Wofür sterben unsere Soldaten – und wofür töten sie?

Foto: Flickr.com/Canada en Afghanistan

Die Debatte über den Bombenangriff auf zwei Tanklastzüge im afghanischen Kunduz rollt noch – Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagt jetzt, die überwiegende Anzahl der getöteten Menschen seien Taliban gewesen und es hätte nur einige, wenige Unschuldige getroffen – da meldet die New York Times unter Berufung auf mehrere Quellen, dass Unterstützer des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai bei den Präsidentenwahlen vor ein paar Wochen hunderte Wahllokale erfunden hätten, die es nur auf dem Papier gegeben habe. Aus diesen Fake-Wahllokalen seien dann tausende Stimmen für Karsai nach Kabul gemeldet worden. Diese Stimmen hätten den Sieg Karsais bei den Wahlen garantiert.

Toll. Wir stehen also in Afghanistan auf der Seite eines Mannes, der Drogendealer und Korruption beschützt und bei Wahlen bescheisst. Super.

Dafür kämpfen unsere Soldaten also. Was sagen die eigentlich dazu? Ich würde mich freuen, wenn ich Kommentare von Soldaten lesen könnte.

Gerne auch an meine private Email david.schraven (at) ruhrbarone.de

Hier debattieren wir bei den Ruhrbaronen gerade über den Sinn des Krieges: klack

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9 Kommentare

  1. #1 | Julia sagt am 7. September 2009 um 19:13 Uhr

    Wir haben in Afghanistan rein gar nichts verloren. Irgendsolche Phrasen von wegen Verteidigung der Freheit am Hindukusch etc. klingen nach dem allseits übel aufstoßenden US-Patriotismus. Das ist die eine Seite. Aber wenn man sich in solchen Regionen, militärisch engagiert, muss man wissen, akzeptieren und auch deutlich sagen, dass Opfer unter der Zivilbevölkerung möglich sind. Das ist bedauerlich und ja auch nicht vorgesehen, passiert aber trotzdem.

    Aber Verurteilungen und Meinungen zu machen, ohne das Untersuchungsergebnis zu kennen und abzuwarten, ist schon eine Frechheit.

  2. #2 | Elmar sagt am 7. September 2009 um 22:50 Uhr

    Was mich bei diesem peinlichen Beschuss gerade so umtreibt: Ist die Öffentlichkeit tatsächlich der Meinung, der arme Taliban habe kein Geld für zwei Laster Öl und müsse diese stehlen? Und für seine Waffen geht er betteln?
    Und der Mann da oben auf dem Foto klebt wahrscheinlich gerade eine Dampfsperre…
    Mehr Märchen aus TausendundeinerNacht bitte,
    Elmar

  3. #3 | Michael Kolb sagt am 7. September 2009 um 23:32 Uhr

    Ich liebe es, wenn fup’s nicht befolgt werden, das war schon im usenet so… egal. Es geht wohl kaum darum, daß Taliban „Treibstoff“ haben stehlen müssen, sondern darum, was sie mit diesem gestohlenen Treibstoff haben anstellen wollen. Was hat das mit 1000 und einem Märchen zu tun? Unter uns Pastorentöchtern: Ich möchte kein Kommandeur einer Einheit sein (und sei es nur Gruppenführer), der sich zwei ziemlich riesigen, potentiellen, Molotow-Cocktails gegenübersieht… egal wann, egal wo. Wenn die Einschätzung der Lage es nicht erlaubt, infanteristisch gegen die Bedrohung vorzugehen, dann ist die Anforderung von Luftunterstützung nicht peinlich, sondern zwingend erforderlich.

  4. #4 | Elmar sagt am 8. September 2009 um 00:00 Uhr

    @Michael Kolb:
    Magst Du mir die fups erklären?
    Dann zu Deiner Argumentation: Ich wollte eher darauf hinweisen, dass ich nicht glaube, dass Taliban die Laster gekapert haben, sondern andere, vielleicht zivile Personen, die mit dem Treibstoff anderes vorhaben, beispielsweise ihre Autos volltanken, Häuser heizen etc. Warum sollte sich sonst so eine große Anzahl Personen, die leider beim Luftangriff getötet wurden, um die Laster versammeln? Daher halte ich die Aussage, dass bei diesem Angriff nur Taliban getötet wurden, eher für ein Märchen aus TausendundeinerNacht.
    Dass die Taliban in Afghanistan keinen Zugang zu Diesel, Benzin, Super usw. haben, glaube ich jedenfalls nicht.
    Genug erklärt.
    Fups,
    Elmar

  5. #5 | Arnold Voß sagt am 8. September 2009 um 03:56 Uhr

    Soldaten sterben nicht. Zumindest nicht eines natürlichen Todes. Sie werden getötet. Weil sie das aber (aus verständlichen Gründen) nicht wollen, töten sie selbst. Und zwar die, von denen sie meinen, dass sie s i e töten wollen.Sie töten also, um nicht getötet zu werden. Deswegen sind sie auch keine Mörder.Sie werden viel mehr in eine Situation hineingestellt bzw. befohlen die sie zum töten zwingt.

    Die Frage muss also nicht lauten: wofür sterben sie sondern wozu werden sie in eine Situation gebracht in der sie absichtlich töten müssen. Der einzige Sinn des absichtlichen Tötens jenseits des Mordes kann meiner Ansicht nur darin liegen Leben direkt oder indirekt zu schützen bzw. zu retten.

    Konkret heißt das in diesem Fall:

    1.Wessen Leben können deutsche Soldaten also direkt oder indirekt bei ihrem Einsatz in Afghanistan schützen und/oder retten?
    2.Welche und wieviel eigene Todes- und Verletzungsopfer werden dafür erbracht bzw.ist Deutschland oder besser seine Soldaten und ihre Familien dafür bereit zu bringen?
    3.Wieviel Todes- und Verletzungsopfer werden bei den gegnerischen Kämpfern und bei den Zivilisten dafür in Kauf genommen.

  6. #6 | Julia sagt am 8. September 2009 um 06:45 Uhr

    https://www.derwesten.de/nachrichten/politik/2009/9/7/news-132280911/detail.html

    Nach dem Luftangriff auf zwei entführte Tanklaster in Afghanistan stützt Medienberichten zufolge jetzt erstmals ein Dokument die Version der Bundeswehr: Afghanische Offizielle gehen davon aus, dass es bei der von einem deutschen Offizier angeforderten Attacke keine zivilen Opfer gab.

    ?Tatort weit entfernt von bewohnten Ortschaften?

    Über den Ort des Geschehens schreiben die Offiziellen: «Der Tatort befindet sich weit entfernt von bewohnten Ortschaften. Die gefundenen Gegenstände, der Ort und die nächtliche Uhrzeit (02.30 Uhr) lassen den Schluss zu, dass alle Beteiligten den Taliban-Gruppierungen angehören.» Am Tatort gefunden worden seien «zwei verbrannte Traktoren, zwei verbrannte Tanklastzüge, eine verbrannte Leiche, menschliche Überreste, mehrere verbrannte Ak47, dazugehörige verbrannte Magazine.»

  7. #7 | Siegmar K. sagt am 8. September 2009 um 10:28 Uhr

    in einem land wo seit jahrzehnten krieg geführt wird, weil ausländische mächte ihre interessen dort durchsetzen wollen, kann eine armee nicht frieden bringen.

    und weshalb eigentlich soll die bundeswehr einen schützen und den anderen bekämpfen, woher kommt die legitimation?!

  8. #8 | Michael Kolb sagt am 8. September 2009 um 12:09 Uhr

    @ Elmar
    Vorab, ich war gestern in nöseliger Stimmung, von daher bitte meine „fupperei“ nicht bös nehmen. Ich hatte David so verstanden, daß er die Diskussion im ersten Artikel konzentrieren wollte und Antworten auch dort geposted werden sollten. Durch die Zersplitterung ist es nicht immer leicht, Argumenten zu folgen oder sie zuzuordnen oder überhaupt mitzubekommen, ob es neue Argumente und Meinungen gibt. Liegt an der imho überragenden Kommentarfunktionalität von wordpress 😉

    Zum Thema:
    In der Tat lieferst Du im zweiten Kommentar eine durchaus nachvollziehbare Argumentation. Ob diese aber nun „richtiger“ ist, nun, darüber kann man streiten. Das „nur“ Taliban getötet worden sein sollen glaube ich auch nicht, im Gegenzug glaube ich aber auch nicht, daß es „nur“ irgendwelche Dorfbewohner gewesen sind, die ein wenig Sprit geklaut haben, um ihre Hobo-Öfen zu befeuern. Spon schrieb z.B. darüber, daß Dorfbewohner berichtet hätten, Taliban hätten sie gezwungen, die LKWs wieder flott zu bekommen oder das Kinder sich aus „Neugier“ den Lastern genähert hätten. Wenn, dann waren es Menschen aus beiden Gruppen. Kann natürlich auch eine Schutzbehauptung des Dorfbewohners sein, um den Diebstahl zu vertuschen… Aber das ist dann wieder etwas, was „ich“ in das Reich von 1001 Nacht einordnen würde.
    Grundsätzlich kann oder muß man sagen, daß beinahe jede Information, die uns hier aus diesem Land erreicht, einen „geschönten Anteil“ hat.

  9. #9 | Kinder Verboten - eine lange Geschichte über SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier, Human Rights Watch und eine Villa in Amerika » ruhrbarone sagt am 19. September 2009 um 14:55 Uhr

    […] sein. Denn Karimow ist ein Verbündeter des SPD-Ministers und der deutschen Regierung im unseeligen Krieg in […]

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