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Schalkes Konzernbilanz: 55,9 Mio Euro bilanzielle Überschuldung

In Glaube, Sitte, Heimat | Am 8 November 2009 | Von David Schraven

Das Unentschieden bei Bayern München war hart erkämpft. Immer in der Abwehr, wenige Entlastungsangriffe, ein glücklicher Ausgleichstreffer eines Neulings – ansonsten viel Hoffnung, dass es weiter nach oben geht. Doch wie lange kann das Glück halten? Wann reicht es nicht mehr aus? Denn auch in den Untiefen der Finanzen wird geknüppelt, getrickst und gehofft. Es geht um den großen Stadion-Deal. Die Arena soll zu einem Großteil an eine Tochterfirma der Stadt Gelsenkirchen verkauft werden. Für Schalke unter Umständen eine Frage des Überlebens. Gelingt das Geschäft nicht, droht der Untergang.

Wie ernst die Lage ist, zeigt ein Blick in die Konzernbilanz des Clubs. Die bislang streng geheim gehaltenen Dokumente liegen mir vor. Aus ihnen lässt sich erstmals öffentlich ein Bild der wirtschaftlichen Situation des Schalker Geflechts rund um die kaum überschaubaren Tochterfirmen zeichnen. Und die Lage ist offensichtlich nicht rosig. So hat die Schalke-Gruppe Ende 2008 bei einem Umsatz von 162,1 Mio. Euro allein Personalausgaben von 73,7 Mio. Euro. Aktuell kommen dazu noch die Gehälter für das neue Trainerteam rund um Felix Magath hinzu. Mehrere Ex-Trainer oder Ex-Manager stehen nach wie vor auf der Pay-Roll. Tatsächliche Abgänge in nennenswerter Höhe waren selten.

Selbst in einem guten Jahr wie 2008 blieb der Schalke-Gruppe dank Champions-League-Teilnahme nur ein schmaler Gewinn von 2,1 Mio. Euro. Ohne die Meister-Klasse aber surren die Einnahmen zusammen. Die Rede ist von einer Summe zwischen 20 und 30 Mio. Euro, die bei kaum reduziertem Personalaufwand fehlt.

Hier soll jetzt die Stadt retten, was zu retten ist. Für Arena-Anteile in Höhe von gut 40 Prozent und weitere Darlehen will die mit gut 600 Mio. Euro verschuldete Gemeinde und ihre Tochter GEW 25,5 Mio. Euro in den Verein pumpen. In der kommenden Woche will der Stadtrat den Deal absegnen. Die zuständige Bezirksregierung in Münster unter dem Regierungspräsidenten und Mitglied des Schalker Ehrenrat Peter Paziorek sagte zu, alles zu prüfen – sobald Verträge vorliegen. Der Deutschen Fußballliga (DFL) reichte aber wohl schon die Absichtserklärung bei der Nachlizenzierung aus, harte Konsequenzen aus einem möglichen Lizenzverstoß sind kaum zu erwarten.

Dabei wird das frische Geld der Stadt kaum ausreichen, die Schalker Probleme zu lösen. Wie aus der Konzernbilanz ersichtlich ist, hat der Verein sein gesamtes Eigenkapital aufgebraucht. Es ist mit einem hohen zweistelligen Betrag ins Minus gerutscht. Darauf kommen Schulden von 235,1 Mio. Euro. Allein die Lieferanten bekamen Ende des vergangenen Jahres 16,7 Mio. Euro. Die "sonstigen Passiva“, wie etwa die bereits kassierten Gazprom-Einnahmen der kommenden Jahre stehen zusätzlich mit 52 Mio. Euro in de Büchern.

Alles zusammen wies die Schalke-Gruppe im Dezember eine bilanzielle Überschuldung in Höhe von 55,9 Mio. Euro aus.

Schlechte Zahlen. Eine Stahlschmiede mit einer ähnlichen Verschuldung wäre pleite. Bei Schalke kann man noch auf stille Reserven spekulieren. Etwa wenn die Marke des Vereins an einen Investor verkauft werden könnte.

Auf Schalke wäre das aber kaum vermittelbar. Stattdessen soll der Handel mit der Arena das rettende Geschäft sein. Mit der Mehrheit an der Halle hofft Finanzvorstand Peter Peters gleichzeitig die Schulden der Arena aus der Konzernbilanz loszuwerden. Dazu müsste Schalke allerdings nicht nur die Mehrheit an der Arena, sondern auch die Kontrolle an der Hallengesellschaft über die FC Schalke 04-Stadion-Beteiligungs GmbH abgeben. Es ist allerdings unklar, ob das passiert. Würde stattdessen die GEW die Kontrolle über die Arena übernehmen, könnten im Extremfall die über 100 Mio. Euro Schulden der Arena aus den Bilanzen der Schalke-Gruppe verschwin den und in den Konzernbüchern der städtischen Tochter auftauchen. Die GEW hätte also für 15 Mio. Euro und 10 Mio. Euro Darlehen vor allem Schulden gekauft.

Aus der Konzernbilanz lässt sich allerdings nachlesen, warum die Investoren der Schechter-Anleihe gegen den Verkauf Arena sein könnten. Lässt man die Spielerwerte in Höhe von 42,9 Mio. Euro beiseite, lag das Vermögen der Schalke-Gruppe in harten Rechten und Bauten nur bei 152,8 Mio. Euro. Nach dem Verkauf der Arena-Anteile würde das Vermögen abschmelzen. Es bliebe immer noch viel Luft. Das Parkstadion ist etwa eine Ruine, steht aber mit 15,6 Mio. Euro in den Büchern. Bei Grundstücken die ausgewiesen werden, handelt es sich oft um Erbpachten. Und die „harten Rechte“ sind auch vor allem Vermögen, das auf dem Papier steht. Sicherheiten für eine 85 Mio.-Euro-Anleihe sehen jedenfalls anders aus.

Angesichts der Lage wächst im Schalker Aufsichtsrat die Angst, Investoren, wie der US-Lehrerverband TIAA-CREF, könnten deshalb den rettenden Arena-Deal blockieren. Und dazu könnte es tatsächlich kommen. Denn der Verein hat sich in den Verträgen zur Anleihe verpflichtet, nicht frei über die Arena-Anteile zu verfügen. Sie dienen als Sicherheiten für die 85-Mio.-Euro-Anleihe. Nur wenn die Investoren in den kommenden Tagen ihre schriftliche Zustimmung zu dem Verkauf geben, darf die GEW die Arena-Anteile übernehmen. Es wird darüber spekuliert, dass die Investoren als Gegenleistung auf einer Rückzahlung der Schechter-Anleihe bestehen, um ihr Investment zu sichern. Laut Vertrag dürften sie das jedenfalls tun, solange Schalke die Erlöse aus dem Arena-verkauf nicht in "neue Steine" steckt. Bislang versichern alle Seiten auf Nachfragen, außer einer nicht rechtlich bindenden Absichtserklärung sei noch nichts abgemacht. Das hört sich schon ganz anders an, als die ursprüngliche Botschaft, die Ende Oktober offiziell verbreitet wurde: „Diese Vereinbarung ist von allen Vorständen und Geschäftsführern unterschrieben und steht nur noch unter Gremienvorbehalt.“

Damals ging es wohl darum, der DFL pünktlich irgendetwas glaubwürdig vorzulegen, das nachweisen sollte, das Geld fließen wird, damit die Liga keine Lizenzstrafe verteilt. Egal wie dünn das Brett ist, auf dem man steht. Die DFL ist wohl drauf eingegangen. Irgendwie hätte es ja auch dumm ausgesehen, Schalkes Finanzchef Peter Peters als Vize-Präsident des Ligaverbandes und stellvertretenden Vorsitzenden des DFL-Aufsichtsrates zu bestrafen.

Nach außen geben sich die Verantwortlichen kämpferisch. So als hofften sie auf einen Treffer in der Nachspielzeit. Die Saison sei sauber durchfinanziert, sagt Finanzchef Peter Peters. "Ein weiterer Verkauf von Rechten, Anteilen oder Spielern ist aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus nicht notwendig.“



58 Kommentare und 4 Ping(s) zu »Schalkes Konzernbilanz: 55,9 Mio Euro bilanzielle Überschuldung«

  1. #51 | Angelika sagt am 10. November 2009 um 18:36

    “…der Wert eines Clubs hat wenig mit der Bilanz zu tun. Da geht es auch im immaterielle Sachen…” (David Schraven, Kommentar 49)

    So ist es!

  2. #52 | Schalke hat angeblich 280 Mio Schulden! - Seite 4 - DIGITAL FERNSEHEN - Forum sagt am 10. November 2009 um 19:12

    [...] Unsinn? Magath ist 3 Monate im Amt, sein Gehalt kannst Du als unwesentlich in die Ecke klatschen Schalkes Konzernbilanz: 55,9 Mio € bilanzielle ?erschuldung __________________ 54, 74, 90, 2010 inoffiz. DF-Chat Aber eins, aber eins, das bleibt bestehn: [...]

  3. #53 | Michael Kolb sagt am 10. November 2009 um 20:31

    Deloitte Football Money League… ich habe mir den Bericht auch mal angesehen (wenn auch nur die kurze Version, welche sich nur auf die platzierten Bundesliga Vereine bezieht).

    Mal ein wenig zitieren, allgemein zur Methodik:

    “[...] Umsatzinformationen [...] sind den veröffentlichten Jahresbilanzen und weiteren verlässlichen Quellen entnommen. [...] Zum Zweck dieses Berichtes wurde keine Überprüfung der Informationen durchgeführt.”

    und zu Schalke direkt:

    “[Ausscheiden CL-Qualifikation, Ausscheiden Gruppenphase des UEFA-Cups] …woraus ein Rückgang der Spieltag- und TV-Erlöse resultieren wird. Es ist daher anzunehmen, dass der FC Schalke 04 in unserer nächstjährigen Football Money League die aktuelle Platzierung voraussichtlich nicht verteidigen kann. Da die Höhe der generierten Umsätze insbesondere vom sportlichen Erfolg in den internationalen Wettbewerben und den damit verbundenen Mehrerlösen abhängt.”

    Ne, aus den Fingern saugen die sich das nicht. Allerdings übernehmen sie “auch nur” ungeprüft die allgemein veröffentlichten Informationen. Für meine Begriffe ist daher die Aussagekraft des Berichtes, bezogen auf die aktuelle Diskussion hier, eher gering. Darüberhinaus wird festgestellt, daß die Situation von Schalke 2008 vielleicht rosig gewesen ist, es jedoch in diesem Jahr deutlich grauer wird.

  4. #54 | Borkinho sagt am 10. November 2009 um 22:41

    Wenn Herr Schraven mehr weiß als alle anderen, dann soll er bitte die Fakten auf den Tisch legen. Vielleicht kann er ja mal bitte kurz erklären, warum er es nicht macht.
    Quellenschutz? Wichtigtuerei? Entweder die ganze nackte Wahrheit oder den Artikel löschen!

    Halbwissen bringt uns hier in der Diskussion nicht weiter.

  5. #55 | David Schraven sagt am 10. November 2009 um 22:59

    @ Borkinho,

    Kann Herr Bokinho nicht lesen? Dort oben steht ein Artikel. Da sind die Fakten drin. Die Zahlen aus der Konzernbilanz.

    @ Michael,

    von bilanzieller Überschuldung kann man beruhigt sprechen, wenn der Wirtschaftsprüfer sie in einer testierten Konzernbilanz festgestellt hat. So wie hier.

  6. #56 | Udo Pape sagt am 11. November 2009 um 17:52

    Komische Aufregung hier. Eine bilanzielle Überschuldung ist immer eine bilanzielle Überschuldung (Punkt). Die Frage ist: Liegt auch eine tatsächliche Überschuldung vor? In der Tat hat Schalke in Form der Namensrechte ja noch immaterielle Werte in der Hinterhand. Allerdings müssen dann diese Werte oder andere stille Reserven mindestens bilanziert werden, damit nämlich der bilanziellen Überschuldung abgeholfen wird. Tut man das nicht, dann freut sich der Insolvenzverwalter auf sein Mandat: Ist doch für seine Gebühren schon mal gesorgt und spricht ferner einiges für die Weiterführung des/der Unternehmen(s).

    Wo also ist das Problem? David hat veröffentlicht – unbestritten wohlgemerkt: Bei Schalke lag 2008 eine bilanzielle Überschuldung vor. Das zumindest schon mal mindestens ein schwerer, handwerklicher Fehler der Geschäftsführung; – und zwar im günstigen Fall. Die noch nicht gestellte Frage lautet: Warum hat Schalke die bilanzielle Überschuldung hingekommen? Sind im Anhang Hinweise darauf zu finden, dass neues Kapital zufließt (z.B. durch Verkauf von Namensrechten, Auflösung von stillen Reserven o.ä.)?
    Ist dies nicht der Fall, dann wird es kritisch. Denn jetzt stellt sich gleich die Frage nach dem Warum. – Sind stille Reserven, Namensrechte o.ä. als Sicherheiten abgetreten? Das wäre doch dann eine naheliegende Vermutung.

    Wie auch immer. Recht ist nicht teilbar. Liegt ein Verstoß gegen das Insolvenzrecht vor, dann sieht das Gesetz hierfür Strafen vor und diese müssen auch ausgesprochen werden. Muss ein Insolvenzverwalter das Verfahren übernehmen, ist es im Endeffekt für den Verein nur gut, weil offensichtlich inkompetentes (oder anders motiviertes) Führungspersonal bei dieser Gelegenheit entfernt wird. Der Verein wird es überleben, aber er wird auf “ehrliche” Füsse gestellt. Und dass ist in jedem Falle gut so.

  7. #57 | Borkinho sagt am 12. November 2009 um 20:19

    @David Schraven: Ich komme immer spät von der Arbeit, da kann man schonmal etwas überlesen. Sie haben also die Zahlen aus der Konzernbilanz, das habe ich natürlich verstanden.
    Können Sie mir die Konzernbilanz dann bitte einmal zur Verfügung stellen?
    Ich finde Sie gerade im Internet nicht.

    Danke!

  8. #58 | David Schraven sagt am 12. November 2009 um 20:46

    @ Borkinho,

    nein, ich kann Ihnen die Konzernbilanz nicht zur Verfügung stellen. Da fragen sie besser beim FC Schalke 04. Denn das sind seine Dokumente.

  9. #59 | Mark sagt am 13. November 2009 um 19:45

    Sehr geehrter Hr. Schraven,

    sie behaupten in ihrem Artikel wären alle Fakten. Legen sie doch mal eine Konzernbilanz mit allen Beteiligungen und Erläuterungen vor und dann kann man sich ein Urteil bilden. Wenn die 55,9 Mio an negativen EK stimmen also das EK würde auf der Aktivseite stehen dann wäre es für das EK nicht ganz so relevant das rund 100Mio? Verbindlichkeiten aus dem Konzernabschluss verschwinden. Die Höhe der Verbindlichkeiten hat keinen Einfluss auf das Eigenkapital.

    Und sie haben sich die Frage gestellt wer die Verbindlichkeiten aus der Stadiongesellschaft in seinen Abschluss einbezieht. Wenn keiner der Anteilseigner mehr als 50% hält dann werden die Verbindlichkeiten bei niemanden auftauchen. Und das ist der Sinn und Zweck von Beteiligungen unter 50%.

    Mit freundlichen Grüßen

    Mark

  10. #60 | David Schraven sagt am 13. November 2009 um 20:56

    @ Mark

    Mit dem negativen Eigenkapital ist das ein wenig komplizierter. Schalke hat über 60 Mio. Euro negatives Eigenkapital, aber durch die stille Beteiligung von Tönnies (Eigenkapitalähnliche Mittel) wird das ein wenig angehoben. Der Übertrag der bilanziellen Überschuldung auf die Aktiva-Seite ist eben 55,9 Mio. Euro schwer.

    Wenn die Schulden auf der Passiva-Seite verschwinden, kann es sein, dass die Vermögenswerte wieder ausreichen, auch bei weiter negativem Eigenkapital die Passiva-Seite zu sichern.

    Kann schon sein, dass ich ich Bilanz irgendwann hier einfach komplett veröffentliche. Aber jetzt nicht. Sorry.

    Die Kiste mit den Schulden der Arena KG sehe ich ähnlich. Es kann sein, dass die Belastungen der Firma einfach verschwinden.

  11. #61 | Borkinho sagt am 13. November 2009 um 22:52

    @David Schraven: Lange Rede kurzer Sinn. Entweder man vertraut Ihnen oder man vertraut Ihnen nicht, wenn Sie das, worüber Sie schreiben, nicht in schriftform darlegen.

    Eine Frage: Woran beteiligt sich denn nun die GEW? An der FC Schalke 04-Stadion-Beteiligungs GmbH (wie oben geschrieben) oder an der Arena KG (letzter Beitrag).
    Ich gehe davon aus, dass die Stadionbet. GmbH sich an der Arena KG beteiligt.

    So what. Im Extremfall geht die Arena KG und damit die Stadionbet. GmbH als Komplementär unter. Die Haftung der GmbH ist natürlich auf das Stammkapital beschränkt. Wie soll dann der Verein pleite gehen?

    So wie das für mich aussieht ist die GEW dann mehr am Arsch, insofern sie sich wirklich an einer KG beteiligt haben.

  12. #62 | Fc Bayern München: Wirtschafts- statt Fußballwunder | Das Allround Blog sagt am 27. November 2009 um 15:44

    [...] auf der sich die Münchener auf Platz 4 der Umsatzstärksten Clubs präsentieren. Damit erwirtschaftet der Rekordmeister fast doppelt soviel wie Schalke. Königsblau ist mit 148,4 Mio. Euro (Platz 13 in den Top 20) zweit reichster deutscher Club. [...]

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