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Karfreitag: Grüne bleiben fromm

Christuskirchen Foto: Ayla Wessel/Kulturagentür

Kaum hatte NRW-Grünen Chef Sven Lehmann laut über ein Ende der Karfreitagsruhe nachgedacht, kam Widerspruch: Aus der Grünen Landtagsfraktion.

In der Rheinischen Post hat der Vorsitzender der NRW-Grünen, Sven Lehmann, laut über die Karfreitagsruhe nachgedacht: „Jeder soll den Karfreitag  nach seiner Fasson begehen.“ Eigentlich logisch. Wer an Karfreitag seine Ruhe haben will, lässt an diesem Tag mal die Death-Metal-Scheiben im Schrank. Und wer Death-Metal hören will, soll das natürlich auch auf Konzerten oder im Club tun können und nicht nur in der eigenen Wohnung. Religion ist Privatsache und nicht die Sache des Staates. Ein Feiertagsgesetz damit so überflüssig wie alkoholfreies Bier.

Irrtum.

In einer gerade veröffentlichten Presserklärung widersprach die Landtagsabgeordnete Sigrid Beer (Grüne), gleichzeitig auch kirchenpolitische Sprecherin und Parlamentarische Geschäftsführerin, Lehmann:

„Für mich als Christin ist und bleibt der Karfreitag ein Stolperstein in der Gesellschaft. Und das ist auch gut so. In unserem gesellschaftlichen Alltag nehmen Hektik und Konsum häufig viel Raum ein. Deshalb braucht diese Gesellschaft auch einen stillen Feiertag wie den Karfreitag, an dem sie auf sich selbst zurückgeworfen wird. Dieser Tag bietet allen die Gelegenheit, sich Zeit zur Besinnung zu nehmen und über die Werte menschlichen Zusammenlebens nachzudenken. Ob dies aus christlicher Motivation geschieht oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Jede und jeder kann diesen Feiertag individuell gestalten.
Wir als Grüne begegnen den Christinnen und Christen in Nordrhein-Westfalen mit der gleichen Toleranz und dem gleichen Respekt wie allen Anders- oder Nichtgläubigen. Zu diesem Respekt gehört auch die Achtung vor religiösen Feiertagen.
Am Feiertagsgesetz ist keine Änderung vorgesehen.“

Amen.

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82 Kommentare zu “Karfreitag: Grüne bleiben fromm

  • #51
    Olaf

    aufgrund der Polularität einer Religion in der Vergangenheit
    Hach, da waren mein Hirn und die Finger noch nicht ganz wach. War ja auch tanzen, vergangene Nacht.
    Muss natürlich
    aufgrund der Popularität einer Religion in der Vergangenheit heissen.

  • #52
    Angelika

    #50 Olaf: „…Ich lehne lediglich den religiotisch wiedersinnigen Schluss ab, aufgrund der Polularität einer Religion in der Vergangenheit,…“ Es ist Samstagmorgen und man kann es ruhig angehen lassen – erst Kaffee, dann tippen …

  • #53
    Angelika

    „Angelika, welchen Kulturkreis meinst du denn nun?
    Den Flickenteppich aus 16 Verschiedenen Regelungen und…

    Oder den Kulturkreis in dem das Tanzverbot ein Ausdruck der Solidarität der Jugend mit der kämpfenden Front ist wie sich NS-Propagandist Walter May-Hermannstadt am 11. April 1943 äusserte?…“ (#50 Olaf)

    Wie du bei diesem Thema auf NS-Propaganda kommst, ist mir schleierhaft.
    Ich klinke mich, bevor es für mich noch undurchsichtiger wird, aus der Diskussion aus.

  • #54
    Olaf

    Angelika
    Wie du bei diesem Thema auf NS-Propaganda kommst, ist mir schleierhaft
    Tanzverbote/Stille Feiertage haben eine Historie. Teil dieser Historie ist die NS-Zeit und die populäre Instrumentalisierung von stillen Gedenken und der Einkehr.
    Zugegeben, NS-Zeit ist unangenehm. Besonders aus Sicht der Kirche die, in meinen Augen, in der Zeit dieser massiven und unbegreiflichen Verbrechen eine wiederliche Bigotterie zur Doktrien erklärte.
    Wer Historie und Tradition in Zusammenhang eines Kulturkreises anführt darf die dunkelste Zeit in der jüngeren Geschichte nicht auslassen.

    Arnold Voss drückte das hervorragend aus:

    Wir bestimmen unser Verhältnis zur Vergangenheit selbst. Jeder für sich und nicht sie für alle anderen, Angelika. Sie haben keine Hoheit über die Vergangenheit.

  • #55
    Jochen Winter

    Liebe Teilnehmer an der Diskussion: Ich schreibe jetzt hier keinen Satz mehr zum Thema. Die Argumente werden immer undurchsichtiger, viele prahlen mit ihrem biblischen Halbwissen, andere haben einen Hasskomplex gegen alles Christliche und der Ton wird sehr schnell persönlich.
    Das ist keine Diskussion mehr für mich. Frohe Ostern! Der Friede des Auferstandenen sei mit Euch meine Brüder und Schwestern 🙂

  • #56
    Katharina

    Zugegeben, habe nicht alles gelesen.
    Aber, Olaf 50 schreibt für die Religonsfreiheit und die Freiheit VON Religion.
    Die haben Sie doch, Olaf, seit dem 14. oder 15. Lebensjahr.
    Sie haben die Freiheit, sich gegen Relgion und Glauben auszusprechen und zu verhalten. Sie müssen gar nichts mitfeiern, Sie haben doch bestimmt den Mut, NEIN zusagen.
    Christen, und es gibt viele Christen in Deutschland, möchten ihre Feiertage
    feiern. Zeigen Sie Toleranz und lassen Sie den Christen die wenigen Tage im Jahr, an denen man sich auf sich selbst, seinen Lebensweg oder Lebensstrategie und auf seinen Glauben besinnen kann und will.
    Es sind nicht viele Tage, die man Ihnen da aufdrücken will. Bei gutem Willen ließe sich das aushalten.
    Auch Christen sind im Alltag gefangen, müssen Kämpfe, Streß und Hindernisse überwinden. Christen bekommen viel Gegenwind im Alltag und haben oft
    Schwierigkeiten, den Alltag mit ihrem Glauben zu verbinden.
    Außerdem gibt es in unserer Zeit soviel Hektik, Streß und Lärm, es tut gut,
    nicht immer und überall beschallt zu werden. Wo und wann ist es im Alltag, in den Straßen und Häusern ruhig.
    Während für die Moslem aus allen Richtungen immer mehr Rechte gefordert werden, sollen die Christen auf immer mehr verzichten.

    TOLERANZ für ALLE, auch für Christen! Auch Christen sind Menschen!

    Übrigens, Christen werden auch verfolgt, gefoltert und getötet.
    Darüber wird kaum berichtet. Wer verteidigt diese Opfer?

  • #57
    Ben

    @Katharina: Ich bin zwar nicht Olaf, aber ich antworte trotzdem mal: Toleranz zeige ich jeden Sonntagmorgen, wenn ich vom Kirchengeläut wach werde und im Sommer das Fenster schließen muss, um noch bisschen länger schlafen zu können. Ich zeige sie dadurch, dass mir öffentlich geförderte (und somit unter anderem aus meinen Steuern finanzierte) Prozessionen, Kirchentage, Papstbesuche und der übrige Kram herzlich egal sind…

    Toleranz für alle forderst Du, aber eigentlich willst Du nur Toleranz für Christen. Was ist so schlimm daran, wenn ein Christ einen stillen Tag daheim verbringen will, ich aber tanzen gehen will? Wo bleibt da die christliche Toleranz? Warum muss ich einen stillen Zwangstag haben, wenn ich eigentlich etwas anderes machen will?

    Stille ist oftmals sehr gut, ja. Aber ist es nicht ein Gebot der individuellen Freiheit mich selbst dazu entscheiden zu können, wann ich diese Stille genießen will?

  • #58
    Katharina

    Hallo Ben,
    es gibt 365 Tage im Jahr. Muß es unbedingt Karfreitag sein?
    Warum so fixiert auf diesen Tag?
    Ich habe Respekt vor gläubigen Menschen.
    Ich respektiere den Freitag für die Moslems, den Samstag, Sabbat für die Juden und den Sonntag für die Christen.
    Jeder Gläubige soll sein Glauben ausleben können.
    Die Nichtgläubigen haben genug Auswahl und Tage, ihren Nichtglauben auszuleben.
    Warum so fixiert auf Christen?
    Es gibt genug Menschen in unserer Gesellschaft, die das Bedürfnis nach Ruhe nicht respektieren. Die ohne die Gesetze noch rücksichtsloser lärmen würden.
    Das hat nichts mit dem Glauben zu tun, da gibt es Menschen jeder Coleur.

  • #59
    Helmut Junge

    @Katharina,
    Es ist nicht so, daß Olaf den Christen verbieten möchte, ihren Karfreitag zu feiern,
    sondern Christen wollen, daß Olaf am Karfreitag nicht tanzen darf.
    Dafür, anderen etwas zu verbieten, kann doch nicht Toleranz beansprucht werden. Umgekehrt wird ein Schuh daraus.

  • #60
    Katharina

    Noch einen Tip, es gibt Ohrstöpsel.
    Ich muß sie tragen, wenn ich Bus oder Bahn fahre und neben, vor mir, hinter mir
    Menschen ihre Musikvorlieben unbedingt lautstark mit anderen teilen wollen, ob diese das nun mögen oder nicht.
    Erfordert sehr viel Toleranz.

  • #61
    Ben

    @Katharina: Warum wir so fixiert auf die Christen sind? Liegt vermutlich daran, dass keine andere Religion in Deutschland so hofiert wird. Oder ist Jom Kippur in Deutschland etwa ein gesetzlicher Feiertag? Nein, also brauchst Du diese Pseudodiskussion um Respekt für andere Religionen nicht anzuführen. Der deutschen Gesetzgebung sind jüdische und muslimische Feiertage herzlich egal und deshalb arbeiten wir uns hier am Christentum ab. Dass wir diese merkwürdige Sonntagsruhe haben, finde ich im Übrigen – angesichts der bestehenden Ausnahmeregelungen – ebenfalls reichlich diskussionswürdig und inzwischen überholt.

    Dass nur das Gesetz die Menschen im Zaum hält, das wage ich jetzt aber ernstlich zu bezweifeln. Doch das ist eine Diskussion, die in die Soziologie gehört, nicht hierher.

    Was nun mein persönliches Problem mit dem Karfreitag anbelangt (abgesehen davon, dass dieser Tag ja nicht der einzige stille Feiertag ist), so muss man wohl wissen, dass ich am Tag drauf Geburtstag habe. Gerne hätte ich meine Freunde eingeladen mit mir zu feiern…

    Und zu deinem Tipp mit den Ohrenstöpseln: Es ist zwar bemerkenswert wie Du das Bild einer fast apokalyptischen Bedrohung durch Lärm zeichnen willst, aber glaub mir, man kann mit dem bisschen akkustischer Belästigung auch ganz gut ohne Ohrenstöpsel leben. Im Übrigen ist die Benutzung solcher ja auch kein Zeichen von Toleranz, sondern eine Art der Verdrängung. 😉

    Ansonsten kann ich Dir nur empfehlen Dir noch einmal durchzulesen, was Helmut Junge geschrieben hat. Das trifft nämlich den Nagel auf den Kopf.

  • #62
    Olaf

    Es sind nicht viele Tage, die man Ihnen da aufdrücken will. Bei gutem Willen ließe sich das aushalten.

    Während für die Moslem aus allen Richtungen immer mehr Rechte gefordert werden, sollen die Christen auf immer mehr verzichten.
    Katharina, um mal ganz durchsichtige Argumente zu nutzen:
    Keine Extrawürste, für niemanden. Keine staatlich gewährten Extrawürste für Katholiken, Protestanten (bzw. jede weitere Splittergruppe die man für gewöhnlich als Christen bezeichnet), Juden, Muslime, Atheisten, Shintoisten, Aladuristen, Mormonen, Wicca, Sikhis, Satanisten, Buddhisten, Baha’i, Zeugen Jehovas, Rastafari, Falun Gong, Taoisten, Episcopale, Scientology, Zoroastrianisten … [uvm.].

    Ich respektiere den Freitag für die Moslems, den Samstag, Sabbat für die Juden und den Sonntag für die Christen.
    Mit Verlaub, nein. Du störst dich nur nicht an ihnen. Oder legst du Freitags zum Mittagsgebet die Arbeit nieder um die Moslems zu respektieren? Betätigst du Samstags keine Schalter, zündest kein Streichholz an, gehst nicht ans Telefon […] um den Sabbat zu wahren? Natürlich machst du das nicht.

    es gibt 365 Tage im Jahr. Muß es unbedingt Karfreitag sein?

    Siehe oben. Keine Extrawürste, für niemanden. Auch nicht mal einen Tag hier, oder da. Garkeinen.

    Es gäbe aber durch die gesamte Bevölkerung, unabhängig jedes Glauben ausreichend Anlässe Verstorbener und Opfer zu Gedenken. Sagen wir z.B. wir wollen den Opfern von Krieg und Tyrannei auf der ganzen Welt gedenken und geben diesem einen gesetzlichen Rahmen. Wir könnten diesen Tag nennen, hrm, mal nachdenken … Gedenken an Menschen die wirklich gelebt und durch Krieg und Hass gestorben sind … ich hab’s! Wir nennen diesen Tag Volkstrauertag! Was?! Den gibt es schon?! Hach …

    Christen bekommen viel Gegenwind im Alltag und haben oft
    Schwierigkeiten, den Alltag mit ihrem Glauben zu verbinden.

    Und womit? Mit Recht … das mag man nun bitte nicht falsch verstehen. Es geht nicht darum DAS Menschen glauben, es geht darum WAS Menschen glauben. Die lächerlichen Geistergeschichten. Den Hokuspokus um literatische Figuren und den Realitätsverlust, die kognitive Dissonanz. Vielleicht muss ich das nochmal, zu Verdeutlichung darstellen: Diese Aussagen beziehe ich auf alle Religionen. Ich bin da Tolerant und lehne alle Extrawürste durch den Staat für alle Religionen und Weltanschauungen ab.

  • #63
    Ulrich

    Jetzt muss ich auch noch zwei Bemerkungen von mir geben:
    Einerseits: Freut Euch doch über den freien Tag, und da wir ihn den Christen zu verdanken haben, könnten wir Nicht-Christen an diesem freien Tag doch auch ein bisschen Rücksicht auf sie nehmen. Ich bin sehr dafür, dass auch einige jüdische und muslimische Feiertage zu offiziellen Feiertagen erklärt werden. (Gerne auch von anderen Religionen, aber da kenn ich mich bisher zu wenig aus.)
    Andererseits: An diesem Tag feiert die offizielle Christenheit ein Menschenopfer, das als Voraussetzung dafür gilt, dass ihr Gott sich mit den Menschen wieder versöhnt und dass die Menschheit „erlöst“ wird. Dies empfinde ich als eine grausame archaische Vorstellung, die eigentlich zum Protest herausfordert.
    (Immerhin gibt es auch schon einige Theologen, die diese Vorstellung nicht mehr teilen.)

  • #64
    Olaf Mertens

    Während für die Moslem aus allen Richtungen immer mehr Rechte gefordert werden, sollen die Christen auf immer mehr verzichten.

    Da fällt mir wieder der kurz durch die Medien gejagte Vorschlag (Ströbeles?) ein, in Deutschland einen muslimischen Feiertag einzuführen, was natürlich nicht ging, denn wir haben ja schon praktisch jeden 3. Tag einen Feiertag – die Wirtschaft wäre augenblicklich abgestorben und verödet…
    Wie schön und vor allem wie christlich wäre es gewesen, wenn Christen da gesagt hätten – wir treten einen unserer zahlreichen Termine ab, zugunsten eines Feiertags für (deutsche!) Menschen anderen Bekenntnisses. Wäre doch eine schöne symbolische Handlung zur Förderung des gegenseitigen Respekts gewesen, die praktisch NIX gekostet hätte. Und mir persönlich fiele es dann gleich noch leichter die Totenruhe am Karfreitag zu achten.

    Zum Karfreitag in der vorliegenden Debatte – der ist für mich ein Tag relativer Ruhe. Hab ich nix gegen. Könnte ein Gewinn sein…

  • #65
    Katharina

    Es steht jedem frei, zu glauben oder nicht.
    Der Gläubige ist frei, zu glauben und seinen Glauben zu leben.

    Bei 365 Tage im Jahr und sind es vielleicht 5-7 Tage im Jahr,
    die das Christentum, katholisch und evangelisch, für sich in Anspruch nimmt.
    Was für ein Verhältnis! Das bißchen soll noch genommen werden.

    Der Sonntag, als Ruhetag ist schon in Frage gestellt. Das halte ich auch für falsch, denn es tut den Menschen gut, wenn sie einen Tag zur Ruhe kommen und mit Freunden oder Familie einen gemeinsamen Tag verbringen können.
    Vor allen Dingen, sich entschleunigen können. Kommt auch der Arbeitskraft zugute. Aber das ist ein anderes Thema.

    Einen schönen Sonntag für alle, jeder nach seinen Wünschen+Vorstellungen.

  • #66
    Arnold Voß

    @ Katharina

    „Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will.“ Jean-Jacques Rousseau

    Liebe Katharina, ich will am Freitag nicht muslimisch, am Samstag nicht jüdisch und am Sonntag nicht christlich sein, noch mich den enstprechenden Regeln fügen. Ich will nicht das a n d e r e r Leute Religion m e i n Leben bestimmen. An keinem Tag der Woche. An keinem Tag des ganzen Jahres. Und ich habe ein Recht darauf. Ob sie es glauben oder nicht.

  • Pingback: sectio aurea » Tanzfreies NRW – Argumentesammlung

  • #68
    Olaf

    Katharina … du forderst weiterhin eine Sonderbehandlung für eine, in dieser Region populäre, Spielart von Religion. Diese Sonderbehandlung ist nicht gerechtfertigt.
    Bei 365 Tage im Jahr und sind es vielleicht 5-7 Tage im Jahr,
    die das Christentum, katholisch und evangelisch, für sich in Anspruch nimmt.
    Was für ein Verhältnis! Das bißchen soll noch genommen werden.

    In einem Staat in dem die Kirche keine Staatskirche sein soll und die belange der Kirche getrennt sind von denen des Staates steht es der Kirche nicht zu mehr, besser oder anders behandelt zu werden als jeder anderen Weltanschauung.

    Ein Tanzverbot von Gründonnerstag 18:00 bis Karsamstag 06:00 Uhr (Regelung aus NRW) ist ein staatlich verordnetes Verbot aus religiösen Gründen. Staat und Religion sind laut Grundgesetz aber voneinander getrennt.
    Ich fordere nichts weiter als das diese Trennung vollzogen wird und mir keine Regeln auferlegt werden die ausschließlich metaphysisch (übernatürlich) begündet werden können.

    Es gibt einen guten Grund warum es gesetzlich kein Verbot gibt am Karfreitag Fleisch zu essen. Aus dem gleichen Grund darf es nicht verboten sein zu tanzen, ein Theaterstück aufzuführen, ein Konzert zu veranstalten, sich generell zu amüsieren.

  • #69
    Ben

    @Katharina: Du missverstehst uns immer noch: Wir wollen Dir deinen Feiertag nicht nehmen. Wir wollen nur nicht dazu gezwungen werden ihn mitfeiern zu müssen.

  • #70
    Helmut Junge

    @Ben,
    und wenn das nun gar kein Mißverständnis ist?

    So viele Leute können das doch nicht mißverstehen, daß der Olaf eigentlich nur tanzen möchte, wenn er da gerad Lust drauf hat, und daß da andererseits bestimmte Leute sagen:
    „Das darfst Du ja auch, aber nicht an solchen Tagen, die wir zum Besinnungstag erklären.“
    Dann diese Diskussion, in der von den Gegängelten Toleranz gegenüber den Gänglern gefordert wird, und diese Hartnäckigkeit, bei sonst eigentlich umgänglichen Leuten, macht mich allmählich sehr nachdenklich.
    Und kam mir so ein merkwürdiger Einfall.
    Was wäre, wenn all die vielen Antworten die von „Pro Tanzverbot“ bisher kamen, nach der Entschlüsselung einen gemeinsamen, einzigen Klartext zeigten?
    Der könnte lauten:
    „Wir sind die Borg, Widerstand ist zwecklos.
    und wenn ihr erst assimiliert seid, werdet ihr alles verstehen, denn dann seid ihr wie wir.“
    Hießen nicht etliche Päpste Borg,
    Borgia, oder so ähnlich?
    Fragen über Fragen.

  • #71
    Olaf

    Helmut, du meinst sowas wie:
    http://i.imgur.com/4f71a.jpg in Verbindung mit http://i.imgur.com/5zhAG.jpg …? 😉

  • #72
    Ben

    @Helmut Junge: Ich wollte tatsächlich zunächst auch etwas von einem absichtlichen Missverstehen schreiben, denn nur so ließe sich diese Beharrlichkeit, unseren Wortlaut zu ignorieren, in Einklang mit dieser „Christen als Opfer“-Argumentation bringen, habe das dann aber doch nicht getan, da ich den Vorwurf etwas hart und ein wenig intolerant fand. 😉

    Aber am Ende muss ich Dir dann doch zustimmen.

  • #73
    Helmut Junge

    Die Stellvertreteridee war doch einfach genial! Aber auch die ist, neben der Kleidung, schon älter als das Christentum, und trifft ja heute nicht bei allen Christen auf Gegenliebe. Schisma, Krieg, bis hin zum äußersten Gegengebet, aber natürlich auch Barmherzigkeit und Tanzverbot. Alles drin, sehr komplex das Thema.

    In Ungarn wird morgen über eine neue Verfassung abgestimmt.

    „Nichtregierungsorganisationen kritisieren zudem, dass die Verfassung von einer starken „christlich-rechten Ideologie“ geprägt sei, durch die Atheisten, Homosexuelle und alleinerziehende Eltern benachteiligt würden.“

    http://de.news.yahoo.com/2/20110417/tpl-tausende-demonstrieren-in-ungarn-geg-451fab7.html

  • #74
    Katharina

    “Wir sind die Borg, Widerstand ist zwecklos.
    und wenn ihr erst assimiliert seid, werdet ihr alles verstehen, denn dann seid ihr wie wir.”
    Hießen nicht etliche Päpste Borg,
    Borgia, oder so ähnlich?
    Fragen über Fragen.

    Das kenne ich aus der Stalin-Ideologie.
    Wir werden euch Unwissenden zu eurem Glück zwingen.

    So verstehe und erlebe ich das Christentum nicht.
    (Ich weiß Kreuzzüge, Hexenverbrennung usw., möchte doch mal hoffen,
    daß die Zeiten vorbei sind, oder kommen sie aus anderen Richtungen wieder).

    Scheinbar habe ich das GEN für Altersstarrsinn.

    Jeder kann doch Karfreitag machen, was er will, nur eben leiser. Ist das so
    schlimm/schwer ? Mir scheint, es geht eigentlich um Anderes.

  • #75
    Olaf

    Jeder kann doch Karfreitag machen, was er will, nur eben leiser.
    Nein. Du, bist nicht starrsinnig. Du bis realitätsignorierend. Nicht leiser oder beschaulicher. Verboten.

    Deshalb sind am Karfreitag von 0 Uhr bis zum nächsten Tag 6 Uhr zusätzlich zum allgemeinen Sonn- und Feiertagsschutz folgende Veranstaltungen nicht gestattet:

    Märkte, gewerbliche Ausstellungen und ähnliche Veranstaltungen (Großmärkte bis zum nächsten Tag 3 Uhr),
    sportliche und ähnliche Veranstaltungen einschließlich Pferderennen und -leistungsschauen sowie Zirkusveranstaltungen, Volksfeste und der Betrieb von Freizeitanlagen, soweit dort tänzerische oder artistische Darbietungen angeboten werden,
    der Betrieb von Spielhallen und ähnlichen Unternehmen sowie die gewerbliche Annahme von Wetten,
    musikalische und sonstige unterhaltende Darbietungen jeder Art in Gaststätten und in Nebenräumen mit Schankbetrieb,
    alle anderen der Unterhaltung dienenden öffentlichen Veranstaltungen,
    alle nicht öffentlichen unterhaltenden Veranstaltungen außerhalb von Wohnungen sowie
    die Vorführung von Filmen, die nicht vom Kultusminister oder der von ihm bestimmten Stelle als zur Aufführung am Karfreitag geeignet anerkannt sind.
    Darüber hinaus sind Veranstaltungen, Theater- und musikalische Aufführungen, Filmvorführungen und Vorträge jeglicher Art, auch ernsten Charakters, sind während der Hauptzeit des Gottesdienstes, 6 bis 11 Uhr, verboten. Öffentlicher Tanz ist bereits am Gründonnerstag, 21. April 2011, ab 18 Uhr verboten.

    http://www.dortmund.de/de/leben_in_dortmund/nachrichtenportal/nachricht.jsp?nid=127136

    Das Ordnungsamt Mülheim kündigt für Karfreitag Kontrollgänge in Discos, Spielhallen und Gaststätten an. Damit wolle man Flagge zeigen. Die örtlichen Kulturveranstalter planen indes, ihr Programm dem Feiertag angemessen anzupassen.

    http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/Ordnungsamt-in-Muelheim-plant-Kontrollgaenge-an-Karfreitag-id4489267.html

    Und noch weiteres: http://www.google.de/search?hl=en&q=verbote+karfreitag

  • #76
    Angelika

    Sven Lehmann verfasste einen interessanten Artikel:

    http://sven-lehmann.eu/2011/04/15/wespennest-karfreitag/

    (und auch die Kommentare zum Artikel sind m.E. lesenswert)

  • #77
    Ben

    @Katharina:

    „Mir scheint, es geht eigentlich um Anderes.“

    Es tut mir echt leid, Dich jetzt hier mal enttäuschen zu müssen, aber es geht in der Tat nur um den Zwang, der hier seitens des Gesetzes ausgeübt wird, dass man sich als Nicht-Gläubiger dem Programm der Gläubigen zu unterwerfen hat. Warum Du dennoch ständig mit dieser Opfer-Rhetorik auftrittst, will mir nicht in den Sinn.

    „Jeder kann doch Karfreitag machen, was er will, nur eben leiser. Ist das so
    schlimm/schwer ?“

    Ein zweites Nö, aber darauf hat ja schon Olaf hingewiesen. Man darf eben an diesem Tag nicht das machen, was man mag, sondern wie man sich zu verhalten und seine Freizeit an diesem Tag zu gestalten hat, wird einem per Gesetz diktiert. Gäbe es eine Bitte seitens der Kirchen an diesem Tag ein wenig ruhiger zu feiern und etwas mehr Rücksicht zu nehmen, dann hätten die meisten hier damit wohl kein Problem. Des Pudels Kern, scheint mir, willst Du geflissentlich ignorieren.

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  • #81
    awmrkl

    Hallo,

    Es ist noch ca. eineinhalb Monate bis Ostern/Karfreitag, und ich denke, es wird Zeit, dieses Thema (mal wieder) aufzuwärmen – ist ja nicht so, daß es bislang irgendwie befriedigend gelöst wäre!

    Ich kann jetzt nicht für NRW sprechen (bin in BY), aber verfolge sehr interessiert die Vorgänge dort.

    Und als bekennender Laizist denke ich, dieses Thema -stellvertretend für viele andere- muß wieder auf die Tagesordnung, notfalls immer wieder!

    Danke jedenfalls für Euer Engagement.

    PS: Ja klar bin ich Atheist, und es stört mich ungemein, daß irgendeine Sekte mit Hilfe ihres Märchenbuchs oder anderen Behauptungen anderen vorschreiben will, wie sie zu leben/sich zu verhalten haben. Ich halte hier mal inne, sonst werd ich gleich gesperrt 😉

  • #82

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