
Bei Borussia Dortmund lässt sich die verfehlte Personalpolitik der vergangenen Jahre inzwischen kaum noch kaschieren. Der kommende Sommer droht zu einer Art Sammelstelle für Fehlentscheidungen zu werden. Mehrere Spieler verlassen den Klub ablösefrei – und hinterlassen dabei vor allem eines: ein finanzielles Loch.
Millionenverluste sind programmiert. Nicht nur, weil mögliche Ablösesummen ausbleiben. Sondern auch, weil einige dieser Profis über Jahre hinweg Gehälter kassierten, die im Rückblick nur schwer zu rechtfertigen sind. Während der Kader sportlich immer dünner an wirklichen Unterschiedsspielern wird, muss der Klub gleichzeitig versuchen, ohne entsprechende Einnahmen eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzustellen.
Der einstige Ruf als Sprungbrett für Weltstars wirkt inzwischen wie eine ferne Erinnerung.
Vom Talentschmiede-Mythos zum Mittelmaß
Es gab einmal Zeiten, da blickten internationale Topklubs mit einer Mischung aus Respekt und Nervosität auf den BVB. Spieler wie Jadon Sancho, Erling Haaland, Pierre-Emerick Aubameyang oder Robert Lewandowski sorgten dafür, dass Dortmund weltweit als Bühne für kommende Superstars galt.
Heute wirkt dieses Narrativ erstaunlich verblasst. Statt Spieler zu verpflichten, deren Marktwert sich explosionsartig entwickelt, häufen sich Transfers, die sportlich stagnieren und finanziell kaum Mehrwert erzeugen. Der BVB scheint seinen einstigen Instinkt für außergewöhnliche Qualität verloren zu haben.
Die Folge: Ein Kader, der immer weniger Strahlkraft besitzt und international kaum noch neidvolle Blicke hervorruft.
Süle und Özcan: Symbolfiguren einer missglückten Planung
Besonders deutlich zeigt sich das Problem an zwei Personalien, deren Abschied nun offiziell ist. Innenverteidiger Niklas Süle und Mittelfeldspieler Salih Özcan werden den Verein im Sommer verlassen.
Süle kam 2022 ablösefrei vom FC Bayern München nach Dortmund – damals als vermeintlicher Abwehrchef und Königstransfer gefeiert. Vier Jahre später fällt die Bilanz ernüchternd aus. Zwar sammelte der Verteidiger über hundert Pflichtspieleinsätze, doch die Rolle als stabilisierender Abwehranker erfüllte er nie. Für einen der Topverdiener im Kader ist das schlicht zu wenig.
Auch Özcan, der damals vom 1. FC Köln verpflichtet wurde, blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Statt dem Mittelfeld Struktur zu geben, verschwand er oft im taktischen Nebel der Dortmunder Spielanlage.
Am Ende steht nun ein doppelter Abschied – ohne Ablöse, ohne sportliche Bilanz, aber mit dem bitteren Nachgeschmack eines kostspieligen Missverständnisses.
Ein Umbruch ohne klare Richtung
Der personelle Aderlass beschränkt sich nicht nur auf diese beiden Namen. Auch Nationalspieler Julian Brandt wird den Klub verlassen, während hinter der Zukunft von Nico Schlotterbeck weiterhin ein großes Fragezeichen steht.
Damit droht ein Umbruch, der weniger nach strategischer Neuausrichtung aussieht als nach Schadensbegrenzung. Der Verein muss nun gleichzeitig Gehaltsstrukturen korrigieren, sportliche Qualität ersetzen und wieder Transfererlöse generieren – eine Herkulesaufgabe für die Verantwortlichen um Lars Ricken.
Die zentrale Frage lautet daher: Hat Dortmund überhaupt noch einen klaren Plan?
Denn während andere europäische Spitzenklubs ihre Kader langfristig und datengetrieben aufbauen, wirkt die Transferpolitik des BVB in den vergangenen Jahren erstaunlich reaktiv. Verpflichtungen wurden häufig als Gelegenheitskäufe präsentiert, selten als Bausteine einer langfristigen Strategie.
Der kommende Sommer könnte deshalb zum Moment der Wahrheit werden. Schafft es der Klub, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen? Oder wird die Liste der teuren Irrtümer einfach nur um neue Kapitel verlängert?
Fest steht: Der Mythos vom clever wirtschaftenden BVB bekommt gerade tiefe Risse. Und irgendwann wird es nicht mehr reichen, sich auf alte Erfolgsgeschichten zu berufen.
