Wulff, Grolsch, das Zacher und ein Streit mit einem Freund

Schild im Zacher

Soll Wulff seinen Ehrensold erhalten? Mir ist das vollkommen egal. Einem Freund von mir nicht. Darüber gab es gestern Abend eine lange Diskussion.

Freitag. K. abgeholt und ab ins Zacher. K. Fiege, ich Grolsch. Im Hintergrund läuft irgendein Fußballspiel, dass wir erfolgreich ignorieren. Und natürlich reden wir beide über Wulff. Klar, dass er zurückgetreten ist finden wir beide richtig. Dass das überfällig war, schon im Dezember hätte passieren müssen auch. Anfangs sind wir uns eigentlich in allen Fragen einig. Wulff war peinlich und stillos, eine Fehlbesetzung, das Amt eigentlich überflüssig. Seine Drohungen gegenüber Journalisten eine Frechheit. Ich erzähle K., dass so etwas häufiger vorkommt, Wulff da keine so große Ausnahmen ist. Ich erzähle ein paar Beispiele. Und klar, wieder Einmütigkeit:  So etwas geht nicht. Und dann geht es um den Ehrensold: K. meint, bei Wulff müsse ein Exempel statuiert werden. Keinen Cent soll er kriegen, finanziell ruiniert sein soll er, unter der Last seine Schulden zusammenbrechen. „Die ganzen Schmagaukel sollen sehen, dass man so etwas nicht macht und dass man dafür hart bestraft wird.“

Und da geht es auseinander. Ob Wulff seinen Ehrensold bekommt oder nicht ist mir persönlich egal. Eine rechtliche Frage, die mich nicht berührt. Er hat sein Amt verloren, er wird bald erleben, dass viele seiner „Freunde“ nicht mehr mit ihm befreundet sein wollen. Er wird einen hohen Preis für seine Fehler zahlen. Das Foto von Wulff, wie er an der Suppenküche ansteht, brauche ich nicht zu meinem Glück.

Ich erkläre dass K. so: Es gibt verdammt viele Wulffs in der Politik und in den Behörden. Und jede Menge von ihnen haben deutlich schlimmere Dinge zu verantworten als Wulff. Ich erzähle K. von  Oberbürgermeistern, die mit einem Leuchten in den Augen Kanalnetze verschleudert haben und  sich von ein paar Beratern haben um den Finger wickeln lassen. Von Beamten, die in drei Umweltskandal versagt haben und die noch nicht einmal versetzt wurden. Von Kommunalpolitikern, die in den politischen Abteilungen von Konzernen gehegt und gepflegt werden, die zwischen Politik und den Interessen ihrer Arbeitgeber längst nicht unterscheiden können – und es auch nicht sollen. Von Parteien, die das alles wissen und nichts dagegen tun. Davon, das Regeln so geändert werden, dass es am Ende gerade so passt – formaljuristisch. Und das mich das alles viel mehr aufregt als ein Wulff. Weil ich das alles für viel gefährlicher halte. Und das ich glaube, dass Wulff nicht die große Ausnahme ist, sondern dass es viele Wulffs gibt und man kein Symbol braucht, an dem man ein Exempel statuiert, sondern dass man sich um  all die fiesen Gestalten kümmern muss, die in die eigene Tasche wirtschaften, ihren Job nicht machen und nie zur Verantwortung gezogen werden.

K. will die auch alle drankriegen, regt sich auf, besteht aber darauf, das man Wulff jetzt öffentlich degradieren muss. Nicht das ich Mitleid mit Wulff habe. Aber ich brauch das Symbol nicht. Ich will an den nächsten ran. Morgen, heute…jetzt.  Wir einigen uns nicht und gehen in den Intershop. K. zahlt. Danke dafür – hatte ich glaub ich noch gar nicht gesagt!

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13 Kommentare

  1. #1 | der, der auszog sagt am 18. Februar 2012 um 13:26 Uhr

    Ich finde die Diskussion recht interessant, auch wenn ich lieber Stauder trinke als Fiege. Mir hat sich spontan eine Frage gestellt: Wäre beispielsweise Duisburg und dem Ruhrgebiet ein Weiterführen der Amtszeit des Kleinen Bürgermeister erspart geblieben, wenn Adolf Sauerkraut seine Altersbezüge und die ganzen finanziellen Annehmlichkeiten, die damit verbunden sind, bereits bei einem Rücktritt zugestanden hätten? In der Zeit kurz nach der Loveparadekatastrophe war das kurz ein Thema in den Medien.

  2. #2 | Stefan Laurin sagt am 18. Februar 2012 um 13:47 Uhr

    @der, der auszog: Stauder – natürlich. Haben sie aber im Zacher leider nicht. Zu Sauerland: Ich glaube das einen vernünftige Absicherung Rücktritte erleichtert. Ob das bei Sauerland was genutzt hätte weiß ich aber nicht. Ich hatte das Gefühl, dass er wirklich glaubte, im Recht zu sein und dass die meisten Duisburger hinter im stehen. Er hatte am Ende wohl ein Problem mit der Wirklichkeit.

  3. #3 | Ketschup Schleuser sagt am 18. Februar 2012 um 14:25 Uhr

    Präsident?
    https://www.frank-walter-steinmeier.de/
    https://www.cohn-bendit.eu/dcb/fe
    https://www.gerhart-baum.de/
    Im Grunde egal, hauptsache keine Schmierwurst und kein Lammert…

    Pils?
    https://www.jever.de/
    https://www.harviestoun.com/
    https://brooklynbrewery.com/
    Nicht egal, aber Hauptsache kein Flaschenbier im Zacher…

  4. #4 | Dortmunder sagt am 18. Februar 2012 um 14:39 Uhr

    Im Vergleich zu dieser Nummer hier:

    https://www.derwesten.de/wp/langemeyer-will-lukratives-rwe-mandat-behalten-id309355.html

    sind doch die 199.000 Euro Ehrensold für Wulff vernachlässigenswert.

    Da „zieht“ sich ein im Jahr 2009 abgewählter OB in den Jahren 2010 und 2011 noch jeweils 209.000 Euro für ein paar popelige RWE-Aufsichtsratssichtungen rein.

    Respekt, mein lieber Herr Gesangsverein. Und jetzt ab inne Kneipe, BVB gucken, nicht über Wulff reden und Brinkhoffs trinken.

  5. #5 | Walter Stach sagt am 18. Februar 2012 um 15:51 Uhr

    König-Pilsener war gestern am Abend bei mir und meinen Freunden angesagt. Kommt das nicht aus Dusiburg? Über Sauerland wurde in der Abendrunde nicht geredet, selbstverständlich über Wulf einschließlich Ehrensold, dabei u.a. über den Begriff „E h r e n -„sold.

    Und sonst zu Wulf?
    1.
    Unstrittig, sein Rücktritt war zwingend geboten.
    2.
    Dazu steht nicht in Widerspruch, daß ich gegenüber dem Menschen Wulf und seiner Familie Mitgefühl empfinde und dieses gestern auch so gesagt habe. Niemand meiner Bekannten hatte für mein Mitgefühl das geringste Verständnis.
    3.
    Alle waren der Meinung, daß in den Medien, wie immer, die eigentliche Schuldige an der Misere verschont bleibt. Die Kanzlerin hat mit Köhler und Wulf zweimal ihre Wunschkandidaten durchgesetzt, beide sind zurückgetreten, und das alles ohne politische Konsequenzen für die Kanzlerin. Im Gegenteil, ihre Umnfragewerte steigen und sie reklamiert für sich (und CDU/CSU/FDP) ganz selbstverständlich einen „Führungsanspruch“ im Verfahren der Kandidatenauswahl.

    Wir haben hier im Blog schon vor Wochen über denkbare Kandidaten für die Wulf-Nachfolge diskutiert. Für mich als Sozialdemokraten wären durchaus Töpfer (CDU) und Lammert(CDU) akzeptabel. Ich habe seinerzeit Prof.Dr.Dr.Udo di Fabio, bis Ende 2o11 Richter am BVerfG, in Dusiburg geboren, Eltern stammen aus Italien, ins Spiel gebracht. Den kannte allerdings niemand.

    Stefan, wenn Du zurecht, wie ich meine, die Problematik von Vorteilsannahmen und Bestechungen in Bundes-,Landes- und Kommunalbehörden andeutest, dann bitte ich zu bedenken, daß das für die handelnden Beamten zwingend strafrechtliche und disziplinarrechtliche Konsesquenzen hat. Jetzt auch für den bisherigen Bundespräsdenten? Abwarten, denn außer einem Anfangsverdacht hat sich strafrechtlich noch nichts weiter getan. Ich halte nichts davon, wenn Du derSchuld, dem Fehlverhalten des Präsidenten a.D.die Schuld und das Fehlverhalten von Oberbürgermeistern und anderen kommunalen Akteuren gegenüberstellst, sie miteinander abwägst und gewichtet;bringt doch nichts und ist in der Sache zumindest fragwürdig.

    Stefan, wenn Du zudem auf in der Regel zwar rechtlich korrekte Verbindungen/Verpflechtungen von Politik und Unternehmen hinweist, die aber politisch problematisch sind, will ich dazu bemerken,daß ich mich seit langem auf verschiedenen Wege bemüht habe, eine für mich selbstverständliche Öffentlichkeit darüber herzustellen, welche aktiven, welche ehemaligen Bundes-,Landes-Kommnalpolitiker in Vorständen, Aufsichtsräten, Beiräten von Konzernen wie E.on, RWE, Gelsenwasser bzw. in den Organen von Konzerntöchtern tätig sind und was ihnen dafür gezahlt wird. Gibt es diese Öffentlichkeit? Ich kenne sie jedenfalls nicht. Ich habe leider auch den Eindruck gewonnen, daß an einer ensprechende Veröffentlichung von „Ross und Reiter“ auch die Medien nicht interessiert sind, selbst dann nicht, wenn eine konkrete Konfliktsituation zwischen öffentlichen Interessen und Unternehmenszielen gegeben ist.

    Und ab sofort -15.50 Uhr-, also schon verspätet, ist „mein“ BVB wichtiger als Wulf und „Sonstiges“.

  6. #6 | Olaf Mertens sagt am 18. Februar 2012 um 16:10 Uhr

    Cohn-Bendit finde ich einen guten Vorschlag! Hab ich schon während der Köhler-Amtszeit gedacht, dass der (auf seine eigene Art) ein geeigneter Kandidat wäre.
    Schön dass den mal jemand als Idee aufbringt.

  7. #7 | Robin Patzwaldt sagt am 18. Februar 2012 um 16:16 Uhr

    Ich habe gestern Hefeweizen getrunken und nicht über Wulff geredet. War erholsam. Aber was schliessen wir jetzt aus dem Weizen? Doch ein Bayer? Seehofer? Nee, lieber nicht 😉

  8. #8 | Georg Kontakakis sagt am 18. Februar 2012 um 17:38 Uhr

    Wenn man diese Abstauberei beenden will muss man oben ansetzen. Den besten und größten fertig machen, dann kriegen alle anderen Schiss.

    Das funktioniert wie eine Kneipenschlägerei gegen eine Übermacht.

    Nimm den größten der Gegner und hau ihn schnell und hart um. Dann verzieht sich der Rest.

  9. #9 | zoom » Umleitung: Wulff^Wulff und dann noch die Soziologie und ein stinkender Bahnhof in Meschede. « sagt am 18. Februar 2012 um 22:56 Uhr

    […] Wulff, Grolsch, das Zacher und ein Streit mit einem Freund: Soll Wulff seinen Ehrensold erhalten? Mir ist das vollkommen egal. Einem Freund von mir nicht, schreibt Stefan Laurin … ruhrbarone […]

  10. #10 | Helmut Junge sagt am 18. Februar 2012 um 23:19 Uhr

    @8 Georg Kontakakis,
    was für eine „Kneipenschlägerei gegen eine Übermacht“ gelten mag, da kenne ich mich nicht so gut aus, muß nicht auch bei habgierigen Politikern gelten.
    Die Kneipenschläger brauchen vielleicht einen Anführer, um weiter zu machen, aber Habgier ist doch etwas ganz persönliches. Kann sogar sein, dass der Nachfolger, der in die gleichen Fußstapfen treten will, wie sein Vorgänger, massiv an der Entmachtung dessen mitmischt. Wullf hat sich nach Medienberichten offenbar ganz heftig an der Entmachtung seines Vorgängers in Niedersachsen engagiert, und dann offenbar alle Kontakte, die der aufgebaut hatte, übernommen. So jedenfalls der Vorwurf aus den Medien.

  11. #11 | herbert sagt am 19. Februar 2012 um 13:34 Uhr

    Der Rücktritt war ausschließlich in persönlichen Defiziten begründet, daher steht Wulff der Ehrensold nicht zu. Doch obwohl wir alle den wahren Grund für den Rücktritt kennen, wird von Unionspolitikern versucht die Tatsachen bzw. Urache und Wirkung zu verdrehen, um einen Rücktritt aus politischen Gründen zu konstruieren -lasst sie damit nicht durchkommen!

    Der Zukuntsdialog der Kanzlerin sammelt Vorschläge aus der Bevölkerung. Vorschläge mit genügend Zustimmung sollen weiter verfolgt werden. In der Rubrik: Wie wollen wir zusammenleben? gibt es zwei Vorschläge „zum Ehrensold“ für Christian Wulff https://www.dialog-ueber-deutschland.de

  12. #12 | Pascal sagt am 19. Februar 2012 um 18:30 Uhr

    Der Ehrensold ist eigentlich was gutes. Was für ein Bild wäre es den wen ein Ex Bundespräsident irgendwann pleite wäre?Genau kein gutes für Deutschland.Der Ehrensold könnte natürlich bei Verstößen(im Amt) oder wen ein Bundespräsident nicht mindestens eine ganze Amtsperiode (6Jahre) im Amt war gekürzt werden. Ich finde wir sollten immer Zahlen auch wen nicht den ganzen Betrag sonst wird es mal sehr peinlich für uns.

  13. #13 | Anna Kolaczinski sagt am 20. Februar 2012 um 22:28 Uhr

    Ey, das geht garnicht, Stefan Laurin und alle Befürworter des fetten Ehrensolds eines Herrn Wulff! Man kann doch nicht diese – letztlich unsere Zahlungen – an einen korrupten
    Ex-Präsidenten mit der haarsträubenden Entwicklung von Altersbezügen vergleichbarer politischer Pfeifen e n t s c h u l d i g e n !

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