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Anmerkungen zu Tigern und „Wir in NRW“

Ein einseitiger Text im aktuellen Stern legt den Verdacht nahe, dass ein ehemaliger Autor des Blogs „Wir in NRW“ nach dem Regierungswechsel in NRW mit Aufträgen der rot-grünen Landesregierung belohnt wurde. 
Die Koaltionsfähigkeit unter einander zu bewahren, schien bislang das wichtigste Ziel der Parteien im nordrhein-westfälischen „Gähn“-Wahlkampf zu sein. Ein großes Thema gab es nicht, obwohl es Themen im Land genug gäbe, über die es sich zu diskutieren lohnen würde. Industriepolitik, fehlende Kita-Plätze, fehlende Kulturpolitik, Verschuldung, Kosten der Energiewende – aber kaum eine Partei hatte daran wirklich ein Interesse und so schleppte sich der Wahlkampf von Woche zu Woche. Zwischendurch sorgte die Kölner Gothaer-Versicherung mit einem Spendenaufruf gegen ein Gesetzesvorhaben von Rot-Grün zwar für kleine Wallungen. Doch die große Welle bliebt aus – bis zum gestrigen Mittwoch. Das änderte sich erst mit einer Vorabmeldung des „Stern„.
Das Hamburger Magazin beschrieb eine schöne Geschichte, eine, mit einem Happy End: Kurz vor der Landtagswahl war Karl-Heinz Steinkühler, bis dahin Büroleiter des Focus in Düsseldorf, bei den Münchner Magazin-Macher in Ungnade gefallen. Es hieß, er hätte auf Druck der Landesregierung unter Jürgen Rüttgers gehen müssen. Eine miese Geschichte: Politik versucht die Existenz eines Journalisten zu ruinieren – und kommt damit sogar durch. Und nun die Wendung: Steinkühler heuerte nach Ansicht des „Stern“ bei „Wir in NRW“ an, einen Blog, der sich wenige Monate vor der Landtagswahl 2010 aufmachte den angeblich bedrohten Qualitätsjournalismus im Land zu retten und zeigt es Rüttgers: Mit Hilfe von Christdemokraten, die aus verschiedensten Gründen eine offene Rechnung mit Rüttgers haben, veröffentlicht er auf dem Blog Geschichte für Geschichte, ergänzt Spiegel-Stücke wie „Rent a Rüttgers“, hat aber auch viele eigene Storys. Und am Ende verliert Rüttgers die Wahl – auch wegen der Skandale, an deren Aufklärung Steinkühler&Co ihren Anteil hatten. Es ist nicht nur eine schöne, es ist eine gute Geschichte. Sie erzählt etwas von den Grenzen der Macht in Zeiten des Internets, in denen ein Journalist zwar seinen gesicherten Job, aber nicht seine Arbeit verlieren kann. Was er veröffentlicht, entscheidet er selbst. Es war wie in guten alten Journalisten-Tagen, in denen Recherche, Qualität und Hartnäckigkeit noch was zählte und der Begriff „Infotainment-Journalismus“ die Chefredaktionen noch nicht durchzogen hatte.
Soweit so gut, wenn es nicht ein paar Merkwürdigkeiten nach der Wahl gegeben hätte, auf die der „Stern“ jetzt eingeht. Das Steinkühlers 2010 gegründete PR-Agentur mehrere Aufträge aus der Landesregierung bekam – und das mit einem Volumen von mehr als 300.000 Euro. Die Landesregierung erklärte gestern auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz, alle Aufträge seien rechtlich korrekt vergeben worden. Mag sein. Aber auffällig ist die Vergabe von fünf Aufträgen aus dem SPD-geführten Familienministerium an die bis dahin vollkommen unbekannte Steinkühler-Agentur schon, zumal er kaum adäquate Referenzen vorweisen dürfte – dazu war die Agentur zu kurz am Markt. Interessant wäre es jetzt zu erfahren, und wir werden eine entsprechende Anfrage stellen, wie viele Agenturen sich denn sonst noch über eine solche Auftragshäufung freuen durften.
Interessant ist auch die Nähe des ehemaligen Ministerpräsidenten und Helmut Schmidt-Zöglings Peer Steinbrück zu „Wir in NRW“. Interessant – und erst einmal nicht mehr. Das Steinbrück das Blog schätze, sei ihm unbenommen. Dass er Blogs überhaupt wahrnimmt, zeugt von einer gewissen medialen Weltläufigkeit, die man ihm so ohne weiteres gar nicht zugetraut hätte.
Steinbrück und die Steinkühler-Agenturen hatten in der Vergangenheit geschäftlichen Kontakt. Der Sozialdemokrat führt das Unternehmen auf seiner Nebentätigkeitsliste. Dagegen ist nichts zu sagen. Und auch auf „Wir in NRW“ wirft das kein schlechtes Licht. Tiger-Steinkühler schreibt längst nicht mehr für das Blog.  Dafür greift ein alter Kumpel und Bruder im Geiste von Steinbrück dann und wann einmal für „Wir in NRW“ in die Tasten: Martin Schmuck. Der ehemalige ZDF-Redakteur war Medienberater Steinbrücks und ist zur Zeit geschäftliche verbandelt mit der PR Agentur „Deekeling Arndt Advisors“ und anderen PR-Agenturen, die wieder für andere spannende Unternehmen und Persönlichkeiten tätig sind, etwa für den Öl- und Gasmulti Exxon, der in NRW gerne Gasbohrungen durchführen möchte. Schmuck führte gemeinsam mit „Wir in NRW“-Chef Alphons Pieper im März ein Interview mit Norbert Röner, dem damaligen Fraktionsvorsitzenden der SPD im Düsseldorfer Landtag. Von dem von Pieper postulierten kritischen Journalismus war da nicht viel zu merken. Es gibt Schülerzeitungen, die ein so liebedienerisches Interview abgelehnt hätte. Kostprobe gefällig?
    Frage: Noch ein Wort zum Thema Schulden. Die rot-grüne Landesregierung ist ja auch mal beim Landesverfassungsgericht mit ihrem Haushalt gescheitert. Da haben     Sie keine so guten Karten.
 Römer: Wir haben da sicher Federn lassen müssen. Allerdings handelte es sich bei dem Nachtragshaushalt 2010 nicht um rot-grüne Projekte, sondern um eine         Schlussabrechnung mit der abgewählten Regierung Rüttgers. Wir wollten zum Beispiel Vorsorge treffen für die Lasten, die dem Land durch die WestLB entstehen. Diesen Weg hat uns das Verfassungsgericht versperrt. Das haben wir zu akzeptieren. Nur, die Lasten etwa bei der WestLB werden kommen, ohne Zweifel.
Wir sind mit dem Abbau der Schulden, die wir übrigens auch von CDU/FDP übernommen haben, auf gutem Weg. Übrigens haben acht Bundesländer eine höhere Pro-Kopf-Verschuldung als wir in NRW.
    Frage: Ein Satz zur Kritik, NRW habe die höchste Verschuldung.
    Römer: Das stimmt, aber wir sind auch das bei weitem bevölkerungsreichste Land. Und wenn wir schon dabei sind, NRW hat auch die höchste Wirtschaftskraft, die meisten Erfinder, Unternehmer, Studierenden. Hinter den Angriffen der CDU steckt reine Verleumdung. Sie will nur davon ablenken, dass sie die großen Einkommen schonen und die kleinen Einkommen schröpfen will.
An der Stelle hätte man kritisch bemerken können, dass CDU und FDP die Neuverschuldung bis zur Wirtschaftskrise 2008 zurückgefahren haben, Kraft solches noch nicht einmal versuchte. Aber wahrscheinlich waren die Zahlen gerade nicht zur Hand.
Ist aber auch egal, wenn es darum geht im Vorfeld der Neuwahlen Römer eine Plattform zu bieten.
Wir könnten jetzt weiter machen, mit dem, was allen aufgefallen ist: Das „Wir in NRW“ pünktlich mit dem Regierungswechsel zur SPD keine nennenswerte und relevante Rolle mehr spielte; das es immer weniger Texte gab; dass Pieper den Schwung des Jahres 2010 nicht ausnutzte, um sein Blog weiter zu entwickeln – was den Eindruck verstärkte, dass das Blog lediglich für einen einzigen Grund ins Leben gerufen wurde – als virtueller Arm im Kampf gegen den damals regierenden und erfolglosen Ministerpräsidenten Rüttgers. Klar was einem da als erstes einfällt: „Mission Accomplished“.
Vieles, was der „Stern“ jetzt in zwei Texten im Print und Online rund um „Wir in NRW“ präsentierte, hat ein Geschmäckle, die Nähe zur SPD, das Profitieren aktiver oder einst aktiver Autoren des Blogs von dieser Nähe ist für den „Stern“ ebenso offensichtlich wie der journalistische Relevanz-Absturz des Blogs nach der Landtwagswahl 2010. Die Art und Weise, wie „Wir in NRW“ auf die Angriffe des „Stern“ in Szene setzt, zeigt, das von den hohen journalistischen Ansprüchen, die man bei der Gründung des Blogs als Postulat ausgab, nichts mehr übrig geblieben ist. Aber vielleicht ging es ja bei der Gründung darum ja gar nicht – sondern um etwas ganz anderes….

Und was die peinlichen Angriffe von Wir in NRW auf David Schraven betrifft zitieren wir einfach mal Frank Lübberdings Text auf Wieesaussieht:

 Sie ist sich auch nicht zu blöd, den “WAZ” Kollegen und Blogger bei den “Ruhrbaronen”, David Schraven, in die Pfanne zu hauen. Was er getan hat? Fragen zu stellen. Wie ist eigentlich das professionelle Verständnis der Kollegen des hoch dekorierten Blogs? Erst schreiben und dann kassieren? Peinlich? Nein. Dreist.

Dem haben wir nichts hinzuzufügen.

RuhrBarone-Logo

29 Kommentare zu “Anmerkungen zu Tigern und „Wir in NRW“

  • #1
    Julia

    300.000 Euro Steuergelder für 5 Broschüren von einer Agentur ohne Referenzen ?

    Schade, dass der Bericht nicht eine Woche früher gekommen ist…

  • Pingback: “Stern”: “Kassierten Blogger Belohnung für Wahlkampfhilfe?” | Bottblog.de - Blog zum Ruhrmetropölchen Bottrop anne Emscher

  • #3
    Mao aus Duisubrg

    Bei Handelsblatt-Online: Der lange Weg der Recherche…..
    http://storify.com/handelsblatt/kraftgate

  • #4
    Stefan

    Mao
    Danke für den Link. Da hat sich einer echt Mühe gegeben und alles chronologisch aufgelistet. Sehr hilfreich, auch um zu sehen, wie vermeintliche Skandale von den Meiden aufgebauscht werden bzw. auch einfach nur (ohne eigene Nachforschungen) voneinander inhaltlich abgeschrieben wird. Dieser Blog hier macht in der ganzen Geschichte leider auch keine gute Figur.

  • #5
    Stefan Laurin

    @Stefan: Gestern klein in die Geschichte eingestiegen. Heute zwei Meldungen und eine Hintergrundgeschichte. Das ist schon ok 🙂

  • #6
    der Harry

    @#5 | Stefan Laurin

    Gestern klein in die Geschichte eingestiegen. Heute zwei Meldungen und eine Hintergrundgeschichte. Das ist schon ok

    Darf man das als Entschuldigung verstehen?

    Ein Pamphlet oder Schmähschrift ist eine Schrift, in der sich jemand engagiert, überspitzt und polemisch zu einem wissenschaftlichen, religiösen oder politischen Thema äußert. Die sachliche Argumentation tritt dabei in den Hintergrund; die leidenschaftliche Parteinahme gegen eine Sache hingegen überwiegt bei der Argumentation. Die Herabsetzung einer anderen Person wird dabei billigend in Kauf genommen oder ist sogar das eigentliche Ziel des Pamphlets.

    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Pamphlet

  • Pingback: Links anne Ruhr – und am Rhein (Landtagswahl #nrw12) 11.05.2012 » Pottblog

  • #8
    David

    Ruhrbarone vs. WirInNRW vs. Schraven/Stern vs. WAZ! Nicht das hier nach der Wahl am Sonnatg ganz andere Leute Aufträge der Landesregierung. Das ist ein ganz armes #kraftgate bis jetzt. Pufffffffff°

  • #9
    Uli

    Moment – in dem Handelsblatt-Link geht es doch nur um den zweiten Verdacht – nämlich dass Hannelore Kraft in der WAZ-Redaktion angerufen hat, um die für sie unangenehme Berichterstattung über wir-in-nrw zu verhindern. Abgesehen davon, dass van Mittwoch vor dieser Diskussion tatsächlich ein entsprechender WAZ-Artikel verschwand, sagen die Betroffenen dass das nicht wahr war. (nun ja, wer in NRW kann sich schon eine Einflussnahme der SPD auf Medien vorstellen? 😉
    Der eigentliche und auch schwer wiegende Vorwurf der Belohnung der für sie erfolgreich wahlkämpfenden Blogger von wir-in-nrw (zu denen ja angeblich kein Kontakt bestand!) mit Auftragsgelder an ihre bis dato unbekannte Agentur aus der Landeskasse wurde aber bisher nicht widerlegt, oder?
    Ich bin jedenfalls gespannt auf die Aufklärung dieser Geschichte – auch nach der Wahl – und hoffe da auf mutige, unvoreingenommene Journalisten.

  • #10
    der Harry

    @#9 | Uli

    Nicht zuletzt in Kenntnis der menschlichen Schwächen wie Neid, Mißgunst, Gier nach Anerkennung (warum haben wir keinen Preis, warum haben die die relevanten Infos, usw.) halte ich diese Version (findest Du im Handelsblatt-Blog) für die wahrscheinlichste:

    […] präsentieren sie nun offenbar als neuesten Knüller die
    „Tagebücher“ von David Schraven. Der hat schon vor Wochen auf der Grundlage eines CDU-Dossiers, wie Kollegen aus der Landeshauptstand berichten, zum Blog an Gott und die Welt Fragebögen mit eben genau diesen Mutmaßungen und falschen Behauptungen (und vielen weiteren Unsinn) verschickt, sie zu einer ziemlich haarsträubenden Geschichte verdichtet und vor Freude strahlend seiner Redaktion präsentiert. Bei der WAZ wurde dieses Machwerk schnell versenkt. Kein Interesse, sich vor die Wahllokomotive (eher Eselskarren) der CDU spannen zu lassen. David Schraven ging dann schwer enttäuscht ob dieser Kränkung hausieren. Nach WAZ klopfte er beim Spiegel an. Wir wissen nicht, wo er noch sein Glück versuchte, Erfolg wurde ihm dann beim Stern beschieden.“

    Dieser Ansatz würde im übrigen alles logisch zusammenführen; die Strategie dabei:

    Schlagen Sie noch immer ihre Frau?

    Ich bin einigermassen ernüchert und, zugegeben, auch darüber enttäuscht, das ich mich offensichtlich in den Ruhrbaronen getäuscht habe, was Seriösität und Integrität anbelangt.

    Ich bin mal gespannt, ob Sie wenigstens so soverän sind, dieses Kommentar freizuschalten?

  • #11
    Ulrich

    Wäre das was der Stern veröffentlicht hat auf dem Schreibtisch des Chefredakteurs des Pusemickeler Tagesboten gelandet dann hätte der vermutlich zum verantwortlichen Journalisten gesagt „Sieht sehr interessant aus, ist aber noch viel zu dünn. Recherchieren Sie weiter, bringen Sie mir Fakten statt Vermutungen, dann bringen wir den Artikel.“

  • #12
  • #13
    kapadoki

    Jeder, der sich hier über Journalismus äußert, sollte sich den Sternbericht mal gründlich durchlesen. Es fehlt nämlich jeglicher Beweis dafür das Steinkühler Tiger, Löwe oder sonst wer war. Es fehlt zudem jeglicher Beweis dass Schäfer Kraft oder sonstwer in der SPd wusste, dass Steinkühler der Tiger war , wenn er es denn gewesen wäre.
    Es ist allerdings belegt, dass die Regierung Rüttgers ganz aktiv dazu beigetragen hat, dass Burda sich von Steinkühler trennte. Dieser machte sich dann Selbstständig und macht nun PR, was er offensichtlich gut kann, denn nicht nur die Landesregierung sondern auch völlig unverdächtige Unternehmen haben ihn engagiert. Die Nürburgringleute zum Beispiel gegen die SPD Landesregierung in Rheinland Pfalz. Ein Blick in die veröffentlichten Referenzen verraten solche Fakten. Offensichtlich passen sie aber einigen Politistrategen nicht in die Story. Ganz schwach finde ich allerdings dass das offensichtlich anonyme Autorenteam die guten Verbindungen zu david schraven nicht nutzt um zu klären, ob es stimmt das er wochenlang recherchiert hat und die redaktion die Story nicht geschluckt hat, übrigens aus journalistischer Sorgfaltspflicht und nicht auf Intervention von H.Kraft , wie wir dank journalistischer Recherche im Handelsblatt(!) nun wissen. Offensichtlich hat das Autorenteam noch ein Mütchen zu kühlen mit Wir in NRW und das ist wirklich kein Ruhmesblatt.

  • #14
    Arnold Voss

    @Harry # 10

    David Schraven war bislang nicht für sogenannte „Machwerke“ bekannt. Ich kann mir auch genauso wenig vorstellen, dass man als Angestellter der WAZ eine im Rahmen der WAZ recherchierte Story straflos woanders vermarkten darf.

    Ach, und noch was Harry. Sie sollten nicht anderen Unseriosität vorwerfen, weil ihre Story ihrer Ansicht nach nur auf Vermutungen beruht und hier dann ihre Vermutungen per Zitat aus anderen puren Vermutungen zum besten zu geben.

    Wirklich niveaulos werden diese Vermutungen, egal ob sie stimmen oder nicht, allerdings erst dadurch, dass sie ihnen auch noch ganz persönliche Vorwürfe wie Gier, Mißgunst und Neid voran stellen.

    Falls sie auf meinen Kommentar antworten, haben sie bitte den Mut und den Anstand, dass unter ihrem richtigen Namen zu tun.

  • #15
    Arnold Voss

    @ Kapadoki # 13

    Helfen sie mir. Wo haben sie bei Handelsblatt Online/Kraftgate gelesen, dass Schravens Story bei der WAZ aus journalistischer Sorgfaltspflicht gestoppt wurde?

  • #16
    Arnold Voss

    @ Ulrich # 11

    Wer oder was sind sie, Ulrich, dass sie beurteilen können, was die Chef-Redaktion des Sterns journalistische richtig oder falsch macht? Erzählen sie es mir bitte!

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  • #18
    der Harry

    #14 | Arnold Voss sagt am 11. Mai 2012 um 12:26

    David Schraven war bislang nicht für sogenannte “Machwerke” bekannt.

    Ich habe nicht die geringste Ahnung, wofür David Schraven steht; genaugenommen war mir das bisher aber auch völlig egal.

    Ich lese (und kommentiere zuweilen) hier erst seit einigen Monaten: insoweit kein Insider und, was meine subjektive Wahrnehmung anbelangt, entsprach diese eher einer generellen „Autorenschaft Ruhrbarone“ als den jeweiligen Individien.

    Ich kann mir auch genauso wenig vorstellen, dass man als Angestellter der WAZ eine im Rahmen der WAZ recherchierte Story straflos woanders vermarkten darf.

    Es ist mir völlig egal, wer sich was wie vorstellen kann; auch ist es mir egal, ob und wo Herr XYZ in welcher Form wie beschäftigt ist sowie was er darf und was er sollte, weil:
    Komplett irrelevant in diesem Kontext!

    Ach, und noch was Harry. Sie sollten nicht anderen Unseriosität vorwerfen, weil ihre Story ihrer Ansicht nach nur auf Vermutungen beruht

    Mit Verlaub, dies ist dummes Gequassel!
    Beweis: Die ganze Story beruht bis zur Stunde auf Mutmassungen und übler Nachrede. Wer das anders sieht, kann hier und jetzt den Beweis antreten, ansonsten hat er Anlass darüber nachzudenken, auf welchen rechtsstalltichem Boden ersteht.

    und hier dann ihre Vermutungen per Zitat aus anderen puren Vermutungen zum besten zu geben.

    Dann begründe doch bitte, warum mir (und in der Konsequenz anderen
    -missliebigen- Individien auch) dieses Recht abgesprochen werden soll?
    Offensichtlich zählst Du dich zu den Gewinnern: (Zitat von Dir, Arnold Voss) :“ Ich kann mir auch genauso wenig VORSTELLEN,[…] !

    Wirklich niveaulos werden diese Vermutungen, egal ob sie stimmen oder nicht, allerdings erst dadurch, dass sie ihnen auch noch ganz persönliche Vorwürfe wie Gier, Mißgunst und Neid voran stellen.

    Nochmals, GIBT ES AUCH NUR EINEN BELEG FÜR DIESE STORY?

    Diese -angebliche- Story kann man in jeder deutschen Stadt hier und jetzt ansiedeln: Selbst im kleinsten Kaff gibt es mindestens einen, der seine Verschwörungstheorie wie folgt gegründen wird: Seit Jahren kriegt der XYZ immer die Aufträge, die eigentlich mir zustehen würden. Da wird doch gemauschelt; Man muss sich das ja nur mal genau anschauen: Der Fraktionsvorsitzende mit XYZ zusammen im Schützenverein, der Verwaltungsdezernent trifft sich doch immer mit XYZ beim Fussball.

    Falls sie auf meinen Kommentar antworten, haben sie bitte den Mut und den Anstand, dass unter ihrem richtigen Namen zu tun.

    Wenn aus dieser Geschichte ein Gerichtsurteil resultiert, dass die Behauptungen auch nur ansatzweise rechtfertigt, werde ich das tun, versprochen.

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  • #20
    Arnold Voß

    @ Harry # 18

    Ok, sie sind feige bzw. wollen sie ihre parteiliche Bindung in diesem Falle nicht kundtun. Und jetzt zur Sache bzw. zu ihrer Art der Argumentation:

    Vorweg, natülich können sie hier solange vermuten bis der Arzt kommt.Aber wenn sie nicht die geringste Ahnung davon haben, wofür David Schraven steht, warum vorverurteilen sie ihn dann? Warum werfen sie ihm Vermutungen vor, während s i e s e l b e r wiederum nur Vermutungen anstellen? Sie sind es hier, der dauernd quasselt, Harry. Es gibt nämlich bislang keinen einzigen Beleg für i h r e Vermutungen, wie es zu dieser Story gekommen ist.

    Die Story im Stern dagegen ist auch ohne unmittelbare Beweise durchaus überzeugend, während ihre Vermutungen das nicht sind. Nochmal und völlig egal ob ihnen das egal ist: Ich kann mir nachwievor nicht vorstellen, dass man als Angestellter der WAZ eine im Rahmen der WAZ recherchierte Story straflos woanders vermarkten darf.

    Ihre Vergleiche mit irgendwelchen Käffern sind übrigens dummes Zeug. Bei der letzten Landtagswahl und auch bei dieser geht es um etwas mehr, als um lokale Schützenvereine oder irgendwelche Kommunalfritzen. Deswegen wird hier auch mit ganz anderen Mitteln gekämpft.

    Was meinen sie, wieso die Landesregierung juristische so heftig zuschlägt? Weil nichts dran ist an der Story? Weil sie absolut unglaubwürdig ist? Weil sie nur aus Vermutungen besteht? Nein, sie schlägt zu, weil sie so für den Leser durchaus überzeugend ist und weil sie denkt, dass vor der Wahl noch mehr kommen könnte. Belege und Beweise zum Beispiel.

    Natürlich geschieht das alles nicht nur aus redlichen journalistischen Motiven. Das ist, wie man schon am Zeitpunkt der Veröffentlichung unschwer erkennen kann, Teil des Wahlkampfes. So wie die Nummer die sie hier abziehn, Harry. Als Hüter der Demokratie und des Rechtsstaates.

    Sie sind darin allerdings, mit Verlaub, nicht sehr überzeugend, weil sie nichts anderes machen als das, was sie denen unterstellen, die sie hier angreifen. Und das unter Decknamen. Wer sich so hohe Motive zu eigen macht und so um sich keilt wie sie, sollte das unter seinem vollen Namen tun, Harry. Das kommt dann einfach besser als die Nummer: Alle doof außer Harry.

  • #21
    der, der auszog

    Was mich hier zur Zeit ankotzt, ist der ständige Schrei nach Belegen, mitunter sogar noch einem Gerichtsurteil. Müssten Politiker erst dann Rechenschaft ablegen, Transparenz zeigen oder gar politische Konsequenzen ziehen, wenn ein Gericht über einen Sachverhalt ein Urteil gefällt hat, wäre Christian Wulff und so manch anderer politischer Saftheini immer noch im Amt.

    Für mich reicht es, wenn Journalisten Fakten aufzählen und ihre Argumentation, die sie darauf aufbauen, plausibel erscheint. Es gibt das Rüttgersbashing von Wir in NRW vor der letzten Wahl. Es gibt diese Aufträge von mehreren Hunderttausend Euro der Landesregierung an Ex-Wir-in-NRWler Steinkühler, nach der Wahl. Das sind durchaus Fakten und man wird ja wohl noch das Recht haben dürfen, den Verdacht zu hegen, dass da ein Zusammenhang bestehen könnte. Wäre ja nicht das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass Politiker sich mit Aufträgen bei einem Unternehmer bedanken.

    Man kann durchaus anderer Meinung sein als beispielsweise David Schraven von der WAZ, oder irgendwer vom Stern. Aber man sollte auch diskutieren wollen, statt sich wie ein Anwalt vor Gericht aufzuführen und immer nur nach Belegen zu rufen, selbst wenn schon welche da sind. Mir reichen die Belege im Stern erst einmal, um mir eine persönliche Meinung zu bilden. Anderen mag das nicht reichen. Aber das muss jeder für sich selber entscheiden.

    Für mich ist es nämlich durchaus vorstellbar, dass es einen Zusammenhang zwischen den Enthüllungen von „Wir in NRW“ und der anschliessenden Vergabe von PR Aufträgen durch die neugewähle Regierung gibt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der SPD und den anderen Parteien nicht genauso Vögel gibt, die wie Christian Wulff ticken und bei denen gegenüber Unternehmern ähnlich seltsame Wechselwirkungen von Aufträge und Gefälligkeiten enstehen, wie beim Ex Bundespräsidenten. Für so eine Vorstellung braucht man als Bürger und Wähler keine juristischen Urteile oder hunderte von Belegen.

    Und was David Schraven angeht: Ich kenne nur seinen Rechercheblog und ich bin froh, dass es ihn gibt. Nirgendwo sonst in den Medien hat beispielsweise die Berichterstattung über den Spendensumpf der Duisburger SPD einen so großen Platz bekommen wie im WAZ Rechercheblog. Jetzt könnte man wie Sie, mein lieber Harry, argumentieren, dass da ja auch soviel gar nicht dran gewesen sein kann. Man kann aber auch einem Teil der Medien unterstellen, dass sie vielleicht aufgrund einer politischen Nähe zu Jäger kein Interesse daran hatte, weiter nachzuhaken. Alles Mutmassungen und keine Belege. Ich weiß. Ich möchte trotzdem diese Meinung haben dürfen, denn auch die Nähe von Medien und Politik ist in unserer Republik nichts außergewöhnliches.

  • #22
    der Harry

    @ #20 | Arnold Voß
    @#21 | der, der auszog
    @ Autorenteam der Ruhrbarone

    Ok, sie sind feige bzw. wollen sie ihre parteiliche Bindung in diesem Falle nicht kundtun.

    Der Vorwurf der Feigheit, ok. Und, an Eides statt, ich bin in keiner Partei oder sonstigen politischen Organisaton angeschlossen. Allerdings, als (ehrenamtlicher) Netzaktivist (mir fällt grad kein besseres Wort ein) habe ich auf kommunaler Ebene seit ~15 Jahren Kontakt zu Politikern all der Parteien, die man so aktuell in Parlamenten findet sowie einen guten bis ausgezeichneten Einblick dahingehend, wie Verwaltung so tickt.

    Was Du, glaubst und meinst, was die anderen Foristen glauben und meinen, ist für mich nicht der Punkt – schliesslich ist der Diskurs doch wohl Sinn und Zweck der Veranstaltung, warum denn sonst sollte ich hier oder sonstwo posten? Um sich gegenseitig auf die Schulter zu klpfen?

    Mein Punkt ist: Wer mit so einem DÜNNPFIFF KURZ VOR DER WAHL um die Ecke kommt, dem geht es für mich klar erkennbar um … ähm, aus Höflichkeit erspare ich mir und anderen dieses Wort.

    Und wer so mit dieser erkennbar labiler werdenden Demokratie umgeht, gehört, gelinde gesagt, mit Anlauf in den Arsch getreten.

    Aber seis drum, nichts ist so blöd, als dass es nicht noch getoppt werden kann:

    Damit bin ich bei Arnold Voss, von dem ich ausgehe, das er hier zur Autorenschaft gehört.

    Was meinen sie, wieso die Landesregierung juristische so heftig zuschlägt? Weil nichts dran ist an der Story? Weil sie absolut unglaubwürdig ist? Weil sie nur aus Vermutungen besteht? Nein, sie schlägt zu, weil sie so für den Leser durchaus überzeugend ist und weil sie denkt, dass vor der Wahl noch mehr kommen könnte. Belege und Beweise zum Beispiel.

    Lieber Arnold Voss,

    wer argumentiert, das derjenige, der angepisst wird und sich in der Folge mit rechtstaatlichen Mitteln zu wehren sucht, sich belastet, der darf mit Fug und Recht daran glauben, von Stund an in diesem Leben kein Aspirin mehr zu benötigen.

    Und, liebe Autorenschaft der Ruhrbarone, wer sich solch haarsträubenden Aussagen durch Stillschweigen zu eigen macht, wie soll man/frau den nennen:
    Journalist?

    Gleichwohl möchte ich mich bedanken bei denen, die sich Zeit genommen haben, auf meine Beiträge zu reagieren und auch bei den Ruhrbaronen für die zur Verfügungstellung dieser Plattform.

    Ich werde mich nach einer anderen NRW-Plattform umschauen.

  • #23
    Erdgeruch

    Ich gehe mal davon aus, dass mehrere Journalisten recherchierten, weil sie von einer Quelle den Hinweis erhielten, dass Herr Steinkühler Aufträge erhalten hatte. Da aber keiner seine Quelle verraten wird, kann ich das auch nur mutmaßen. Aber ich denke, dass diese nicht interessenfrei gehandelt hat.

    Der Kern des Vorwurfs lautet doch, dass Herr Steinkühler Aufträge als Dankeschön erhalten hat. Dazu muss man sich eben diese genau im Ergebnis ansehen, die Vergabeverfahren, die Gesamtanzahl aller vergebenen Aufträge und sich ansehen, wie oft er sich sonst bei der Landesregierung beworben hat und gescheitert ist. Das wäre auch nur ein erster Schritt, denn auch das würde nur Hinweise liefern. In einem zweiten Schritt müsste man wohl in der PR-Szene recherchieren – was weitaus schwieriger ist – und nachforschen, ob man dort den Eindruck einer Bevorzugung beim Pitch hatte.

    Ich habe aber hierbei bis jetzt den Eindruck, dass auch die hier von gestandenen Journalisten angeführten Vergleiche mit den Causas Rüttgers oder Wulff eher gewünscht sind. Die Geschichte ist doch dazu bisher allzu arg dünn. Im Grunde gucken wir hier nämlich als Leser bei einer laufenden Recherche zu und kennen alle noch nicht das Endergebnis. Der Stern konnte aber gerade wegen der Wahl nicht das Wasser halten (und ich vermute, dass die Quelle genau darauf spekuliert hat).

    Ich hoffe aber für einige, dass sie eine gute Exitstrategie haben, wenn die Geschichte in sich zusammenfallen sollte. Denn mir persönlich geht es als Leser diese Haltung von einigen Journalisten auf die Nerven, eigene Fehler nie zugeben zu können oder sich selbst zu hinterfragen, aber genau das von anderen immer zu verlangen.

  • #24
    Arnold Voss

    @ Harrry 22

    Mein lieber Harry, ich gehöre nicht zum Autorenteam. Ich bin auch kein Journalist. Aber ich bin Ruhrbaron und vor allem kenne ich die politischen Verhältnisse in NRW und ihm Ruhrgebiet auch durch eigene Erfahrungen aufs intimste und das seit Jahrzehnten.

    Jeder der hier die formellen, vor allem aber die informellen politischen Netzwerke und ihr praktisches Verhalten kennt weiß, dass es genauso läuft wie es der Stern in diesem besonderen Fall beschreibt und das schon sehr sehr lange. D a s, Harry, ist wirklich haarsträubend.Noch haarsträubender aber ist es, kackenfrech zu behaupten, dass es nicht so ist, nur weil es nicht in jedem Fall ausreichende Beweise dafür gibt.

    Die Geschichte im Stern ist deswegen so überzeugend, weil sie der gängigen Praxis entspricht, Harry. Selbst wenn es in diesem speziellen Falle ausnahmsweise nicht so gewesen sein sollte. Das Brüllen nach Beweisen ist da eher verdächtig. Ihr Brüllen ganz besonders, Harry. Jemand der Beweise fordert und nicht mal den Beweis seines eigenen Namens antreten will, tritt sich argumentativ schlicht selbst in den Arsch. Das sollten sie sich merken, wenn sie beim nächsten Blog antreten.

    Und noch was Harry, erwähnen sie bei ihrem zukünftigen Kampf für die Demokratie nie den Begriff der Transparenz. Es könnte Jemand, der ihren Auftritt hier kennt und weiß wer sie sind, laut
    loslachen.

    Den selbstmitleidig-dramatischen Abschied hätte sie sich übrigens verkneifen können. Niemand hat hier damit gerechnet, dass sie bei den Ruhrbaronen nach der Wahl nochmal was vom Stapel lassen.

  • #25
    britney

    Daß in der „Affaire“ alles korrekt gelaufen ist, ist so glaubwürdig wie das Bargeld von Wulffs Schwiegermutter. Kann man glauben, muss man aber nicht.

    Während sonst – und eben vor allem bei Wulff – laut nach Aufklärung gekräht wird, reicht hier quasi ein simples „Hier ist alles korrekt gelaufen.“ vom Regierungssprecher und ein „Es ist eben Wahlkampf.“ um für Ruhe zu sorgen. Nicht schlecht..

    @Harry
    Vielleicht versuchen Sie es mal bei „Wir in NRW“? Die schreiben momentan auch gern was von fehlenden Belegen und dünnen Suppen nur um einen Absatz später selbst unbelegte Süppchen zum Besten zu geben. Das dürfte Ihnen gefallen 🙂

  • #26
    theo

    @Arnold Voss, #24:

    („Die Geschichte im Stern ist deswegen so überzeugend, weil sie der gängigen Praxis entspricht, Harry. Selbst wenn es in diesem speziellen Falle ausnahmsweise nicht so gewesen sein sollte. Das Brüllen nach Beweisen ist da eher verdächtig“)

    Sie stellen gerade die Grundprinzipien einer seriösen Berichterstattung auf den Kopf. Wenn das tatsächlich ihre Leitlinie sein soll, dann empfehle ich Ihnen schon mal einen guten Anwalt – sie würden ihn brauchen.

    Die Überschrift beim Stern lautete:

    „Kassierten Blogger Belohnung für Wahlkampfhilfe?“

    Eine solche Frage insinuiert einen Zusammenhang zwischen Blogtätigkeit und Auftragsvergabe, und das Mindeste, was der Stern – neben der Präsentation von Belegen – zu tun hat, ist: die Stellungnahme der Gegenseite inhaltlich vollständig zu erwähnen. Dass die Staatskanzlei von ordentlicher Auftragsvergabe spricht, taucht im Stern nicht auf und wird deswegen nicht weiter geprüft. Das ist äußerst schwacher Journalismus.

    Natürlich wäre es nicht überraschend, wenn hier wie auch sonst in der Politik ein gewisser Fllz regierte. Aber wenn wir es für ausreichend hielten, anklagende Berichte nur noch auf Vermutungen zu gründen, würden gerade die Politiker sich eins ins Fäustchen lachen. Dass der Stern eine einstweilige Verfügung kassierte, war abzusehen, auch für den Stern. Offenbar ging es darum, das Ding unbedingt noch vor der Wahl abzuschießen – der Zeitdruck rechtfertigte da wohl aus deren Sicht die mangelnde Recherche und die übrige Unseriosität.

  • #27
    Ulrich

    @Arnold Voss:

    Ich bin jemand, der seriösen Journalismus bevorzugt. Muss Sie aber nicht stören. Die Geschmäcker sind halt unterschiedlich.

  • #28
    LPK-Mitglied

    Wenn man mal versucht, alle Polemik beiseite zu lassen, dann geht es doch zentral um die Frage, wie gut belegt die Story des Sterns ist. Dazu folgende Anmerkungen:

    1. Es gibt keine schriftlichen Beleg, dass K.-H. Steinkühler Theobald Tiger ist. Fakt. Was es allerdings gibt: Einen Artikel auf den Nachdenkseiten vom 29.4.2010, der genau dies unterstellt.

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=5345

    Das heißt seit zwei Jahren ist die Identität des Tigers jedem kundigen Thebaner bekannt. Der Darstellung der Nachdenkseiten wurde übrigens nie widersprochen, von einer Unterlassungsverfügung mal ganz zu schweigen. Mal ganz freundlich ausgedrückt heißt das zumindest: KHS hatte relativ geringes Interesse, eine Autorenschaft für WIR-In-NRW zu leugnen. Fakt.

    2. Nach der Wahl bekommt der gute, investigative Journalist KSH plötzlich mehrere äußerst lukrative Aufträge des Landes NRW. Nun aber erkennt selbst ein Volltrottel, dass zwischen investigativer Recherche und der Produktion von PR-Hochglanz-Machwerken gewisse Unterschiede herrschen. Wenn nun das Land NRW KHS die Produktion letzterer anvertrauen wollte, dann wäre es übliches Geschäftsgebaren, sich erst einmal von der Qualität eines ersten Machwerks zu überzeugen. Dies geschah, wie jeder im Dossier der Landesregierung an den Daten der Auftragsvergabe erkennen kann, nicht. Fakt.

    3. Das Land will in einer Situation, in der jedes LPK-Mitglied über die Identität glaubte Bescheid zu wissen, nichts von diesen Gerüchten gehört haben, so dass eine Auftragsvergabe unproblematisch war. Das kann stimmen, würde allerdings bedeuten, dass Regierungssprecher Thomas Breustedt und die ihm zuarbeitenden Ministeriums-Sprecher samt und sonders ihren Job nicht beherrschen.

    4. Dass alles zusammengenommen, ist in der Tat immer noch kein juristisch schlüssiger Beleg.

    Wenn man den allerdings möchte, kann man 90 Prozent aller investigativen Geschichten nicht machen.

    Auch in der Juristerei hat sich der Begriff des „Bösen Anscheins“ durchgesetzt. Bei Amtsträgern wird – zu Recht – erwartet, dass selbst der böse Anschein der Korruption vermieden wird.

    Dass ist ein Kriterium, was selbstverständlich auf das Handels des Landes NRW anzuwenden ist, allerdings auch geeignet ist, als Kriterium zur Beurteilung von Journalisten zu dienen.
    ————————————————————————-

    Und ja, in diesem Falle gibt es einen bösen Anschein. Und ich finde, das reicht, zumindest verlangen zu dürfen, dass dieser böse Anschein aufgelöst wird. Dieses vermochte bislang weder das Dossier der Landesregierung noch das hartnäckige Schweigen des KHS.

    Und wenn ich mir das diffamierende Gegeifer des Blogs zu David Schraven so durchlese, dann wird dieser Eindruck weiter verschärft. Denn man muss einen Hund schon verdammt hart treffen, dass er so quiekt.

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