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Warum Hannelore Kraft aus dem Internet gelöscht werden muss

Google Suche: Hannelore Kraft - NRW im Herzen
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In der modernen Politik gehört es zum guten Ton inzwischen im Internet vertreten zu sein. Die Erfolge der Piratenpartei sorgen bei den Parteistrategen für hektische Aufregung und so machte man im Wahlkampf die Netzpolitik auch zum Thema.

Zahlreiche Kandidaten versuchten sich bei Facebook und Twitter um dann pünktlich zum Wahltag damit aufzuhören (wie die im Wahlkreis 64 kandidierende Hannelore Kraft, deren persönliche Twitter-Beiträge mit dem Wahlsonntag endeten). Doch verstanden hat man das Internet bei der SPD wohl leider nicht, wie ein aktueller Fall zeigt:

Zu Beginn des Wahlkampfes gab es ein sogenanntes „Auftaktplakat“: Hannelore Kraft vor blauem Hintergrund, lächelnd, nur leicht (im Gegensatz zu anderen Plakatmotiven) photoshopped und den inhaltsarmen (neudeutsch) Claim „NRW im Herzen“.

Dieses Motiv stellte die NRWSPD im Wahlkampf zur Verfügung und so fand sich das nicht nur auf diversen Plakatwänden, sondern auch in Flyern und insbesondere auch im Internet. Die NRWSPD dazu:

Dieses Motiv wollen wir euch natürlich gern für eure Homepages, Facebook und Twitter, aber auch für die Ortsvereinszeitungen und anderen Printprodukte vor Ort zur Verfügung stellen. Die Nutzung durch SPD-Gliederungen ist für Internet, Soziale Netzwerke und Print bis zum 23.06.2012 frei.

Das Bild wurde gerne verwendet, wie man anhand einer Google-Bildersuche nach diesem Motiv (siehe das Artikelbild oben) erkennen kann. Doch ab heute ist die „Nutzung durch SPD-Gliederungen […] für Internet, Soziale Netzwerke und Print“ nicht mehr frei. Das bedeutet, dass ab dem Stichtag die Verwendung dieses Bildes Geld kosten kann.

Man mag jetzt einwerfen, dass das nur eine theoretische Gefahr ist, aber Insidern zufolge wäre es nicht das erste Mal, dass Bilder, die von der SPD zur Verfügung gestellt werden, nachher den treuen Wahlkämpfern vor Ort und im Web Kopfschmerzen und Kosten verursachten. Zuletzt sei beispielsweise an die erste Kandidatur Joachim Gaucks zum Bundespräsidenten erinnert, wo es auch nach Ablauf einer Nutzungsfrist Ärger gab.

Wie man recht einfach anhand der Bildersuche erkennen kann, gibt es noch zahlreiche SPD-Gliederungen, aber auch Privatpersonen bzw. Politiker, die dieses Bild nutzen. Ist man keine SPD-Gliederung ist das schon vor dem Ablaufdatum kostenpflichtig gewesen, denn logischerweise ist ein Politiker keine Gliederung der SPD. Bei der MdL-Kandidatin Hannelore Kraft, die dieses Motiv auch auf ihrer Seite hatte, hätten die Anwälte wahrscheinlich noch eine Ausnahme gemacht, bei anderen Personen ist das eher unsicher.

Aktuell informierte die NRWSPD in dieser Woche:

Liebe Genossinnen und Genossen,
wir möchten Euch darauf hinweisen, dass am kommenden Montag (23. Juni 2012) [sic!] die Nutzungsfrist für das Wahlkampfauftakt-Plakat „NRW im Herzen“ abläuft!
Bitte entfernt das Motiv bis dahin von Euren Webseiten und aus den sozialen Netzwerken. Auch für den Printbereich darf das Bild dann nicht mehr verwendet werden. Andernfalls droht eine Abmahnung. […]

Es scheint wirklich an der Zeit zu sein, dass in die Politik und die Parteienlandschaft etwas Internet-Kompetenz durch die Piratenpartei kommt. Erwartet man wirklich ernsthaft, dass jetzt ehrenamtliche Politiker bei Facebook und Twitter mehrere Wochen zurückblättern (wenn das überhaupt noch geht), um alte Beiträge zu löschen?
Doch selbst das Löschen dieser Bilder von den eigenen bzw. Parteiseiten im Internet ist lächerlich. Wenn – wie die diversen Medien am Anfang der Woche berichteten – dass die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft dagegen ist, dass ARD und ZDF ihre Mediatheken im Internet nach sieben Tagen aufräumen müssen, dann sollte die Vorsitzende der NRWSPD Hannelore Kraft vielleicht auch was gegen die parteiinterne Depublizierungspflicht machen.

Das merkwürdige an der Sache ist vor allem, dass die NRWSPD sich ja eigentlich mit so etwas auskennen sollte. Im eigenen Wahlprogramm heißt es:

Wir setzen uns für ein modernes Urheberrecht ein, das eine faire Balance schafft zwischen den Interessen der Nutzerinnen und Nutzer und der Urheberinnen und Urheber. Daher wollen wir auch das immer stärker um sich greifende Abmahnwesen eindämmen und faire und für Verbraucherinnen und Verbraucher nachvollziehbare Nutzungsbedingungen schaffen.

Man will also das Abmahnwesen eindämmen – lässt aber die eigenen Leute Gefahr laufen abgemahnt zu werden.

Im Koalitionsvertrag werden sogar explizit offene Lizenzen gefordert – was wohl eher den Grünen zu verdanken ist. Doch auch die SPD kennt sich eigentlich mit offenen Lizenzen aus. Die von der NRWSPD veröffentlichen Fotos beim Fotodienst Flickr stehen alle unter Creative Commons-Lizenzen und mit solchen Lizenzen wären Abmahnungen wie sie jetzt bei „NRW im Herzen“ drohen nicht möglich.

Es bleibt abzuwarten ob und wenn ja wie viele Abmahnungen es geben wird – und wann Parteien wie die SPD ihre eigenen Mitglieder vor so etwas schützen, in dem man Bilder mit solch gefährlichen Nutzungsbedingungen nicht mehr anbietet.

PS: Zur Sicherheit haben wir das Motiv der Hannelore Kraft-Bilder verfremdet – denn auch wenn urheberrechtlich aufgrund der Berichterstattung bei den Ruhrbaronen die Situationen eine andere sein sollte, will man ja nichts riskieren. Den Ärger hatten wir ja schließlich schon mal mit Sarah Wagenknecht bzw. ihrer Fotografin.

RuhrBarone-Logo

23 Kommentare zu “Warum Hannelore Kraft aus dem Internet gelöscht werden muss

  • #1
  • #2
    baranek

    Das ist alles eine reine Kostenfrage, sonst nix. Zeitlich unbegrenzte, alle Verwendungen erlaubende Lizenzen sind einfach sauteuer. Mit fehlender Kompetenz usw hat das nichts zu tun. Eure Schlussfolgerungen gehen daher fehl.

  • #3
    Berry

    was mich persönlich am meisten stört bei den „Politiker Facebook Seiten“ ist die einseitige info. Statt sich damit aus einander zu setzen was Wähler wünschen, ins Gespräch zu kommen, ist es reine Terminbekanntgabe.

    Von oben etwas runter zu rufen ohne zu zu hören.

    In Holland ist diese Vorgehensweise schon etwas länger „gang und gäbe“. Da habe ich mittlerweile (nahezu) alle FB Freunden wieder gelöscht.

    Der Begriff dazu lautet „roeptoeteren“ Übersetzt etwa „rufhupen“:

  • #4
    der, der auszog

    „Liebe Genossinnen und Genossen

    wir möchten Euch darauf hinweisen, dass am kommenden Montag (23. Juni 2012) die Nutzungsfrist für die im Wahlkampfprogramm gemachten Wahlversprechungen abläuft!

    Bitte entfernt diese bis dahin von Euren Webseiten und aus den sozialen Netzwerken und streicht sie am besten auch aus Euren Köpfen, speziell die Äusserungen zu einem modernen Urheberrecht, zur Eindämmung des Abmahnwahns und zu nachvollziehbaren Nutzungsbedingungen für Internetuser. Andernfalls droht eine Abmahnung.“

    … warum nicht gleich so?

  • #5
    Sebastian Dicke

    @baranek: Das trifft nicht zwangsläufig zu. Keiner zwingt die SPD Fotografen zu bezahlen. Als große Partei hat die SPD sicher genug geeignete Ehrenamtler, die bereit wären gegen Namensnennung unentgeltlich zu erstellen.

  • #6
    Manuel

    Hätten die den Rotz einfach unter der CC-Lizenz veröffentlich wäre alles okay gewesen aber nein… Netzkompetenz…

  • #7
    Eule

    @Manuel (#6):
    Dazu müsste die Partei selbst erst einmal die erforderlichen Rechte an dem Foto haben. Sofern sie dem Fotografen nur zeitlich begrenzte Nutzungsrechte abgekauft hat (weil billiger), hat sie da keine Kontrolle drüber.

    Das ist wie bei Passfotos: Sofern du die nicht in einem Automaten machen lässt, darfst du sie auch nicht einfach so frei nutzen und z.B. einscannen und dann verbreiten/veröffentlichen. (Deshalb ist es meist deutlich teurer, wenn man nicht nur die üblichen vier Abzüge sondern die Originaldatei haben will: Da sind dann die Nutzungsrechte z.B. für Online-Bewerbungen o.ä. mit drin.)

  • #8
    Jens

    @Dirk (2):
    Das ist alles eine reine Kostenfrage, sonst nix.
    Wo ein Wille, da ist auch ein Weg. Der ggf. auch kostenpflichtig ist, aber selbst das glaube ich nicht.

    @Manuel (6):
    Ja, CC wäre fein. Und das nutzt die SPD ja zum Teil auch schon, insofern ist das bei dem Hannelore Kraft-Bild wirklich unverständlich. Ich habe das daher nie verwendet und auch an der einen oder anderen Stelle darauf hingewirkt es lieber nicht zu nutzen.

  • #9
  • #10
    Nicole Simon

    Ich weiß daß unterstellen von fehlender Netzkompetenz und angeblicher Zensur hip ist, aber das sieht eindeutig nach zeitlich begrenzter Nutzungsrechten aus.

    (Was übrigens eines der Kernpfeiler des Urheberrechtes ist – alle Menschen die sich so über die angeblichen Buy out Verträge aufregen, wollen genau das: begrenzte Nutzungsrechte).

    Der eigentliche Teil den man vorwerfen kann, ist das jemand etwas freigibt für die Nutzung im Internet wohlwissend, daß nur zeitlich beschränkte Rechte existieren – es reicht nicht einfach nur auf das Datum hinzuweisen, in diesem Fall hätte man tatsächlich ein Nutzungsrecht erwerben sollen was zeitlich unbegrenzt gilt.

  • #11
  • #12
    Jonny Cool

    Die Geldgeilheit der Hannelore Kraft kennt keine Grenzen. Und diese Frau wird uns als herzliche Landesmutter verkauft. Wenn ich Berichte über Hannelore Kraft lese, beginne ich immer zu zweifeln: Lese ich das alles wirklich, oder ist es nur ein Wahn, der mir das eingibt?

  • #13
    Spider

    Ein weiterer Sargnagel für das Urheberrecht. Zeitlich begrenzte Lizenzen, bei Dingen, die veröffentlicht werden. Wer soll das denn verstehen.

    Es wird Zeit, das Urheberrecht grundsätzlich in Frage zu stellen. Bin sehr gespannt, was sich dann als sinnvoll und was als nicht sinnvoll herrausstellen würde.

    Urheber gibt es inzwischen genug. Man muss dies nicht mehr durch ein so starkes Förderungsinstrument (Urheberverwertungsrecht) fördern.

  • #14
    Jens

    Dieser Artikel strotzt von Unwissenheit, denn es bezog sich nur auf dieses eine Plakat zur Beginn der Kampagne. Hier wurde ein Bild aus dem Fundus genommen und war nicht explizit für den Wahl vorgesehen.

  • Pingback: Too much information - Papierkorb - Lesezeichen vom 24. Juni 2012

  • #16
    Jens

    @Nicole Simon (10):
    Ja, ich denke auch, dass es darauf hinausläuft – bzw. so klingt es ja auch schon im Text. Und „zurückblättern“ in den März geht Ende Juni eher gar nicht, sprich: wenn man was explizit für Internet und Soziale Netzwerke (am Rande gefragt: sind die nicht im Internet?) freigibt, muss die Nutzungsdauer unbeschränkt sein.

    @Johnny Cool (12):
    Thema verfehlt?

    @Spider (13):
    Och, das wäre auch schon mit dem jetzigen Urheberrecht vernünftig machbar.

    @Jens (14):
    Also ein Bild, was irgendwann im März veröffentlicht wurde, ist nicht für die Wahl bzw. den Wahlkampf vorgesehen, wenn es bis einen Monat + x nach der Wahl genutzt werden darf?

  • Pingback: Pottblog

  • #18
    Georg Kontekakis Beitragsautor

    Lieber Jens,
    wo steht denn, dass dieser Artikel ein anderes als das Auftaktplakat
    meint? Nur darum geht es – wäre ja noch schlimmer natürlich, wenn noch
    mehr potentielle Abmahnfallen seitens der NRWSPD im Netz herumgeistern
    würden.

    Ich vermute übrigens, dass die Ruhrbarone auch eifrig von
    SPD-Mitgliedern und -Mandatsträgern gelesen werden, denn das Bild ist
    jetzt schon auf weniger Seiten zu finden, der eine oder andere
    Landtagsabgeordnete hat es zwischenzeitlich von seiner Seite entfernt.

    Ansonsten stimme ich dem anderen Jens zu – wenn das Bild nicht „für
    den Wahl“ (kampf?) vorgesehen war, warum hat es dann eine so lange
    Nutzungsdauer? Dann hätte man ja sagen können: zwei Wochen dürft ihr
    es verwenden, dann bitte löschen. Nach zwei Wochen wäre das vielleicht
    sogar noch bei Facebook und Twitter möglich gewesen.

    Also bevor man hier mit Argumenten wie „Unwissen“ ablenken will,
    erstmal bitte nachdenken, danke!

  • #19
    Thomas

    Wer hält die Rechte an dem Bild? Ein Fotograf, eine Bildagentur, eine Werbeagentur? Ist es alt? Ist es neu? Was gab es für einen Grund, dieses Bild zu nehmen und nicht ein anderes, das eine breitere Nutzung zu lässt? Und was kostet der Fisch?
    Wer mahnt ab? Und in wessen Auftrag? Wer wurde abgemahnt? Danke für die Hintergrundinformationen!

  • #20
  • #21
    Dr.Topp

    Ooops SPD, Eigentor!

    Ich habe eine Kamera und komme nächstes Mal gerne zu Euch nach NRW um die Bilder, linzenzfrei und gratis, für Euch zu machen…

    Als Dienst der bayerischen Genossen in den Norden! 😉

  • Pingback: Aktuelles 29. Juni 2012

  • #23
    wilfried s. bienek

    Ob nun „NRW im Herzen“ oder SPD in einem anderen Körperteil – möge Frau Kraft sich doch selbst fotografieren. Irgendein Handy, das in China Arbeitsplätze geschaffen hat, wird sie wohl in der Tasche haben. Sie muss ja auf dem Foto nicht – besonders, wenn ihr nicht danach ist – lächeln. „Cheese!“ sagen und machen sind ja auch zwei unterschiedliche Dinge.

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