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„Wir wollen die grünste Industrieregion der Welt werden!“


Der SPD -Spitzenkandidat zur Wahl des Ruhrparlaments, Frank Dudda, der Oberbürgermeister von Herne, wirbt mit dem Spruch: „Wir wollen die grünste Industrieregion der Welt werden!“. Das Ziel ist nicht ganz einfach zu erreichen, denn dafür müsste das Ruhrgebiet noch eine Industrieregion sein. Ist es aber nicht mehr – was man nicht nur den hohen Arbeitslosenzahlen und den relativ niedrigen Einkommen ablesen kann: In keiner Region in NRW gibt es so wenig Industrie wie im Ruhrgebiet. Zahlen gefällig? Aber gerne doch:

Anteil des verarbeitenden Gewerbes:
Deutschland 23,4 Prozent
Ruhrgebiet 16,6 Prozent
NRW: 24 Prozent

Und wie sieht es mit der Industrie in den Kammerbezirken aus?:
Münster 20,4 %
Bielefeld 29%
Detmold 29,6
Bochum 15%
Herne: 11 %
Dortmund 17,7 %
Essen 11,9 %
Südwestfalen: 43,3 %
Wuppertal/Solingen, Remscheid: 31 Prozent %
Arnsberg 39,8 %
Siegen 47,3 %

Viel Industrie gibt es nicht mehr im Ruhrgebiet – und wer die Krise von ThyssenKrupp im Auge hat ahnt, dass es in den kommenden Jahren noch schlimmer wird. Wir wollen die grünste Industrieregion der Welt werden!“ klingt natürlich irgendwie nach etwas, was Sozialdemokraten für modern halten. Mit der Wirklichkeit hat es wenig zu tun. Und es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass die aktuellen Probleme der SPD auch damit zu tun haben, dass wenn ihre Kandidaten von Industrie reden sie eigentlich nur noch zeigen, dass sie von dem Thema keine Ahnung haben.

 

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10 Kommentare zu “„Wir wollen die grünste Industrieregion der Welt werden!“

  • #1
    Robin Patzwaldt

    Für mich stellt sich bei so einer auffälligen Phrasendrescherei, wie sie die SPD-Fraktion im RVR da oben in ihrer Meldung betreibt, ja immer gleich die Frage, warum man dann überhaupt erst den Niedergang der vergangenen Jahrzehnte zugelassen hat, wenn das doch so einfach ist?

    Es ist ja nicht so, dass gerade auch die SPD in den vergangenen Jahren nicht schon genügend Chancen auf eine bessere Zukunft dieser Region kläglich ausgelassen hätte. Halten die die Leute wirklich für so blöde, dass sie das alles vergessen haben könnten? 😉

  • #2
    Angelika

    Man weiß es zwar, aber irgendwie tun die Zahlen trotzdem weh …

    "Essen 11,9 %…Arnsberg 39,8 %" etc.

  • #3
    EinLipper

    Gerade die letzte SPD-geführte Landesregierung hat ja – aus welchen Gründen auch immer – dem grünen Koalitionspartner freie Hand gelassen, die Deindustrialisierung in NRW voranzutreiben. Zum Glück war Schluss bevor auch noch die anderen Landesteile drankamen. Inzwischen ist es nur noch peinlich, mit welcher Inbrunst die SPD sich in die grüne Brust wirft. Die Umfragen sind ja auch dementsprechend. Das Original ist eben allemal attraktiver.

  • #4
    Philipp

    "Wir wollen die grünste Industrieregion der Welt werden"

    Wer hat’s gesagt?

    Genau. Martina Schmück-Glock, Vorsitzende der SPD-Fraktion im RVR.

    Und wann hat sie’s gesagt?

    Im Juli 2018. https://www.nrz.de/region/wie-soll-sich-das-ruhrgebiet-entwickeln-id214783203.html

    In der Zwischenzeit ist der Regionalplan gescheitert, die Fläche New Park i. Bereich Datteln/Waltrop gibt es immer noch nicht und Tesla baut seine Fabrik in Berlin.

    David Schraven hat im Jahr 2009! über den New Park hier auf den Ruhrbaronen geschrieben : "Das Ziel ist es, Fabriken in der Größe von Opel anzusiedeln. Irgendwann sollen 9000 Menschen hier arbeiten." Das ist ziemlich genau die Zahl derjenigen, die mal bei Tesla in Berlin arbeiten werden. Plus Design Zentrum in Schönberg.

    Und im Ruhrgebiet? Wird der Struktur"wandel" der in Wahrheit in Strukturniedergang ist, einfach weitergehen. Hier ändert sich nichts.

    Gar nichts.

  • #5
    Hermann B

    Laßt den Menschen ihre Utopien und Zukunftswünsche! Muss man hier im Blog alles platt reden und negativ kommentieren was das Revier betrifft? Die Münsteraner sind stets positiv gestimmt ,was ihre kleine akademische Stadt betrifft, vorallem in den Berichten des münsterschen Zentralorgans . Die Autoren hier im Blog könnten , vermute ich mal ,die dortigen Mieten nicht bezahlen , geschweige denn eine Wohnung finden. Ich weiß wovon ich schreibe, habe 30 Jahre dort gelebt! Münster Industriestandort?
    Bißchen mehr Zuversicht würde der Region hier gut tun!

  • #6
    Robin Patzwaldt

    @Philipp: Im Newpark in Datteln sollten ursprünglich sogar einmal ca. 23.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Doch ausser Spesen ist bisher (fast) nichts gewesen und die Zielvorgabe ist auch schon mächtig eingedampft worden. Läuft also! 😉

  • #7
    Philipp

    @Robin hört sich gut an. 😉

    @Herrmann Der Etikettenschwindel ist das Problem. In den nächsten Jahren:

    Bottrop: Benteler (Stahl) schließt Werk, in absehbarer schließt die Kokerei von Arcelor Mittal
    Bochum: Thyssen Krupp schließt das Stahlwerk an der Castroper Straße. Aral (Industrieverwaltung) baut Stellen ab.
    Dortmund: Caterpillar schließt Werk.
    Dinslaken: Benteler entlässt 100 Leute.
    Duisburg: ThyssenKrupp schließt Grobblechwerk.
    Essen: Industrieverwaltung (Steag+Thyssen Krupp) schrumpft massiv
    Gelsenkirchen: BP (Horst+Scholven) ist der größte industrielle Arbeitgeber. Produziert hauptsäclich Kraftstoffe. Wer braucht Diesel+Ottokraftstoffe im E-Auto Zeitalter? Richtig.
    Hagen: RHI Magnesita (Stahl) schließt. Thyssen Krupp baut im Automobilzuliefergeschäft ab.
    Lünen: Caterpillar schließt Werk.
    Mülheim: Siemens (Gasturbinen) baut hunderte Stellen ab. Perspektive langfristig unklar.
    Oberhausen: VW will MAN Werk verkaufen: Perspektive langfristig unklar.
    Schwerte: Insolvenzen von Hoesch Schwerter Profile und Hundhausen.

    Diese Liste lässt sich fortsetzen. Was im Ruhrgebiet boomt sind Logistik und Gesundheitswirtschaft. Daran lässt sich anknüpfen. Das sind aber genau zwei Sektoren, die keine Industrie sind. Und wo es auch nicht besonders viel Forschung+Wertschopfung gibt.

    Im Gegenteil verlässt sogar grüne Industrie das Ruhrgebiet. Die alteingesessener Bergbaufirma Eickhoff hat ihr Windkraftschaft nicht in Bochum – sondern in Dresden.

    Es ist wie mit den Kreativquartieren – einige sind gut, aber mit Kreativ"wirtschaft" EC(Creative Economy) hat das im Grunde nichts zu tun.

    Und das Frank Dudda einen alten Spruch von Schmück-Glock nimmt und man so tut er sei ihm beim Blick aus dem Herner Rathaus eingefallen, passt ins Gesamtbild.

    Mit Realität und Wahrheit hat das alles nicht viel zu tun,

  • #8
    ratlos

    2008 dachte ich, Lehman Brothers und Assetklassen, die anderswo als verbotenes Glücksspiel gewertet wurden, waren schuld. Seit gestern weiß ich, der Vulgärkeynesianismus von Thyssenkrupp sei verantwortlich, das kein neuer Stahl für die Modernisierung unserer Infrastruktur gebraucht werde. Habe ich zumindest so gelesen und gehört. Aber vielleicht waren das nur Pressemeldungen von irgendwelchen Verschwörungstheoretikern. Wer weiß das heutzutage schon.

  • #9
    Philipp

    Ich weiß, dass hier keiner mehr weiter liest aber. Aber.

    MAN wird in Oberhausen 1/3 der 1800 Stellen abbauen. Und ist dabei schon der größte industrielle Arbeitgeber dieser Stadt mit 210.000 Einwohnern.

    Zum Vergleich: Ingolstadt hat 135.000 Einwohner. Und 45.000! Arbeitsplätze bei Audi. Vor Ort.

    Es braucht dringend eine neue Kampagne fürs Ruhrgebiet wie "Jupp, komm nach Bayern". Keine Hilfen und Subventionen für das Ruhrgebiet als Region, sondern Unterstützung für Menschen im Ruhrgebiet ihr Leben anderswo neu zu beginnen. Eine neue Geschichte zu erzählen. Ich hatte es hier im Blog mal geschrieben: warum nicht neue neue Stadtteile gründen, wie Hamburg-Sterkrade? MAN produziert in Oberhausen-Sterkrade.

    Noch.

  • #10
    Philipp

    Noch mehr Entlassungen in der Industrie: Die Friedrich-Wilhelms Hütte in Mülheim entlässt 235 Mitarbeiter.

    https://www.waz.de/staedte/muelheim/muelheims-friedrich-wilhelms-huette-schliesst-eisengiesserei-id230477040.html

    Ich halte es für realistisch, dass sich der Industrieanteil im Ruhrgebiet in den nächsten Jahren/zwei Jahrzehnten bei 12-13 % einpendelt.

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