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Frank Patalong: „Wer ein Medium schätzt, sollte es unterstützen“

Als Frank Patalong Ende im März auf Spiegel-Online einen Artikel über die Werbeblocker veröffentlicht hatte, gab es Ärger. Ihm wurde in Blogs Qualitätsheulsusenismus vorgeworfen, in Mails wurde er beschimpft und auch im Forum von Spon gab es nur wenige Diskutanten, die sich ihm anschlossen. Dabei hatte sein Text eigentlich eine ganz einfache Botschaft: Auch Internet-Medien müssen Geld verdienen. Wir sprachen mit dem Spiegel-Mann über seine Thesen.

Herr Patalong, Ihr Artikel auf Spon über die Auswirkungen von Werbeblockern auf digitale Medien im März setzte eine heftige Diskussion in Gang. Haben Sie die zumeist negativen Reaktionen überrascht?
Nein, mich haben die Reaktionen nicht wirklich überrascht. Es war ja auch nicht der erste Artikel zum Thema Werbeblocker auf Spiegel-Online. Ich arbeite seit 16 Jahren Online und mir war klar, dass viele Leser mit der Kritik am Einsatz von Werbeblockern nicht einverstanden sein würden.

Gab es auch Zustimmung?
Ja, vor allem in persönlichen E-Mails, aber auch da waren die Unterstützer in der Minderzahl. Im Forum auf Spiegel-Online begann die Diskussion durchaus differenziert, kippte aber sehr schnell und wurde dann von den ablehnenden Kommentatoren bestimmt. Verständnis für meine These, dass der Einsatz von Werbelockern erstens gegenüber Online-Medien unsolidarisch ist und sich Nutzer mittelfristig selbst damit schaden, war selten.

Die Nutzer von Werbeblockern sind in der Minderheit. In ihrem Artikel schrieben Sie, dass zwischen 5 und 25 Prozent aller Leser Werbeblocker einsetzen. Die könnte man auch ignorieren.
Nein, das kann man nicht. Es ist doch ein offenes Geheimnis, dass die meisten professionellen Online-Medien in Deutschland rote Zahlen schreiben. Das trifft auf die Angebote von Magazinen und Zeitungen ebenso zu wie auf die großen Blogs. Wir alle versuchen, uns mit Werbung zu finanzieren. Die Margen sind im Vergleich zum traditionellen Geschäft aber sehr gering, auch bei Spiegel-Online. Dabei gehören wir ja zu den wenigen, die Geld verdienen. Brechen dann 10 Prozent der möglichen Einnahmen durch Werbeblocker weg, kann das den Unterschied ausmachen zwischen gerade noch im Plus oder schon deutlich im Minus. Kosten verursacht derweil auch der Traffic, der nicht mit Werbung unterfüttert ist.

Was mich an der Diskussion erschüttert hat, war die Häme, mit der zum Teil diskutiert wurde. Medien werden von Menschen gemacht, die davon leben. Es kostet nun einmal Zeit, eine gute Geschichte zu recherchieren, und derjenige, der das macht, muss seine Arbeit bezahlt bekommen, sonst kann er sie nicht leisten. Mein Artikel hatte eine ganz einfache Aussage: Wer ein Medium schätzt, sollte sich nicht daran beteiligen, seine wirtschaftlichen Grundlagen zu zerstören.

In vielen Kommentaren wurden penetrante Werbeformen wie Pop-Ups kritisiert.
Zu Recht. Es gibt Werbeformen, die sind eine Zumutung für die Leser und dazu gehören die leidigen Pop-Up-Kaskaden. Auf Spiegel-Online verzichten wir auf Pop-Ups, aber manche Medien haben gar keine Alternative und müssen jede Werbeform akzeptieren, die ihnen angeboten wird. Aufdringliche Werbeformen wünschen sich nicht die Medienmacher, sondern die Werbewirtschaft. Auch die muss lernen, dass sie sich mit solchen Formen selbst schadet. In dieser Hinsicht ist die in der Diskussion zum Artikel geäußerte Kritik höchst konstruktiv.

Es ist allerdings auch naiv, Werbung zu fordern, die nicht auffällt. Werbung muss auffallen und sich von dem redaktionellen Teil absetzen, sonst hat sie keine Wirkung.

In einigen Kommentaren wurde Google-Textwerbung als Beispiel für gute Werbung genannt. Nur Google-Werbung lohnt sich für die Anbieter von Inhalten kaum.
Google-Werbung nutzt vor allem Google. Damit bekommt man kein aufwendiges redaktionelles Angebot finanziert. Und es gibt einen großen Unterschied zwischen der Werbung auf einer Suchmaschine und auf einer redaktionellen Seite: Der Erfolg von Google-Werbung beruht auf der permanenten Beobachtung des Nutzerverhaltens. Würden wir das tun, gäbe es zu Recht heftigen Protest. Wir kommen an klassischer Werbung nicht vorbei: Wer ohne Werbung lesen will, wird mittelfristig zahlen müssen oder akzeptieren, dass „seine“ Medien irgendwann nicht mehr die gewohnte Qualität oder Quantität bieten.

Wie das Beispiel Ars-Technica gezeigt hat, ist es für Verlage kaum möglich, Leser mit Werbeblockern auszuschließen.
Ars Technica schlug eine regelrechte Hasswelle entgegen. Aber es widerspricht auch der Denke eines Medienmachers, Leser auszuschließen: Wir wollen möglichst viele erreichen, mit einem möglichst guten Produkt. Das unabhängig und werbefinanziert hinzubekommen, ist das Ideal. Auch Paid-Content wird für die meisten existenzgefährdend werden. Wir werden das sehen: Wenn Rupert Murdoch im Juni The Times zu einem Paid-Content Angebot umbaut, wird der Preis dafür ein massiver Reichweitenverlust sein.

Wenn die Onlineausgabe von The Times dann rentierlich wäre, hätte er sein Ziel erreicht. Ein kleines, teures Magazin wie Mare macht auch Gewinn. Im Gegensatz zu vielen Tageszeitungen, die viel höhere Auflage haben.
Man kann aber ein Special-Interest Magazin wie Mare nicht mit einer Tageszeitung oder einem Nachrichtenmagazin vergleichen. Das geht weder im Print noch online. Nachrichtenmedien gewinnen ihre Bedeutung durch ihre Reichweite. Sie müssen rentierlich sein, aber gleichzeitig viele Menschen erreichen und eine möglichst hohe Qualität haben.

Qualität erreicht man auch im Medienbereich durch viele und gute Mitarbeiter.

Viele Verlage haben in den vergangenen Jahren Personal abgebaut und ganze Redaktionen geschlossen. Das hat der Qualität geschadet. Man kann dann natürlich leicht sagen „So ist der Markt, es gab eben nicht genug Leser, die Geld für diese Zeitungen oder Magazine ausgeben wollten.“ Aber das ist zynisch, denn in einer Zeit, in der man jede Information, fast jeden Artikel, Film oder jedes Musikstück auch umsonst bekommen kann, gibt es keinen Markt im klassischen Sinne mehr.

Dazu kommt, dass in den vergangenen Jahren die Anzeigenumsätze nicht nur zurückgegangen sind. Sie sind kollabiert. Das hat nicht in erster Linie diejenigen getroffen, die einfach nur Pressemitteilungen kopieren und billig arbeiten, sondern vor allem die Qualitätsmedien, die einen hohen Aufwand treiben. Die einst einflussreiche Frankfurter Rundschau ist auf dem Weg zu einer Regionalzeitung und schon vom Format her geschrumpft. Die Süddeutsche Zeitung ächzt unter dem Kostendruck, und das obwohl sie am Markt erfolgreich ist und hervorragende Leserzahlen hat.

Wir leben in einer Umbruchphase mit einer fatalen Ungleichzeitigkeit: Während der Anzeigenmarkt im Printbereich zusammenbricht, wachsen die Umsätze online in viel zu geringem Maße. Aber es ist trotzdem falsch, von einer Kannibalisierung der Zeitungen durch das Internet zu reden. Bei allen Problemen haben auch Magazine und Zeitungen von der Entwicklung des Internets profitiert.

Wie das denn?
Durch neue journalistische Formen. Bis vor gar nicht so langer Zeit waren Zeitungen und Medien sehr trocken, sehr nachrichtenlastig und mit wenig Mut zur Meinung. Das hat sich geändert. Der meinungsfreudige, beschreibende Journalismus aus den Online-Redaktionen hat sich positiv auf alle Medien ausgewirkt.

Aber den gab es doch schon lange vor der Popularisierung des Internets: Angefangen bei Hunter S. Thompson und Tom Wolfe seit den 60er Jahren in den USA über Stadtmagazine, Tempo oder die Spex hatte sich diese Öffnung schon lange vollzogen.
Ja, die Wurzeln dieser Art zu schreiben sind alt, aber die großen Redaktionen hat diese Veränderung erst über das Internet erreicht. So manche konservative, staubtrockene Zeitung hat sich erst über die Erfahrungen, die sie Online gemacht hat, deutlich verjüngt. Denken Sie mal an die „Welt“ vor zehn Jahren und heute. In den Szenemagazinen gab es das alles viel früher.

Es gibt ja viele Ideen jenseits von Werbung und Paid-Content im Web: Apps, eine Kulturflatrate, Spenden…
Bei den Apps, also dem Paid Content jenseits des Webs auf Produkten wie dem iPad, wird in den kommenden Monaten viel passieren. Die ganze Branche arbeitet an adäquaten Produkten mit einem Mehrwert, der so überzeugend sein soll, dass Leser bereit sind zu zahlen. Ob solche Produkte sich durchsetzen werden, bleibt abzuwarten. Vor einer Kulturflatrate graust es mir: Würde es da dann, wie bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, paritätisch oder nach Proporz besetzte Kommissionen geben, die über Verteilschlüssel entscheiden? Und vielleicht käme auch jemand auf die Idee, verschiedene Medien auszuschließen. Zum Beispiel Gamer-Magazine, die über indizierte Computerspiele schreiben? Ich bin kein Neoliberaler, aber hier sind mir die Entscheidungen des Marktes lieber als die von Kommissionen. Wir brauchen keine staatlich kontrollierten oder steuerähnlich finanzierten Medien, sondern unabhängige, die sich ohne Existenzangst auch mal Unbeliebt machen können.

Bleibt das Sponsoring.
John Perry Barlow forderte ja schon in den 90ern, dass Medien in Zukunft von Mäzenen finanziert werden. In der Renaissance, so sein Argument, hätte das ja mit der Kunst auch geklappt.

Das letzte Abendmahl von da Vinci kann sich sehen lassen.
Ja, das ist gelungen. Aber ich möchte trotzdem keine Nachrichtenmagazine von Parteien und keine Computermagazine von Sony, Apple oder Nintendo. Unabhängiger Journalismus ist ein hohes Gut. Ich bleibe dabei: Jeder sollte die Medien, die er schätzt, unterstützen. Er sollte sie als Magazine oder Zeitungen kaufen, wenn er will, und sie online zumindest nicht daran hindern, Geld zu verdienen.

Foto: C. Patalong

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24 Kommentare zu “Frank Patalong: „Wer ein Medium schätzt, sollte es unterstützen“

  • Pingback: Tweets die Spiegel-Netzwelt Chef Frank Patalong im Interview über die Kritik an seinem Spon-Artikel: erwähnt -- Topsy.com

  • #2
    Jens Best

    Werbung im erträglichen Maße ist ok, insbesondere deswegen, weil ich mittlerweile einen „inneren“ Werbeblocker habe, der sehr zuverlässig arbeitet. Wenn ich mir die durchschnittlichen Klickraten bei Bannern anschaue, dann scheine ich damit nicht allein zu sein, die bewegen sich erfahrungsgemäß im Promille-Bereich.

    Man könnte die Diskussion auch anders anpacken. Wenn immer mehr Menschen (25% aktiv, und erst die Dunkelziffer…) Werbung als eine Belästigung wahrnehmen und die dahinterstehenden Konsumaufforderungen in dieser plumpen Art ablehnen, muss man sich als Kapitalist des vergangenen Jahrhunderts angstvoll und machtsäuerlich am Kopfe kratzen.

    Wenn der Mensch also ablehnend gegenüber der täglichen Kaufmanipulation dasteht ist das für einen Rätsel- und Schmonzetten-Blättchen verkaufenden Herrn Burda ein Abgesang auf ein oder zwei seiner Verkaufsmethoden, für den Nachrichtenmacher allerdings sollte es eine Freude sein, denn es heisst doch, dass er jetzt endlich den aufgeklärten, selbstbestimmten Leser hat, den er sich doch auch hoffentlich gewünscht hatte.

    Ergo sollte der Dialog mit dem Leser über nicht-invasive Finanzierungsmodelle wie z.B. kaschingle im Vordergrund stehen. Freiwilliges payment ohne eine paywall.
    Das wird nicht reichen? Erstmal ausprobieren und sehen.

    Und schließlich hat es bis dato noch nie gereicht bei der direkten Finanzierung von Nachrichtenjournalismus. Querfinanzierung war immer ein nötiges Modell, aber erst haben sich die Verleger die Kleinanzeigen u.ä. von digitalen Entrepreneuren wegnehmen lassen und jetzt, wo sie es (teilweise) eingekauft haben, hat es durch die umsatzvernichtende digitale Effizienz selbst Federn lassen müssen und wird komischerweise nicht mehr eingesetzt, um News-Websites im eignen Verlagshaus querzufinanzieren. Will sagen – denkt mal über zusätzliche bezahlte (Wissens-)Dienste nach – bevor man diese euch auch noch vor der Nase wegschnappt.

    PS: Oh, Häme im SPON-Userforum? Nun es ist zwar nicht das heise/telepolis-Forum, aber wie das halt so ist mit großen Allgemeinforen – „Entdecke den Troll in dir“ – da lobe ich mir doch die Blogosphäre

  • #3
    FS

    Was ich mich schon länger frage: Warum arbeiten die „vernunftigen Teile der Werbeindustrie“ nicht an einem eigenen Firefox-Adblocker? Der Deal dahinter könnte einfach sein: Ihr (die Leser) akzeptiert unsere Werbung und finanziert damit die Medien, wir (die Werbeindustrie) bieten Euch dafür eine seriöse Form der Werbeanzeigen (kein Blinken, kein Lärm, keine Pop-Ups, keine Layer) und filtern gleichzeitig die Belästigungen der unseriösen Konkurrenz raus.

    Ich kenne einige Leute die das akzeptieren würden.

  • #4
    Exmachina

    Als kleine Ergänzung zum Werbeblocker Diskurs. Viele Leser benutzen Ad-Blocker ja nur, um „in Ruhe“ einen Artikel zulesen. Das kleine Bookmarklet Readability bietet Lesbarkeit und reduziert trotzdem nicht die Bannerauslieferung, weil man zuvor die „normale“ Ansicht des Artikels besucht haben muss und hinterher dorthin zurückkehren „muss“, um weiter zu surfen. Ggf. könnte das so Klicks und damit auch Bannerauslieferung erhöhen.

  • #5
    truetigger

    Irgendwie ist das Interview einfach nur eine Fortsetzung des SpON-Artikels – was nicht an den Fragen liegt, die ja auf die Reaktionen des ursprünglichen Artikels eingehen, aber an den Antworten Hr. Patalong. Für mich, der diese Meinung nicht teilt, ergibt sich kein einziger neuer Gedanke durch das Interview.

    Natürlich bin ich Realist: solang man nicht in der Medienwelt arbeitet und der eigene Job von Klickzahlen abhängt, kann man nicht auf Augenhöhe mit den Medienmachern mitreden. Was weiss ich schon über Finanzierung, Kosten und Werbe-Reichweiten-Messung. Würd ich für ein Magazin schreiben, hätte ich vielleicht auch diese Meinung, dass Werbeblocker eine Gefahr für meine Zukunft darstellen.

    Doch aus meiner Position als Leser wirkt die Argumentation nach wie vor milchmädchenrechnungshaft:

    (1) Wieso sollte „Nichtblocken“ von Werbung zählen? Am Ende zählt, ob Werbung zu mehr Verkäufen führt. Wer also seinem Webmagazin helfen will, müsst konsequenterweise Werbung nicht nur anschauen, sondern auch die beworbenen Sachen kaufen.

    (2) Ohne Werbeblocker ist das Internet insgesamt eine Zumutung, was einem erst beim Surfen am fremden Rechner auffällt. Wer sein Geschäftsmodell auf nervige Dauerbeschallung der Besucher aufbaut, muss mit Gegenwind rechnen.

    (3) Synergie-Effekte werden in der Rechnung komplett unterschlagen. Vielleicht fallen sie nicht ins Gewicht, aber verschweigen ist keine Lösung. Profitiert SpON nicht durch Twitter-Links und Links in Blogs durch Reichweitenerhöhung auch davon, dass werbeblock-nutzende Leser SpON weiterverlinken? Führen gute SpON-Artikel nicht auch zu Käufern der Print-Ausgabe? Führen nervige Werbebanner andersherum nicht auch zu „Der Spiegel kann mir gestohlen bleiben“-Print-Verlusten? Ist nicht ein guter SpON-Artikel auch eine Werbung für den Spiegel an sich – und ein mieser „aus Kostengründen zusammengeschmierter“ ein Schaden für den ganzen Spiegel? NICHTS davon wird von Frank Patalong auch nur angeschnitten.

    (4) 1x geblockte Werbung = 1x entgangener Umsatz, wir = Qualitätsmedium – so ähnlich argumentiert ja auch die Musikindustrie. Ist diese Denkweise nicht ein BISSL zu simpel für einen intelligenten Leser?

    Ich gönn Frank Patalong seine Meinung. Ich geb gern zu, dass ich vielleicht anders denken würd, wär mein Job von einem Online-Medium abhängig. Und die Zeitungs/Zeitschriften-Branche IST definitiv in einer Krise. Aber das an Werbeblockern festmachen und de facto so zu 100% dem ach so unkooperativen Leser quasi als Schuld zuzuschieben ist eine Denkweise, die sich mir auch nach diesem Interview nicht einmal ansatzweise erschliesst.

    Das Messen von „verbrauchter“ Werbung ist doch nix anderes als Kaffeesud-Lesen und geht keinen Millimeter auf die echten Probleme ein, die Online-Medien zweifelsfrei haben.

  • #6
    Stefan

    Diese Diskussion gab es schon beim Aufkommen des Videorekorders vor 25-30 Jahren: Ist das nicht verwerflich, wenn Konsumenten bei Werbung vorspulen können?

    Warum gibt es die Debatte eigentlich nicht mehr beim Fernsehen? Fast jeder, den ich kenne, zappt bei Werbung erstmal kurz weiter. Nicht unähnlich dem Adblocker.

    Was ich ebenfalls noch nicht erwähnt fand: Adblocker sind auch nötig für Leute mit begrenztem Datenvolumen: Aufgrund häufigen Ortswechsels habe ich nur eine Mobilfunkflat und diese werden ja nach 5 GB „Fairflat“ gedrosselt. Also spare ich mir schon mal das Datenaufkommen der Werbung. Gebt mir eine echte Flat und ich schalte das Ding ab.

  • #7
    Boris Schneider-Johne

    Frank hat leider Recht und die die „weniger und weniger auffällige Ads“ fordern haben, nach den Gesetzen der Marktwirtschaft, Unrecht.

    Wenn Spiegel Online eine Nachricht mit Bannerads versieht, klebt er ein Preisschild drauf. Wenn mir der Preis nicht gefällt, ist mein Recht als Kunde, das Produkt nicht zu kaufen.

    Es ist aber nicht mein Recht als Kunde, den Preis abzureißen und einfach so durch die Kasse zu gehen, ohne zu bezahlen.

    Nur weil das technisch (Werbeblocker) geht, ist es nicht automatisch das Recht des Kunden. Es ist, so sehr den Piraten-Partei-Mitgliedern und „Information should be free“-Jüngern das nicht gefällt und sie dann Haß-Mails schreiben, immer noch das Recht des Erzeugers, festzulegen, zu welchen Bedingungen er sein Produkt abgibt.

    Das Recht des Kunden ist, es dann eben nicht zu konsumieren.

  • #8
    Exmachina

    Als wirklich ernst gemeinter Einwurf in der Hoffnung auf gütliche Einigung: Lieber Boris Schneider-Johne, die Vergleiche der Byte-Wirtschaft mit der Atom-Wirtschaft sind zwar sehr plastisch gerade wenn es um Vergehen geht, aber leider ebenso verkürzend und verhindern einen sachlichen Diskurs zwischen beiden Seiten. Seine Kunden (auch noch sachlich falsch) zu Kriminellen zu abstempeln, hat auch die Game-Branche keine Schritt weiter gebracht.

  • #9
    Du

    Mein lieber Boris man sagt: Bleib bei deinen Schuster… was hast du denn für ein mist erzählt? Es geht um – Werbung nervt – thema. Punkt. Wer hat von „klau“ gesagt???

  • Pingback: Kaputtes Geschäftsmodell

  • #11
    Boris Schneider-Johne

    Komisch, daß immer das luftleere Argument kommt, Atome und Bits wären nun mal unterschiedlich, ohne jemals auf das wirklich grundlegende Paradigma einzugehen, daß der Erzeuger der Information tatsächlich das Geschäftsmodell festlegen darf und nicht der Kunde. Selbst der Friseur, der eine „Zahlen Sie, was Sie wollen“ Aktion macht, hat die Entscheidung dazu aktiv getroffen, nicht der Kunde, der dem Friseur nach dem Haarschnitt unvermittelt sagt – wissen sie was, ich geb ihnen 5 Euro weniger.
    Webseite mit Werbeblocker angucken bedeutet: Ich nehme mir die Information aber verhindere, daß der Erzeuger der Information Umsatz macht.
    Das berühmte Piraten-Argument, ich hab ja nichts „geklaut“, weil die Webseite ist ja noch da, anders als ein geklauter Apfel, lenkt nur davon ab, daß ich nicht gezahlt habe. Ich habe dem Erzeuger den UMSATZ geklaut. Den hat er nicht. Auch beim Ladendiebstahl geht es nicht darum, daß der Supermarkt verzweifelt alle Äpfel behalten möchte. Nein, er will ja, daß Leute die Äpfel mitnehmen, aber eben auch Geld als Gegenleistung dalassen.
    Es ist schade, daß auch sehr intelligente Leute ernsthaft meinen, die digitale Welt gäbe ihnen das Recht, sich Leistungen zu erschleichen, schlicht und einfach weil es technisch geht und nahezu perfekt anonym ist. Bits statt Atome sagt in diesem Zusammenhang nur: Der Kunde kann sich einfacher vor dem Bezahlen drücken.

  • #12
    H.

    @Boris, wenn der Anbieter mir also großzügig das „Recht“ anbietet, sein Produkt nicht zu konsumieren, weil mir seine Bedingungen nicht gefallen – dann will ich aber auch kein Gemaule von Leuten wie Dir hören, wenn ich dieses Recht dann auch ausübe.

  • #13
    Hanno Zulla

    Wow, sehe gerade in Deinem Blog, Du bist _der_ Boris Schneider. Mr. Monkey Island schimpft auf Piraten?

    Bin ehrlich überrascht, dass ein Held meiner IT-Jugend hier unvermittelt so einen Rant schreibt, der zudem nicht so wirklich viel mit Patalongs Interview zu tun hat: Der Artikel handelte von Werbeblockern, nicht von hinkenden Ladendiebstahl-Vergleichen, „Information should be free“-Diskussionen oder Piratenwählern.

    Wer sich mit dem Betrieb von werbefinanzierten Websites ein wenig auskennt, kann bestätigen: Die Mehrheit akzeptiert Werbung auf Websites, wenn (ja, genau, Boris!) sie nicht nervt.

    Nur eine sehr sehr kleine Minderheit der Internet-Surfer verwendet Adblocker. Deshalb verstehe ich nicht, warum sowohl Frank als auch Boris hier so auf diese kleine Gruppe schimpfen, als wären sie eine ernsthafte Bedrohung. Sie sind es nicht. Sollen sie doch. Adblocker zu beschimpfen ist nur eine Ablenkung vom eigentlichen Thema. (Dreiköpfiger Affe!)

    Das eigentlich Problem ist doch, dass überraschend viele Journalisten ihr eigenes Geschäftsmodell nicht verstanden haben und jetzt offenbar total überrascht sind, dass die Leser nicht den Inhalt, sondern nur die Distribution bezahlt haben. Und dass die Gehälter und damit der Inhalt im wesentlichen über die Anzeigenpreise finanziert wurden. http://www.marian-semm.de/2010/01/100-jahre-ahnungslosigkeit-journalisten-und-das-geschaeftsmodell-serie-lokalzeitung-2-0-folge-2/

  • #14
    Exmachina

    Boris Schneider-Johne, der Grund warum Vergleiche zwischen Bytes und Atomen keine luftleere Argumente sind ist der, dass sie dem Gegenstand des Problems nicht gerecht werden. Ich glaube hier sind wir uns ja einig. Es geht um das grundlegende unternehmerische Paradigma.

    Was Medien angeht unterscheidet sich dieses Paradigma nuneinmal auf Grund der Art des Gutes erheblich von Atomen und es wird deutlicher, wenn man Online mit Fernsehen vergleicht. Ich hoffe, wir sind einer Meinung, wenn ich sage, dass es kein Vergehen ist als Fernsehzuschauer, bei der Werbung umzuschalten oder wenigstens den Ton auszumachen. Ich habe hier bewußt das Wort „Vergehen“ gewählt, um auszudrücken, dass es im Gegensatz zum Klauen von Äpfel nicht strafbar ist. Alternativ stellt sich die Frage ob das Verhalten bei Werbung im Fernsehen umzuschalten fair gegenüber den Fernsehsendern ist.

    Wenn ich mich nicht irre (ich bin auf dem Gebiet kein Experte) dann ist den Fernsehsendern ziemlich egal, ob die Zuschauer umschalten oder nicht. Denn die Werbetreibenden zahlen nach Anzahl der Zuschauer im dem Umfeld in dem sie werben. Und ich glaube weder die Fernsehsender noch die Werbenden betrachten Umschalten als „Klauen“ in Sinne eine strafrechtlichen Vergehens. Und zwar aus einem guten Grund: Es ist Teil des Wesens des Mediums. Es ist Teil der Grundlage auf der sowohl Produzenten als auch Konsumenten einen Deal eingehen. Der Produzent hat schlicht nicht die Möglichkeit ein Geschäftsmodell einzufordern, das durch das Medium nicht umsetzbar ist. Fernsehsender können ihren Zuschauern nicht verbieten oder es gar zu einem strafrechtlichen Vergehen erklären, Umzuschalten, weil es das Medium nicht ermöglicht, das sicherzustellen. Darauf haben sich die Betreiber des Fernsehsenders eingelassen, als sie entschlossen haben, einen Fernsehsender zu gründen.

    Um zu wissen, was im Zusammenspiel zwischen Medien und deren Konsumenten ein Vergehen oder auch nur unfair ist, muss man sich also anschauen, was die Grundlagen des Mediums sind. DESWEGEN bin ich der Meinung, dass die Vergleiche mit Supermärkten und Äpfel wenig hilfreich sind.

    Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich rechtfertige damit weder den Einsatz von Werbeblockern, noch von illegalen Kopie von Spiele oder anderen Medien. Das ist mit meinem Argument nämlich gar nicht ohne weiteres nötig, weil wir dafür eine Defintion des Wesens des Medium benötigen. Das ist bei digitalen Medien weitaus schwieriger als bei ihren Vorgängern. Denn digitale Medien versetzen sowohl Produzenten (bspw. mit DRM-Systemen) als auch Konsumenten (mit Ad-Blockern) in die Lage, diese Grundlagen in einem gewissen Rahmen selber zu definieren.

    Das spannende daran: Das Verhalten von Produzenten und Konsument VERÄNDERT tatsächlich das Medium. Was meine ich damit: Es wäre für jeden Webseitenbetreiber technisch einfach, zu verhindern, dass Leser Werbeblocker verwenden: Man redendert einfach die ganze Webseite als Graphik einschl. der Banner und legt für die Links eine Image-Map darüber. Dafür gibt es fertige, kostengünstige Lösungen.
    Aber damit ändert sich natürlich das Wesen des Mediums.

    Genau das gleiche nur von der anderen Seite macht der Leser der Ad-Blocker einsetzt. Er verändert die Grundlagen auf denen der Produzent seine Inhalte anbietet und verändert damit grundlegend das Wesen des Mediums.

    BEIDE SEITEN haben dann die Wahl, ihre Unternehmung (Content Angebot oder Content Konsum) aufzugeben.

    Ich hoffe sehr, ich trage hiermit etwas zu Versachlichung der Diskussion bei.

  • #15
    Hanno Zulla

    Nachtrag @Boris, wenn Du das Fass hier schon aufmachen willst:

    Der Erzeuger der Information [darf] das Geschäftsmodell festlegen und nicht der Kunde.

    Hier ist aber tatsächlich der Unterschied zwischen physischem Apfel und digitaler Information leider ein sehr wichtiger. Deshalb funktionieren ja Analogien wie „Ladendiebstahl“ auch nicht.

    Erstens ist ein „Kunde“ von Informationen immer auch ein „Erzeuger“. Stichworte originärer Content, Plagiat, Remix-Kultur. Dazu ist schon genug geschrieben worden, nur soviel: Information wird nicht „erzeugt“, sie wird aus vielen Quellen zusammengestellt. auch Journalisten sind keine Informationserzeuger, sie schreiben unglaublich viel ab, mit und ohne Quellenangabe, sie filtern und prüfen Informationen für mich, den Leser. Ich weigere mich jedenfalls, z.B. Spiegel Online als den „Erzeuger einer Information“ zu sehen. Eher als wirklich guten Remixer.

    Zweitens ist das Problem bei digitalen Geschäftsmodellen deren Durchsetzung. Wenn der Anbieter dem Konsumenten das Kopieren oder den Abruf per Adblocker verbieten will, muss er restriktiv den abrufenden Computer kontrollieren können, zum Nachteil des Nutzers. Das nennt sich dann DRM und hat auf technischer Ebene noch nie geklappt, jedes DRM ist geknackt worden. Um das zu verhindern, müsste man drakonische Gesetze einführen und diese auch durchsetzen, was aber zu gesellschaftlichen Problemen und zum Gegenteil des Ideals einer „Wissensgesellschaft“ führt, von der wir ja alle sonst so gerne sprechen.

    Und damit sind wir dann bei den von Dir so ungeliebten Argumenten der Piraten (die ich übrigens längst nicht alle teile, aber sie sprechen einige Dinge an, die diskutiert werden sollten). Tatsache bleibt, dass Computer Kopiermaschinen sind. Damit müssen wir jetzt umgehen.

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  • #17
    truetigger

    Wenn der Informations-Anbieter (bleiben wir der Einfachheit halber beim Spiegel Online) denn auch wirklich „Sie müssen die Werbebanner mind. 4 Sekunden intensiv betrachten, jedes einzelne.“ als Preis DRAUFSCHREIBEN würd – aber einfach davon ausgehen, dass nervige Werbung als Preisschild wahrgenommen wird ist schlicht an der Realität vorbei.

    Vielleicht geht es nur mir so – ohne Werbeblocker nervt das Web schon nach 2min, lange bevor man überhaupt beim SpON ist. Teils ist man sich bei den Werbeeinblendungen nicht sicher, ob sie einfach nur falsch programmiert sind, wenn man die Buttons zum Wegklicken nicht findet. Ich schalte Werbeblocker nicht ein, um einer Publikation „zu schaden“, sondern um überhaupt die Nachricht lesen zu können. Explizit und für bestimmte Publikationen „den Werbeblocker ausschalten“ wär machbar und auch vorstellbar, nur leuchtet mir nicht ein, was jemand davon hat, wenn ich mir Werbung anschau. Das Prinzip hab ich schon beim Privatfernsehen nicht verstanden. Hat wohl mit Psychologie zu tun, und vielleicht rentiert sich das ja bei der Masse der Menschen, aber dann hat man ja „AdBlocker“ eh als Grösse in der Rechnung, oder man rechnet schlichtweg falsch.

    So oder so, ich SEHE einfach keinen Vertrag, den ich mit AdBlocks mutwillig unterlaufe. Wer meint im Netz rote Zahlen zu schreiben soll sein Geschäftsmodell anpassen. Sollen sie die Werbeblocker blocken, ist ihr gutes Recht. Stellt auf Bezahlinhalte um! Zieht euch aus dem Internet zurück! Verzichtet auf YouTube-Beiträge, Podcasts etc. Aber Inhalte ausliefern und dann jammern, dass sie „ausgeraubt“ würden, das ist armselig.

  • #18
    pmn

    „Aber ich möchte trotzdem keine Nachrichtenmagazine von Parteien und keine Computermagazine von Sony, Apple oder Nintendo.“

    Wie man hier lesen kann, ist man aber auch von Werbekunden nicht gerade unabhängig.

  • #19
    Gelegenheitsleser

    M.E. stimmen schon die Voraussetzungen für einen fruchtbaren Dialog nicht:

    > „Auch Internet-Medien müssen Geld verdienen.“

    denn da fehlt:
    „… wenn sie auf dem Geschäftsmodell basieren, damit Geld verdienen zu wollen.“

    Klar daß einer der sich dafür entschieden hat davon zu leben, nun darüber klagt, daß es nicht mehr so einfach ist wie früher.
    Doch was interessiert es mich?? Denn genau da sind wir schon bei Punkt 2:

    > „Wer ein Medium schätzt, sollte es unterstützen“

    Woher das übersteigerte Selbstbewußtsein, daß jeder SPON-Leser SPON auch toll findet? Wenn man da 1-2 mal die Woche aus Langeweile drauf rumklickt, würde es einen da besonders kratzen, wenn es SPON nicht mehr gäbe??

    Nicht jeder der sich auf eine Seite verirrt und dort paar Minuten verweilt, ist ein Fan derselben.
    Und allen (also auch den Gelegenheitsreinguckern) vorschreiben zu wollen, wie sie ihren Browser zu konfigurieren haben, ist nicht nur frech sondern schon unverschämt.

    Dann lieber eine ehrliche Paywall, als diesen ganzen überschätzen Werbemüll!! Vermutlich würden sich da so einige Redakteure wundern, wie viel (oder wenig) wert ihr Produkt denn wirklich ist 😉

  • #20
    McMurphy

    Sind die Preise für Werbung zurückgegangen, oder wird signifikant weniger Werbung bestellt, weil (Achtung: Kausalität!) die Werbenden wissen, dass („immer mehr“ ) Ad-Blocker verwendet werden?
    Wäre ein tolles Argument für die stark stilisierte Aussage „Wenn ihr unsere Werbung nicht anschaut, müssen wir zumachen“.
    Das habe ich noch nicht gehört.
    Habe ich es übersehen, hat es noch keiner laut gesagt, oder stimmt es gar nicht?

  • #21
  • #22
    braennvin

    Ich raufe mir gerade wieder meine Haare, hat FP eigentlich wirklich die Kommentare im SpOn Forum gelesen?

    Viele Leute da sagen sie sind bereit für Informationen zu zahlen wenn es

    a. ein funktionales Bezahlsystem gibt und

    b. ein echter Mehrwert vorhanden ist,

    nur Werbefreiheit kann das aber nicht sein.

  • Pingback: Linkdump vom Mo, 26. April 2010 bis Di, 27. April 2010 Links synapsenschnappsen

  • #24
    Bernard Rieux

    Mich würde ja jetzt interessieren, wie die Contra-Ad-Blocker-Fraktion das neue Reader Feature vom Safari beurteilt.

    Was Apple stellt damit der Web-Content-Branche ein Armutszeugnis aus, wie es zuvor noch keine gegeben hat. Und das zu Recht, wie ich finden muss.

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