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#Adventskalender #7

Dunklen Horrorjazz spielen Bohren & der Club of Gore

Dunklen Horrorjazz spielen Bohren & der Club of Gore

Advent, Advent! Quasi als kleinen Adventskalender stellen wir jetzt bis zum heiligen Abend jeden Tag eine Band aus dem Ruhrgebiet vor.

Törchen 7: Bohren & der Club Of Gore, das ist wie maximale Langsamkeit um Mitternacht. Denn die Band Bohren & der Club of Gore macht sehr intensive und schwer einzuordnende Musik. Sie spielen eine Art düsteren Zeitlupen-Jazz mit der Haltung einer Doom-Metal Band. Ihre misstrauische, als auch sture, aber stets von leisem Humor durchtränkte und geerdete Attitüde lässt die Band in einem einzigartigen Glanz erscheinen. „Wir wollten sperrig sein, und sind sperrig“, sagt Saxophonist Christoph Clöser über das Selbstverständnis der Band mit dem Heimathafen Mülheim an der Ruhr.

Clöser ergänzt: „Unsere Musik ist nicht Minimalismus im Sinne eines Steve Reich oder Philipp Glass. Wir brauchen wenige Töne, sind langsam und reduziert, aber in unserer Musik gibt es Melodien, Strophen, Refrains und nicht nur rhythmische oder tonale Muster, die wiederholt werden und unmerklich ihre Textur verändern.“ Konzerte spielt die Band mit großer Freude, was Organist Morten Gass bestätigt: „Eigentlich touren wir immer noch ganz gerne und ich möchte mich mal an dieser Stelle bei allen Konzert-Veranstaltern bedanken, die uns immer so nett behandeln – auch wenn wir manchmal etwas seltsam sind.“

Die Band, deren Musik schon mal als imaginärer Film-Soundtrack eingeordnet wird, steht selber auf alte Folgen von „Der Kommissar“ mit Erik Ode in der Hauptrolle oder sogar auf Komödien wie „Der Partyschreck“ mit Peter Sellers. Neben Clöser und Gass komplettiert Robin Rodenberg am Bass das Trio. Schlagzeuger Thorsten Benning ist vor ein paar Jahren ausgestiegen, seitdem teilen sich die drei die Drumparts mit selbstgebauten Pedals auf. „Ist nicht ganz einfach, aber wir kriegen das hin“, bestätigt Morten.

Jedes Album der Mülheimer hatte in Vergangenheit immer eine Art unsichtbaren Schutzpatron. War es bei „Black Earth“ Celtic Frost und bei „Dolores“ Sigur Ros, so ist das Quartett mit „Piano Nights“ in der spirituellen Nähe von Tangerine Dream angekommen. Mit diesem Werk ist ein pathologisches Phantasialand in Superzeitlupe gelungen – versehen mit viel Tiefe und leisem Humor. Der Song „Segeln ohne Wind“ sollte die offizielle Nationalhymne für das Ruhrgebiet werden: es gibt hier keine rosigen Zukunftsperspektiven, aber die Inszenierungstricks sind Weltklasse.

Übrigens: Die lakonischen Düsterjazzer spielen an Rosenmontag (4. März) in der Bochumer Christuskirche. Wie immer die ist die Bühne dann komplett verdunkelt, dann wirkt ihr Sound noch gespenstischer.

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