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Alltagssplitter (14): Popolismus – oder so

Nicht auszudenken
Stell dir vor, es ist Krieg
und… keinen geht’s an.

Am letzten Freitag in GE-Buer
Dass die Werbung aller Parteien heruntergekommen ist, weiß jeder. Aber gelegentlich erschreckt sie einen doch, wenn man ihr in der Nachbarschaft begegnet. Auf der Hochstraße in Buer hat die SPD eine Bühne, Holzbänke und -Tische aufgebaut. Joachim Poß wird kommen, Gabriel auch. Jetzt aber stehen da nur Uniformierte und – auffällig-unauffällig – Bodyguards/Beamte in Zivil herum. Man weiß ja nie. Ein paar versprengte Bürger sitzen gottverlassen auf den Bänken, trinken SPD-Kaffee und werden von Gaffern bestaunt. Allwetterzoo. Parteisoldaten basteln emsig an einem Gartenzelt, ein Partymusiker orgelt Schlager von der Bühne und blökt dazu. Ich gehe vorbei, um vergessene Brötchen nachzukaufen. Danach ein kleiner Plausch mit dem Mann von der Obdachlosenzeitung fiftyfifty. Da kommt eine SPD-Dame (Typ hübschere Nahles-Ausgabe), auf uns zu und fragt allein mich:
„Darf ich Sie zu einem Kaffee einladen.“
Ich, ungewohnt schroff (der Partyfritze nervt bis hierher): „Nein, auf keinen Fall (Obwohl ich aus einem sozialdemokratischen Elternhaus komme). Wie populistisch die SPD geworden ist, sieht man leider direkt vor uns. Hören Sie das? Der sogenannte Musiker da gröhlt dieses Soft-Stalker-Lied ‚Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen‘. Ist das etwa Teil des sozialdemokratischen Programms?“
Die Dame (ohne den fiftyfifty-Mann auch nur eines Blickes zu würdigen): „Was der da singt, dafür sind wir nicht verantwortlich.“
Ich: „Das isses ja eben. Der singt auf Ihrer Bühne Schwachsinn und Sie geht’s nichts an oder tun so als wär’s Unterhaltung.“
Jetzt hat die Dame plötzlich einen Bekannten entdeckt, wendet sich grußlos ab und diesem mit erfreutem Hallo zu.
So viel zum Stand der Wahlwerbung ‚vor Ort‘. Gelegentliche Versuche, mit den Wahlwerbern an Ständen anderer Parteien kritisch zu diskutieren, scheiterten schon früher alle auf ähnliche Weise.
Sie hätten gerne meine Stimme, aber wenn sie sie hören, verstehen sie kein Wort.

Posse
Man möchte dem alten SJD-Falken Poß zurufen:
„Nicht vergessen: Unter dem Strand, da liegt das Pflaster.“
(Unter all dem Sand die Steine.)

Ende gut, gar nichts gut

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. (Kästner)
Es ist nichts gut so, außer man tut so. (Uli Becker)
Et gippt nix Gutet, außer man tutet. (Mein Slogan für eine Schalmeien-Kapelle)

Warum ich heute nicht wählen gehe
a) Warum die legitimieren, die in einem überschuldeten Staat, der den Banken & Co. gehört, die öffentlichen Geschäfte so führen, dass sie Demokratie, Bildung, Kultur – und die Menschen gleich mit – Schritt für Schritt abwickeln?
b) Weil ich Briefwahl bevorzuge und es vermeide, wie ein unmündiger Schüler in heruntergekommenen Klassenräumen Kreuzchen zu kritzeln.
c) Und dann dieses Schei…-Argument, dass der, der nicht wählen gehe, auf die Gestaltung der Rest-Demokratie verzichte.
Als ob es nicht andere Formen gäbe, die Verweser der asozialen Marktwirtschaft zu verstören.

Völlegefühl
Die Reichen haben den Hunger
der Armen
aber so was von satt.

Weinerlicher Partei-Vordenker
Hat leider immer zu spät bemerkt,
dass er
seiner Zeit voraus war.

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5 Kommentare zu “Alltagssplitter (14): Popolismus – oder so

  • #1
  • #2
    mds

    Was für ein schlecht gelaunter Meckerkopp. Diese ‚ich find alles Scheisse-Typen‘ habe ich aber sowas von satt…

  • #3
    Gerd Herholz

    # 2 Wieso schlecht gelaunt M(eckerkopp)DS?
    Ich halte es mit: ‚Im Theoretischen Pessimist, im Praktischen Optimist.‘
    Haben Sie auch Argumente?

  • #4
    Olaf Mertens

    Naja – die Krönung der Kunst Argumente vorzubringen ist „Ich gehe nicht wählen, weil ich Briefwahl bevorzuge und es vermeide, wie ein unmündiger Schüler in heruntergekommenen Klassenräumen Kreuzchen zu kritzeln.“ nun auch nicht gerade 😉 – mal davon ab, dass es in vorliegendem Falle auch eher „Ich bevorzuge Briefnichtwahl“ heißen müsste… Wo wählten wir denn besser? Villa Hügel? Palais Schaumburg?

  • #5
    Gerd Herholz

    #4 Wo habe ich geschrieben, dass ich nicht nicht gewählt hätte? Ich bin AM SONNTAG nicht wählen GEGANGEN, weil ich Briefwahl … siehe Beitrag oben.
    Nichtwählen ist für mich nur eine wirkliche Alternative (in Zusammenhang mit anderen Formen politischer Meinungsäußerung, siehe Beitrag oben);diesmal bin ich dann vorbeigeschrammt.
    Und die heruntergekommenen Klassenräume sind natürlich auch das Ergebnis einer Finanz- und Bildungspolitik, die das Geld lieber in Bankenrettungsschirme steckt als in Menschenrettungsschirme.

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