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Vom Sinn und Unsinn der Zwischennutzung

Die Zwischennutzung ist seit einiger Zeit ein großes Thema, vor allem in der sogenannten Kreativwirtschaft. Sogenannte Leerstände sollen auf Zeit von den sogenannten Kreativen belegt werden, bis sich ein Mieter findet, der den vom Vermieter gewünschten Mietpreis bezahlen kann. Gerne wird das auch „Bespielen“ eines Leerstandes genannt, wenn sich dieser in einer zentralen Lage mit viel Passanten befindet. Die Zwischennutzung ist dann eine Art Simulation der Vermietung, eine  aktive Tarnung des Leerstandes, bis wieder ein echter, sprich zahlungsfähiger Mieter vorhanden ist.

Zwischennutzungen sind aus ökonomischer Sicht für den Immobilienbesitzer nichts anderes als eine Vermietung zweiter bis dritter Klasse, ein nicht wirklich ernst zu nehmender vorüber gehender Zustand. Deswegen ja auch Zwischennutzung. Sie muss deswegen auch möglichst bald beendet werden können, da niemand sicher weiß, wann jemand am Markt erscheint, der ein Mietpreis zahlt, mit dem das Grundstück/Gebäude schwarze Zahlen schreibt. Entsprechend werden die Zwischen-Mietverträge gestaltet.

Die Zwischennutzung birgt damit aus sich selbst heraus reichlich Konfliktstoff zwischen Mieter und Vermieter und stößt deswegen bei Immobilienbesitzern nicht gleich auf Begeisterung. Was ist, wenn der Mieter sich weigert auszuziehen oder eine höhere Miete zu zahlen? Was ist, wenn er gegen die geschlossen Vertrag und seine zeitliche Begrenzung klagt? Zwischennutzungen sind also auf den ersten Blick nur dann für den Vermieter sinnvoll, wenn auch der Mieter ein ebenso kurzfristiges Interesse hat wie er selbst und  über die entsprechende Flexibilität und Mobilität beim Um- bzw. Auszug verfügt.

Wenn der Immobilienbesitzer sein Gebäude zu Spekulationszwecken leer stehen lässt, steht er mit jeder Art Zwischennutzung sogar auf Kriegsfuß. In der Regel will er dann das Gebäude/Grundstück mit Gewinn verkaufen statt es zu vermieten. In diesem Fall aber verzögert jede auch noch so kurzfristige vertragsbezogene Nutzung des Gebäudes den Verkauf bzw. senkt sie den Verkaufspreis erheblich. Deswegen reagiert diese Art von Eignern auch so allergisch auf Besetzungen, denn diese sind für sie noch unkontrollierbarer als selbst vertraglich hochflexibel abgesicherte Zwischennutzungen.

Ist der Eigner jedoch an einem Abriss bzw. an einer Umnutzung des Grundstücks interessiert, kann für ihn eine mögliche Zwischennutzung als Letztnutzung sinnvoll sein, die auch im Interesse des Eigners mehrere Jahre dauern kann, da sich Umnutzungsprozesse in der Regel so lange hinziehen. In diesem Fall reicht ihm allerdings, wenn er ökonomisch konsequent handelt und zum Nachteil der Zwischenmieter, keine reine Kostenmiete aus. Sie würde nämlich nur den Erhalt des Gebäudes finanzieren, was für ein für den Abriss bestimmtes Gebäude natürlich sinnlos ist. Eine Endnutzung bringt ihm also nur dann einen Vorteil, wenn sie mehr als die Erhaltungskosten einbringt.

Wenn das Gebäude sich jedoch in einer zentralen und damit in der Regel in einer Hochmietlage befindet, ergibt sich aus Zwischenmietersicht auch bei einem die Erhaltungskosten übersteigenden Mietzins ein erheblicher Mietvorteil in Bezug auf die sonst an diesem am Standort zu zahlenden Mieten. Erst recht wenn die Mietdauer mit seinen Interessen übereinstimmt. Er zahlt weniger als an diesem Standort üblich und der Besitzer schreibt auch für die Restvermietungszeit zwar kleine dafür aber schwarze Zahlen

Für eine echte Zwischennutzung, d.h. bei Bestands- und Nutzungserhalt des Gebäudes, ist  dagegen die reine Kostenmiete für den Vermieter schon als Gewinn zu verbuchen, da das Gebäude durch eine raumkonforme Nutzung zumindest seinen Sachwert beibehält. Diese Sachwertstabilität ist der eigentliche ökonomische Sinn  der echten Zwischennutzung, während der Mieter natürlich auf einen höheren Verkehrswert wartet bzw. diesen vom Markt über kurz oder lang erhofft oder erwartet. Es ist in der Regel auch der vorherige Verkehrswertverfall, sprich die sinkende Mieteinnahme, die in der Regel den Leerstand und damit die Option der Zwischennutzung auslöst.

Führt der Leerstand im Rahmen eines Gesamtbesitzes aber zu Steuervergünstigung, die den eventuellen Sachwertverfall mehr als ausgleichen, ist selbst in diesem Fall eine Zwischennutzung für den einzelnen Vermieter ökonomisch sinnlos. Es sind dann eher die Anlieger und mittlerweile auch die Stadtverwaltungen, die auf eine Zwischennutzung drängen um das städtische Gesamtbild positiv zu beeinflussen, da zunehmende und dauerhafte Leerstände, erst recht wenn sie sich in einer bestimmten Gegend oder Straße anhäufen, dort zum allgemeinen Verkehrswertverfall und später auch zum Sachwertverfall führen können.

In einer solchen Situation macht die Zwischennutzung für den einzelnen Immobilienbesitzer zwar immer noch wenig Sinn, für die (Wieder)Aufwertung des von Leerständen betroffenen Stadtteils jedoch umso mehr. Der Gewinn für die einzelne Immobilie hält sich dabei in der Regel kurzfristig in Grenzen. Mittel bis langfristig kann sich jedoch eine Lageverbesserung einstellen die auch den Verkehrswert der Einzelgrundstücke/Gebäude wieder anhebt.

Dies geschieht allerdings nur, wenn die Hoffnung auf Aufwertung nicht trügt oder die Zwischenmieter mit ihrer Nutzung selbst Erfolg haben, bzw. nach einer gewissen Zeit in der Lage sind, mehr als die Kostenmiete zu bezahlen. Auch in diesem Fall ergibt sich für Mieter und Vermieter aus der Zwischennutzung eine dauerhafte Win-Win-Situation, bzw. kann die Zwischen- zur Dauernutzung werden. Deswegen sollten die Vermieter, die einzeln oder gemeinsam eine solche Lageaufwertung anstreben, auch selbst am Erfolg der Zwischenmieter interessiert sein.

Für Vermieter, denen vor allem an einer Restverwertung gelegen ist, d.h. die so viel wie möglich aus ihrem Immobilienbesitz rausholen und dazu möglichst wenig in ihn investieren wollen, gilt das genaue Gegenteil. Sie sind an dieser Art von unterstützender Zwischennutzungen nicht interessiert. Sie wollen kurzfristige Erfolge und nehmen dafür auch für die Gesamtlageentwicklung schädliche Nutzungen in Kauf, wenn den die eigene Kasse stimmt. Sie haben in der Regel auch nicht das geringste Interesse an jeder Art von Kultur- und Kunstproduktion in ihren Gemäuern, weil deren Gewinnaussichten in der Regel als sehr unsicher gelten.

Ökonomisch sinnvoll ist deswegen eine Zwischennutzung für den Mieter nur dann, wenn ihm beim Erfolg auch die vertragliche Aussicht auf die Mietverlängerung, bei eventuell höherer Miete zugesichert wird. Es sei denn, er ist durch seine Nutzungsabsicht selbst nur auf eine Kurzzeitanmietung aus. Dies ist jedoch eher bei Wohn- als bei gewerblicher Nutzungen der Fall. Die sogenannten Kreativen wollen aber häufig sogar beides in einer Einheit oder in unmittelbarer Nähe und sind schon deswegen auch als Künstler und Kulturschaffende nicht in der Lage alle paar Monate den Aufenthaltsort zu wechseln. Erst recht nicht, wenn sie bei ihren Produkten auch auf Laufkundschaft angewiesen sind.

Für sie lohnt sich eine Zwischennutzung also eigentlich nur dann, wenn sie in Wirklichkeit gar keine ist. Sie ist deswegen vor allem für die (noch) nicht so erfolgreichen unter ihnen nicht wegen des Zwischenzeitlichen sondern wegen des damit verbundenen unterdurchschnittlichen Mietpreises interessant. Die zeitliche Begrenzung spielt nur insofern eine Rolle, weil sie die Möglichkeit eröffnet beim absehbaren  Misserfolg aus dem Mietvertrag auch schnell wieder aussteigen zu können. Während also auch bei der Zwischennutzung beim Mietpreis aus der Natur der Sache immer eine Differenz zwischen den Erwartungen von Mieter und Vermieter besteht, kann beim Zeitfaktor in einem solchen Fall ohne weiteres eine Interessengleichheit vorhanden sein.

Im Ruhrgebiet gelten zu diesen allgemeinen Bedingungen jeder Zwischennutzung jedoch noch folgende regionale Sonderkonditionen:

1.    Das Ruhrgebiet ist keine Boomregion und von daher ist der Spekulationsdruck hier nur in sehr wenigen zentralen Büroarealen und so gut wie keinem Wohngebiet vorhanden.

2.    Es gibt flächendeckend Gewerbe- und Wohnleerstände und das auch in zentralen städtischen Lagen, die seit Längerem vorhanden und auch nicht in naher Zukunft durch den Markt belegt werden können.

3.    In einigen Bereichen clustern sich  dabei mittlerweile diese Leerstände und führen zu generellen Lageabwertung.

4.    Es gibt mittlerweile auch erhebliche Leerstände im öffentlich oder quasiöffentlichen, sprich vom Steuerzahler erheblich oder gänzlich subventionierten Immobilienbesitz.

Das Potential der Zwischennutzungen liegt in der Ruhrstadt national gesehen, auch was die Agglomerationsräume betrifft, also erheblich über dem Durchschnitt und das auch in zentralen Lagen.

Aber auch im Ruhrgebiet gilt alles in allem, dass Zwischennutzungen nur dann ökonomisch sinnvoll sind wenn sie für Mieter  u n d  Vermieter einen Vorteil ergeben, der die Dauernutzung mit einschließt. Denn häufig wechselnde Mieter sind auch für den Vermieter eine Last, sofern er nicht ein Hotel betreibt. Besetzungen sind also nur da zu empfehlen, wo absehbar ist, dass der Vermieter durch den so erzeugten Handlungsdruck auf Vermietungslösungen gestoßen wird, die auch ihm einen Vorteil bieten. Es sei denn es geht um eine politische Demonstration, die auf einen eklatante Raumnot, also eine gesellschaftlichen Missstand hinweisen will. Das ist dann allerdings ein ganz anderes Thema.

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22 Kommentare zu “Vom Sinn und Unsinn der Zwischennutzung

  • #1
    crusius

    Ich entnehme Deinem Text drei Argumente, warum der Leerstand von Gebäuden für Vermieter vernünftiger sein kann als die Duldung einer Zwischennutzung:

    1. „Leerstand wegen Spekulation“. Das lohnt sich nur in Lagen, die Entwicklungsperspektiven bieten. Diese Entwicklungsperspektiven entwickelt aber nicht der Spekulant: Er baut auf Investitionen anderer oder der öffentlichen Hand. Ein solches Interesse ist m. E. nicht schützenswert.

    2. „Leerstand wegen Abriß/Umnutzung“: Das Argument ist etwas zu einfach. Denn hier sind Zinseffekte einzurechnen. Kapital, das der Besitzer für einen Abriß einsetzt, kann anderswo keine Zinsen erbringen. Mieten hingegen werden monatlich gezahlt. Erhaltungskosten eines Gebäudes fallen hingegen m. E. typischerweise nicht monatlich an. Was sich wo für wen hier wie rechnet, ist eine Frage des Einzelfalls. Und ich bin ja schließlich kein Makler… 😉

    3. „Leerstand erzeugt Steuervorteile“. Auch diesen Gewinn halte ich für moralisch fragwürdig, denn, wie richtigerweise angedeutet, wird dieser Vorteil wiederum auf Kosten der Allgemeinheit erwirtschaftet: Sachwertverfall anderer wird in Kauf genommen, um den eigenen kurzfristigen Vorteil zu sichern. Denn, wie ebenfalls richtig ausgeführt, würde auch der Besitzer der leerstehenden Immobilie langfristig vom Wertgewinn profitieren können. Das Modell funktioniert also vermutlich nur im Zusammenhang mit Spekulation.

    „Was wollen Kreative?“: Kreative sind v. a. darauf angewiesen, sich in ihrer Arbeit vernetzen zu können. Sofern die Entwicklung eines Viertels diesen Erwartungen gerecht wird, stellt sich zumeist auch der entsprechende, auch monetäre Erfolg ein. Sofern Mieter und Vermieter also am Erfolg der Zwischennutzung interessiert sind, haben sie eigentlich die gleichen Interessen. Wenn sich ein Kreativer in den Kopf setzt, Essen-Stoppenberg, Duisburg-Hamborn oder Dortmund-Scharnhorst zum neuen Kreativstandort zu adeln, wird er nur so lange daran Interesse behalten, wie er andere Ko-Kreative von diesem Vorhaben überzeugen kann. Wenn nicht, ist er dort auch ganz schnell wieder weg. Ganz zu schweigen von Dinslaken und Unna @HerrLaurin… 😉

    Zusammengefaßt: Zwischennutzungen funktionieren dann, wenn Mieter und Vermieter sich darin einig sind, auf „Gentrifizierung“ zu spekulieren. Sie funktionieren dann nicht, wenn der Vermieter glaubt, die erwarteten Wertsteigerungen der Immobilie/des Grund und Bodens ohne eigenes Zutun realisieren zu können.

    Zu Deinem Resüme: Ökonomische und politische Aspekte sind für mich nicht so klar voneinander zu trennen. Denn die Ablehnung von Zwischennutzungen macht für den Vermieter in meinen Augen nur dann Sinn, wenn er glaubt, den eigenen wirtschaftlichen Vorteil auf Kosten der Allgemeinheit zu realisieren: also entweder auf Kosten anderer Immobilienbesitzer, die an einer Aufwertung ihres Besitzes interessiert sind, oder auf Kosten des Steuerzahlers. Mit anderen Worten: Es handelt sich um eine Variante des Gefangenendilemmas, in dem Kooperation den größten Nutzen für die Allgemeinheit verspricht, aus der Perspektive des einzelnen aber die Realisierung geringerer Vorteile gewinnbringender erscheint, weil er sich nicht sicher sein kann, daß diejenigen, die mit ihm im selben Boot sitzen, auch die Kooperation – und damit den auf lange Sicht größeren Gewinn für alle – wählen. Hier hätte die Politik steuernd einzugreifen, denn: Eigentum verpflichtet.

    Noch ein Wort zum „Spekulantentum“: Sofern Marktmechanismen zur effizienten Allokation von Ressourcen beitragen, ist Spekulation nicht ehrenrührig. Immobilienspekulation erinnert mich allerdings eher an den Versuch, aus Scheiße Gold zu machen. Früher brauchte man dafür den Stein der Weisen. Heutzutage heißt das „Vitamin B“. Anders formuliert: Es braucht uns alle dafür, daß der Plan des Spekulanten aufgeht. Daß der Besitzer des Areals der Dortmunder Kronenbrauerei, der dort eine Hundertschaft aufmarschieren ließ, in Dortmund zugleich CDU-Ratsherr ist, hinterläßt ein besonderes Geschmäckle, wie der Schwabe sagt: Eines, daß einen – ehrlich gesagt – kotzen läßt.

  • #2
    wolfgang skodd

    @Autor
    Vielen Dank für den überaus informativen und lehrreichen Artikel über Sinn und Unsinn, allerdings finde ich ihn auch ziemlich emotionslos und fast nur aus ökonomischer Sicht verfasst.
    Wenn wir meinen, dass wir keinen Künstlernachwuchs brauchen oder ihm keine Heimat bieten wollen, dann müssen wir uns wohl zum 100sten Mal an den hochsubventionierten Brücke-Künstlern oder auch mal wieder an einem Van Gogh, der zu Lebzeiten kein einziges Bild verkauft hat, ergötzen.
    Das wäre für mich ein schlimmerer Stillstand, als der neulich auf der A40. Zu dem Frank Goosen sagte: „Wie Woodstock – nur die Musik war Scheiße.“ Ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung, vielleicht heißt der Artikel dann, vom Sinn und Unsinn politischer Aktionen.
    Wandel durch Kultur – ich bin dabei.

  • #3
    Dortmunder

    @1:
    Ach Crusius, dann kotzen Sie mal weiter. Ihnen muss es auch beschissen gehen, wenn Sie so scheisse informiert sind (um in Ihrer Wortwahl zu bleiben).
    Herr H., Besitzer der Kronenbrauerei, ist seit sieben, ich wiederhole, sieben Jahren kein CDU-Ratsherr mehr. So viel zum Thema Geschmäckle.

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  • #7
  • #8
    ruhrpott

    @ crusius: danke für diese klarstellung: was passiert, wenn Vermieter & Mieter sich über die Aufwertung (gentrification) einig sind. für die individuelle logik eines privateigentümers (den nichts verpflichtet) hilft das im zweifel dennoch nichts. siehe kronenbrauerei.

    die marktlogik noch einmal weitergedacht, stehen nicht selten nur deshalb überbewertete immobilienpreise in den bilanzen der eigentümer/ unternehmer, um weiter kreditwürdig für banken zu sein. spätestens hier beisst sich die katze dann endgültig in den schwanz, sind immobilien ständig überbewertet und können nicht genutzt werden, weil sie das sind: d.h. nicht gekauft, nicht gemietet, nicht besetzt. der markt kann es nicht.

    in diesem sinne ist der letzte satz des beitrags der entscheidende und wurde u.a. hier kommentiert: http://landforfree.blogsport.de/2010/08/25/was-passiert-wenn-was-passiert-in-dortmund-nichts/

    …Unterdessen erklärt Arnold Voss bei den Ruhrbaronen die Logik von Zwischennutzungen aus der Eigentümerperspektive und gibt eine Antwort auf die Frage: Warum Nichts passiert. Kurzfazit: Zwischennutzungen lohnen sich nicht und sind ein Risiko für Privateigentümer. Maximal politischer Druck aus der Nachbarschaft oder z.B. Quartiersmanagement kann bewirken, dass die Nutzung dem Leerstand vorgezogen wird, um den Abwärtstrend eines Viertels zu stoppen. Besetzungen seien nur da zu empfehlen „wo absehbar ist, dass der Vermieter durch den so erzeugten Handlungsdruck auf Vermietungslösungen gestoßen wird, die auch ihm einen Vorteil bieten. Es sei denn es geht um eine politische Demonstration, die auf eine eklatante Raumnot, also einen gesellschaftlichen Missstand hinweisen will. Das ist dann allerdings ein ganz anderes Thema“. Na bitte.

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  • #11
    crusius

    @ 3

    Dortmunder, vielen Dank für die Korrektur. Da hab‘ ich wohl beim Querlesen im Netz was falsch aufgeschnappt oder abgespeichert. Wenn man nun aber meinen Satz entsprechend ändert („Daß der Besitzer des Areals der Dortmunder Kronenbrauerei, der dort eine Hundertschaft aufmarschieren ließ, in Dortmund zugleich einmal, wenn auch vor sieben Jahren, CDU-Ratsherr gewesen ist, hinterläßt ein besonderes Geschmäckle, wie der Schwabe sagt: Eines, daß einen – ehrlich gesagt – kotzen läßt.“) – wird er dann wirklich unsinnig? Daß es um einen Schwarzen geht, interessiert mich übrigens nicht: Ähnliche Geschichten habe ich gerüchteweise auch aus Dortmunder SPD-Kreisen verlauten hören. Insgesamt ist doch an meiner Behauptung, daß Immobilienspekulanten von politischer Vernetzung mehr profitieren können als z. B. Autohändler, nix Ehrenrühriges.

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  • #13
    marcelbriegwitz

    Die durchaus ehrenwerten „Besetzer“ der Kronen-Brauerei müssen sich, im ureigensten Interesse,über ihre Optionen für einen langfristigen Erfolg klarwerden.
    Sie stehen jetzt in der Verantwortung, Konzepte zu entwickeln, die nicht nur Stadt und Verwaltung überzeugen,sondern auch alle anderen Marktteilnehmer.

    Denn wenn ein solches Projekt letzendlich scheitern sollte, wäre es billig, die Umstände anzuklagen -vielmehr wären die Probleme beim kulturellen Produkt und seiner Vermarktung zu sehen.

    briegwitz.ifuk.org

  • #14
    D

    @Dortmunder
    Dann recherchieren sie doch auch gleich mal seit wann er das Gelände mit dem dazu gehörigen Gebäude besitzt 😉
    Und ganz nebenbei, glauben Sie wirklich das „Vitamin-B“ dass man in Jahren als Stadtrat aufbaut einfach wieder verschwindet wenn man sein Amt aufgibt?

    @Marcelbriegwitz

    Wieso sollte man versuchen die städtische Verwaltung zu überzeugen?

    Es steht doch überhaupt nicht zur Debatte das sich „die“ Verwaltung überzeugen lassen will. Fakt ist doch viel eher das Menschen wie Stüdemann alles tuen damit sich solche „Überzeugungsversuche“ in unendliche Längen ziehen.
    Ein Beispiel das ich am rande mitbekommen habe.
    Die Initiative für ein UZDO hat diereckt nach der Besetzung der Kronenbrauerei kontakt zu Stüdemann aufgenommen. In der Woche nach dem dreizehnten gabs dann auch Gespräche in denen Stüdemann solange wie die Kameras der Presse an waren eigentlich nichts gesagt hat, allerdings in sehr vielen Worten, als dann aber die Kameras aus waren, sagte er dann so Sachen wie „Erstellt doch erstmal ne Liste an möglichen Objekten, da kriegen wir schon was hin“. (wie harmonieren solche Aussagen mit diesen: http://www.ruhrbarone.de/dortmund-studemann-gegen-zwischennutzung-durch-kunstler/ ?)
    Im Anschluß daran wurde versucht die „Gespräche“ aufrecht zu erhalten, was sich als ziehmlich schwierig entpuppte, da versuchen Sekräterinnen, natürlich nicht in Eigenregie, einen abzuwimmeln und falls man den Mann dann ans Rohr kriegt wird man vertröstet usw usf
    Und um dem ganzen dann die Krone aufzusetzen fällt dem Mann dann nach 3-4 Wochen auf, das er ja garnicht zuständig ist und er verweißt einen an einen Herrn Staschek?

    Nach 3-4 Wochen? Ne ist klar…

    Ich mein, was will ein herr Stüdemann? Der Stüdemann möchte seinen Job machen ohne das da ne Initiative rumhampelt die evtl. für ihn unkontrollierbare Presse produziert. Oder im schlimmsten Fall Sympathien in der Bevölkerung sammelt.
    Was geht da besser, und da handelt er ja aus eigener Erfahrung (nur war er damals auf der anderen Seite des Verhandlungstisches), als eine Initiative mit Alibigesprächen ruhig zu halten und das ganze so in die Länge zu ziehen bis der Initiative die Initiative ausgeht?

    Die Fakten bleiben bestehen:
    Es gibt viele dortmunder Bürger die Kunst, kultur und Politik leben wollen.
    Es gibt aktuell kaum Möglichkeiten dieses unkomerziell und selbstorganisiert zu tuen.
    Es gibt einen unfaßbar großen Leerstand in Dortmund.

    Wieso wollen dortmunds gewählte Volksvertreter nicht wenigstens versuchen diese verschiedenen Interessen zu vereinen?
    Wieso will man nicht wenigstens versuchen neue Wege zu beschreiten und eventuell bundesweit richtungsweisende Pilotprojekte zu initiieren?

    Oder ganz konkret:
    Wieso gibt man der Initiative nicht eine Immobilie aus dem Pool der „Immobilien des sachzielfreien Allgemeinen Grundvermögens“ und guckt was passiert?
    Ein Haus ohne Perspektive auf reanimation, ein Haus ohne absehbare Perspektive auf Nutzung.
    Warum?
    Was soll da schief gehen? Im schlimmsten Fall verfällt das Haus weiter und ist dann lediglich noch ne potentielle Leerstandsfläche. Im besten Fall hat man ein Kunst und Kulturzentrum in Dortmund und die Stadt kann sagen das SIE da mitgewirkt hat.

    Was ist den das teuerste an der Aufarbeitung, Renovierung und Bespielung von Immobilien die als Kunst und Kulturzentrum genutzt werden sollen/können?
    Doch wohl die Arbeitskraft der Leute die es ausführen oder? Aber genau diesen Punkt will die Initiative doch komplett abdecken, ohne staatliche Zuschüsse.

    Ich seh da schon ne „win win“ Situation Herr Briegwitz. (http://briegwitz.ifuk.org/?p=72)

    Und zu

    „Denn wenn ein solches Projekt letzendlich scheitern sollte, wäre es billig, die Umstände anzuklagen -vielmehr wären die Probleme beim kulturellen Produkt und seiner Vermarktung zu sehen.“

    fehlen mir fast die Worte…

    „kulturellen Produkt“

    Genau das ist meiner Meinung nach einer der Hauptgründe für Initiativen wie die Initiativen für ein UZDO.
    Die Perversion der Denkweise von „Kreativwirtschaft“ schaffenden wie Ihnen.
    Kunst und Kultur sind kein verdammtes Produkt, oder zumindest dürfen sie das nicht (ausschließlich) sein.
    Schon allein das „die Politik“ so begeistert ist von dem Gedanken der „Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft“ disqualifiziert den Gedanken komplett, zumindest meiner Meinung nach.

    „seiner Vermarktung“

    UZDO will ebend genau das nicht denk ich. UZDO will/muss einen unvermarkteten und unkomerziellen Raum für Kunst, Kultur und Politik schaffen.

    Es muss einfach möglich sein für Künstler und Kulturschaffende ihr schaffen zu teilen ohne in Zahlen denken zu müssen.

    Alles andere attestiert nur ein weiteres mal die Unfähigkeit und Perspektivlosigkeit unseres Gesellschaftssytems.

    D

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  • #19
    Sascha

    Die Frage ist, ob es langfristig überhaupt Alternativen gibt.
    Wenn man von den katastrophalen Innenstadt-Gewerbeflächenvermietungen ausgeht, ist mittlerweile doch gerade in den nicht so verwöhnten „Schlaf-„Städten bereits eine Situation entstanden, die nur noch eine Haaresbreite vom SuperGAU entfernt ist.

    Die ersten fangen an, die Schaufenster zuzumauern und Ladenflächen in billige Wohnungen umzubauen. Das Schicksal, daß in den letzten Jahren den ausgestorbenen Eckkneipen wiederfahren ist, droht auch den Innenstädten diverser Kommunen. Anstatt hier gegenzusteuern, bekommt jedes mehr oder minder große Quartier einen eigenen Discounter. Oder gleich zwei. Oder drei.
    Es werden Radwege renoviert, Straßen ausgebaut, Bürgersteige neu gepflastert und Randbegrünungen gesetzt – nur, damit man meilenweit an leerstehenden Kleingeschäftsflächen vorbeiparlieren kann.
    Die füllt auch keiner mehr mit Kunst und Kultur.

    Und in den immer beliebteren Satelliten-Neubaugebieten mit eigenem Discounter in kommunalen Randlagen ist diesbezüglich auch kein Blumentopf zu gewinnen.

    Auf meinem Heimweg komme ich Tag für Tag an ganzen Zeilen von Häusern vorbei, die leer stehen. Nicht mehr gebraucht werden. Seit Jahr und Tag zur Vermietung bereit stehen, aber keine Abnehmer finden. Wenn ich in die City gehe, bin ich nach 10 Minuten mit allen wesentlichen Besorgungen durch. Zum Bummeln gibts hier nichts. Für Kunst und Kultur ist nicht gesorgt. Will ich etwas interessantes kulturelles erleben, bietet meine Stadt so ziemlich gar nichts.
    Es scheitert aber mithin oft genug eine gute Idee einfach an den finanziellen Realitäten.

    Wenn da bei Städteplanern nicht genauso wie bei den Vermietern ein kräftiges Umdenken stattfindet, wird man so manches Quartier und manche Innenstadt – mit Verlaub – in einigen Jahren sprengen können.

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