zollverein wandelte

  • #1
    ke

    Ich bin ein Fan der "Industriekultur" und liebe die Veranstaltungsorte und die Erinnerung an unsere Geschichte.
    "Zollverein als Vorzeigebeispiel für die Bewältigung des Strukturwandels"?
    Dafür ist Effekt im Vergleich zum eingesetzten Geld doch zu gering.

  • #2
    DEWFan

    #1: Leuchttürme stehen oft auf Inseln – dazu passt auch dieser Bericht aus der WAZ:
    https://www.waz.de/staedte/essen/noete-im-schatten-von-schacht-xii-auf-zollverein-id212659813.html.

    In Gelsenkirchen mit der ZOOM Erlebniswelt scheint es ähnlich auszusehen. Die Leute fahren gezielt zu den Attraktionen, aber das Umfeld profitiert nicht direkt davon.

  • #3
    Arnold Voss

    Wie soll das Umfeld profitieren, wenn es mit der Attraktivität des „Leuchtturms“ nicht im geringsten mithalten kann?

  • #4
    Walter Stach

    Arnold,
    Attraktive Leuchttürme hier und ein unattraktives Umfeld dort mit der Folge, daß……
    Solche Zustände gibt es in jeder Ruhrgebietskommune.

    Mir ist nicht bekannt, daß es städteübergreifend zu diesem Problem grundsätzliche Ideen zu seiner Lösung gibt, Konzepte, Handreichungen seitens…z.B. des RVR oder….
    Mir ist auch nicht bekannt, daß einzelne Kommunen fachbereichsübergreifend dazu ganz konkret für sich das verbindliche Ziel gesetzt haben könnten: " Ein attraktives Umfeld X zum attraktivenLeuchtturm X" einhergehend mit der Festlegung organisatorischer, prozessualen, finanziellen "Rahmenbedingungen" -verbindlich für Rat und Verwaltung.

    Arnold,
    oder bin ich -verständlciherweise"-dieserhalb nicht mehr auf "dem neusten Stand der Dinge" in den Kommunen, speziell in den Kommunen des Reviers, speziell in Essen?
    Aus dem Beitrag von Stefan Laurin entnehme ich, daß "man" sich zwar weiterhin darum bemüht, die Attraktivität des Leuchtturmes "Zollverein" zu nutzen, um "auf Zollverein" noch mehr als bisher zu bewirken in Sachen "Wirtschaftsstandort, Bildungscentrum " u.ä. mehr, aber außen vor – so scheint es mir jedenfalls- bleibt das umliegende Quartier -oder?

    Nach meiner Wahrnehmung über die Situation in großen ,mittleren und kleinen Städten des Reviers reicht die Strahlkraft eines jeden der Leuchttürme, mag sie noch so beeindruckend sein, alleine -von sich aus- nicht aus, auch seinUmfeld "aufzuhellen", es attraktiv zu machen für……….

  • #5
    DEWFan

    Die Zeche Zollverein hat früher sicherlich auch viel Dreck in die Luft gepustet , genau wie das Stahlwerk in Dortmund-Hörde. So gesehen ist der Grundstein für die Aufwertung der Umgebung schon gelegt, allein dadurch dass diese Belastungungen der Umwelt entfallen.

    Zumindest in Hörde kann man die Aufwertung des Stadtteils schon deutlich erkennen. Mein Eindruck ist auch, dass in Essen das Süd Nord Gefälle (Stichwort Armutsäquator A40) schon deutlich ausgeprägter ist als in Dortmund. Selbst DO-Huckarde wirkt heute "wertiger" als früher, obwohl die alte Kokerei sich im Vergleich zu Zollverein viel bescheidener ausnimmt. In Dortmund haben wir halt das Glück, so idyllische kleine Städchen wie Waltrop, Lünen und Kamen an unserer Nordgrenze zu haben und nicht die Brennpunkte des nördlichen Ruhrgebiets. Und in Essen zählt wohl nur Rüttenscheid und Baldeneysee als lebenswert. Sagen jedenfalls die Einheimischen. Ich kann das nicht beurteilen,dafür kenne ich Essen zu wenig im Detail.

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