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Thüringer Linken-MdL Katharina König zur NRW-Linken: „Alles was ich will …“

Katharina König Foto: Alupus Lizenz: CC 3.0

Katharina König Foto: Alupus Lizenz: CC 3.0

Unsere Gastautorin Katharina König ist Landtagsabgeordnete der Linken in Thüringen. Sie ist seit langem in der Antifa-Arbeit aktiv, war im NSU-Untersuchungsausschuss Thüringens und setzt sich gegen Antisemitismus ein – auch in der eigenen Partei. 

Während ich diesen Kommentar schreibe, hat die Hamas den Waffenstillstand gebrochen – oder klarer formuliert: nie eingehalten. Während ich diesen Kommentar schreibe vibriert mein Handy im Dauerrhythmus:

Raketenalarm in Shar hagenev: 21:00:12
Alarm Sdot Negev: 21:00:54
Alarm Kiryat Malachi: 21:15:27
Alarm Beer Tuvia: 21:15:24
Alarm Gam Yavne: 21:15:23
Alarm Ashdod: 21:19:46

Für den Gaza-Streifen gibt es kein Alarm-System.

In Nahost ist Krieg. Raketen fliegen seit Monaten aus dem Gaza-Streifen auf Israel. Die Reaktion in Deutschland: Schweigen. Drei jugendliche Israelis werden entführt. Die Reaktion in Deutschland: weitgehendes Schweigen. Wenige Tage nach der Entführung werden die drei Jugendlichen tot aufgefunden. Unmenschlich. Grausam. Es gibt keine Demonstrationen, keine Kundgebungen.

Nichts.

Die Raketenbeschüsse dauern an und verstärken sich. Ein palästinensischer Jugendlicher wird entführt und gelyncht. Unmenschlich. Grausam. Israel wehrt sich gegen die andauernden Raketenbeschüsse. Proteste von Islamisten, Nazis und: der deutschen Linken folgen. Israel nimmt Stellungen der Hamas im Gaza-Streifen unter Beschuss. Der Aufschrei ist groß.

Es gibt Tote. Kinder, Frauen, auch Terroristen. Das menschenverachtende Kalkül der Islamisten geht auf: Attackiert Israel die Abschussrampen und Waffenlager, die bewusst in Wohngebieten stationiert sind, wird  es die internationale Empörung geben. Die Terroristen erzwingen Reaktionen, um Israel zu isolieren. Würde Israel die Stellungen nicht angreifen, wäre das ein Zeichen von Schwäche und der Aufkündigung des Schutzversprechens des jüdischen Staates gegenüber seinen Bürger_innen.

Des aus den Erfahrungen von Jahrhunderten dauerndem Antisemitismus und der Shoa resultierenden Versprechens, dass diesem Staat jenseits des Konstrukts der Nation eine andere Notwendigkeit gibt. Islamisten, Nazis, Linke, Naive und Antisemiten weltweit sorgen dafür, dass das Kalkül der Terroristen aufgeht. Auch sie sind es, die Hamas und andere motivieren, weiterzumachen.

Angst macht sich breit. Ein neuer Krieg.

Die ersten Kundgebungen finden statt. Protestaufrufe folgen. Antisemitische Übergriffe nehmen zu.

Antisemiten erklären sich öffentlich „Hitler hatte Recht“, Antisemiten nehmen an den „Friedens-Demonstrationen“ gegen Israel, gegen die Bombardierung des Gaza-Streifens teil. Neonazis ebenso. Eine Distanzierung der organisierenden Linken suche ich. Ich befürchte, ich werde keine finden.

Man ist ja links. Man ist ja per se gegen Antisemitismus, gegen Neonazis. Die eigene Verantwortung an deren Teilnahme wird weder gesehen, noch hinterfragt. Linkssein schützt. Vor Antisemitismus, Rassismus, Neonazismus, Homophobie, vor Allem, was schädlich ist.

„Hamas, Hamas, Juden ins Gas!“ ist auf den von Linken beworbenen oder gar angemeldeten und organisierten Demonstrationen zu hören. Flaggen der terroristischen Hamas sind zu sehen. Fehlt nur noch ein als Selbstmordattentäter verkleideter Teilnehmer. „DIE LINKE. NRW unterstützt die Demos gegen die Bombardierung Gazas“.

Es sind keine Demonstrationen für Frieden. Es sind Demonstrationen gegen Israel. Sie sind kalkulierter und funktionaler Teil des Terrors. Einseitig. Relativierend. Benzin im Brandherd Nahost.

Ich schwanke zwischen Wut und Trauer. Heulen und ausrasten. Weitermachen und aufhören. Es scheint keinen Effekt zu haben immer wieder zu versuchen, Verständnis für die diffizile Situation in Israel und Palästina zu erwirken. Einseitig Schuld zuzuweisen ist einfacher. Der Sündenbock Israel passt in die Schublade. Sensibilität fehlt.

Auch bei der von der Linksjugend Ruhr angemeldeten Demonstration für den morgigen Freitag. Neonazis und Islamisten haben ihr Kommen angekündigt. Sie wurden von der Veranstaltung ausgeschlossen. Von den Organisatoren. Bei facebook. Sie werden anwesend sein.

Am Freitag um 17:00 Uhr. Neonazis, Islamisten. Dazu Linke, Friedensbewegte.

Die jüdische Gemeinde in Kassel hat Angst. Den Religionsunterricht für Kinder sagten sie aufgrund einer ähnlichen Demonstration am vergangenen Dienstag ab. Die Durchführung des Shabbat-Gottesdienstes am Freitag ist fraglich. Auch in Kassel soll es Freitag erneut eine antiisraelische Demonstration geben. Der Gemeindevorsitzende fürchtet um die Sicherheit der Gemeindemitglieder. Aus Angst vor antisemitischen Angriffen, die aus einer Demonstration gegen Israel – natürlich für den Frieden – hervorgehen. Ist es wieder soweit?

„Stoppt die Bombardierung Gazas – Für ein Ende der Eskalation im Nahen Osten!“, so der Titel der für morgen angemeldeten Kundgebung in Essen. Das Motto ist an Einseitigkeit kaum zu überbieten, von der dahinter stehenden Ignoranz der Raketenbeschüsse durch die Hamas ganz zu schweigen. Die Forderung an einen militärisch attackierten Staat, sich nicht zu verteidigen, kommt der Aufkündigung seines Existenzrechtes gleich. Es werden Antisemiten kommen.

Es werden Neonazis kommen.

Es wird eine Querfront gegen Israel demonstrieren. Die Linksjugend Ruhr wird ebenso wie einige Mitglieder der LINKEN.NRW Teil davon sein. Mir bleibt nur zu sagen: Alles was ich will ist, nichts mit euch zu tun zu haben.

 Katharina König im Internet: Haskala 

RuhrBarone-Logo

49 Kommentare zu “Thüringer Linken-MdL Katharina König zur NRW-Linken: „Alles was ich will …“

  • #1
    AllieJameson

    Danke, Katharina, für den Artikel – es ist so erschreckend zu sehen, wie der (sekundäre) Antisemitismus sich wieder Bahn bricht. Auch bei Leuten, bei denen ich es nicht erwartet hätte. Danke für Deinen Arbeit!

  • #2
    Thomas Weigle

    Da in Gaza dank der ständige Angriffe der sog. IDF ein normaler Schulunterricht möglich ist und war, darf man sich nicht wundern, dass die Mitglieder der Hamas nicht bis fünf zählen können. Das aber nehmen die hartnäckigen Verteidiger Israels nicht zur Kenntnis und unterstellen der Hamas böse Absichten und mangelnden Friedenswillen. SO NICHT!!

  • #3
    Jochen

    Stimmt, Herr Weigle. Der Hamas werden natürlich die bösen Absichten unterstellt, weil Sie nicht bis 5 (in Worten: fünf) zählen können. Danke für diese wissenschaftliche Auswertung des Bildungsniveaus innerhalb der Hamas.

    Eigentlich liegt die „Unterstellung böser Absichten“ wohl eher in diesem Satz: „Israel existiert und wird weiter existieren, bis der Islam es ausgelöscht hat,
    so wie er schon andere Länder vorher ausgelöscht hat.“ (Präambel)

    Können Sie mir bitte anhand dieses o.g. Zitates die guten Absichten und den Friedenswillen der Hamas genauer darstellen?

    Danke!

  • #4
    bob

    So eine enfache Pauschalisierung (IDF-Gut / „die Palästinenser“ böse) enttäuscht mich sehr und torpediert zudem die gesamte progressive Bewegung & Antifas in Israel selber. Ist es immer noch nicht möglich den Antisemitismus & Hamas / Isl. Jihad etc. eindringlich zu verurteilen UND für die Zivilbevölkerung in Plästina (und Israel) Partei zu ergreifen. Eigentlich schon.

  • #5
    Kartoffelstampfer

    @Thomas

    Was denn bei dir falsch?
    Hast du mal Schulbücher angeschaut, die im Gazastreifen genutzt werden? Die Kids dort werden antisemitisch erzogen. Und die Hamasmitglieder können sehrwohl bis fünf zählen. Sogar noch weit darüber. Sie schicken nämlich täglich hunderte von Raketen nach Israel – irgendwer muss das ja mitzählen.
    Zu behaupten, die Hamas hätte keine bösen Absichten und einen Friedenswillen, ist antisemitisch.
    Und was soll der Ausdruck „sogenannte“ vor „IDF“? Verschwörungstheorieansatz?
    Verpiss dich, und geh mit Islamist*innen und Fundamentalist*innen gemeinsam auf die Straße, rufe „Kindermörder Israel“ und suhle dich in eurem Querfrontantisemitismus!

  • #6
    Helmut Junge

    na endlich mal jemand aus der Linkspartei, dem das alles auf den Keks geht und das auch öffentlich sagt. Doch steht Katharina König in der Linkspartei in dieser Frage allein? Wo sind die Stimmen derer in ihrer Partei, die man noch etwas häufiger in den Medien sieht, die sich aber gerne unsichtbar machen, wenn es um solche antisemitischen Auswüchse geht, die sogar zum Bündnis mit rechten Ultras aller Länder geführt haben und noch weiter führen?

  • #7
    Stefan Laurin

    @Helmut Junge: Nein, sie steht nicht allein. Die Position der Bundespartei ist differenzierte als die von NRW:
    http://www.linksfraktion.de/nachrichten/spirale-eskalation-muss-durchbrochen-werden-2014-07-11/
    Der hiesige Landesverband gilt ja nicht umsonst als Hort der Irren – und ist notorisch erfolglos.

  • #8
    Angelika

    „…“Wir sind nicht in ein leeres Land gekommen, hier gab es schon Palästinenser.“…“ (Y. Rabin)

    http://www.hagalil.com/israel/rabin/israel/-1.htm

    Klingt banal, ist es aber nicht.

    Rabin hat diesen Satz in einer Knesset-Rede kurz vor seiner Ermordung gesagt. Und ermordet wurde er von einem, der zu denen gehört, die diesen Konflikt anheizen (und der sich nach seiner Aussage vor seiner Tat bei zwei Rabbinern holte).

    Die Siedlungen der Ultras sind ein Desaster. Der Einfluss der Ultras (rel. u. zionist.) nimmt immer mehr zu. Bei Wahlen immer mehr Einfluss dieser Gruppen (Parteien).

    Und Äußerungen einer israel. Parlamentarierin über palästin. Mütter und palästin. Kinder (Anfang Juli) sind äußerst kontraproduktiv.

    Immer mehr Intellektuelle leben nicht gern in Israel und das nicht (oder jedenfalls nicht nur) wg Anschlägen, Raketenalarm, sondern auch wg dem vorher Ausgeführten.

  • #9
    Arnold Voss

    Und wo ziehen/wollen die dann hin? In die USA, nach Deutschland oder ins Land der Hamas? 🙂

  • #10
    Angelika

    Ja, u.a. „…In die USA,…“

    „Migration: Israel wird den Säkularen zu religiös“ (siehe ZEIT)
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2011-12/israel-immigranten-usa

    „USA. Das gelobtere Land. Immer mehr Israelis verlassen ihre Heimat und ziehen nach New York.“ (Jüdische Allgemeine)
    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/12038

  • #11
    GerdEric

    Liebe Katharina.
    Ich kann dir gut nachfühlen, aber auch du bist eine der LINKEN, weshalb ich noch bei der LINKEN bin! Ich werde mein Möglichstes tun, Morgen in Essen zu sein. Ich hoffe, dass genügend LINKE da sind, damit man die Nazis und Antisemiten fern halten wird und kann.

    Gegen Querfront und Hassprediger!

    Und denke dran, wer, wenn nicht wir!

  • #12
    Manfred Michael Schwirske

    Kommt mal zur Sache. Ich habe keinen Sinn fuer umgedrehte Einseitigkeiten. Das Spiegeln von Extremen fuehrt nicht zu Erkenntnis.
    Der Kern der Sache dürfte wohl jenseits jeder religioesnationalistischen Logik auf Seiten der Israelis oder Palaestinenster zu finden. Was ist die Logik der Eskalation?

  • #13
    Thomas Weigle

    @ Stefan, “ und notorisch erfolglos..“ Gott sei Dank. Tun wir alles, damit das auch so bleibt. Da sind die Ruhrbarone dankenswerter Weise bislang gut und in der richtigen Weise unterwegs. Man muss diesen Leuten Paroli bieten, wo immer es geht.
    3,4,5 Ach Herrje!!

  • #14
    Thomas Weigle

    @ K. König „Alles was ich will ist, nichts mit euch zu tun zu haben“, dann bleibt ja nur eine Konsequenz. Ich habe diese Konsequenz bereits gezogen 2012 gezogen, u.a.aus eben jenen von ihnen genannten Gründen. August Bebel: „Der Antisemitismus ist der Sozialismus der dummen Kerls.“ Man kann es gar nicht oft genug sagen und schreiben.

  • #15
    Klaus Lohmann

    @#13 | Thomas Weigle: Wir sind aber noch im Thread, in dem es ausschließlich um Antisemiten und Hamas-Sympathisanten innerhalb der NRW-Linke geht? Oder hatte Stefan schon gerufen: „Abbiegen von jetzt an erlaubt!“?

  • #16
    ex-linker

    Man kann Katharina König nur zustimmen. Was sich da zusammen findet ist einfach nur ekelerregend. Doch zu hoffen, dass hier in der NRW-Linken irgendjemand aufwacht und sich dem entgegenstellt, ist leider naiv. Der Hass auf Israel ist ein konstituierendes Element innerhalb der hiesigen Linken. Und wenn Frau König, wie ich, mal in einer Ortsgruppe der NRW-Linken eine Diskussion über das Verhältnis zu Israel angezettelt hätte, würde sie, wie ich es dann getan habe, aus dieser Partei austreten. Dass das Existenzrecht Israels offen (und unwidersprochen) in Abrede gestellt wurde, gehörte definitiv zu den harmlosen Reaktionen. Was mir und den zwei anderen „Genossen“, die diesen Versuch gewagt hatten, entgegenschlug, war Antisemitismus pur. Selbst Variationen zum Thema „Der ewige Jude“ fanden offene Zustimmung.

    @ Thomas Weigle: Bebels Zitat hatte zur Zeit Bebels sicherlich eine gewisse Berechtigung. Doch nach der Shoah wird es der Sache nicht mehr gerecht und ist unfreiwillig verharmlosend. Der „moderne“, post-nazistische Antisemitismus läßt sich nicht mehr auf Motive einer verkürzten Kapitalismuskritik zurückführen (da irrt zum Beispiel auch BAK Shalom). Er stellt längst eine neue, eigene gesellschaftlich Formation dar, die – so absurd es ist – die verhasste Existenz Israels für die eigene Legitimation zwingend braucht. Von daher irrt auch K. König, wenn sie davon ausgeht, dass es Kalkül der Mörder der drei Jugendlichen war, Israel zu einer Reaktion zu zwingen, die dann (mal wieder) zu den üblichen Empörtheiten weltweit führt. Es geht vielmehr darum immer wieder von neuem die Berechtigung des eigenen Antisemitismus zu „beweisen“. Von daher kann JEDE israelische Regierung tun und lassen, was sie will, sie kann mit militärischer Härte reagieren oder Friedensangebote unterbreiten, es wird sich darin für die weltweite antisemitische Allianz von Hamas bis [solid]-NRW IMMER der Beweis für die Berechtigung des eigenen Hasses auf Israel, des eigenen, sich Anti-Zionismus nennenden Antisemitismus finden lassen.

  • #17
    Manfred Michael Schwirske

    Es ist reichlich Unsinn, den Antisemitismus auf der Linken Seite zu suchen. August Bebel meinte die Nationalsozialisten und hier verläuft auch heute die Trennlinie.

    Natürlich nutzt Rechts die momentane Chance. Aber wohl umso erfolgreicher als sich linke Formationen und Personen Ignoranz und Antisemitismus um die Ohren hauen.

  • #18
    Thomas Weigle

    @Ex-Linker Ich benutze den Begriff und das Zitat von Bebel nicht von ungefähr, weil ja nicht alle Antisemiten/ Antizionisten, es den Nazis nachmachen wollen. Die Betonung liegt auf NICHT ALLE!!
    #17 Jetzt mach ich mal den Jauch. Wann ist Bebel gestorben? Wann wurde die NSDAP gegründet?

  • #19
    Helmut Junge

    Manfred, was provoziert wird, kann mehr oder weniger schnell eskalieren. Im Beispiel Israel funktioniert das nachweislich schon jahrzehnte so. Die „Einseitigkeiten“, ob umgedreht oder nicht, haben sich entwickelt, oder besser ausgedrückt, die Polarisation ist stärker geworden. So stark, daß mittlerweile kaum noch jemand neutral ist.
    Ich wüßte auch niemanden, den beide Seiten als Vermittler akzeptieren würden.
    Dabei kann dieser Konflikt nur über schwierigste Verhandlungen gelöst werden. Aber sei dir gegenüber mal ehrlich und frage dich selber, ob du als Vermittler von beiden Seiten akzeptiert werden könntest, wenn alle deine Aussprüche zu diesem Thema bekannt wären. Frage dich einmal in einer ruhigen Stunde danach. Abgesehen von dem Problem, daß die Verhandlungen immer an einen Knackpunkt kommen, wo dich eine der beiden Seiten, wenn du solch einen Vorschlag machst, sofort absetzen würde. Es gibt auch für solch eine Position keinen Vorschlag. Die Vorschläge werden immer einseitig gemacht. Wenn überhaupt welche kommen. Und mit einer Organisation, die nie Verhandlungen will, wird es auch keine geben.
    Weil es keine gibt, haben wir dort Krieg. Es ist immer derselbe Krieg, obwohl esuns entfernt wohnenden Europäern so vorjkommen mag, als gäbe es friedliche Zwischenzeiten. Ich habe mal bei Google den Suchzeitraum begrenzt und keinen Monat gefunden, in dem von Gaza aus keine Raketen auf Israel gefeuert wurden.
    Das entgeht uns meist, obwohl die Medien darüber berichten. Wenn keine israelische Gegenreaktion kommt, erlischt unser Interesse sofort. Kommt sie aber, dann ist der Medienrummel groß bis größer. Dann nehmen wir wahr, daß da was los ist. Dann soll dort schnell geschlichtet werden und dann gibt es auch diese Demos gegen Israel und für die Hamas. Natürlich für Hamas, nicht für andere Vertreter der Palästinenser. Nicht für Abbas, der eine besonnere Politik als die Hamas betreibt. Dann hört man aber auch auf Demos der Linkspartei die Schlachtrufe der Hamas! Das ist schon so, daß es einigen Linken gar nicht mehr auffällt. Diesmal aber ist der zeitliche Zusammenhang klar. Es gab einen Vorschlag für einen Waffenstillstand seitens der Ägypter und Israel war dafür, aber Hamas nicht. Die Bewohner von Gaza aber wollen nicht bombardiert werden, Das ist Hams aber egal. Die Hamsvertreter sitzen in den Bunkern, aber für die Bewohner gibt es nicht einmal ein Warnsystem. Und die in den Bunkern entscheiden, ob die Waffen schweigen oder nicht. Damit Israel bloß nicht aufhört, starten sie immer wieder Raketen in die Richtung, obwohl klar ist, daß diese Raketen militärisch überhaupt nicht relevant sind. Selbst wenn sie treffen, sind sie nicht relevant. Mehr als den Gegner reizen kann man damit nicht. Darum sagen ja auch die friedensbewegten immer, daß diese Raketen kein Vergleich zu der militärischen Übermacht Israel darstellen. Warum aber werden sie abgeschossen und warum will Hamas keinen Waffenstillstand, obwohl die eigene Bevölkerung absolut nicht bombardiert werden will? Warum ist von den Friedensbewegten niemand auf der Seite der Bevölkerung im Gaza? Siehst du Manfred, mich würde Hams nicht als Vermittler akzeptieren.

  • #20
    ex-linker

    Mal davon abgesehen, dass das Bebel zugeschriebene Zitat nicht belegt ist, ist Bebel bereits 1913 gestorben. Also zu einer Zeit, als der spätere „Führer“ Adolf Hitler sich noch als Kunstmaler in Wien versuchte und noch nicht einmal Gefreiter war. Und Antisemitismus ist wie Rassismus, Sexismus, Schwulenhass (um nur ein paar Bespiele zu nennen) keineswegs ein „Privileg“ der Rechten. Unsinn ist dergleichen nicht auch auf Seiten der politischen Linken zu suchen. Und es ist ein gefährlicher Unsinn, da man so – wie man sehen kann – Rechten nicht nur eine Chance gibt (was schon verheerend genug ist), sondern sie letztendlich offen einlädt.

  • #21
    Manfred Michael Schwirske

    Helmut, ich teile deine Dastellung. Es ist m.E. sinnvoll, die Analyse des Palaestina Konflikts aus der Situation und ihrer Historie zu entwickeln und dies auch auf die reflektierenden Diskussionen hierzulande anzuwenden. Ideologische Analysen sind demgegenüber das Gegenteil von Analysen.

    Das gilt aber auch fuer die Etikettierungen im linken Diskurs in Europa, so auch in Deutschland. Die Etiketten Rassismus, Antisemitismus verkleistern den Blick. Der Vorwurf des Antisemitismus kann leicht zum seichten Anti-Antisemitismus degenerieren. Womit dann ein weiteres ideologisches Dogma den Blick verunklärte.

    Und genau dies ist meine Beobachtung, meine Besorgnis und ist mein Einwand.

    (Analoge Fehlleistungen stelle ich auch in der Asyldebatte fest, kurz: Rassismus ist auch dort kein gutes erklärendes Moment)

  • #22
    Manfred Michael Schwirske

    Noch mal zu Bebel. Das Gesagte ist richtig (soweit meine eher dürren Kenntnisse reichen). Aber Bebel hatte natuerlich – ganz unabhaengig von diesem Zitat – die national-sozialistischen Ideologien in allen ihren Schattierungen genauestens vor Augen. Er hatte sie über viele Jahrzehnte erlebt. Und noch mehr gilt das fuer die modernen säkularisierten Varianten des Antisemitismus und Rassismus.

  • #23
    transmitter

    Deutscher Sommer – weltweit

    Eingeleitet worden ist die Deutsche Fußball Weltmeisterschaft mit einem Werbevideo, in welchem die Nationalmannschaft in militaristischer Formation die Stufen hinaufstürmt, Gesichter dicht aneinander in Frontalaufnahme mit entschlossen artikuliertem Siegesblick. Wie an der Front unter Speed – keine Unterschiede in der Fassade, jede Individualität ausgelöscht. Die Party ist der Kampf. Diesen Ton traf auch der Tagesthemen Kommentator mit seiner Bilanz der WM: Kampf-Leistung- Kollektiv. Abschluß Brandenburger Tor mit dem Truck ganz in schwarz wie auch das „Team“, die „Mannschaft“, die Truppe: schwarze Hose, schwarzes T-Shirt, alle gemeinsam. „Deutschland wurde Weltmeister, weil es sich modernisiert hat.“ schreibt die TAZ soweit richtig und dann folgendermaßen falsch: „Weil dieses Land ein anderes, ein besseres ist.“ Nicht nur daß der Gaucho Tanz gezeigt hat, daß das Land für welches diese Mannschaft steht, über Lothar Matthäus nicht hinausgekommen ist.

    Die entscheidenden Politiken dieser Wochen hat Deutschland im Ausland geführt und nur abgeschlossen mit dem Gaucho Tanz vor der Silhouette des Brandenburger Tores. Das war vergleichbar erniedrigend wie seinerzeit der deutsche Satz von den Pleite-Griechen. Stell Dir vor, es ist Krieg und niemand sieht hin: Wie in den neunziger Jahren in Bosnien-Herzegowina wird in der Ost Ukraine ein Krieg gegen die Bevölkerung geführt. Der Bosnien Krieg damals war jeden Abend ausführliches Thema der Tagesschau. Der Ukraine Krieg findet hier medial so gut wie gar nicht statt. Der Unterschied der zwei Kriege: Beim Bosnien Krieg ließ sich als Agressor ein Feind aus Tradition festmachen, bei diesem Krieg ein Verbündeter aus Tradition. Das wirklich Beunruhigende an dieser Situation ist nicht diese gesellschaftliche Wahrnehmung. Das wirklich tief Beunruhigende ist die Haltung der Linken in Deutschland. Zur Ukraine nicht positioniert, mit den unterschiedlichsten Begründungen, sieht sie die deutsche Rolle dort nicht. Der Abschied vom Kollektiv fällt eben doch sehr schwer, wenn er denn überhaupt gewollt ist. Zumal man sich zeitgleich mit den Bomben auf und den Drohnen über Gaza zu beschäftigen hat.

    Alle vier bis 7 Jahre beginnt eine Organisation einen Krieg gegen Israel. Dieser wird auf kleiner Stufe eingeleitet und schrittweise eskaliert. Israel antwortet dann in der Regel nach Überschreiten einer Stufe und diversen Warnungen mit Mitteln des Krieges. Nach ein paar Tagen vermittelt irgend jemand einen Waffenstillstand an den Israel sich hält, die Hamas aber nicht. Sie schickt stattdessen weitere 50 Raketen. Schließlich möchte man Steinmeier als Vermittler und nicht Ägypten. Ein Unterschied wird auch an den Zielen erkennbar und an den Methoden. Die Raketen der Hamas zielen in erster Linie auf zivile Einrichtungen – die Angriffe der Israelis sollen Abschußeinrichtungen, Basen und Tunnel treffen. Diese allerdings sind häufig in Wohnblocks untergebracht, weswegen vor israelischen Angriffen intensive Warnungen an die dortige Bevölkerung gerichtet werden verbunden mit der Aufforderung, das gefährdete Gebiet zu verlassen.

    Jeder Krieg führt zu unsäglichem Leid und zu Opfern, die niemand wollen kann. Gleichzeitig ist dieser Satz sehr naiv, solange er nicht zur Kenntnis nimmt, daß Krieg aus Interesse heraus entsteht. Die o.g. Periodizität der Angriffe auf Israel verweist darauf: Eine militärische Organisation, welche Staatsgewalt übernommen hat behauptet sich in dieser nur mit der Anwendung ihres Grundanliegens.

    Nicht behandelt haben wir die Schreibmaschine im Bundestag und den Merkel Besuch in China in deren Zeiten die Übernahme der deutschen Ministerien durch NSA und CIA fielen – ebenfalls in der WM. Die Linkspartei fordert dazu die vollständige Herstellung der deutschen Souveränität.

    Hr.Home

  • #24
    thomas

    Weil vorher schon angefragt ob sich noch mehr LINKE distanzieren:

    Ja da gibt es eine ganze Menge….inzwischen haben sich etliche verschiedene Linksjugend solids distanziert bzw. gefordert dieser Demo abzusagen.

    Klaus Lederer (die Linke) hatte Heute gepostet
    „Ich schäme mich dafür. Nicht in meinem Namen.“ (die Demo Morgen in Essen)

    „Und noch einmal: Der Umgang mit Antisemitismus ist für mich nicht verhandelbar. Meine Empathie gehört den Leidtragenden dieses Konflikts in Gaza und in Israel. Der Konflikt taugt nicht, um darauf antisemitische Süppchen zu kochen.“

  • #25
    Thomas Weigle

    „Der Konflikt taugt nicht, um darauf antisemitische Süppchen zu kochen.“ HM, hm, diese Formulierung schließt nicht aus, dass es sehr wohl Konflikte gibt oder geben kann, auf denen man besagtes Süppchen kochen kann. Vielleicht sogar darf. Mindestens eine sehr unglückliche Formulierung. ich denke, dass angesichts der Bedrohungen jüdischer Bürger und ihrer Einrichtungen/Wohnungen, siehe FFM, eine Sprache am Platze ist, die eindeutig ist, die klare Kante gegen jede Form von AS/AZ zeigt.

  • #26
    Sophia

    Vielen Dank für diesen wichtigen Beitrag, den ich mir sehr aus der LINKEN erhofft habe, aber leider sind wir hier in Essen mit einer anderen Realität konfrontiert. Wer sich für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema einsetzt – gerade aus der Linken Ecke – der wird leider allzuschnell „niedergebrüllt“. Erschreckend bleibt auf beiden Seiten die allgemeine Geschichtsvergessenheit; sowohl der palestinesischen, isreaelischen und deutschen.

  • Pingback: Essen: Demonstrationen für und gegen Israel | Ruhrbarone

  • #28
    Stefan Walfort

    Wie wohl wäre einer Rosa Luxemburg zumute, müsste sie heute erleben, wie lange geächtete Querfrontperversionen plötzlich populär zu werden scheinen?
    Die rhetorische Frage kann sich jeder selbst beantworten. Ich vermute darüber hinaus, dass Elsässer, Jebsen und andere Wahnmacher in jüngster Vergangenheit ihren Teil zur Akzeptanz solcher Allianzen beigetragen haben. An dieser Stelle möchte für die Unterstützung der Spendenkampagne Jutta Ditfurths bezüglich Elsässers Prozessführung gegen Jutta werben.
    Danke an Katharina und diverse Unterstützer.

  • #29
    dot tilde dot

    den artikel hatte ich erwartet. vielen dank für die ausführlichkeit und die gefundenen worte.

    .~.

  • #30
    Andre

    Danke für diesen wohltuenden Beitrag, Frau König.

    Leider ist der Antisemitismus auch in der Linken verbreitet (vor allem im Westen, wo sowieso die meisten Spinner rumlaufen) und nicht nur in der extrem Rechten.

    Es ist wie ein pavlovscher Reflex bei einigen: Draufschlagen auf Israel.

    Der Spiegel-Redaktor „Schnibben“ hat mal einen grossen Bericht im Spiegel über seine Nazi-Eltern geschrieben (von deren Vergangenheit er lange Zeit nichts wusste) und die Folgen für ihn. Er meinte, dass er sich Frage, ob diese unbewusste antijüdische / antiisraelische Haltung, die er meinte bei sich immer beobachtet zu haben, über die er selber erschrak, damit zu tun habe, dass ihn seine Eltern mehr beeinflusst haben, als er dachte. Er sei jetzt wachsamer, war seine Erkenntnis. Und dass es nicht Schütze, immer ein Linker nach aussen zu sein.

  • #31
    Botschafter Sarek

    Liebe Frau König, Danke für diesen sehr guten Kommentar! Es ist zwar nicht so, dass Israel in diesem Konflikt ohne Schuld ist (ich sage nur Siedlungspolitik), aber es ist nun mal Fakt, dass die neuerliche Gewaltwelle von Israel ausgeht. Und natürlich hat Israel das Recht, sich gegen die Bombardierung seiner Städte zu verteidigen. Dass es in diesem Konflikt bisher kaum tote Israelis gibt, liegt eher an der Qualität der israelischen Raketenabwehr als am mangelnden Tötungswillen der Hamas. Wie man sich in „Friedensdemonstrationen“ für die Hamas engagieren kann, habe ich noch nie verstanden.

    Genausowenig verstehe ich allerdings, wie man in Friedensdemonstrationen „für die Ukraine“ Russland verteidigen kann ..

  • #32
    Leise

    Sehr geehrte Frau König,

    ich bin bei weitem kein Freund antisemitischer Haltungen! Und deshalb unterstütze ich im Prinzip Ihre Ansichten über die aktuellen Proteste gegen das Vorgehen Israels.

    Dennoch! … Eines kommt in der stattfindenden Debatte in der Regel viel zu kurz, und auch Sie vermeiden es klar darauf hinzuweisen, daß beide Seiten stets nur auf die Schuld der anderen Seite verweisen, ihre eigene Schuld aber nicht sehen wollen. Von Hamas Seite wird man für eine solche Aussage als Judenfreund bezeichnet, von Israelis als Antisemit abgestempelt. Das dieser Konflikt nur zu befrieden ist wenn die Waffen schweigen will scheinbar keine der beiden Seiten hören.

    Für mich rechtfertigt das Recht auf Verteidigung nicht automatisch auch jedes Mittel der Antwort. Und gerade das Ausmaß der gerade weltweit, gegen Israel gerichteten Proteste sollte deshalb hellhörig machen. Wenn mir hier in X-Berg deutsche Jugendliche mit einem T-Schirt mit dem Aufdruck „Intifada und Palestina wird frei“ begegnen scheint mir da ein großes Vermittlungsproblem vorzuliegen.

    Militärische Gewalt war noch nie ein wirkliches Mittel zur Befriedung! Aber gerade dieser Automatismus im Vorgehen Israels – nämlich Gewallt und Terror mit einem noch viel größeren Maß an Gewalt zu beantworten scheint einfach nicht logisch!

    Der Beschuß von Gaza durch die Israelis hatte freilich eine Vorgeschichte! Aber auch diese, und wiederum diese! … Wo fängt man an, wo hört man auf? … Vielleicht im Heute und Jetzt?

  • #33
    Ben

    Frau König, Sie verteidigen hier nicht Israel (im Sinne eines etwaigen breiten Konsenses der israelischen Bevölkerung), sondern die Politik der RECHTEN, die in Israel an der Regierung sind. Lesen Sie einfach mal Haaretz, da finden Sie auch von jüdisch-israelischer Seite die gleiche Kritik, die Sie hierzulande mit Antisemitismus in Verbindung bringen zu müssen meinen.

  • #34
    Rudolf Gottfried

    @Ben
    „Lesen Sie einfach mal Haaretz…“
    So lautet die Standardaufforderung des „israelkritischen“ Gutmichels.
    Damit ist dann i.d.R. das unsägliche Geschreibsel eines Gideon Levy oder einer Amira HaSS gemeint.
    Verstecken hinter jüdischen „Kronzeugen“. Wie erbärmlich!

  • #35
  • #36
    Manfred Michael Schwirske

    Hier kreist die je halbierte Selbstgerechtigkeit um ein sinnloses Pro und Contra. Solange, bis jegliches Händeln oder auch nur Demonstrieren wechselseitig verdammt, verboten und verunmoeglicht wird. Am Ende des Wortgefechts steht das Nichts-geht-mehr. Außer Krieg.

  • #37
    Arnold Voss

    @ Leise # 32

    „Das dieser Konflikt nur zu befrieden ist wenn die Waffen schweigen will scheinbar keine der beiden Seiten hören.“

    Wie kommen sie darauf? Israel hat sich lange Zeit beschießen lassen, ohne zu militärischen Gegenmitteln zu schreiten. Auch jetzt stimmt Israel einem Waffenstillstand zu und die Hamas nicht. Es sind also nicht scheinbar zwei Seiten, sondern ganz real nur eine, die nicht hören will.

  • #38
    Arnold Voss

    @ Michael Schwirske

    Michael, die Eskalationslogik ist trotz der historischen Ursachenkomplexität in Kern recht einfach und läuft seid der palästinensischen Ablehnung der 2-Staatenlösung bei der Staatsgründung Israels nach dem Leitsatz: Die Juden gehören nicht nach Palästina, bzw. den Judenstaat Israel hätte es nie geben dürfen.

    Deswegen ist es völlig egal welche Regierung Israel politisch führt und welche Mittel sie egreift um die Existenz des Staates Israel zu sichern. Sie ist und bleibt der Feind und die israelische Bevölkerung das Objekt des Hasses. Auch die, die garnicht jüdisch ist. Der muslimisch-arabische, also religiös fundierte Antisemitismus kommt dabei noch verschärfend hinzu und existierte schon weit vor der Gründung Israels.

    Israel ist diesbezüglich von Anfang an – und aus gutem Grunde auch mit Duldung seiner internationalen Unterstützer – eine Art hochgerüsteter Frontstaat, der schlicht nicht mehr existieren würde, wenn er das nicht wäre. Diese strukturelle und überlebenswichtige militärische Überlegenheit führt aber dazu, dass die Sympathien emotional häufig stärker bei den Palästinensern liegen, obwohl deren politische Führung es ist, die sich bis heute auf keine Friedenspolitik einigen kann.

    Die Hamas braucht den Israel-Hass der palästinensichen Bevölkerung sogar wie Brot im Schrank, um ihre unversöhnliche Strategie weiter fortführen zu können und dieser ist über die Jahrzehnte der Eskalation natürlich so weit gewachsen, dass auch die gemässigten Kräfte bei den Palästinensern nicht mehr zum Zuge kommen, ohne darauf Rücksicht zu nehmen.

    Das unter diesen Bedingungen in Israel politisch die Kräfte die Oberhand gewinnen, die sowieso nie an eine Versöhnung mit den Palästinensern geglaubt haben, ist nicht wirklich verwunderlich. Sie sind aber weitaus weniger radikal als die Hamas und sie sind in ein grundsätzlich demokratische System eingebunden, dass die Bevölkerung Israels auch mehrheitlich will.

    Es gibt aber noch einen viel wichtigeren, ja entscheidenden Unterschied. Die nationale Identität Israels ist nicht durch den Hass auf die Palästinenser bestimmt. Er bestimmt auch nicht die öffentlichen Debatten, geschweige denn die mehrheitliche Einstellung der Bevölkerung. Im Gegenteil, der Mehrheit ist sehr klar, dass ihr Staat eigentlich nur in Kooperation mit den Palästinensern auf Dauer existieren kann.

    Das ist umgekehrt mittlerweile bei den meisten Palästinensern aber nicht mehr der Fall. Der Judenhass ist nicht nur eins mit dem Israelhass geworden, sondern er wird sozusagen mit der Muttermilch eingesogen und durch die die Unterlegenheit immer aufs neue bestätigenden Eskalationserfahrungen auf Unumkehrbarkeit gestellt. Am Ende steht so der Anfang: Israel gibt es und wird es weiter geben, aber es muss trotzdem weg. Hinzu gekommen ist der Kern des antisemitischen Dogmas: Die Juden müssen überhaupt weg.

    Klar, dass sich bei ihren internatinalen Unterstützern nicht nur die befinden, die quasi David gegen Goliath unterstützen wollen, sondern die ihren antisemitischen Gefühlen endlich freien und öffentichen Ausdruck geben möchten. Was alle dabei vergessen ist, dass es sich in Wirklichkeit gar nicht um David gegen Goliath handelt. Ja, wenn man die ersten beiden arabischen Angriffskriege anschaut, es sich eigentlich noch nie darum gehandelt hat, obwohl dabei die Palästinenser eigentlich nur die Manövriermasse der arabischen Staaten waren. Auch die Hamas wird schon lange von Kräften unterstützt die im Nahen Osten, und nicht nur da, selber eine Goliathrolle anstreben, ja partiell schon innehaben.

  • #39
    Klaus Bender

    Das ist ja ein starkes Stück, die Bombardierung Gazas mt dem Existenzrechts Israels gleichzusetzen.

  • #40
    Arnold Voss

    Klaus Bender, genau darum ging es bei der Gründung des Staates Israel. Das nicht jeder auf der Welt weiterhin Juden einfach umbringen darf, weil es ihm gerade so passt, sondern dass er mit systematischer, ja mit überlegener Gegenwehr rechnen muss, wenn er das tut. Dass es ein Land gibt wo Juden sicher leben können und eine Armee die dafür sorgt, dass das so bleibt.

    Wenn man dieses Land beschießt, schießt es zurück, und zwar so lange wie es beschossen wird. Machen andere Länder immer schon. Wenn ich Jude wäre hätte ich ganz indivduell spätestens 1938 zurück geschossen, Klaus Bender. Existieren kann nämlich nur der, der sich nicht umbringen lässt. Haben sie es jetzt begriffen, Klaus Bender? Oder muss ich noch ein bisschen aus der Charta der Hamas zitieren?

  • #41
    Manfred Michael Schwirske

    Arnold, wolltest du meine letzten zwei Saetze ausführlich belegen? Glaube ich nicht.
    Es ist nicht wirklich falsch (nur lueckenhaft, z.B.: Siedlungspolitik?), was du darstellst. Es gibt aber auch die andere Seite. Das ist genau das Wesen von Paradoxien. Und die Frage ist, wie schlagen wir diesen Knoten durch.

    Bestimmt nicht durch das Schwert. Krieg ist die Loesung!? Das kann nicht das letzte Wort sein.

  • #42
    Klaus Bender

    #40
    Aber es ist in Ordnung einfach so Palästinenser zu töten und jede Kritik am Ausmaß und der Art und Weise ist eine Verneinung des Existensrechtes Israel.

  • #43
    Arnold Voss

    @ Klaus Bender

    Es ist nie „in Ordnung“ Irgendjemanden zu töten, Klaus. Krieg ist keine Ordnung sondern die Aufkündigung der Ordnung. Diese ist in diesem Fall aber nicht von Israel aufgekündigt worden, sondern von der Hamas. Sie bezeugt nicht nur ihren Willen zur Vernichtung Israels offiziell sondern sie handelt auch danach und das kontinuierlich. Hätten die Israelis keinen Raketenschirm, wäre auch auf ihrer Seite die Anzahl der Toten erheblich.

    Die israelische Armee tötet auch nicht „einfach so“. Sie versucht so weit als möglich die Anzahl der Verletzten und Toten zu minimieren. Das klingt zynisch, ist aber weitem nicht so pervers, wie die Strategie der Hamas, ihre Abschussrampen bewusst in Wohngebiete zu legen und die Menschen dort, trotz der Vorwarnung des israelischen Militärs, während des israelischen Beschusses festzuhalten.

    Wenn sie also schon das Ausmaß und die Art und Weise dieses Krieges kritisieren, dann tun sie das bitte bei denen, die dafür sorgen, dass ihre eigenen Landsleute drauf gehen, damit sie ihren „heiligen Krieg“ gegen Israel weiterführen können. Diese Leute haben nämlich nie aufgehört, Israel zu beschießen und ihr Waffenarsenal nach jeder Friedensverhandlung weiter vergrößert.

    Israels bleibt gar nichts andere übrig als diesen Leuten ein für alle Mal das terroristische Handwerk zu legen, egal was die Weltöffentlichkeit dazu sagt. Die Weltöffentlichkeit wohnt nämlich nicht unter Beschuss, sondern beobachtet ihn aus sicherer Entfernung. Unter Beschuss befanden sich die ganze Zeit nur die Israelis, und das egal ob die Weltöffentlichkeit hinschaute oder nicht.Jetzt schießen sie endlich zurück, und alle regen sich über die Israelis auf und nicht über die Hamas. Auf diese Art der Weltöffentlichkeit würde ich als Israeli keinen Cent geben, Klaus.

  • #44
    Arnold Voss

    @ Michael Schwirske

    Ich bin hier immer wieder auf die aggressive Siedlungspolitik der israelischen Regierungen eingegangen. Aber auch hier wurde Scharon seine Umkehr von den Palästinensern nicht gedankt. Insgesamt wäre aber auch hier die Sache völlig anders gelaufen, wenn sich die palästinensische Führung je und g e s c h l o s s e n zum Frieden und zur Anerkennung des Staates Israel hätte aufraffen können. Mit einem Satz: Es gab auch hier reichlich verpasste Chancen, weil es immer eine Gruppe gab, die auf k e i n e n Fall eine Versöhnung wollte.

    Krieg ist nie die beste Lösung. Das Problem ist nur, dass wir beide darüber rein gar nichts zu bestimmen haben und es uns dabei genauso geht wie dem größten Teil der palästinensischen Bevölkerung. Die Forderung nach der Befreiung Palästinas von der Hamas hatte deswegen, wenn auch nur als Plakatparole, eine ausgesprochen schlüssige innere Logik.

    Allein der Hass ist bei den Palästinensern mittlerweile aber so groß, dass auch das nur ein Traum ist. So können zur Zeit beide Seiten, wenn auch aus verschiedenen Gründen, nicht nachgeben. Insofern ist die Lage, was den Frieden betrifft, dort so gut wie aussichtslos, bzw. kann er nur von Außen kommen. Aber auch das wird die Hamas nicht zulassen. Wenn also nicht Jemand dieser Truppe den Geld- und den Waffenhahn zudreht, wird das immer so weiter gehen.

  • #45
    siri nihil

    hallo katharina, ich bin immer wieder froh, dass du die für mich richtige meinung im richtigen moment vertrittst. die berichterstattung über die zumutungen, die die hamas den israelis und den eigenen leuten zumuten, ist in der regel traurig und einseitig. so lange die menschen in gaza der hamas nicht klar machen, dass raketen und waffenlager in wohngebieten nichts zu suchen haben, so lange werden sie weiter sterben, denn ein andauernder raketenbeschuss wird von keinem land toleriert und ist auch keinesfalls von israel zu akzeptieren. es ist lächerlich, von israel zu erwarten, es solle achselzuckend über angriffe hinweggehen. man stelle sich vor, die niederländer würden täglich um die hundert raketen auf den niederrhein abschießen, da wohnen auch nur wenig leute.

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  • #47
    Alfred Ärger

    Krieg in Nahost ist furchtbar.

    Das es hier im Land zu Gewaltaufrufen gegen Israel kommt, ist eine Katastrophe die ich bis vor kurzem für unvorstellbar hielt.

    Es ist an der Zeit, die Wahnsinnigen wenigstens hierzulande aufzuhalten !
    Und das sich hier von Linker Seite eine Stimme der Vernunft zeigt, ist immerhin
    ein Zeichen, das ich schon fast nicht mehr erwartet hätte.

  • #48
    daniel

    Sry konnte den Text noch nicht einmal zu Ende lesen, wie hier wieder der Staat Israel in die Opferrolle geschoben wird ist leider nur lächerlich.
    Jede anitsemetische Meinung ist zu verachten und ganz klar abzulehnen. Punkt.
    Man muss für einen Moment mal aufhören die Religionen hinter den Menschen zu sehen. Auf der einen Seite eine Gruppe von Menschen die auf Angriffe von einer anderen Gruppe von Menschen mit
    Es ist Fakt,
    dass Isareal den Hamas (welche Raktenangriffe selbstverständlich auch zu verachten und abzulehnen sind!) Haushoch überlegen sind.
    dass die Opferzahlen auf Seiten der palästinensischen Bevölkerung WEITAUS(!!) höher als auf der, der israelischen Seite.
    dass die Mauern welche die palästinenser wie Vieh halten nicht von Palästinensern gebaut wurden.

    Tut mir leid aber die Israelische Regierung verschärft den Konflikt nur mehr als sie ihn zu verschärfen versucht. Das ist Fakt. Jeder der diese Fakten nicht beachtet wird nur Unterstützer eines menschenverachtenden Krieges!
    Lasst uns für Frieden werben ZWISCHEN den Menschen dort!

  • #49
    Klaus Lohmann

    @daniel: Wirklich ernst gemeinter Tipp: Don’t drink and post. Dann versteht man Dich vielleicht besser.

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