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11. Mai 1960: Der Mossad fasst Adolf Eichmann

Adolf Eichmann während seines Prozesses in Jerusalem; Foto: Israel Government Press Office / Public domain

Adolf Eichmann, der Logistiker des Holocausts, während seines Prozesses in Jerusalem (1961); Foto: Israel Government Press Office / Public domain

Am 11. Mai 1960 verschwindet Ricardo Klement in Buenos Aires spurlos.

Zwölf Tage später gibt David Ben-Gurion, der damalige israelische Ministerpräsident, vor der israelischen Knesset die Sensationsmeldung bekannt:

Der langjährig gesuchte Architekt des Holocausts, Adolf Eichmann, befindet sich in israelischer Haft. Trotz seiner Tarnidentität unter dem Namen Ricardo Klement wurde der Naziverbrecher erkannt.

Adolf Eichman wurde am 11. Mai 1960, durch ein spektakuläres Kommandounternehmen des israelischen Nachrichtendienstes Mossad, aus seinem zweiten Leben in Argentinien gerissen – und per Luftfracht nach Israel überstellt.

Die Beschaffung der Chruschtschow-Rede vom XX. Parteitag der KPdSU (1956) und die einer irakischen Mig-21  im Jahre 1966 haben das öffentliche Bild des israelischen Instituts für Aufklärung und besondere Aufgaben mit Sicherheit positiv geprägt.

Der „besondere“ Nimbus, der sich im Laufe der Jahre um den israelischen Auslandsgeheimdienst bildete, war aber ganz besonders ein Resultat der öffentlichkeitswirksamen Überführung Adolf Eichmanns an die Justiz

Bemerkenswert an dieser Unternehmung war auch deren Zielsetzung.

Es ging nicht nur um simple Rache, die einfacher zu bewerkstelligen gewesen wäre als ein risikoreicher Transport von Argentinien nach Israel:

Sondern um die  juristische Aufarbeitung und Dokumentation der Systematik des größten Verbrechens in der Menschheitsgeschichte.

Neben den Nürnberger Prozessen, ist der Eichmann-Prozess  bis heute wohl die am meisten beachtete gerichtliche Aufarbeitung der Shoa, gefolgt von den Frankfurter Auschwitzprozessen und den Majdanek-Prozessen.

Juristische Aufarbeitung der Shoa

Nach Nürnberg, wo die Hauptverantwortlichen des zweiten Weltkrieges und Völkermordes abgeurteilt wurden, gingen in der amerikanischen, britischen, sowjetischen und französischen Besatzungszone die Prozesse gegen Naziverbrecher weiter.

Nicht unbedingt gegen die Planer des Krieges und des Holocausts, sondern – vorwiegend – gegen ausführende Personen. Das Ende der Befehlskette.

Selbstverständlich kann man auch mit Nazis reden: Solange das Setting stimmt! Acht der Angeklagten in Nürnberg, vordere Reihe, v.l.n.r.: Hermann Göring, Rudolf Heß, Joachim von Ribbentrop, Wilhelm Keitel (dahinter, v.l.n.r.): Karl Dönitz, Erich Raeder, Baldur von Schirach, Fritz Sauckel; Foto: United States Government / Public domain

Selbstverständlich kann man auch mit Nazis reden: Solange das Setting stimmt! Acht der Angeklagten in Nürnberg, vordere Reihe, v.l.n.r.: Hermann Göring, Rudolf Heß, Joachim von Ribbentrop, Wilhelm Keitel (dahinter, v.l.n.r.): Karl Dönitz, Erich Raeder, Baldur von Schirach, Fritz Sauckel; Foto: United States Government / Public domain

Die juristische Verfolgung von Naziverbrechern wurde später, in der jungen Bundesrepublik, nicht gerade elanvoll weitervorangetrieben. Die Jagd auf Nazis war, in der Prioritätenliste Westdeutschlands, ganz weit unten angesiedelt.

In der Adenauer-Ära: Die Nazijagd hat keine Priorität

Die Komfortzone, die das Wirtschaftswunder ermöglichte, sollte nicht gestört werden.

Im Kampf gegen den Kommunismus griff man auf bewährte Fachleute zurück: Diese hatten ihren Job im Sicherheits- und Unterdrückungsapparat des NS-Regimes gelernt.

Auch in der Politik und Verwaltung gab es eine Kontinuität zur NS-Zeit.

Nazijägern, wie dem hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, wurden Steine bei seinen Ermittlungen in den Weg gelegt.

Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Frankfurt/Main; Foto: Fritz Bauer Institut / A. Mergen / Public domain

Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Frankfurt/Main; Foto: Fritz Bauer Institut / Public domain

Fritz Bauer ermittelte Anfang der 60er Jahre auch gegen den damaligen Staatssekretär im Kanzleramt, Hans Globke (CDU).

Holocaust in Griechenland: Ermittlungen gegen Hans Globke

Ein früherer Offizier der Wehrmacht hatte zuvor Hans Globke, als Mitverantwortlichen für den Holocaust in Griechenland, belastet. Dieser soll, auf eine Anfrage von Adolf Eichmann, die Rettung von 20.000 Juden in Thessaloniki verhindert haben.

Der ehemalige Verwaltungsoffizier der Heeresgruppe E in Saloniki Max Merten hatte Globke für den Holocaust in Griechenland mitverantwortlich gemacht. Diese Aussage führte zu den Ermittlungen Fritz Bauers.

Merten aber hatte, wie er sich genau erinnerte, mit höchstem Einsatz um das Leben seiner mazedonischen Juden gerungen. Nachdem der Sicherheitsdienst von Mertens Opposition gegen die Verfrachtung der thessalonischen Juden nach Auschwitz Kenntnis erhielt, zitierte Obersturmbannführer Adolf Eichmann den Wehrmachtsbeamten nach Berlin.

Dem Endlöser will Merten dann vorgetragen haben, daß es vernünftiger sei, möglichst viele Juden über See nach Palästina abzuschieben, statt die dringend benötigten Waggons für Reisen nach Auschwitz einzusetzen. Erzählt Merten, wie das „Hamburger Echo“ zu berichten wußte:

„Eichmann fragte mich ‚wieviel‘. Darauf ich: ‚Na, rund 10 000.‘ Eichmann: ‚Nehmen Sie 20 000, Hauptsache, wir sind die los.'“ Dann habe der offenbar doch nicht allmächtige Eichmann Rückendeckung beim Judenreferenten Dr. Hans Globke gesucht: „So hat sich Eichmann am Telephon in meiner Gegenwart gegenüber Globke für das Leben von 20 000 Juden stark gemacht. Umsonst.“

Merten, laut bislang unwidersprochenem „Echo“, weiter: „Eichmann machte den Eindruck eines eingesperrten Tigers. Immer wieder brüllte er: ‚Dieser Globke … Der Führer hat doch befohlen … Mehr traut der sich nicht zu sagen …'“ Daß am Ende die Rettung der 20 000 Juden mißlang, lag allerdings – ob Merten nun korrekt berichtet oder nicht – keinesfalls an dem heutigen Staatssekretär im Bundeskanzleramt: Eichmann hatte dem Max Merten erlaubt, die Juden auf eigene Faust abzuschieben.

Quelle: DER SPIEGEL vom 28.09.1960

1961 wurde das Ermittlungsverfahren gegen den Kanzleramtschef Hans Globke, nach der Intervention durch Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU), an die Staatsanwaltschaft Bonn übergeben. Diese stellte das Verfahren mangels hinreichenden Tatverdachtes ein.

Ein deutscher Nazijäger: Fritz Bauer

Im Film Der Staat gegen Fritz Bauer werden die Widerstände, mit denen Fritz Bauer (Der auch Ankläger bei den bereits oben erwähnten Auschwitzprozessen war.) zu kämpfen hatte, thematisiert.

Auch ein Thema des, auf Netflix zu findenden, Films: Die Jagd auf Adolf Eichmann.

Fritz Bauer, der dem deutschen Auslandsnachrichtendienst BND und der bundesdeutschen Justiz bei ihren Bemühungen Altnazis aufzuspüren und abzuurteilen nicht traute (Nicht zu Unrecht, da viele Mitarbeiter des RSHA später ihre Kenntnisse beim Aufbau des Bundesnachrichtendienstes nutzen!), wandte sich an den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad:

Nachdem er Hinweise erhalten hatte, dass Adolf Eichmann unter dem Namen Ricardo Klement in Argentinien leben würde.

Er entdecke den NS-Verbrecher: Lothar Herrmann

Lothar Herrmann, 1935 Foto: LiHermann / CC BY-SA

Lothar Herrmann, 1935 Foto: LiHermann / CC BY-SA

Hinweisgeber damals: Lothar Herrmann, ein deutscher Jude, der nach seiner Entlassung aus dem KZ Dachau im Jahre 1936 zuerst in die Niederlande und später nach Südamerika emigrierte.

In einem Kino lernte Hermanns Tochter Silvia zufälligerweise Eichmanns ältesten Sohn Klaus kennen.

Lothar Herrmann hatte den Verdacht, dass es sich beim Vater von Klaus um Adolf Eichmann handeln könnte. Er unternahm mehrere vergebliche Anläufe um diese Information weiterzugeben. Mit Fritz Bauer fand er schließlich einen Ansprechpartner, der sich dieses Verdachts annahm.

Mit seiner Tochter Silvia sammelte Lothar Herrmann weitere Hinweise, die bewiesen, dass es sich bei Ricardo Klement um den gesuchten Naziverbrecher handelte. Diese Informationen landeten bei Fritz Bauer in Frankfurt – und wurde an verantwortliche Stellen in Israel weitergeleitet.

1961 wurde Lothar Herrmann in Argentinien verhaftet und misshandelt. Seine Tochter verließ aus Angst vor Repressalien und Racheakten das Land und zog in die USA. Lothar Herrmann erhielt erst 1970 heimlich die, von der israelischen Regierung, ausgelobte Belohnung für die Hinweise de zur Ergreifung von Adolf Eichmann führen. Im Jahr 2012 wurde er von der jüdischen Gemeinde Buenos Aires geehrt.

Durch freigegebe Akten des BND wurde Anfang 2011 bekannt, dass der westdeutsche Auslandsnachrichtendienst – der BND, bzw. seine Vorgängerorganisation Organisation Gehlen – bereits im Jahre 1952 gesicherte Erkenntnis über den  Aufenthaltsort von Adolf Eichmanns hatte (Beide Augen zu – die Süddeutsche Zeitung über die Kenntnisse die der BND über Adolf Eichmann hatte!).

Architekt des Holocausts: Adolf Eichmann

Adolf Eichmann war kein Mitläufer: Als SS-Obersturmbannführer verfasste er die Redevorlagen für Reinhard Heydrich (Leiter des Reichssicherheitshauptamtes) für der Wannsee-Konferenz in Berlin.

Der Tagesordnungspunkt bei diesen Treffen:

Millionenfacher Mord an Europas Juden, die sogenannte  „Endlösung der Judenfrage“. Auf dieser Konferenz war Adolf Eichmann der Protokollführer.

Als Leiter des Eichmannsreferats (Auch „Judereferat“ genannt!) war Adolf Eichmann für die Planung zur Verfolgung, Vertreibung und Deportation von Juden zuständig. Er war damit mitverantwortlich für die Ermordung von mehr als sechs Millionen Menschen in Europa.

Nach der deutschen Kapitulation: Aus kurzer Kriegsgefangenschaft konnte Adolf Eichmann fliehen. Er wurde bei seiner Verhaftung nicht erkannt, da er sich mit falschen Papieren ausgestattet hatte.

Nach der Flucht tauchte Adolf Eichmann, mit einer anderen Identität, unter. 1950 flüchtete er, unter dem Namen Ricardo Klement, nach Argentinien. Seine Familie holte er später nach.

Während seiner Zeit in Argentinien gab Adolf Eichmann, der sich anscheinend sehr sicher fühlte, dem niederländischen Nationalsozialisten Willem Sassen mehrere Interviews. Wilhelm Sassen arbeite später als PR-Berater für Augusto Pinochet und Alfredo Stroessner. Die Tonbandaufnahmen dienten als Basis für die Doku Eichmanns Ende.

Dieses sichere Leben in Argentinien sollte bald enden: nachdem Lothar Herrmann seine Hinweise weitergab und Fritz Bauer den israelischen Geheimdienst auf den Plan rief.

Logistischer Architekt der Shoa: Adolf Eichmann; Foto: Public Domain

Logistischer Architekt der Shoa: Adolf Eichmann; Foto: Bayerische Staatsbibliothek / Public Domain

Das erste Team, dass dem Verdacht nachging, kam zu dem Schluss, dass es sich bei dem verdächtigen nicht um den gesuchten Nazi handeln könnte. Ricardo Clement lebte, für einen Nazi, in zu bescheidenen Verhältnissen.

Nach einem zweiten Anlauf von Fritz Bauer bei der israelischen Regierung, kam erneut Bewegung in die Angelegenheit. Erneut wurden Ermittlungen wurden in Argentinien durchgeführt. Wieder setzten sich israelische Aufklärer, mit dem Ziel Südamerika, in Bewegung.

11. Mai 1960: Entführung von Adolf Eichmann

Nach der Verifizierung, durch das israelische Kommando, dass es sich bei Ricardo Klement um den untergetauchten SS-Oberstumbannführer Adolf Eichmann handelte (Es gab ein Foto.), wurde seine Entführung nach Israel geplant: Zwischen Israel und Argentinien bestand zu dieser Zeit kein Auslieferungsabkommen.

Das siebenköpfige Team des Mossad (Mitglieder unter anderem Peter Malkin, Zvi Aharoni und Rafi Eitan.) schlug, am Morgen des 11. Mai 1960, in Buenos Aires zu.

Als Adolf Eichmann sich auf dem Heimweg von seiner Arbeitsstelle befand.

Im Morgengrauen wird der Nazi überwältigt, anhand von zwei bekannten Narben nochmals identifiziert und schließlich in einer konspirativen Wohnung gefangen gehalten.

Am 22. Mai 1960 wird Adolf Eichmann, unter klandestinen Bedingungen, mit einem Flugzeug der El Al nach Israel transportiert. (Video: Wir brachten Eichmann nach Jerusalem)

23. Mai 1960: Adolf Eichmann in israelischer Haft

Am 23. Mai 1960 wurde der Haftbefehl gegen Adolf Eichmann in Haifa/Israel vollstreckt.

Rechtliche Grundlage dazu war das in Israel am ersten August 1950 verabschiedete Gesetz zur Bestrafung von Nazis und Nazihelfern, ein Instrument des israelischen Strafgesetzes um NS-Verbrechen zu ahnden.

David Ben-Gurion, Israels Ministerpräsident, verkündete vor der israelischen Knesset, dass sich Adolf Eichmann in israelischer Haft befände.

Operation Finale

Die Jagd auf Adolf Eichmann, die unter dem Namen „Operation Finale“ lief, wurde unter dem gleichen Titel verfilmt (Auf Netflix zu sehen!).

Rafi Eitan (Der an 23. März 2019 im Alter von 92 Jahren starb.) plante für den Mossad die Entführung von Adolf Eichmann und bezeichnete den Film später als „teilweise realistisch“.

Die gleichnamige Ausstellung, in der die Jagd auf Eichmann dokumentiert wird, ist aktuell im Holocaust Memorial Center in Farmington Hills (Michigan, USA) zu besuchen.

Jerusalem, 1961: Verlängerung des Haftbefehls gegen Adolf Eichmann, den ehemaligen Leiter des "Judenreferats" beim RSHA; Foto: Israeli GPO photographer / Public domain

Jerusalem, 1961: Verlängerung des Haftbefehls gegen Adolf Eichmann, den ehemaligen Leiter des „Judenreferats“ beim RSHA; Foto: Israeli GPO photographer / Public domain

Diplomatische Verwicklungen zwischen Israel und Argentinien, wegen Verletzung der Souveränität des südamerikanischen Landes, wurden im August 1960 – nach diplomatischen Gesprächen zwischen beiden Staaten – als „erledigt“ erklärt.

Der Prozess gegen Adolf Eichmann

Nach Ermittlungen und der Vernehmung von Zeugen, wurde am 11. April 1961 das Hauptverfahren gegen Adolf Eichmann eröffnet.

Über 100 Zeugen wurden gehört. Das polizeiliche Vernehmungsprotokoll umfasste mehr als 3000 Seiten. Weitere 1600 Dokumente, die nach Kriegsende aus dem deutschen Außenministerium geborgen wurden und bereits bei den Kriegsverbrecherprozessen in Nürnberg ihre Verwendung fanden, wurden im Prozess genutzt.

Das Verfahren ende nach 121 Verhandlungstagen. Die Verlesung des Urteils dauerte vom 11. Dezember 1961 bis zum 15. Dezember 1961. Am 15. Dezember wurde das Mastermind des Holocaust zum Tode verurteilt.

Im weit entfernten Bonn atmete man vermutlich auch erleichtert auf: Der Name Globke wurde im Prozess nicht genannt.

Nach erfolglosen Anträgen auf Revisionsprozessen und mehreren abgelehnten Gnadengesuchen wurde Adolf Eichmann am 1. Juni 1962 gehängt.

Sein Leichnam wurde verbrannt und außerhalb der israelischen Hoheitsgewässer im Mittelmeer verstreut.

Juristische Aufarbeitung ist wichtiger als reine Rache

Was der Staat Israel bei diesem Procedere (Überführung nach Israel – Prozess) bewiesen hat:

Rechtsstaatlichkeit ist ein hohes Gut.

Juristische Aufarbeitung von Menschheitsverbrechen ist wichtig. Anstatt den Planer des Massenmordes in Argentinien unter die Erde zu bringen – eine Möglichkeit die bestand – wurde der normale Rechtsweg und Dokumentation bevorzugt. Die, für das ausführende Team und die Regierung in Israel, risikoreichere Option: Die Chancen auf eine Entdeckung und Verhaftung waren wesentlich höher als bei der Option „Rache ohne Prozess“.

Die zweite Botschaft, die Israel damit aussandte, war auch klar:

Für nationalsozialistische und antisemitisch motivierte Mörder gibt es kein sicheres Rückzugsgebiet. Nirgendwo.

Kein Vergeben. Kein Vergessen.

Die israelische Gedenk- und Forschungsstätte Yad Vashem hat im Jahre 2011 Filmmaterial, das den Eichmann-Prozess dokumentiert, auf YouTube veröffentlicht.

Diese Veröffentlichung ist mehr als nur eine historische Dokumentation.

Sie ist eine Warnung an antisemitisch motivierte Mörder:

Niemand von ihnen ist sicher!

Und sie ist ein klarer Beweis:

Der Rechtsstaat in Israel funktioniert.

Selbst für die unmenschlichsten Massenmörder.

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10 Kommentare zu “11. Mai 1960: Der Mossad fasst Adolf Eichmann

  • #1
    MARTIN MAHADEVAN

    Ergänzung : Dr. Hans Globke, 14 Jahre lang rechte Hand vom ach so verehrten Adenauer, war auch der Erfinder der jüdischen Zwangsvornahmen " ISRAEL"
    und SARAH".
    Weitere Ergänzung : Die Flucht Eichmanns und hunderter anderer NS-Kriegsverbrecher wurde
    zumindest teilweise von der katholischen Kirche
    organisiert und finanziert. Der Bischof der
    "deutschen Kirche" in Rom, Alois Hudal, war begeisterter NS-Anhänger und veranstaltete Feiern
    für SS-Angehörige.
    Noch eine Ergänzung : Mir unverständlich die weitere relative Tatenlosigkeit des MOSSAD. Was
    war z. B. mit Walter Rauff, "Erfinder" der Gaswagen,
    der offen in Chile lebte und für den BND
    arbeitete, genau wie Klaus Barbie in Bolivien ?

  • #2
    Walter Stach

    Fritz Bauer…….
    freut mich, daß er im Beitrag besondere Erwähnung findet -mit Bild-.

    Fritz Bauer ist für mich als Sozialdemokrat nicht nur eine der herausragendsten sozialdemokratischen Persönlichkeiten der sog. Nachkriegszeit, sondern m.E. ein Vorbild für alle jungen Menschen, wenn es darum geht,, sich engagier/, couragiert gegen alldiejenigen zu positionieren, die auch heute noch nicht nur dem Hitler-Nazi-Regime und seinen Akteuren Positives abgewinnen, die dieses verbrecherisches Regime relativieren , sondern die zudem dabei sind, die nationalsozialistische/faschistische Ideologie wieder gesellschaftsfähig zu machen.

    Im übrigen kann man anhand seiner Arbeit als Generalstaatsanwalt in Sachen Eichmann und Holocaust-Prozess(e) hervorragend und für viele heutzutage undenkbar aufzeigen, in welchem Maße ab 1945 bis in die 196oer Jahre -und darüber hinaus (?) – seinerzeit ehemalige Nazis "an den Schalthebeln" der politischen Macht saßen , und zwar im Bund, in den Ländern und nicht zuletzt in vielen Kommunen.

    Danke an Peter Ansmann für seinen Beitrag in Gänze.

  • #3
    Peter Ansmann Beitragsautor

    Martin Mahadevan:

    Das Thema Globke – oder allgemein "Nazikontinuität in der BRD" ist sicherlich wichtig – und extrem umfangreich. Alleine ein "kleiner Einblick" der die Standardwerke von Bernt Engelmann (Der diese Thematik ausführlich behandelt hat, würde jeden Beitrag vom Umfang sprengen. Die andere von Dir genannten Themen: Ja, spannend.

    Diese ursprüngliche Beitrag war, da ich mich mit dem Thema früher ausführlich befasst habe, relativ schnell unterschrieben. Wesentlich kürzer, die Hintergründe zu Fritz Bauer und seine Ermittlungen im Globke-Komplex (Da dieser ja das Eichmann-Thema tangiert.) waren mir dann aber doch wichtig – um auch die Einmischungen der Bundesregierung in den Prozess zu verstehen (https://www.sueddeutsche.de/politik/holocaust-prozess-adenauer-in-panik-1.1078235).

    Eine Beleuchtung der Rattenlinie und andere Nazis (Du hast Walter Rauff und Klaus Barbie erwähnt.
    Es gab da ja noch mehr. ) hätte schlichtweg den Artikel größenmäßig gesprengt und das eigentliche Thema – Eichmann geschnappt – wäre untergegangen.

    BTW: Vor wenigen Wochen wurde eine interessante Liste gefunden, in der die Verstrickungen von Nazis und Argentinien dokumentiert sind – https://www.sueddeutsche.de/politik/nazis-argentinien-hitler-1.4831432 – mal sehen, was in dieser Sache in Zukunft noch ausgegraben wird.

  • #4
  • #5
    MARTIN MAHADEVAN

    @ Peter Ansmann
    Ich habe wirklich nicht behauptet, dass meine Ergänzungen für den Artikel unentbehrlich wären. Das waren eben Ergänzungen, die mir spontan eingefallen sind. Allerdings wird die absolut skandalöse Rolle der katholischen Kirche in Zusammenhang
    mit der "Rattenlinie" oft unerwähnt gelassen. Mir ist auch keine Stellungnahme der KK dazu bekannt.
    Genauso unfassbar ist auch die großzügige
    Finanzierung vieler Kriegsverbrecher durch ihre
    alten Kameraden im BND. Das macht einen
    fassungslos.

  • #6
    Peter Ansmann Beitragsautor

    @MARTIN MAHADEVAN

    Alles gut: Ich finde diese Ergänzungen selbst wichtig. Am 23. Mai 2020 ist ja nicht nur Gründungstag und es jährt sich die Inkraftsetzung des Grundgesetztes – sondern auch 60. Jahrestag der Meldung von David Ben-Gurion "Wir haben ihn."

    Eine gute Gelegenheit die Seilschaften von Altnazis ("Odessa" – diese Nazi-Organisation hat ja auch aktiv Fritz Bauer bedroht!) und die Kontinuität zum Sicherheitsapparat des Dritten Reiches zu beleuchten.

    Was die Katholische Kirche betrifft: Ja, da gab es Unterstützung. Vor wenigen Wochen, es ging wegen Corona in den Medien unter, hat der Vatikan seine Archive geöffnet. Man darf gespannt sein, was da ausgegraben wird.

    https://www.dw.com/de/papst-vatikan-nazis/a-52450811

    "Es kann herauskommen, dass der Papst von der konkreten Hilfe nichts wusste und dass einige Menschen dies schonungslos ausgenutzt haben. Oder Pius wusste alles und drückte die Augen zu", nennt Kirchenhistoriker Wolf die zwei Möglichkeiten, die seine Recherche in den Archiven ergeben könnte, die alles entscheidende Frage sei daher: "Wurde der Papst also manipuliert oder wusste er wirklich von solchen Leuten wie Mengele? Das wäre dann aber tatsächlich eine ganz neue Dimension!"

  • #7
    Walter Stach

    Peter Ansmann -4-,
    danke für Ihre Verweisung auf den Beitrag in der jüdischen Allgemeinen. Was dort konkret über Fritz Bauer im Zusammenhang mit Eichmann geschrieben wird, ist zwar nicht neu, aber für mich umso erfreulicher, daß "die Daten/Fakten" wieder einmal relativ detailliert dargelegt werden. In der jüdischen Allgemeinen . Und wo am heutigen Tagen sonst noch ? Ja, hier durch Sie bei den Ruhrbaronen; im übrigen……???

  • #8
    Peter Ansmann Beitragsautor

    @Walter Stach:

    In der WELT habe ich heute Morgen einen Artikel gelesen: https://www.welt.de/kultur/article7576549/Als-Israelis-den-Nazi-Adolf-Eichmann-entfuehrten.html

    Auf Tagesschau.de war am späten Nachmittag auch was online (Inklusive einer Audiodatei.):

    https://www.tagesschau.de/ausland/eichmann-entfuehrung-101.html

  • #9
    thomas weigle

    Die Dortmunder Firma Hoesch beschäftigte ab den späten 50ern Herrn W.Ganzenmüller als Fachmann für Transportfragen. Das Wissen um Transporte auf der Schiene hatte ihn zuvor zum gefragten "Geschäftspartner" Eichmanns gemacht. Auch der SS-Grande Wolff war über Ganzenmüllers Hilfe beim Abtransport des "auserwählten Volkes", wie er die Mordopfer zynisch bezeichnete, durchaus dankbar, wie wir aus einem Brief von ihm an Ganzenmüller wissen. Ganzenmüller konnte übrigens um 47 ziemlich ungehindert in das argentinische Naziparadis übersiedeln, wo er als Fachmann für die arg. Eisenbahnen bis 55 tätig war.
    Die Deportationszüge wurden übrigens bei der DR auch als, kein Witz, "Gesellschaftssonderzüge" geführt und entsprechend verbilligt der SS in Rechnung gestellt.
    G. warder einzige Reichsbahner, der in der BRD angeklagt wurde-1971.Nach einem Herzinfarkt wurde er dann 73 für dauernd verhandlungsunfähig erklärt und lebte unbehelligt bis 1996.
    Die Wochenzeitschrift "Jüdische Allgemeine" kann ich übrigens nur empfehlen, ich habe sie seit November im Abo.

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