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#WM2018: Ist Philipp Lahm ein Feigling?

Philipp Lahm in Brasilien. Quelle: Wikipedia, Foto: Agência Brasil, Lizenz: CC BY 3.0 br

Philipp Lahm galt bisher eigentlich überwiegend als ein ganz ‚braver‘ Vertreter seiner Zunft. Der ehemalige Profikicker, der der DFB-Elf im Jahre 2014 in Brasilien selber noch zu Weltmeisterehren verhalf, wirkt stets höflich und zurückhaltend, vielleicht sogar etwas schüchtern. Zuletzt konnte man dies in seiner Rolle als ARD-WM-Experte in den Interviews gemeinsam mit Jessy Wellmer auf der Couch am Tegernsee erneut beobachten.

Die beiden saßen dort wiederholt recht entspannt auf dem Sofa und besprachen ausführlich das aktuelle WM-Geschehen. In Erinnerung geblieben ist mir davon jedoch bisher eigentlich nichts, außer der Tatsache, dass das ‚Geturtel‘ der beiden im Umfeld der Live-Spiele teilweise etwas nervig und häufig schlicht nichtssagend war. Wirklich deutlich kritische und fundierte Worte gegenüber der ‚Mannschaft‘ oder dem Trainerstab, geschweige denn gegenüber der Verbandsführung sind mir daraus jedenfalls nicht konkret in Erinnerung.

Jetzt, wo ohnehin seit Tagen eine Woge der Empörung über die abgelieferten Leistungen der DFB-Elf durch das Land wabert, da fühlt sich jedoch auch Philipp Lahm urplötzlich berufen in den Chor der immer zahlreicher werdenden Kritiker mit einzustimmen. Und das nicht zu knapp.

„Ich bin überzeugt davon, dass Jogi Löw seinen kollegialen Führungsstil der letzten Jahre ändern muss, wenn er mit der neuen Generation von Nationalspielern wieder Erfolg haben möchte“, schrieb Lahm bei „LinkedIn“.Um dann noch weiter gegen seinen ehemaligen Chef abzuledern. Löw müsse den Individualisten des Teams klar machen, dass sie „Verantwortung für die gesamte Mannschaft tragen“. Dies sei kein Zeichen der Schwäche, sondern der Weiterentwicklung. „Er muss eine Kultur strafferer, klarerer Entscheidungen etablieren.“

Da fragt man sich als Beobachter doch zwangsläufig, warum der Chor der Löw-Kritiker vor dem Turnier eigentlich so vergleichsweise klein war, wenn dessen Verfehlungen im Job scheinbar doch eklatant und deutlich zu erkennen sind? Denn so eine Struktur im Team verändert sich ja nicht während weniger Tage in Russland. Das ist ein längerer Prozess. Hatte Lahm das zuvor selber noch nicht erkannt, oder war er schlicht zu ‚feige‘ diese erkannten Tendenzen als ARD-Experte deutlich so zu benennen?

Nun habe ich bestimmt nicht all seine Statements während der ersten Wochen des Turniers in voller Länge verfolgt, doch wäre es mir garantiert aufgefallen, wenn Lahm hier bereits einer der wenigen Kritiker gewesen wäre, bevor die DFB-Elf das Turnier dann als Gruppenletzter nach der Vorrunde beenden musste.

Auch in Sachen der Erdogan-Affäre bekennt Lahm erst jetzt, wo es eigentlich zu spät ist um daran etwas positiv zu beeinflussen, so richtig klar Farbe, wie es scheint. Hier habe nämlich Lahms Meinung nach ebenso eine „klare Ansprache“ seitens des DFB gefehlt.

Ganz konkret moniert der Ex-Nationalspieler in diesem Zusammenhang weiter: „Das Trainerteam hat sich darauf verlassen, dass die praktizierte Führungskultur der vergangenen, erfolgreichen Jahre ausreicht, um einmal mehr erfolgreich zu sein.“

Überaus erstaunlich, wie rasant die Anzahl der DFB-Kritiker quer durch die Republik in diesen Tagen in die Höhe schnellt, wenn man bedenkt, wie groß die Zustimmung zum Führungsteam des Verbandes noch vor dem Turnierstart war. Kritik an Führungsstil und Personalentscheidungen war jedoch auch damals schon möglich.

Einige Beobachter werten die jüngsten Aussagen Lahms in diesen Stunden als gezielte Profilierung, die ihn für einen zukünftigen Job als Manager oder Führungskraft im Fußball in Szene setzen soll. Auf den bereits am Boden liegenden Bundestrainer jetzt mit einzuschlagen (wenn es gerade populär und es eh fast jeder tut), das ist aus meiner Sicht jedoch wahrlich kein Ruhmesblatt, kommt für mich gerade eher als etwas feige oder/und populistisch rüber, ehrlich gesagt.

 

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