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Salafisten und Pro NRW erreichen ihr Ziel: Gewalt

Pro NRW Chef Markus Beisicht

Die antimuslimisch-rassistische Kleinstpartei Pro NRW und die gewaltbereiten Gruppen innerhalb des radikalislamistischen Salafismus kommen nur mit Negativschlagzeilen aus ihrer jeweiligen Bedeutungslosigkeit heraus. Dies führte am Samstag zu schweren Ausschreitungen in Bonn, bei denen zwei Polizisten schwer und 27 weitere leicht verletzt wurden. Eine Aktuelle Stunde im WDR titelte: „Straßenkampf in Bonn“. Von unserem Gastautor Roland Sieber/Publikative

Pro NRW braucht bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 13. Mai offenkungig die Stimmen aus dem gewaltbereiten Neonazispektrum bis zu den isolierten antimuslimischen Verschwörungsanhängern, um überhaupt nur in die Nähe der Hürde zur Wahlkampfkostenerstattung von einem Prozent der Wählerstimmen zu kommen. Um nicht in die vollkommene Bedeutungslosigkeit abzurutschen, ist dies das erklärte Ziel. Für Pro NRW geht es dabei um eine jährliche Summe ab 80.000 Euro aufwärts. Dies soll mit einem Wahlkampf mit „maximaler Provokation“ und „bis an die Schmerzgrenze“ erreicht werden, so der Landesvorsitzende Markus Beisicht.

Die Strategie scheint klar: Solange provozieren bis es einen Zwischenfall gibt um sich als Opfer der angeblichen „multkultibewegten Gutmenschen“, „Islamversteher“, „islamistischen Gewalttätern“ oder „Linksfachschisten“ darstellen zu können, und selbst wenn es ein erfundener Mordanschlag sein sollte. Um sich als bedeutungslose Kleinstpartei – die selbst für (Groß)-Veranstaltungen mit 30 Teilnehmern – Anhänger aus mehreren Bundesländern herankarren muss noch als „Bürgerbewegung“ bezeichnen zu können, braucht es entweder Größenwahn oder Verschwörungstheorien.

“Straßenkampf in Bonn” (WDR Aktuelle Stunde, 5.5.2012)

Im Umfeld solcher Islamhassblogs wie PI und blu-News ist beides vorhanden und dort rekrutiert sich die Wählerschaft von Pro, REPs, Freiheit und Bürgern in Wut. Die Parteispitze von Pro NRW besteht zudem fast ausschließlich aus aktuellen oder ehemaligen führenden Pro-Köln-Funktionären. Pro Köln entstand nicht wie langläufig verbreitet aus Anti-Moschee-Initiativen, sondern aus der organisierten extremen Rechten, so wie z.B. Manfred Rouhs und Markus Beisicht von den REPs über die Deutsche Liga für Volk und Heimat (DLVH) zu Pro kamen. Am 25. April führte die Polizei eine Razzia gegen den „Freundeskreis Rade“ und Pro NRW durch. Drei Rechtsextremisten wurden festgenommen, darunter Aktivisten von pro NRW.

Bei den insgesamt 21 Durchsuchungen wurden verschiedene Waffen und umfangreiches Propagandamaterial sichergestellt. Pro NRW wird vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingeschätzt und aufmerksam beobachtet. „Unter dem Deckmantel eines unverfänglichen Namens schürt die rechtsextremistische Partei bewusst Ängste vor Überfremdung und transportiert ihre anti-demokratische und ausländerfeindliche Ideologie“, erklärte Innenminister Ralf Jäger bereits am 30. April. Ihr Versuch, den Stempel der Verfassungsfeindlichkeit um jeden Preis zu vermeiden, ist gescheitert. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat in seiner Entscheidung im Februar 2011 deutlich herausgestellt: Die Bekenntnisse von pro NRW zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung sind ersichtlich unglaubwürdig und taktisch bedingt. Tatsächlich will die Partei – so das Gericht – „einen Bestandteil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, nämlich die Menschenrechte für bestimmte Personengruppen außer Geltung setzen.“ Die Personalüberschneidungen zwischen dem gewalttätigen Freundeskreis Rade und Pro zeigt die WDR-Reportage „Braune Flecken“ auf.

Am 1. Mai provozierte Pro NRW mit islamfeindlichen Plakaten vor einer Moschee in Solingen erste Ausschreitungen von Salafisten. Nach Presseberichten eskalierte die Situation am Samstag vermutlich geplant, wobei es über Stunden zu gewaltsamen Ausschreitungen in Bonn kam. Gewaltbereite Gruppen innerhalb des Salafismus haben bundesweit ihre Anhänger in die ehemalige Hauptstadt gerufen.  Ein 25-Jähriger griff mit einem Messer drei Beamte an. Dabei wurde laut DerWesten eine 30-jährige Polizeikommissarin und ihr 35 Jahre alter Kollege schwer verletzt. Der Tatverdächtige wurde sofort vor Ort festgenommen. Eine Mordkommission ermittelt nun wegen versuchter Tötung gegen ihn. Im Verlauf der Auseinandersetzungen erlitten weitere 27 Polizisten durch Steine und andere Wurfgeschosse leichte Verletzungen. 109 Personen wurden vorläufig festgenommen.

Landesinnenminister Jäger bezeichnete die gezielte Gewalt als „neue Dimension“ von fanatischen Salafisten. Er kündigte harte Konsequenzen an. „Das waren keine spontanen Angriffe. Für Bonn hat es erstmals eine intensive bundesweite Mobilisierung von gewaltbereiten Salafisten gegeben, die deutlich über das bislang bekannte Maß hinaus ging“, so Jäger. Er stellte in einer Pressemitteilung  klar, dass das bewusste provozierende Zeigen der Karikaturen der Auslöser für die gewaltsamen Angriffe der Salafisten war. Die systematischen Provokationen der Rechtsextremisten von Pro NRW mit islamfeindlichen Karikaturen rechtfertigen jedoch seiner Meinung nach in keinster Weise die Ausschreitungen.

Ähnliche Motive

Es standen sich 30 Pro-NRW-Anhänger und knapp 600 Gegendemonstranten gegenüber. Aber wie Pro NRW versuchen auch einige gewaltbereite Gruppen innerhalb des Salafismus die Polarisierung um durch Radikalisierung auch andere salafistischen Gruppen hinter sich zu versammeln. Die Motive ähneln sich: Wollen die einen ihr politisches Lager aktivieren, wollen die anderen die Deutungshoheit innerhalb des Salafismus erlangen, der wiederum nur eine mögliche Auslegung von vielen des moslemischen Glaubens ist. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland rief bereits im Vorfeld die Muslime auf, sich nicht von Pro-NRW-Vertretern provozieren zu lassen. Der Zentralrat hat nach eigenen Angaben wegen der Bonner Kundgebungen Strafanzeige gegen Pro NRW erstattet. „Das sind Provokationen mit dem Ziel, eine bestimmte Gruppe zu diskriminieren und zu diskreditieren“, sagte dessen Vorsitzender Aiman A. Mazyek  dem BonnerGeneral Anzeiger.

Auf Fotos und Video- sowie Fernsehaufnahmen ist zu sehen, wie sehr die Pro NRW Anhänger selbst während den Ausschreitungen noch provozieren. Dies dürfte ein Grund dafür gewesen sein, weshalb die Polizei auch deren Veranstaltung nach 45 Minuten abbrach. Markus Beisicht schreibt in einer Stellungnahme auf der Pro-NRW-Internetseite über „Terrorausschreitungen“ und spricht sein Mitgefühl angeblich zu allererst den vielen verletzten Polizeibeamten aus. Wie ernst solche Mitgefühle nach gezielten Provokationen gemeint sind, lässt sich daraus nicht herauslesen.

Nach den Ausschreitungen in Bonn hat der nordrhein-westfälische Innenminister Jäger der rechtsextremen Partei “Pro NRW” das Zeigen islamfeindlicher Karikaturen untersagt. Nach einem aktuellen Gerichtsurteil darf Pro NRW jedoch bei die  „islamkritische“ Karikaturen auch heute in Köln zeigen.

Crosspsoting: Der Artikel erschien bereits auf Publikative.org

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17 Kommentare zu “Salafisten und Pro NRW erreichen ihr Ziel: Gewalt

  • #1
    Tortist

    So sehr ich den Tenor des Artikels teile, irritiert mich doch der letzte Absatz.
    Ich würde gerne wissen warum die Autoren „islamkritisch“ in Anführungszeichen setzen und die Karrikaturen als islamfeindlich bezeichnen.

    Die Zeichnung sind legitime Meinungsaüßerungen zu einer Religion. Das haben auch so die Gerichte festgestellt und das absolut zurecht.

    Es ist für mich beschämend, dass Demokraten es ProNRW überlassen die Meinungsfreiheit durchzusetzen.

    Natürlich instrumentalisiert ProNRW die Zeichnungen, aber auch das müssen Salafisten in Deutschland aushalten.

    Diese beschämende Lücke, die von einem mir unerklärlichen Appaesement und Kulturrelativismus Religionen gegenüber herrührt und von ProNRW genutzt wir, lassen doch wir Demokraten.

    Warum auch die Ruhrbarone ?

  • #2
    allemachtdendrähten

    Warum erreichen beide Gruppen ihr Ziel? Weil die Medien sich in der Berichterstattung überschlagen und somit auch in der Verantwortung stehen.

  • #3
    Novinky Schleich

    @ Tortist ….

    also irgendwann reicht es auch….

    Das Zeigen dieser sinnbefreiten Karikaturen hat nun wirklich nichts mehr mit freier Meinungsäußerung zu tun. Ich weiß nicht, woraus einige ihr demokratisches Grundverständnis ableiten.

    Mohammed-Karikaturen vor einer Moschee zu zeigen, ist eine bösartige und infame Beleidigung. Der ja mittlerweile landläufige Terminus der „gezielten Provokation“ beschreibt dabei weder Unverschämtheit noch Tragweite in vollem Umfang.

    Schon suspendiert die Duisburger Dorfpolizei einen Kommissar, weil er einer konservativen Strömung des Islam angehört und diese fehlgeleiteten Armleuchter von Pro-NRW dürfen ihrer Hasskampagne „Freiheit statt Islam“ – als Wahlkampfveranstaltung getarnt – vor der Kölner Moschee frönen.

    Eine „bundesweite Mobilisierung von gewaltbereiten Salafisten“ soll es im Vorfeld der „Straßenschlacht von Bonn“ gegeben haben. Herjee…

    Wie abwegig ist es denn etwas anderes anzunehmen?

    Wenn ein paar Eiferer vor dem Kölner Dom ein Kreuz samt Strohpuppe in Brand setzen wollten, dann wäre die Domplatte bestimmt menschenleer…

    na klar….

  • Pingback: Links anne Ruhr – und am Rhein (Landtagswahl #nrw12) 08.05.2012 » Pottblog

  • #5
    Arnold Voß

    @ Novinky Schleich

    „Mohammed-Karikaturen vor einer Moschee zu zeigen, ist eine bösartige und infame Beleidigung.“

    Nein ist es nicht! Es ist aber verboten, dem, der sie zeigt, Gewalt anzutun. Sie kennen offensichtlich die wesentlichen Aussagen unseres Grundgesetzes nicht, Herr Schleich.

    „Eine “bundesweite Mobilisierung von gewaltbereiten Salafisten” soll es im Vorfeld der “Straßenschlacht von Bonn” gegeben haben. Herjee…

    Wie abwegig ist es denn etwas anderes anzunehmen?

    Wenn ein paar Eiferer vor dem Kölner Dom ein Kreuz samt Strohpuppe in Brand setzen wollten, dann wäre die Domplatte bestimmt menschenleer…

    na klar….“

    Sie finden es normal Herr Novinky, dass man Jemanden an die Gurgel geht, weil einem seine Meinung nicht passt? Dass der Mob tobt, wenn seine Religion karrikiert, kritisiert oder sonstwie gewaltlos provoziert wird. Ist das ihr Verhältnis zur Meinungsfreiheit?

    Zur Provokation gehören immer Zwei. Einer der provoziert und einer der sich provozieren lässt. Selbst wenn mir als Nichtgläubigen, der ich nun mal bin, Jemand ein Schild vorhält auf dem steht „Tötet die Ungläubigen“, springe ich ihm deswegen nicht an die Gurgel sondern rufe die Polizei oder erstelle eine Anzeige.

    Ich selber würde weder eine Mohammed Karrikatur vor einer Moschee noch eine Jesus Karrikatur vor einer christliche Kirche zeigen. Ich finde es auch nicht gut, dass die Rechstextremisten von Pro NRW das tun. Aber sie selbst, Herr Novinky, unterscheiden sich von diesen Leuten nicht im geringsten.

  • #6
    Freidenker

    Es ist erstaunlich, welches Gedankengut hier als Kommentar veröffenlicht wird und welches nicht! Das kannte ich bislang in dieser Form noch nicht.

  • #7
    Helmut Junge

    Ob Mohammed der Prophet in Bildern dargestellt werden darf, wurde und wird wohl selbst unter Muslimen unterschiedlich beurteilt.
    Es gibt, wenn ich da Wikipedia vertrauen darf, gemalte Darstellungen von ihm aus allen Zeiten.
    Das ist sicher der Grund, warum der überwiegende Teil der Muslime sich offensichtlich nicht beleidigt fühlt, und die kleine Gruppe der Salafisten ablehnt.
    Die widerum will uns, und vor allem allen anderen Muslimen zeigen, dass sie alein die Interpretationshoheit über die Glaubensinhalte hat.
    Und Kommentator @Novinky Schleich scheint das auch so zu glauben und unterstützt diese Grundposition der Salafisten.
    Er merkt nicht, oder will es nicht merken, dass er sich damit in Widerspruch zu allen anderen Mulimen stellt, die sich von den Salafisten distanziert haben.

  • #8
    van Keulen

    Auf die Kölner Wurzeln von „Pro NRW“ wurde an dieser Stelle schon öfters hingewiesen.
    Unterschlagen wird aber immer, dass die Wurzeln dieser Gruppe in der Kölner Hochschulpolitik liegen.
    Im Jahre 1978 tauchte an der Uni Köln ein deutscher Ableger des Ringes freiheitlicher Studenten der FPÖ auf.
    Dieser Ring freiheitlicher Studenten RFS bzw. r.f.s. stützte sich auf rechte Burschenschaften und auf österreichische Mitglieder.
    Eine Funktionärin des RFS sagte einmal öffentlich sie stamme aus Wien in Spddeutschland.
    Zur damaligen Zeit sagte der Führer der FPÖ Jörg Haider noch; „Wir sind doch keine Balkanaustriaken sondern Deutsche“.
    Später behqauptete er genau das Gegenteil:
    „Wir sind doch keine Deutschen, wir sind Österreicher“
    Das ist typisch für solche Populisten.
    Sie haben eigentlich gar keine Meinung, sondern nur ein Ziel:

    Die Macht

    Der kölner RFS hat sich damals so einiges geleistet inklusive der nachweisbaren Wahl von linken Astavorsitzenden.
    Der Linke hat die Wahl damals natürlich nicht angenommen…

  • #9
    der, der auszog

    Was meiner Meinung nach in der Pro-NRW/Salafisten-Diskussion zu kurz kommt, ist die Rolle der Politik, speziell die des Innenministers, der sich als Dienstherr gerade schützend vor seine Polizei stellt und mit harten Strafen droht, der aber auch kein schlüssiges Konzept parat hat, dass zu einer Deeskalation der Lage beitragen könnte.

    Auffällig ist, dass es Jäger nicht gelingt, Maßnahmen zu ergreifen, die eine Eskalation zwischen den beiden Gruppen verhindern können und die sich gleichzeitig im Rahmen der Verfassung bewegen. Sein kläglicher Versuch, das Zeigen der Mohamedkarrikaturen zu verbieten, wird (wie bei anderen Themen der derzeitigen NRW-Regierung auch), von Gerichten entschieden und zwar negativ. Der Versuch, der Justiz die Verantwortung für die Eskalation in die Schuhe zu schieben, weil sie das Zeigen der Karrikatur erlauben, zeigt einfach nur Jägers Ohnmacht und Ideenlosgkeit. Den ein oder anderen Wähler wir er mit dieser populistischen Vorstellung zur Lösung des Konfliktes beeindrucken können, einen Verfassungsrichter sicherlich nicht.

    Darüber hinaus hat Jäger das Gewaltpotential der Salafisten bislang völlig unterschätzt. Im letzten Monat fand die Islamkonfernz statt, auf der das Thema Salafisten im Zusammenhang mit der Koran-Verteilung thematisiert werden sollte. „Bei der Berliner Islamkonferenz am Donnerstag (19.04.12) sollte das Thema allerdings eine eher untergeordnete Rolle spielen, meint der NRW-Minister. Er hält die Themen Gewalt gegen Frauen und Zwangsehen im Islam für wichtiger.“ (Quelle: WDR)

    Die Verteilung des Koran durch Salafisten, die leider von einigen Bananenbiegern in unserem Land auch als Provokation empfunden wird, hat für den NRW-Innenminister in der Beurteilung einen andern Stellenwert, als das Zeigen der Mohamedkarrikaturen. Oder anders ausgedrückt: Das Recht auf freie Religionsausübung ist für den Sozaildemokraten Jäger wichtiger als das Recht auf freie Meinungsäußerung.

    Die Taktik Jägers besteht in der Regel darin, das eine gegen das andere auszuspielen. Aber damit ist niemandem geholfen. Weder den Polizisten, die zwischen die Fronten geschickt werden, noch den Bürgern, die sich sowohl von der einen, als auch der anderen Seite bedroht fühlen.

  • #10
    Novinky Schleich

    @ Arnold Voß

    Oh je, jetzt haben wir den Salat….

    Nun gut…

    1.

    Gewalt, ganz gleich von welcher Seite ist inakzeptabel. Messerattacken sind inakzeptabel, Gewalt gegen Demonstranten, Polizisten, ganz gleich gegen wen auch immer.

    Nun scheint es mir aber, dass es sich bei dem Pro-NRW Aufmarsch gerade nicht um einen demokratischen Handstreich zur Verteidigung der freien Meinungsäußerung gehandelt hat, sondern um eine bewusste Provokation der Mitglieder einer religiösen Minderheit.

    Als Mittel der Wahl wurden (auch) Mohammed-Karikaturen bemüht. Nun nehme ich mal an, dass wir uns alle an das Theater von 2005 erinnern, als die Jyllands-Posten ebenfalls solcherlei Karikaturen veröffentlicht hat. Ganz gleich, ob die Abbildungen damals zur Mobilisierung konservativer Radikaler missbraucht und in großem Stil in Umlauf gebracht wurden, lief die Diskussion in der westlichen Welt seinerzeit darauf hinaus, den Karikaturenstreit als Differenzproblem zwischen Pressefreiheit und freier Meinungsäußerung einerseits und religiösen Überzeugungen andererseits zu beschreiben – und damit als kulturelle Differenz.

    Wir haben hier in Europa eine verfassungsmäßige Garantie für Pressefreiheit und freie Meinungsäußerung und wir alle haben Recht und Pflicht beides zu verteidigen. Auf dieser verbindlichen Ebene haben damals europäische Politiker – der dänische Premierminister eingeschlossen – argumentiert und grundsätzlich ist nichts falsch daran.

    Aus der Selbstverständlichkeit der Verteidigung von Pressefreiheit und freier Meinungsäußerung ergab sich aber leider nicht notwendigerweise eine, für alle beteiligten Konfliktgruppen nachvollziehbare Lösung des Problems, sondern im Diskurs wurde unser modernes Rechtsverständnis gegen ein (möglicherweise) traditionelleres, religiös fundiertes emotional empfundenes angeführt.

    Nun können kulturelle Bewertungsmuster voneinander abweichen – und das ist auch völlig in Ordnung – wichtig ist nur, dass die Differenz der Bewertung nicht als negative kulturelle Differenz beschrieben wird.

    Diskursiv wurde jedoch im Karikaturenstreit eine solche negative Differenz konstruiert, in dem Sinne als geltende freiheitliche Rechtsnormen im Kontrast zur differierenden muslimischen Bewertungsmustern inszeniert wurden.

    Der Andere musste dann umso mehr als anderer erscheinen, weil er scheinbar in Ablehnung unterer rechtsstaatlichen Prinzipien handelte.

    Lange Rede kurzer Sinn.

    Pro-NRW setzt heute mit Karikaturen vor Moscheen an diesem Problem an. Parolen wie „Freiheit statt Islam“ sind Ausdruck davon. Dabei sind Freiheit (Recht) und Islam (Religion) beileibe keine Gegensätze. Es schon sachlich falsch sie gegeneinander in Stellung zu bringen, zumal hier eine Gruppe ausschließlich auf ihre religiösen Überzeugungen reduziert wird.

    Die Taktik von Pro-NRW ist dabei so gefährlich wie durchschaubar. Kulturelle und religiöse Differenz wird als Gefahr für unsere Demokratie inszeniert. Der Gegner ist schnell ausgemacht. Dieses Mal: Die Salafisten.

    An einer kleinen konservativen Strömung lassen sich sich alle Vorurteile gegenüber dem Islam leicht durchexerzieren.

    Natürlich wird eine konservative islamische Gruppe besonders heftig reagieren, wenn man Karikaturen vor der Moschee aufbaut. Das beleidigende Potential der Karikatur des Propheten muss sich hier besonders stark entfalten.

    Das, lieber Herr Voß, habe ich gemeint, als ich von Infamie und Bösartigkeit der Beleidigung sprach.

    Wie gesagt: Es gibt immer einen rechtlichen Bewertungsmaßstab und der Umstand der Beleidigung mag hier nicht erfasst sein, trotzdem wiegt er schwer.

    2.

    „Sie finden es normal Herr Novinky, dass man Jemanden an die Gurgel geht, weil einem seine Meinung nicht passt?“

    Sie wissen ja selbst, dass ich das nirgendwo geschrieben habe.

    „Zur Provokation gehören immer Zwei. Einer der provoziert und einer der sich provozieren lässt.“

    Ja aber Hallo!

    „Ich finde es auch nicht gut, dass die Rechstextremisten von Pro NRW das tun. Aber sie selbst, Herr Novinky, unterscheiden sich von diesen Leuten nicht im geringsten.“

    Haben Sie das vor oder nach der Mittagspause geschrieben? Ihre Kantine muss ganz grässlich sein….

  • #11
    Helmut Junge

    Jäger macht nur das, was eigentlich auch jeder Privatmensch machen könnte.
    Er erstattet zwar keine Anzeigen, aber letztlich läuft es genau so ab, als würde er Anzeige erstatten. Er verbietet, aber die Gerichte entscheiden dann doch.
    So geht das jeden Tag, bis der Wahlkampf vorbei ist.
    Dann wird es vermutlich auch keine Demonstrationen von Pro geben. und damit auch keine Salafistenaufläufe, weil es für beide keinen Sinn mehr macht.
    Während der Loveparade hat Jäger übrigens auch keine gute Figur abgegeben.

  • #12
    allemachtdendrähten

    Anzeigen gegen Jäger wegen der Loveparade wurden wie nicht anders zu erwarten von der Staatsanwaltschaft Duisburg sofort eingestellt.

  • #13
    van Keulen

    Bei Populisten wie Pro NRW ist alles nur Mittel zum Zweck.

    Dies gilt auch für dies Islamkritik.

    Die Kölner Probewegung hat sich aus dem RFS entwickelt.

    Ein führender Bundesfunktionär des RFS lief mit einem Palästinensertuch (schwart-weiss) herum.
    Ein normaler Islamkritiker sollte nicht mit einem Palästinenserfeudel herumlaufen…

    Die Probewegung hat einfach nur eine politische Marktlücke erkannt. Bei einer Veränderung der Stimmung kann sie auch auf klassischen Antisemitismus umschalten und mit der Begründung „der Leiden des unterdrückten palästinensischen Volkes“ gegen den Staat Israel und gegen Juden hetzen.

    Die Katze lässt das Mausen nicht.

    Aber eigentlich nutzen sie alle Gelegenheiten um die Demokratie madig zu machen.

  • #14
    Freidenker

    Ich versuche erneut, zu diesem Artikel einen Beitrag zu posten. Es gibt bei uns ein akzeptiertes Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung. Wer immer etwas ausdrücken will, soll nicht daran gehindert werden – erst recht nicht von einem randalierenden Mob. Dieses Recht gilt es zu respektieren und gegen alle Anfechtungen zu verteidigen. Das Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung muss auch für Aussagen gelten, die unerwünscht bis hassenswert sind – auch für Karikaturen, die irgendwelche Menschen beleidigen könnten und auch wenn diese durch ProNRW gezeigt werden. Zensurbehörden, Wächterräte, politische Geschmacksrichter haben in einer offenen Gesellschaft nichts zu suchen. Und nun kommen diese Salafisten daher und drehen beim Anblick der Karikaturen durch (q.e.e.). Diese Feinde der offenen Gesellschaft sind ein wesentlich größeres Problem als diese ProNRW-Truppe.

    Und genau das ist es, was mich grundsätzlich an dieser Religion stört. Die Freaks anderer Religionen stellen sich mit schweren Kreuzen beladen in die Fußgängerzone, klingeln an Haustüren oder langweilen mit tibetischen Glückskeksweisheiten. Das kann nerven, mehr aber auch nicht. Nur beim Islam gibts gleich Messerstechereien, werden Flaggen und Botschaften angezündet oder fliegt gleich alles in die Luft, wenn die Freaks kommen.

  • #15
    Arnold Voß

    @ Novinky Schleich

    „Natürlich wird eine konservative islamische Gruppe besonders heftig reagieren, wenn man Karikaturen vor der Moschee aufbaut. Das beleidigende Potential der Karikatur des Propheten muss sich hier besonders stark entfalten.“

    Es gibt kein beleidigendes Potential der Karrikatur. Erst recht kein natürliches. Man kann persönlich als gläubiger bzw. religiöser Mensch aus verständlichen Gründen gekränkt sein, dass andere den eigenen Glauben bzw. den Gott oder Propheten oder was auch immer nicht ernst nehmen, aber das entspricht eben nicht dem rechtlichen und in einer aufgeklärten Gesellschaft auch nicht dem kulturellen und/oder moralischen Tatbestand einer Beleidigung.

    Dabei ist es völlig egal ob die Karrikatur jetzt aus politischer, populistischer oder sonstiger Absicht eingesetzt wird. Siehe auch nochmal den Kommentar von Freidenker # 14, den ich im ersten Teil (Kapitel) voll teile.

    Wenn es die systematischen vorbereiteten Hassattacken der Salafisten nicht gäbe, dann hätten sich die, wie sie richtig schreiben, schnell durchschaubare Taktik von Pro NRW schnellstens totgelaufen. Dabei kommt die Provokation eindeutig von Pro NRW, die Eskalation wird hier aber ebenso eindeutig von den Salafisten betrieben. Leuten übrigens, die den Gottesstaat wollen und deren eigene Provokationen gegen andere Glaubensrichtungen und vor allem gegen die Ungläubigen weit über das hinausgehen, was sich Pro NRW erlaubt.

    Ihre lobenswerten kulturellen Verständigungs- und Vermittlungsversuche sind solchen Leuten komplett egal, Herr Schleich. Das wissen auch viele der moderaten Muslime und empfehlen deswegen auch ihren Mitgläubigen sich nicht provozieren zu lassen. Von denen kommt deswegen auch kein lakonisches „Ja aber Hallo“, wenn jemand schreibt: Zur Provokation gehören immer zwei. Man muss sich nämlich nicht von Karrikaturen provozieren lassen, nur weil man einer bestimmten Kultur angehört und die Karrikaturen sich darauf beziehen.

    Vielmehr gibt es in jeder Kultur Deeskalationsregeln. Die kennen auch die Salafisten. Nur dass sie drauf scheißen, weil es ihnen nicht um die muslimische Kultur sondern um ihre sehr speziellen religiösen Interessen geht.Ihr Gutmenschentum ist hier also völlig fehl am Platz. Pro NRW wir bald der Geschichte angehören. Religiöse Fanatiker welcher Coleur auch immer dagegen nicht.

    Ach ja, ich esse nicht in Kantinen. 😉 Und das mit ihrer Ähnlichkeit mit den Leuten von Pro NRW nehme ich nach ihrem letzten Kommentar natürlich zurück.

  • #16
    der, der auszog

    @Freidenker
    Bei christlichen Gruppierungen findest Du genauso gewalttätiges und menschenverachtendes Potenzial. Die Berichterstattung verzichtet bloss häufig darauf, eine Verbindung zum Christentum herzustellen. In den 1970er Jahren machte bespielsweise eine deutsche Kolonie in Chile regelmäßig Schlagzeilen, die sogenannte Colonia Dignidad. In dieser Kolonie wurde gefoltert und misshandelt. Sie diente eine Zeitlang als Zentrale des Geheimdienstes des chilenischen Diktators Pinochet.
    In der Berichterstattung wird diese Kolonie neben den dort verübten Menschenrechtsverletzungen immer nur mit Antisemitismus, Ex Nazis und faschistischen Elementen in Verbindung gebracht. Das ist auch alles richtig. Von der Grundidee her handelt es sich bei den Bewohnern dieser Kolonie allerdings um eine christliche Gemeinde, die übrigens bei uns in NRW entstanden ist und zwar 1956 in Gronau (Westf.), als eine Abspaltung der dortigen evangelisch-freikirchlichen Gemeinde. Gründer waren der evangelische Jugendpfleger Paul Schäfer und der Baptistenpriester Hugo Baar. Bei Siegburg gründete diese Gruppe damals ein Erziehungsheim für Kinder und Gemeindemitglieder. Nachdem u.a. wegen Kindesmissbrauchs gegen diese religiöse Gruppe ermittelt wurde, siedelte sie 1961 nach Chile über und gründete dort die Colonia Dignidad.

  • #17
    Mario Herrmann

    Das Eine, was ich an unserem Staat mag, ist, dass man selbst die dämlichsten Mohammed-Karikaturen öffentlich zeigen darf und Allah, Gott, Jehowa, Jahwe oder wen auch immer so oft verspotten kann wie man möchte. Das Andere, was ich an unserem Staat mag, ist, dass man Moscheen, Kirchen, Tempel, Synagogen oder was auch immer bauen und dort bei Bedarf selbst den abstrusesten Göttern huldigen darf. Und ob das den rechten Spinnern von „Pro NRW“ oder irgendwelchen salafistischen Hasspredigern passt oder nicht, ist herzlich egal.

    Oder wie es mein Opa selig etwas handfester formuliert hätte: In einen Sack stopfen und draufhauen – du triffst immer den Richtigen.

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